Die Mellifera Einraumbeute

 Schwarmzeit

Wann und wo muss das Volk erweitert werden? Wie vermehrt man seine Völker auf der Grundlage des Schwarmtriebs?

Erweitern im Frühjahr

Sobald Sie das Volk das erste Mal im April öffnen, sollten Sie die verbliebenen Futterkränze aufreißen, damit das Futter umgetragen wird. Das verhindert, dass sich das Brutnest “zigarrenförmig” über die ganze Beute erstreckt. (Die alten Futterkränze verhindern häufig, dass die Waben voll bebrütet werden.)

Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Erweiterung:

  1. Wir geben leere Rähmchen zum Ausbauen und Bebrüten am Rand des Brutnest – und zwar auf der Beutenwand-Seite.
  2. Wir fügen auf der anderen Seite vom Brutnest ausgebaute (ausgeschleuderte) Waben ein. Solange Sie noch keine ausgebauten Naturwaben haben, können Sie dort mit Mittelwänden erweitern.

Erweiterung mit Leerrähmchen

Die erste Erweiterung im Frühjahr erfolgt mit einem Leerähmchen. Auf der Seite der Beutenwand reicht das Brutnest nicht bis an den Rand. Es gibt dort eine oder mehrere Waben mit Pollen und Vorräten. Das erste Leerrähmchen stecken Sie nicht direkt an den Brutnestrand, sondern eine Gasse weiter nach außen. Zwischen dem Rand des Brutnests und dem Leerähmchen ist also eine Vorratswabe. Erst wenn in dem neu ergänzten Rähmchen gebaut wird (und in der verbliebenen Vorratswabe schon gebrütet wird), lohnt es sich, dort auf der Brutnest abgewandten Seite mit einer oder zwei weiteren leeren Rähmchen zu erweitern. Erfahrungsgemäß (je nach Volksstärke und Brutumfang der Auswinterung, Witterungs- und Trachtverlauf) bauen die Völker drei bis fünf Rähmchen am Brutnest aus – zuerst Drohnenbau, dann Arbeiterinnenbau. Zwischen den Drohnenwaben kann ein klein wenig mehr Abstand gelassen werden, weil die Drohnenbrut mehr Platz braucht.

Tipp: In dem Moment, wenn der Wechsel zu Arbeiterinnenbau geschieht, ist sicher, dass das Volk nicht mehr in Schwarmstimmung kommt. Der Umfang der später gebauten Arbeiterinnenzellen hängt maßgeblich davon ab, ob es eine Sommertracht gibt.

Erweiterung mit ausgebauten Waben

Da die Volksentwicklung nicht linear verläuft, ist der Zeitpunkt abzupassen, an dem stärker erweitert werden muss. Spätestens beim Einsetzen der Frühtracht wird viel Platz gebraucht. Der Honig wird auf den äußeren Waben fluglochfern abgelagert. Es wird mit leeren, ausgebauten Waben (bzw. Mittelwänden, solange man noch keine ausgebauten Waben hat) am Rand zwischen Waben und Trennschied erweitert. Es ist kein Problem, wenn am Anfang noch ein oder zwei Vorratswaben von der Überwinterung zwischen Brutnest und Trennschied sind. Sie können dort belassen werden. Es wird dann hinter den Vorratswaben erweitert. Die Bienen zehren die Vorräte auf, und das Brutnest wächst in diesen Bereich hinein. Weitere Leerwaben werden nach Bedarf gegeben. Für Umfang und Zeitpunkt entwickeln Sie im Laufe der Zeit ein Gefühl. Leerwaben werden normalerweise nicht direkt am Brutnest eingehängt. Belassen Sie ein bis zwei gefüllte Waben zwischen dem Brutnest und dem Ort, wo Sie erweitern. Verdeckelte volle Waben können nach außen umgehängt werden. Das Trennschied bildet den Abschluss, so lange bis die Beute ganz mit Waben gefüllt ist.


Imkern mit dem Schwarmtrieb

Die Einraumbeute ist zum Imkern auf der Grundlage des Schwarmtriebs entwickelt worden. Maßnahmen zur Schwarmverhinderung diskutieren wir an dieser Stelle daher nicht.

Um festzustellen, wann das Volk in den Schwarmtrieb kommt, ist es ratsam, das Brutnest mindestens alle neun Tage auf bestiftete Weiselzellen zu kontrollieren. Ziehen Sie zu diesem Zweck Waben, angefangen von der Seite, wo Sie neue Leerrähmchen erweitert haben. Die Weiselzellen werden nach unten weisend an den Wabenkanten (unten, an den Seiten wo noch nicht angebaut wurde, und bei Störungen im Wabenwerk) gebaut und können leicht übersehen werden, weil zum Zeitpunkt der Durchsicht viele Bienen auf den Waben sitzen.

Mit etwas Erfahrung können Sie sich anfangs die Durchsicht der Brutnestwaben ersparen, wenn Sie auf folgende Zeichen achten: Der Ausbau der Leerähmchen stockt, obwohl es Tracht gibt, die Waben werden nicht mehr herzförmig gebaut, sondern enden wellenförmig.

Wenn das Volk im Schwarmtrieb ist, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Das Volk frei abschwärmen lassen. Die älteste Weiselzelle ermöglicht den frühesten Schwarmtermin zu ermitteln (Verdeckelung der ersten Weiselzelle, neun Tage nach Bestiftung)
  • den Schwarm vorwegnehmen
  • das Volk aufteilen

Tipps für die Schwarmvorwegnahme

Sie müssen – möglichst erst kurz vor der Verdeckelung der ersten Weiselzelle – die Königin und etwa 2 kg Bienen heraussuchen und das Schwarmgeschehen auf diesem Wege vorwegnehmen. Das ist in der Einraumbeute mit ihren wenigen großen Waben wesentlich einfacher als beispielsweise im Magazin:

  • Geben Sie zunächst keinen Rauch. Ziehen Sie das Wachstuch ganz ab und achten Sie darauf, wo das Zentrum des Bienensitzes ist.
  • Fangen Sie von dort aus an, Waben zu ziehen und suchen Sie nach der Königin.
  • Sie erkennen die (ungezeichnete) Königin am besten, wenn Sie nicht bewusst nach ihr suchen, sondern das gesamte Bild der Wabe in sich aufnehmen. Die Königin erkennen Sie am Verhalten bzw. am Verhalten der umgebenen Bienen. Sie weichen etwas vor der Königin zurück. Es gibt also eine “Störung” im Gesamtbild, die man am besten unbewusst wahrnimmt. Wenn Sie dann bewusst schauen, suchen sie keine “große Biene”. Dann sehen Sie nur Drohnen. Achten Sie stattdessen auf das markante Brustschild und die langen Beine der Königin.
  • Wenn die Königin nicht auf der Wabe ist, stellen Sie sie zur Seite bzw. hängen sie an den äußeren Rand der Beute. Wenn die Beute komplett mit Waben gefüllt ist, kann ein Wabentransportkasten hilfreich sein, um die Waben zu “parken”. Nach ein paar Waben ist genug Raum in der Beute, dass Sie die Waben nach der Suche wieder direkt zurückhängen können.
  • So bald Sie die Königin gefunden haben, stoßen Sie die Wabe mit der Königin in die Schwarmkiste ab. Machen Sie dazu mit der Wabe eine kleine Bewegung nach unten und ziehen die Wabe ruckartig hoch. Etwa 90% der Bienen werden abfallen. (Nicht auf die Wabe schlagen!) Vergewissern Sie sich, das die Königin nicht mehr auf der Wabe ist. Das Abfegen der restlichen Bienen ist dann eigentlich überflüssig. (Wenn Sie ganz sicher sein wollen, dass die Königin keinen Schaden nimmt, käfigen Sie sie zunächst und lassen sie am Ende in die Schwarmkiste zulaufen.)
  • Sprühen Sie etwas Wasser auf die Bienen in der Schwarmkiste, dass sie nicht auffliegen.
  • Nun geben Sie kräftig Rauch auf die Beute und warten Sie einen Moment, damit die Bienen sich mit Honig versorgen.
  • Nun stoßen Sie auf dieselbe Weise von jeder zweiten Brutnestwabe die Bienen ab, bis Sie etwa 2 kg beisammen haben.
  • Der vorweggenommene Schwarm kommt eine Nacht in Kellerruhe und wird dann wie ein Naturschwarm weiter behandelt.


Allgemeine Hinweise

Lassen Sie ein klein wenig Abstand zwischen der ersten Wabe und der Beutenwand. Dann können Sie die Waben leichter auseinander drücken, wenn Sie im Brutnest Waben ziehen müssen. Decken Sie das Wachstuch nur an der Stelle auf, wo Sie Waben ziehen möchten, und lassen Sie den restlichen Bereich abgedeckt. So werden Störungen minimiert.

Inspektionsklappe

Die neue Inspektionsklappe hilft dabei, den Zeitpunkt abzupassen, wann es im Frühjahr sinnvoll ist, das Volk das erste Mal zu öffnen. Erst wenn die Bienen über mehrere Wabengassen hinweg durchhängen, ist so viel Dynamik im Volk, dass sich eine Durchsicht und Erweiterung mit Rähmchen lohnt.

Informationen zum Download

Leitfaden Imkern mit dem Schwarmtrieb

Merkblatt Imkern mit dem Schwarmtrieb


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