Bienen als Seismograph einer unfruchtbaren Agrarpolitik
Bienensterben ist nicht nur eine Folge der Varroa-Milbe. Die Milbe trifft auf eine durch industrielle Agrarproduktion geschwächte Biene. Das durch Nervengifte (Neonicotinoide als Saatgutbeize) verursachte Bienenstreben im Rheintal war die Spitze eines Eisberges. Verschiedene derart hochgiftige Wirkstoffe werden regelmäßig als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Geringe Mengen all dieser Stoffe bilden einen Cocktail, dem unsere Bienen ständig ausgesetzt sind.
Die Bienen sind Seismograph dafür, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen. Mit der zunehmend intensiven Landnutzung werden die Nahrungsgrundlagen aller Blütenbesucher immer einseitiger und die Hungerphasen länger. Die Landwirte stehen unter einem enormen ökonomischen Druck, der nachhaltige Formen bäuerlicher, regional angepasster Landwirtschaft immer mehr erschwert.
Als Bienenfreunde liegt es uns deshalb sehr am Herzen, Ihre Aufmerksamkeit auf die Ergebnisse des Weltagrarrates der UNO zu lenken. Sie zeigen sehr konkret, dass die Zukunft der Menschheit - nicht nur die der Bienen - davon abhängt, ob wir die Fruchtbarkeit unserer Böden, Pflanzen und Tiere erhalten oder kurzfristigen Interessen opfern. Ähnlich dem Weltklimarat haben im Weltagrarrat über 500 Wissenschaftler, Vertreter von Regierungen, NGOs und Verbänden mehr als vier Jahre untersucht, wie die wachsende Menschheit ernährt werden kann. Die einzige Option dafür ist eine ökologisch orientierte Landwirtschaft mit regionalen Produktionsmethoden, möglichst frei von Kunstdünger, Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren.
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat eine hervorragende Zusammenfassung der Ergebnisse herausgegeben. Wege aus der Hungerkrise umfasst 40 farbige Seiten mit wesentlichen, zum Teil erschütternden Daten, übersichtlichen Grafiken und Zusammenfassungen zu verschiedenen Bereichen. pdf herunterladen
Auch eine empfehlenswerte Lektüre ist die vom Bundesamt für Naturschutz und vielen Verbänden herausgegebene Schrift Für eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik. In ihr geht es speziell für Europa um eine am Gemeinwohl orientierte Agrarpolitik in globalisierten Zeiten. pdf herunterladen
Beide Publikationen können Sie auch bei Mellifera e.V. bestellen
27.07.2010
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