Wesensgemäße Bienenhaltung FAQ
Hier gehen wir auf häufige Fragen aus dem Kosmos der wesensgemäßen Bienenhaltung ein. Die Artikel beschreiben, was den Bien im Jahreslauf beschäftigt und wie er dabei wesensgemäß begleitet werden kann.
Fragen zur Auswinterung und Durchlenzung der Bienen
Nach der Wintersonnenwende spüren die Bienen, wie die helle Jahreszeit langsam wieder Einzug hält. Immer mehr Winterbienen mobilisieren ihre letzten Reserven: Indem sie das wachsende Brutnest pflegen, verbrauchen sie ihre Energie, die sich aus ihrem Fett-Eiweißkörper speist. Mit dem Futtersaft geben sie ihr Leben an den „Sommerbien“ weiter. Mit dem Wärmebedarf – für die Aufzucht der Brut heizt der Bien seine Wohnung auf etwa 36 ºC auf – steigt auch die Nahrungsaufnahme. Wohl dem Bien, der ordentlich Speck auf den Rippen bzw. Honig in den Waben und ausreichend wohlgenährte Winterbienen hat, um während dieser sensiblen Phase der Durchlenzung stark ins Frühjahr hineinzuwachsen. Außerdem wird Wasser benötigt, um das notwendige feuchte Mileu für die Brutaufzucht aufrecht zu erhalten und Honigvorräte verfügbar zu machen.
Wie stelle ich im Frühjahr die Futterversorgung meiner Bienen sicher?
Vorab: Das Bienenvolk sollte durch eigenen Honig oder deine Fütterung im Vorjahr ausreichend Vorräte haben, um von der Witterung im Frühjahr unabhängig zu sein. Am besten bis zu den Eisheiligen. Bist du unsicher, kannst du vorsichtig das Wachstuch an der Rückseite der Beute anheben. Wenn die Bienen noch weit unten in den Wabengassen sitzen, liegen darüber dicke Futterkränze, und alles ist vorerst in Ordnung. Sitzen sie in der Einraumbeute, im 1,5-Zander/DNM-Kasten schon direkt an den Oberträgern unter dem Tuch oder in der Bienenkiste oder im Dadantkasten ganz hinten, sind die Reserven vermutlich aufgezehrt. An Tagen mit Flugwetter kannst du in Bienenwohnungen mit Rähmchen oder im Top Bar Hive die Randwaben (vom Schied her) zur Seite ziehen und nachsehen, ob die Bienen auf benachbarten Waben Futter haben. Ist es weit vom Bienensitz entfernt, solltest du es direkt neben die Bienen hängen. Soll im zeitigen Frühjahr oder in Kälteperioden notfalls nachgefüttert werden, muss das Futter möglichst nah am Bienensitz gereicht werden, damit die Bienen es auch aus einer engen Wintertraube heraus erreichen können. Du kannst kandierten Honig über dem Bienensitz zwischen die Oberträger streichen oder eine Portion Futterteig auflegen (Rezept für Honig-Futterteig). Er wird oben mit einer Folie abgedeckt, damit er nicht austrocknet. Die Bienen nutzen ihr Kondenswasser, um den Futterteig verfügbar zu machen. Daran, ob und wie schnell die Bienen den Futterteig abnehmen, erkennst du auch, wie groß ihr Bedarf wirklich ist. Haben sie nämlich ausreichend eigenes (besseres) Futter in Reichweite, bevorzugen sie dieses.
Es ist schwierig und nicht empfehlenswert, im zeitigen Frühjahr flüssig zu füttern, solang die Temperatur die Bienen noch in einer engen Traube verharren lässt.
Für beides benötigen die Bienen Wasser – ein guter Zeitpunkt, um eine Bienentränke einzurichten, die euren Garten optisch bereichert und später im Jahr auch anderen Besuchern wohltut.Wie sorge ich für die Wasserversorgung meiner Bienen?
Wasser muss den Bienen immer zur Verfügung stehen, um Futter verfügbar zu machen. Sie brauchen es auch, um Stockfeuchte und -temperatur zu regulieren. Im Frühjahr ist Wasser meist am Bienenstand vorhanden. Wir sehen die Bienen an bemoosten Stellen Wasser aufnehmen oder auf Pflanzen, Steinen, sogar vom Erdboden. Dennoch lohnt es sich, eine Bienentränke in der Nähe der Bienenstöcke einzurichten. Sie kann euren Bienenstand auch optisch bereichern und ist an heißen Tagen später im Jahr eine Wohltat für andere Besucher. Besonders schöne Tränken fanden wir im Blog unserer Freundin Michèle Brunnmeier.
Wichtig bei der Tränke ist, dass die Bienen das Wasser erreichen können, ohne hineinzufallen und zu ertrinken. Die Tränke sollte nahe den Bienenstöcken, jedoch nicht im unmittelbaren Einflugbereich aufgestellt werden, wo die Biene möglicherweise Unrat aus dem Stock fallen lassen. Wenn die Bienen eure Tränke verschmähen haben sie vielleicht keinen „Durst“ oder löschen ihn möglicherweise bei euren Nachbarn.Wie kann ich den Wärmehaushalt der Bienen unterstützen?
Viele „Erkenntnisse“ deuten darauf hin, dass der hohle Baum zumindest im Zusammenhang mit der Regulierung von Temperatur und Kleinklima im Bienenstock die beste Bienenbehausung sein muss. Unsere Erfahrung mit lebenden Zeidlerbäumen rund um die Fischermühle und ein Waldbienenprojekt in der Schweiz hat jedoch auch gezeigt, dass die Bienen in den Bäumen mit den gleichen Herausforderungen wie die Bienen in vom Menschen gemachten Behausungen umgehen müssen: Nahrungsmangel und Varroa.
Pflegen Bienenvölker Brut, während es im Herbst bereits weniger Bienen geworden sind oder im Frühjahr vor dem Massenwechsel noch wenige Winterbienen vorhanden sind, können starke Temperaturschwankungen eine besondere Herausforderung sein. Die Bienen ziehen sich zur Winterkugel zusammen und können weiter außen liegende Brut möglicherweise nicht mehr wärmen. Die Brut verkühlt dann und stirbt ab, oder es schlüpfen schlecht entwickelte Bienen. Hatte die Brut zu diesem Zeitpunkt schon große Flächen im Wabenkörper beansprucht, kann es passieren, dass die Bienen aus der Winterkugel heraus nicht mehr ihre Futterkränze erreichen und trotz guter Vorräte verhungern.
Gut gedämmte Beuten sorgen jetzt dafür, dass Temperaturschwankungen verzögert und gedämpft im Stockinneren ankommen. Zusammen mit geschlossenen Böden tragen sie dazu bei, dass die von den Bienen erzeugte Wärme länger gehalten werden kann. Als schnelle Maßnahme können Decken oder andere dämmende Materialien aufgelegt werden.
Außerdem sollten wir die Bienenvölker insbesondere im zeitigen Frühjahr nur aus gutem Grund öffnen und diese Öffnungen kurz halten. Während des kalenderischen Winters habe man „im Bienenvolk vorerst noch nichts verloren“, schreibt Karl Weiß dazu in seinem Buch „Der Wochenend-Imker“ (1984).Muss ich mich schon im Frühling um die Milben kümmern?
Die Milben sind im aufsteigenden Bienenjahr normalerweise noch kein drängendes Thema, weil das starke Wachstum des Sommerbienenvolks der Vermehrung der Milben vorerst noch einige Schritte voraus ist. Dennoch ist eine Zählung im Frühjahr sinnvoll, insbesondere, wenn man auf die Winterbehandlung verzichtet hat oder unsicher ist, ob sie erfolgreich war. Auch lassen sich so Bienenvölker identifizieren, die man in punkto Milben im Auge behalten sollte.
Bienenvölker, von denen Honig geerntet werden soll, dürfen erst nach der Honigernte mit Bienenarzneimitteln, zu denen auch die organischen Säuren zählen, behandelt werden.
Einige Imker haben die Erfahrung gemacht, mit einer frühzeitigen Wärmebehandlung der Brutwaben, z. B. mit dem Varroa Controller, den Befall soweit zurückzudrängen, dass die Vermehrung der Milben – die exponentiell ansteigt – im weiteren Jahreslauf bedeutend langsamer ging. Weil die Brutnester zu diesem Zeitpunkt noch klein sind und nur die wenigen Brutwaben jedes Volkes ohne aufsitzende Bienen behandelt werden, können mehrere Völker gleichzeitig stressfrei behandelt werden.Woran ist mein Bienenvolk gestorben?
Bevor der Massenwechsel von Winter- zu Sommerbienen vollzogen ist, ist die Auswinterung keine „sichere Sache“. Um der Ursache auf den Grund zu kommen, ist es wichtig, das tote Bienenvolk genauer anzusehen und ggf. fotografisch zu dokumentieren, um sich mit erfahrenen Imkern austauschen zu können. Digital geht das in unserem Diskussionsforum.
Häufig ist die Bienenbehausung dann leer, evtl. bis auf einige wenige Bienen, die mit ihrer Weisel tot (oder mehr tot als lebendig) auf der Wabe sitzen. In diesem Fall ist das Volk wahrscheinlich aufgrund einer Erkrankung eingegangen – meist in Folge eines hohen Varroabefalls. Wo sind aber die Bienen? Solange sie es bei ausreichend hoher Temperatur konnten, haben ie den Stock zum Sterben verlassen. Oder die toten Bienen wurden von den damals noch verbliebenen Bienen ausgeräumt. Geschieht dieses Sterben während einer Kälteperiode, kann es vorkommen, dass du einen auffällig hohen Totenfall (eine dicke Schicht toter Bienen) im Bienenstock vorfindest. Du solltest dringend deinen Umgang mit der Varroamilbe überdenken bzw. überlegen, zu welchem Zeitpunkt deine Behandlung möglicherweise nicht ausreichend wirksam war.
Liegt „das ganze Volk“ neben gefüllten Futterwaben tot auf dem Boden der Behausung, ist es wahrscheinlich dass es nach einem Futterabriss verhungert ist. Viele Bienen strecken dann auch ihre Rüssel heraus. Die Bienen hatten einen zu kurzen Zehrweg und konnten in einer Kältephase nicht auf die nächste Futterwabe überwechseln. Wenn sie früh angefangen haben, stark zu brüten und eine folgende Kältephase sie veranlasst hat, sich wieder dicht zur kleinen Kugel zu ballen, trennt die Bienenkugel eine große Fläche von Brut (deren Wärmung aufgegeben werden musste, und die nun verkühlt) vom Futterkranz. Es ist verhungert.
Liegt das ganze Volk weit verstreut auf dem Boden der Behausung, hat sie eine Störung um die Konzentration in der Traube gebracht. Der überlebenswichtige wärmende Verbund der Wärmekugel hat sich gelöst und nicht wieder zusammengefunden – die Bienen haben sich aus der Traube entfernt, sind einzeln verklammt, erfroren und an Ort und Stelle ihres Todes von der Wabe gefallen.
Um dich in diesen Beobachtungen zu schulen, ist das Büchlein „Am Flugloch“ von Heinrich Storch ein empfehlenswerter Ratgeber. Hier im Mellifera-Shop bestellen…
Fragen in der Schwarmzeit
Als einzige natürliche Vermehrung von Bienenvölkern hat das Schwärmen in der wesensgemäßen Bienenhaltung einen besonderen Stellenwert. Ein Bienenvolk schwärmt jedoch nicht urplötzlich, sondern die Schwarmstimmung baut sich langsam im Bienenvolk auf und kündigt sich uns an: Zunächst ziehen die Bienen im Frühjahr Drohnen auf, dann legen sie an den Wabenkanten runde, nach unten geöffnete Spielnäpfchen an, und schließlich putzen und polieren sie diese in Vorbereitung auf das wichtige Ei. Sobald die Königin diese Näpfchen bestiftet, sprechen wir von Weiselzellen.
Wann schwärmen meine Bienen?
Ein Bienenvolk kann schwärmen, sobald eine Weiselzelle verdeckelt wird. Da vom Ei bis zur Verdeckelung einer Weiselzelle 8-9 Tage vergehen, sollte ein Bienenvolk in der Schwarmzeit alle 7-9 Tage auf Weiselzellen hin angesehen werden. So ist es möglich, die jeweils älteste Weiselzelle noch in einem offenen Stadium zu entdecken und so auf den frühestmöglichen Auszug des Schwarms schließen zu können. Unser Schwarmplakat zeigt diese Stadien in hoher Auflösung. Tipp für wenig Geübte: Setze dir ein Lesezeichen auf dem Mobiltelefon für diese Bildergalerie, dann hast du bei den Bienen einen schnellen Zugriff auf Vergleichsfotos.
Der Schwarm zieht in der Regel an einem freundlichen Tag aus. Dabei verhalten sich die Bienen sehr flexibel und individuell. Es kann vorkommen, dass ein Bienenvolk Weiselzellen pflegt, wieder zurückbaut und stattdessen neue heranziehen, um sich den Auszug für einen späteren bzw. dem Bienenvolk genehmen Zeitpunkt vorzubehalten.Wie fange ich einen Schwarm?
Man besprüht die Schwarmtraube vorsichtig mit sauberem Wasser, damit die Bienen nicht so stark auffliegen. Anschließend hält man die Schwarmkiste darunter und schüttelt die Bienen mit einem kräftigen Ruck vom Ast oder ihrem anderen Anlegeplatz hinein. Manchmal kann es sich anbieten, einen Ast mitsamt dem Schwarm abzuschneiden und zur Schwarmkiste zu tragen oder die Bienentraube von ihrem Anlegeplatz vorsichtig mit der Rückseite des Besens abzulösen. Anschließend wird die Schwarmkiste verschlossen und ihr Flugloch geöffnet. Wenn sich die Königin in der Kiste befindet, kann bald beobachtet werden, dass mehr Bienen hinein als hinaus fliegen und sich die Bienen aus der Luft und vom Anlegeplatz des Schwarmes ebenfalls zu ihren Schwestern begeben. Ist die Königin nicht dabei, werden die Bienen wieder zu ihr fliegen, und wir beginnen einen neuen Anlauf.
Sollte die Königin und mit ihr der Schwarm auf dem Boden gelandet sein, reicht es, die Schwarmkiste mit der Öffnung über die Bienen zu stellen. Sie werden sich dann von selbst in den dunklen Raum begeben.
Abends bei Einbruch der Dämmerung kann das Flugloch verschlossen und der komplette Schwarm abgeholt werden. Bienen, die noch nicht mit in die Kiste gelangt sind, werden sich mit ihrem mitgeführten Proviant in einem anderen Bienenvolk in der Umgebung „einbetteln“.
Schön ist es, den Schwarm nun möglichst unmittelbar in seine neue Behausung einziehen zu lassen. Ist dies nicht möglich, kann der Naturschwarm auch wenige Nächte in Kellerruhe verbringen, ohne gefüttert zu werden. Der Schwarm verzehrt dann seine mitgeführten Vorräte und vernichtet somit auch eventuelle Faulbrutsporen.Woher bekomme ich einen Naturschwarm?
Im kostenlosen Mellifera-Netzwerk. mellifera.de/netzwerk kann man sich mit anderen Bienenhalter*innen regional austauschen und vernetzen. Über die dort integrierte Schwarmbörse www.mellifera-netzwert.de/schwarmboerse-neu werden Schwärme unter wesensgemäßen Imker*innen vermittelt.
Wenn ihr bereit seid, euren Schwarm selbst zu fangen, könnt ihr euch mit den Zugangsdaten aus dem Netzwerk auch auf unserer Plattform Schwarmrettung anmelden, um herrenlose Schwärme zu bergen.
Außerdem könnt ihr untere Naturschutzbehörden oder die örtliche Feuerwehr ansprechen oder eure Bereitschaft auf Nachbarschaftsplattformen kundtun. Weitere Ideen tauschen die Mitglieder in unserem Diskussionsforum aus, z. B. im Thread Woher bekomme ich einen Naturschwarm?Wie nehme ich einen Schwarm vorweg?
Will oder kann man den Schwarm nicht frei abfliegen lassen, bietet es sich an, den Schwarm vorwegzunehmen.
Voraussetzung dafür ist die fortgeschrittene Schwarmstimmung mit mindestens bestifteten Weiselzellen. Je weiter die Weiselzellen entwickelt sind, desto sinnvoller ist die Schwarmvorwegnahme im Volkszusammenhang. Sie erfolgt also kurz vor Verdeckelung der ersten Weiselzelle.
Beispiel: Sehen wir in den Weiselzellen nur Stifte, die maximal drei Tage alt sein können, nehmen wir den Schwarm möglichst erst in sechs Tagen vorweg.
Bienen in Schwarmstimmung sind darauf eingestellt, in einer neuen Behausung einen Wabenkörper auszubilden – 80% der Bienen aktivieren dafür ihre Wachsdrüsen.Anders ist dies beim sogenannten „Kunstschwarm“, der unabhängig vom Schwarmzusammenhang gebildet wird. Diese Bienen sind nicht in Schwarmstimmung und entsprechend nicht darauf eingerichtet, eine neue Behausung mit Waben auszubauen. Oftmals werden Kunstschwärme außerdem mit Bienen aus unterschiedlichen Völkern und einer fremden Königin gebildet. So wie der Kunstschwarm nur aus der Not heraus zu einem neuen Organismus zusammenwächst, baut er neue Waben häufig eher schleppend.
Ablauf der Schwarmvorwegnahme
1. Die Königin wird gesucht, gekäfigt und in der warmen Hosen- oder Brusttasche aufbewahrt. Alternativ kann die Wabe mit der Königin zur Seite gestellt werden. Sie wird dann im nächsten Schritt als zweite Wabe in die Schwarmkiste gestoßen, damit die Königin dort weich landet.
2. Etwa 1,5 kg Bienen (im April geht können es 1,2 kg sein, Ende Juni eher 2 kg) werden über einen Trichter in eine gut belüftete Schwarmkiste abgestoßen oder -gefegt. Waben mit Weiselzellen werden höchstens abgefegt, sonst können die Königinnen in ihren Zellen sterben.
3. Die Königin aus dem Käfig wird zu den Bienen gegeben, falls sie nicht vorher schon mit umgezogen ist.
4. Der Schwarm sollte nun eine Nacht dunkel und kühl in Kellerruhe stehen. Er wird mit einem sehr großzügig bemessenen Esslöffel Honig gefüttert, der z. B. auf das Lüftungsgitter der Schwarmkiste gestrichen werden kann. Bei täglicher Fütterung sind auch zwei bis drei Nächte Kellerruhe möglich.
5. Anschließend kann der Schwarm nachmittags in eine Bienenwohnung einlogiert werden. Soll der Schwarm am gleichen Standort bzw. innerhalb des Flugradius aufgestellt werden, muss er etwas größer gebildet werden, da dann die Flugbienen zum ursprünglichen Volk zurückfliegen. Logiert man ihn außerhalb des ursprünglichen Flugradius auf, kann das Volk drei bis vier Wochen später dort wieder abgeholt werden.
Was mache ich mit überschüssigen Weiselzellen im Ursprungsvolk?
Die Möglichkeiten richten sich danach, ob man weiter Völker vermehren möchte oder es bei der einmaligen Teilung belassen will.
1. Bildung von Weiselzellenablegern
Da sich der Volkszusammenhang im Schwarmprozess auflöst, kann das Tochtervolk aufgeteilt werden. Dieses Verfahren bietet sich auch an, wenn man bei der Schwarmvorwegnahme die Königin nicht finden konnte.
Bei großen Brutwaben (Einraumbeute / Top Bar Hive / Dadant / 1,5 DNM / 1,5 Zander) werden je zwei Waben mit mindestens einer Weiselzelle in eine neue Bienenwohnung gehängt.
Die beiden Waben können der Einfachheit halber später im Volk verbleiben. Man hängt dann rechts und links von ihnen je ein Leerrähmchen dazu. Nach drei bis vier Wochen fängt die junge Königin an, zu stiften. Bis dahin bitte Geduld haben!
Schön wäre es, wenn dieses Bienenvolk wie ein Nach- bzw. Tochterschwarm mit einem komplett neuen Wabenkörper startet und man die beiden Altwaben entfernt, sobald die junge Königin anfängt, Eier zu legen. Erst dann würde man dem „nackten“ Volk vier bis fünf Leerrähmchen einhängen.
Bestenfalls kommen solche Einheiten an einen neuen Standort außerhalb des Flugradius. Sollen sie am selben Standort verbleiben, gibt man dem Ableger mehr Bienen dazu, weil die Sammlerinnen zum ursprünglichen Standort zurückkehren werden.2. (Weitere) Tochterschwärme verhindern
In diesem Fall werden alle Weiselzellen bis auf eine gebrochen, so dass im verbleibenden Volk nur eine junge Königin schlüpft. Lässt man zwei Weiselzellen stehen, riskiert man zwar den Auszug eines Tochterschwarms, ist aber etwas sicherer, dass eine gesunde Königin schlüpft.3. Aufteilen mit gleichzeitiger Schwarmverhinderung: Brutling / Flugling
Wer nicht stark über Nachschwärme vermehren möchte und auch keine Jungvölker an einen anderen Stand bringen will, kann folgendermaßen vorgehen: Die Königin wird gesucht und allein mit ein paar Bienen auf einer Wabe oder einem Leerrähmchen in eine neue Behausung am ursprünglichen Platz ihres Volkes stehen gelassen. Das Volk mit den Weiselzellen wird etwas entfernt, z. B. 40 m daneben, aufgestellt. Alle Sammelbienen kehren dann von ihren Flügen zum gewohnten Platz zurück, an dem sie auch ihre alte Königin wiederfinden. In der Imkersprache wird dieser Teil „Flugling“ genannt. Durch den Verlust der Flugbienen verliert das ursprüngliche Volk seine Schwarmstimmung und zieht eine neue Königin auf. Hier spricht man vom „Brutling“.
Bei allen Einheiten muss auf eine gute Nektar- oder Futterversorgung geachtet werden, siehe Wie pflege ich Schwärme und Jungvölker?Was bedeuten Weiselzellen außerhalb der Schwarmzeit?
Die Schwarmzeit beginnt etwa im Vollfrühling und endet gegen die Sommersonnenwende, wenn die Tage wieder kürzer werden. In Schwarmstimmung ziehen die Bienen meist sehr viele Weiselzellen heran, etwa 10 bis 20 sind dabei keine Seltenheit.
Neben dem Schwärmen gibt es aber zwei weitere Situationen, in denen Bienenvölker Königinnen in Weiselzellen heranziehen und wir diese gelegentlich zu Gesicht bekommen:
Nachschaffung
Wenn die Königin stirbt oder auf andere Weise abhanden kommt, können Bienen einem Arbeiterinnenei oder einer wenige Tage alten Arbeiterinnenlarve eine neue Bestimmung als Königin verleihen. Man spricht davon, dass sie eine Königin „nachschaffen“. Diese Larve dann ausschließlich mit Gelée royale und bauen ihre waagerechte Zelle zu einer nach unten geöffneten Weiselzelle um. Dabei bauen sie andere darunter liegende Arbeiterinnenzellen ab, wodurch die sogenannte „Nachschaffungszelle“ häufig etwas in die Wabe eingebettet erscheint und sich meist mitten im Brutnest befindet.Umweiselung
Reicht die Königin den Ansprüchen der Bienen nicht mehr, ziehen sie sich eine neue Königin heran, ohne zu schwärmen. Die Bienen lassen ihre alte Königin dann wenige Weiselzellen bestiften, aus denen eine junge Königin schlüpfen darf, zur Begattung ausfliegt und schließlich das Stiften im Stock übernimmt, vielleicht sogar eine Zeitlang zusammen mit ihrer alten Mutter.
Dies geschieht meist, wenn die Königin nicht mehr ausreichend stiftet und ihr Pheromon nicht mehr stark genug ist. Dies kann alte Königinnen betreffen sowie junge Königinnen, die nicht ausreichend begattet wurden, z. B. weil das Wetter keine ausgedehnten Begattungsflüge zugelassen hatte oder wenige Drohnen in der Umgebung geflogen sind. Eine Umweiselung kann deshalb sowohl in Schwärmen oder Ablegern mit jungen oder alten Königinnen vorkommen als auch in geschwärmten oder nicht geschwärmten Völkern.
Sogenannte „Umweiselungszellen“ befinden sich meist in Unregelmäßigkeiten auf der Wabe oder an den Rändern. Völker weiseln häufig später im Jahr um.Wie bereite ich meine Bienenwohnung auf Naturbau vor?
Damit die Waben später einzeln bewegt werden können, ist bei der Vorbereitung von Mobilbau-Beuten für Naturwabenbau einiges zu beachten:
1. Lotrechte Aufstellung
Die Beute muss exakt im Lot aufgestellt werden, denn die Bienen bauen ihre Waben lotrecht von oben nach unten. Steht die Beute schief, kann es sein, dass die Waben oben in einem Rähmchen beginnen und nach unten hin in einem anderen Rähmchen enden.2. Bauvorgabe
Die Rähmchen oder Oberträger müssen mit einer Bauvorgabe versehen sein, damit die Bienen in den Rähmchen bauen. Das Schiffsrumpfprofil an den Oberträgern der Mellifera-Einraumbeute-Rähmchen nehmen die Bienen in der Regel problemlos für ihren Wabenbau an, so dass er exakt im Rähmchen sitzt. Man kann auch einen etwa zwei Zentimeter breiten Leitstreifen aus einer Mittelwand anbringen oder eine Dreikantleiste einsetzen. Diese kann an der Unterkante mit Wachs bestrichen werden.3. Bienenabstand beachten
Die Rähmchen müssen von Mitte zu Mitte einen Abstand von 35 mm einhalten. Dafür dienen Abstandshalter. Werden die Abstände zwischen den Rähmchen nicht eingehalten, bauen die Bienen die benachbarte Wabe trotzdem in diesem Abstand, also nicht mehr in der Mitte des Rähmchens. Dies setzt sich von Rähmchen zu Rähmchen fort, so dass die Rähmchen im weiteren Verlauf miteinander verbaut werden.
Letzte Vorbereitungen und Einzug des Schwarms
In die Einraumbeute werden je nach Größe des Schwarms beim Flugloch auf der den Lüftungsöffnungen im Boden entgegengesetzten Seite fünf bis sieben Leerrähmchen eingehängt, im Top Bar Hive verfährt man ebenso mit den Oberträgern. Zum leeren Raum hin werden die Rähmchen mit dem Trennschied begrenzt. Auf die Rähmchen legt man das Wachstuch, welches bis zum Trennschied aufgeschlagen bleibt. Der leere Bereich der Beute bleibt offen, bis die meisten Bienen des Schwarms in der Beute sind. Andere Bienenwohnungen mit ungeteiltem Brutraum werden ebenso vorbereitet.Wie kommt der Schwarm in seine Behausung?
Den Schwarm einlaufen lassen
Um die Bienen von der Schwarmkiste in ihre neue Behausung einzulogieren, lässt man sie bei schönem Wetter über eine leicht ansteigende Rampe durch das Flug- loch einlaufen. Die Schwarmtraube wird vom Deckel der Schwarmkiste vorsichtig auf die Rampe abgestoßen. Die Bienen folgen ihrem Instinkt und laufen nach oben in Richtung des dunklen Fluglochs. Sobald die ersten Bienen die dunkle Höhle entdeckt haben, sterzeln sie: Sie recken ihren Hinterleib in die Höhe, und verströmen ein Pheromon aus der Nasanov’schen Drüse, welches ihren Schwestern den Weg weist. Alsbald setzen sich alle Bienen in Bewegung, um ihre neue Behausung in Besitz zu nehmen. Unter ihnen läuft auch die Königin.Den Schwarm einschlagen
Alternativ, zum Beispiel bei ungünstiger Witterung, kann der Schwarm in die neue Beute „eingeschlagen“ werden. Dabei werden die Bienen nicht vor, sondern direkt in die Beute geschüttet.
Am nächsten Tag sollte man nachsehen, ob die Bienentraube richtig in dem mit Rähmchen ausgestatteten Bereich sitzt. Falls nicht, werden immer die Rähmchen zu den Bienen geschoben, nicht umgekehrt. Wenn die Bienen die ersten Waben gebaut haben und die Königin Eier gelegt hat, können sie mit den Rähmchen zurück an den gewünschten Platz geschoben werden. Die Bienen bleiben immer bei ihrer Brut.Wie pflege ich Schwärme und Jungvölker?
Nahrungsversorgung
Beim Naturwabenbau sind die Bienen auf einen starken Nektarfluss angewiesen. Wenn die Tracht nicht reicht, muss mit flüssigem Futter geholfen werden. Mutterschwärme oder vorweggenommene Mutterschwärme bauen nur in den ersten zwei bis drei Wochen Arbeiterinnenbau; danach setzt der Drohnenbau ein. Hier gilt es, mit viel Futter in den ersten Wochen acht bis zehn Waben (bezogen auf die Einraumbeute) bauen zu lassen.
Nach- bzw. Tochterschwärme oder Königinnenableger mit ihren jungen Königinnen werden bis in den Spätsommer keinen Drohnenbau anlegen. Sie müssen behutsam und aufmerksam gefüttert werden. Gibt man zu viel Futter, so verhonigt das Brutnest; füttert man zu wenig, wächst das Wabenwerk zu langsam. Wie beim Mutterschwarm sollte ein Volk am Ende des ersten Jahres acht bis zehn Waben voll ausgebaut haben. Völker können aber auch auf weniger Waben gut überwintern.Kontrolle des Wabenbaus
Man achtet darauf, dass die Bienen ihre ersten Waben in die Rähmchen bauen. Unregelmäßigkeiten können am Anfang noch relativ einfach ausgeglichen werden. Wenn man dies versäumt, setzen sie sich jedoch über den gesamten weiteren Wabenbau fort, was die weitere Begleitung des Volks sehr erschwert: Werden Waben beispielsweise über mehrere Rähmchen miteinander verbaut, lassen sie sich nicht mehr einzeln herausziehen, um eine Schwarmkontrolle durchzuführen.Weiselrichtigkeit kontrollieren
In einem Mutterschwarm beginnt die Königin mit der Eiablage, sobald die ersten Waben gebaut worden sind. Dies ist manchmal bereits in der Schwarmkiste der Fall. Verdeckelte Arbeiterinnenbrut ist hier frühestens nach neun Tagen zu erkennen.
In einem Tochterschwarm vollzieht die Jungkönigin etwa nach fünf Tagen mehrere Hochzeitsflüge und beginnt etwa zwei bis sechs Tage später zu stiften. Wieder dauert es vom Stift bis zur verdeckelten Arbeiterinnenzelle acht Tage. 16 bis 20 Tage nach dem Schwärmen bzw. Einlogieren kann man also verdeckelte Arbeiterinnenbrut vorfinden.Erweiterung mit Leerrähmchen
Wenn die Waben am Rand des Brutnestes zu 2/3 heruntergebaut sind, erweitert man auf beiden Seiten gleichzeitig oder abwechselnd mit je einem Rähmchen (bzw. Oberträger im Top Bar Hive). Das Volk sollte auf acht oder mehr Waben überwintern, wobei auch Völker auf fünf Waben erfolgreich überwintern können.Muss ich meinen Schwarm gegen die Varroamilbe behandeln?
Wir empfehlen nicht generell, Schwärme gegen Varroa zu behandeln. An der Fischermühle haben wir gesehen, dass Vorschwärme nehmen nur etwa 6% der Milben mitnehmen und im Ursprungsvolk 60% der verbliebenen Milben weggehen.
Wenn jedoch bekannt ist, dass der Schwarm aus einem stark mit Varroa belasteten Volk stammt oder man im Schwarm bereits Milben auf Bienen gesehen hat, kann ein Schwarm gegen die Varroamilbe behandelt werden. Er wird dazu, am besten während des Einlaufens, mit Milch- oder Oxalsäurelösung besprüht. Bei der Dosierung hält man sich an die Packungsbeilage des Arzneimittels.
Wichtig ist es, den Befallsgrad der Jungvölker im Blick zu halten und gegebenenfalls später im Jahr eine Varroabehandlung durchzuführen.Wie begleite ich das geschwärmte Volk weiter?
Im Tochter- oder Ursprungsvolk, welches nach dem Auszug der Schwärme in der Beute verblieben ist, schlüpft die erste junge Königin spätestens acht Tage nach Schwarmabgang. Falls die alte Stockmutter bis unmittelbar vor dem Schwarmakt noch Weiselnäpfchen bestiftet hat, kann es 16 Tage bis zu ihrem Schlupf dauern. Nach etwa fünf Tagen vollzieht sie mehrere Hochzeitsflüge und beginnt etwa zwei bis sechs Tage später zu stiften.
24 Tage nach dem Auszug der alten Königin ist ihre letzte Brut geschlüpft, das Volk ist bis auf evtl. erste Stifte der jungen Königin brutfrei.Wenn man das Wabenwerk erneuern oder das brutfreie und „nackte“ Volk in ein anderes System einlogieren möchte, ist nun der perfekte Moment.
Größere Flächen verdeckelter Arbeiterinnenbrut sind nicht vor Tag 29 nach dem Schwärmen zu erwarten.
Wird wieder verstärkt Pollen eingetragen, pflegen die Bienen wieder Brut – ein erstes Zeichen, das auf die geglückte Begattung der jungen Königin hinweisen kann.
Nach den oben genannten Zeiträumen (plus gegebenenfalls einige Tage „Vertrauenszuschuss“) ist ein Blick auf die Zellen durchaus angebracht: Sind regelmäßig über die Wabenfläche verteilt Stifte zu sehen, die mittig am Zellgrund stehen? Dann ist der Neustart geglückt. Haften die Stifte eher seitlich an den Zellwänden, oder sind sogar mehrfach bestiftete Zellen relativ zufällig auf der Wabe verteilt? Auch wenn es sich dabei um erste Legeversuche einer Jungkönigin handeln kann, sollte man sich einige Tage später vergewissern, dass die junge Königin Übung erlangt hat und auf ein regelmäßig bestiftetes, geschlossenes Brutnest hinwirkt.Was muss ich rechtlich beachten, wenn bei mir Bienen eingezogen sind?
Bestandsbuchpflicht
2022 wurde per Gesetz die Dokumentationspflicht über den Einsatz von Arzneimitteln in Bienenvölkern ausgeweitet: Alle medizinischen Behandlungen von Honigbienenvölkern müssen in einem „Bestandsbuch“ verzeichnet und fünf Jahre aufbewahrt werden. Dokumentiert werden müssen:- Standort der Bienenvölker
- Arzneiliche Behandlungen mit Beginn- und Enddatum, Bezeichnung der verwendeten Arzneimittel, Anwendungsform und die verabreichte Menge
- Wartezeit in Tagen
- Behandelnde Person
Etwaige tierärztliche Verschreibungen werden beigelegt. Wer sorgfältig seine Stockkarten pflegt, ergänzt seine Aufzeichnungen zu den arzneilichen Behandlungen durch die Angaben, die für das Bestandsbuch gefordert werden und bewahrt die Belege vom Kauf der Arzneimittel auf.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, ständig sein Wissen über zugelassene Behandlungsmittel und -methoden aktuell zu halten.
Meldepflichten
Mit dem ersten Bienenvolk muss die eigene Bienenhaltung dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden. Man erhält eine Tierhalternummer. Die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse des jeweiligen Bundeslandes ist ebenfalls verpflichtend. Für Mitglieder von Imkervereinen in Baden-Württemberg, die einem Landesverband angeschlossen sind, übernimmt dieser Verein die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse. Andernfalls nimmt man diese Meldung selbst vor.Versicherung
Die Versicherung der eigenen Bienenhaltung ist nicht Pflicht aber sinnvoll. Mellifera-Mitglieder sind automatisch haftpflichtversichert und können zusätzlich eine Unfallversicherung abschließen oder Mitglied der Mellifera-Solidargemeinschaft werden, die nach individueller Beurteilung Schäden regulieren kann, die nicht über eine herkömmliche Versicherung abgedeckt sind.
Fragen zu Varroa
Wenn nach Johanni die Tage wieder kürzer werden, geht es spürbar dem Winter entgegen, und die Brutnester werden wieder kleiner. Die Varroamilbe, die alle Bienenvölker parasitiert, vermehrt sich jedoch rasant weiter in den Bienenvölkern. Sie verdoppelt ihre Zahl etwa alle drei bis vier Wochen.
Weshalb ist die Varroamilbe für die Bienen problematisch?
Die Milbe schädigt die Bienen, indem sie sich von der Hämolymphe der Larven ernährt, am Fettkörper der adulten Bienen saugt und eine Reihe von Viren überträgt, z. B. das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das Akute-Bienenparalyse-Virus (ABPV). Je mehr Milben im Volk leben, desto höher ist die Virenlast und desto stärker kann das gesamte Volk geschädigt werden, bis zu seinem vollständigen Zusammenbruch.
Solche sterbenden, kranken Völker werden von Bienenvölkern der Nachbarschaft ausgeraubt. Diese Bienen – häufig vormals gesunde Völker – nehmen dann die Milben und Krankheiten mit nach Hause und können ebenfalls schwer erkranken und sterben.Wie vermehrt sich die Varroamilbe?
Ein Milbenweibchen steigt kurz vor Verdeckelung in eine Brutzelle und legt dort Eier. Aus dem ersten Ei schlüpft immer eine männliche Milbe, die ihre anschließend schlüpfenden Schwestern begattet. Mit der fertig entwickelten Biene „schlüpfen“ dann auch die begatteten Milbenweibchen aus der Zelle. In Drohnenzellen mit ihrer längeren Verdeckelungsphase kann die Milbe mehr Eier legen, so dass später auch mehr Milben daraus hervorgehen. Drohnenbrut wird verstärkt von Milbenweibchen befallen.
Wie geht man in der wesensgemäßen Imkerei mit der Varroamilbe um?
Es gibt bisher keinen spezifisch wesensgemäßen Umgang mit Varroamilben in der Imkerei. Alle heute gängigen Konzepte sehen die Reduzierung bzw. Tötung der Milben durch die Imkernden vor. Die verwendeten Methoden haben jedoch bisher nicht dazu geführt, dass die Varroa in der Fläche unter einer kritischen Grenze gehalten werden kann. Im Gegenteil: Es wird beobachtet, dass immer häufiger behandelt werden muss und die dafür empfohlenen Befallsgrenzen immer weiter sinken.
Behandlung mit organischen Säuren
Die Behandlung mit organischen Säuren (Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure), die auf unterschiedliche Weise in die Bienenvölker eingebracht werden, sollte individuell erfolgen, denn jede Behandlung, vor allem mit Ameisensäure, belastet das Bienenvolk. Aus Verantwortung für die Bienen sollte der Milbenbefall ab spätestens Juli bis September spätestens alle vier Wochen, besser in kürzeren Intervallen, ermittelt werden. Völker, bei denen der Milbendruck so hoch ist, dass ihr Überleben gefährdet ist, sollten so behandelt werden, dass die Bienen möglichst gering belastet werden und das Stockmilieu nicht zu lange übersäuert wird.
Es dürfen nur zugelassene Tierarzneimittel zum Einsatz kommen, erkennbar am Zusatz „ad us. vet.“Biotechnische Methoden der Varroabehandlung
Die vom Bieneninstitut Kirchhain entwickelten biotechnischen Verfahren erzeugen gezielt eine brutfreie Zeit im Bienenvolk und entziehen so den Milben in diesem Zeitraum die Grundlage für ihre Vermehrung.
Obwohl das behandelte Volk jeweils eine ganze Bienengeneration verliert, wintern die Völker gleich stark ein wie solche, die mit Ameisensäure behandelt worden sind.
Allerdings erzeugen auch die biotechnischen Verfahren Stress im Bienenvolk, und man muss einen Weg finden, wie man mit den entnommenen Brutwaben umgehen möchte.
Müssen die Bienen nach einer solchen Behandlung ihr Wabenwerk neu aufbauen, darf die Behandlung nicht zu spät erfolgen, und ihnen muss ausreichend Futter zur Verfügung stehen.Komplette Brutentnahme
Dem Bienenvolk werden alle Brutwaben und damit die darin enthaltenen Milben gleichzeitig entnommen und Leerrähmchen eingehängt, die das Volk dann neu ausbaut. Das brutfreie Volk wird anschließend mit Oxalsäure behandelt. Die Waben werden entweder direkt eingeschmolzen, oder es wird mit ihnen ein Ableger gebildet, der sich eine Königin nachschafft. Sobald im Ableger alle Bienen geschlüpft sind, muss auch er mit Oxalsäure entmilbt werden.
Zeitraum: Zwei Wochen vor Trachtende bis zur Honigernte (Juli / August).Ausführliche Anleitung als Download beim Bieneninstitut Kirchhain
Königin käfigen
Die Königin wird 24 Tage lang (bzw. 21 Tage, wenn keine Drohnenbrut vorhanden ist) in einen großen Durchlaufkäfig gesetzt, der oben in eine Brutwabe eingesetzt wird. Dort wird sie von den Bienen gepflegt, kann jedoch nicht stiften. Mit nach und nach auslaufender Brut finden die mit den Bienen schlüpfenden Milben bald keine offene Brut mehr vor, um sich zu vermehren. Die Königin wird dann wieder in das nun vollständig brutfreie Volk freigelassen. Das Bienenvolk muss nun mit Oxalsäure behandelt werden.
Zeitraum: Zwei Wochen vor Trachtende im So mer, bevor im Volk die Winterbienen entstehen.Ausführliche Anleitung als Download beim Bieneninstitut Kirchhain
Bannwabenverfahren
Hier stiftet die Königin 27 – 28 Tage lang ausschließlich auf Bannwaben, für die ausgebaute Rähmchen beidseitig mit Königinnenabsperrgittern verschlossenen werden. Im Volk schlüpfende Milben finden offene Brut für ihre Vermehrung bald nur noch auf diesen kontrolliert bestifteten Waben vor. Sie dringen dort ein und werden dann mit diesen Waben aus dem Volk entfernt. Wichtig: Die verdeckelten Waben müssen entfernt werden, bevor die ersten Bienen – und mit ihnen die Milben – daraus schlüpfen!
Die Königin kann während des gesamten Zeitraums ihrer Legetätigkeit nachgehen. Dies ist das einzige biotechnische Verfahren, welches ohne chemische Behandlung des behandelten Volkes auskommt.
Die entnommenen Waben werden entweder eingeschmolzen oder zur Ablegerbildung genutzt. Nach dem Schlupf der sehr stark von Miben befallenen Bienen müssen sie mit Oxalsäure behandelt werden und können dennoch durch die Mehrfachparasitierung stark erkranken.
Zeitraum: Mai bis drei Wochen vor Trachtende, ggf. Mitte/Ende Juli.Tag Behandlungsschritte im Bannwabenverfahren 0 Die Königin wird auf die Bannwabe gesetzt. 9 Die erste bestiftete Wabe wird zurück ins Volk gehängt und die Königin auf eine zweite neue Bannwabe gesetzt. 18 Die erste Wabe ist nun vollständig verdeckelt und wird aus dem Volk entfernt.
An ihre Stelle hängt man die zweite bestiftete Wabe ins Volk und setzt die Königin auf eine dritte, neue Bannwabe.27 Die Königin wird wieder ins Volk gelassen. Die zweite Wabe ist nun verdeckelt und
wird aus dem Bienenstock entfernt. An ihre Stelle hängt man nun die dritte bestiftete Wabe.36 Die dritte verdeckelte Wabe wird entfernt. Anmerkung: Das Verfahren kann auch im 7-tägigen Rhythmus durchgeführt werden (z. B. jeweils am Wochenende). Es ist dann eine weitere Wiederholung notwendig.
Ausführliche Anleitung als Download beim Bieneninstitut Kirchhain
Wie beurteile ich den Varroabefall meiner Bienen?
Die Zählung des täglichen Milbenfalls kann bei der Entscheidung helfen, ob und wann ein Bienenvolk behandelt werden sollte.
Die Bieneninstitute empfehlen eine baldige Behandlung ab 5 Milben im Sommer und ab 0,5 Milben im Oktober / November. Diese Werte beruhen auf subjektiver Erfahrung der Wissenschaftler und können insbesondere Einsteiger*innen eine grobe Orientierung über etwaigen (Be-)Handlungsbedarf bieten.Um den Befall einzuschätzen, gibt es drei Methoden:
Bei der Puderzucker-Methode werden Milben schonend von einer Bienenprobe heruntergeholt, um daraus auf den Befall des gesamten Volks hochzurechnen. Es ist wichtig, mit absolut trockenem Material und bei trockener Witterung zu arbeiten.
Ausführliche Anleitung und Interpretation der Ergebnisse am Beispiel der Bienenkiste.Bei der Bodenschieber-Diagnose (auch: „Windel“) wird der natürliche Milbenfall erfasst. Man schiebt eine saubere, helle Unterlage oder Diagnoseschale unter den Bienensitz. Ameisen würden die Milben fressen, daher legt man gegen sie ein mit Speiseöl getränktes Küchentuch auf die Unterlage. Damit Bienen die Milben nicht wegputzen, wird die Unterlage entweder unterhalb des Gitterbodens eingeschoben oder eine mit bienendichtem Gitter abgedeckte Diagnoseschale verwendet. Für die Bienenkiste kann ein Diagnoseboden erworben oder selbst gebaut werden.
Die Unterlage verbleibt über mehrere Tage unter dem Volk. Danach wird die Gesamtzahl der Milben durch die Tage dividiert und so der durchschnittliche tägliche Milbenfall ermittelt. Während der Zeit, in der die Bienen normal fliegen, reichen drei Tage. Wenn die Bienen sich bereits wegen niedriger Temperatur enger zusammengezogen haben, dauert es etwas länger, bis tote Milben auf der Unterlage landen. Sie sollte dann sieben bis zehn Tage unter dem Volk verbleiben.
Hat man die Bienen gegen Varroa behandelt, zeigt diese Art der Diagnose frühestens 14 (besser 21) Tage später wieder den „natürlichen“ täglichen Milbenfall. In der Zwischenzeit können mit schlüpfenden Bienen noch von der Behandlung getroffene und geschwächte / getötete Milben aus den Zellen schlüpfen.Bei der Auswasch-Methode wird eine Bienenprobe abgetötet und unter fließendem Wasser die aufsitzenden Milben abgespült, um sie anschließend auszuzählen. Da hierbei aktiv Bienen getötet werden, findet diese Methode trotz genauer Ergebnisse in der wesensgemäßen Bienenhaltung kaum Anwendung.
Fragen rund um die Honiggewinnung
Die Bienen verwenden enorme Energie dafür, Honig zu bereiten. Nur einen kleinen Teil davon bekommen wir Menschen zu sehen. Der meiste Honig bzw. Nektar wird von den Bienen für Lebensprozesse im Bienenstock selbst verbraucht, z. B. um ihre Stocktemperatur aufrecht zu halten und für den Wabenbau. Dem Bien ist vielfältiger Honig mit seinen vielschichtigen Inhaltsstoffen auch Teil seiner „Apotheke“. Mehr dazu beschreiben wir im Artikel Die Gesundheit der Bienen.
Ihr eigener Honig ist das beste Bienenfutter für die Bienen! Bei der Honigernte sollte man daher darauf achten, dass den Bienen jederzeit viel Honig verbleibt und rund um das Brutnest ein dicker Honigkranz oder eine Honigkappe vorhanden ist, die die Bienen von dort gut erreichen können.
Für uns Menschen ist Honig eine wertvolle Gabe der Natur, ein Heilmittel, ein kostbares Lebens-Mittel. Er bildet die Landschaft im Jahreslauf ab und ist somit auch jedes Jahr anders: An jedem Ort, in jedem Bienenstock. Versteht sich von selbst, dass wir der Gewinnung von Honig ein besonderes Augenmerk schenken.
Wie wird der Honig geerntet?
Für eine lange Haltbarkeit sollte der Honig möglichst trocken sein. Die Bienen zeigen die Reife des Honigs in der Regel durch Verdeckeln der Zellen an. Sind 2/3 bis 3/4 einer Honigwabe verdeckelt, ist er reif und kann geerntet werden.
Bei der Ernte darf sich keine Brut (mehr) auf der Wabe befinden. Honig aus vorher bebrüteten und nun brutfreien Waben darf jedoch ohne Bedenken geerntet werden. Bevor er eingelagert wurde, haben die Bienen die Zellen akribisch geputzt. Bebrütete Waben werden aber nach dem Schleudern aussortiert.
Die Honigernte sollte in den frühen Morgenstunden erfolgen. Dann haben die Bienen den am Vortag eingetragenen Honig bereits etwas getrocknet, und es ist noch kein frischer Nektar vom Tag hereingekommen. Der Wassergehalt bleibt niedriger.
Eine am Vortag eingelegte Bienenflucht (siehe auch „Was ist der Unterschied zwischen Absperrgitter und Bienenflucht?“) bewirkt in Magazinen, dass die Bienen den Honigbereich in Richtung Brutnest verlassen und die Ernte am Folgetag mit wenig Bienenkontakt und daher für beide Seiten stressfrei ablaufen kann. Bei der Ernte sollte mit möglichst wenig bzw. keinem Rauch gearbeitet werden.
Ebenso sollte die Ernte gut vorbereitet werden, um zügig und behutsam zu verlaufen. Die geernteten Waben werden sofort in einem bienendichten Transportbehälter verstaut, und die Bienenvölker sollten nur möglichst kurz geöffnet werden. Wichtig ist, jederzeit Klecksereien zu vermeiden oder schnell abzuwaschen, um keine Räuberei unter den Bienenvölkern auszulösen. Also immer einen Eimer Wasser und Lappen bereit halten.
Was ist bei Lagerung und Abfüllung von Honig zu beachten?
Wird der gewonnene Honig nach der Ernte zeitnah in Gläser abgefüllt, muss er nicht wieder verflüssigt werden. Die Demeter-Richtlinien erlauben aus gutem Grund lediglich eine maximale Erwärmung von Honig auf 35ºC. Dies entspricht der natürlichen Temperatur im Brutnest. So bleiben die wertvollen Enzyme im Honig erhalten. Generell sollte Honig deshalb auch kühl, trocken und dunkel gelagert werden.
Was ist der Unterschied zwischen Absperrgitter und Bienenflucht?
Beide Gegenstände entstammen der Magazinimkerei und sind kein Bestandteil der Betriebsweisen von Bienenkiste oder Einraumbeute.
Ein Absperrgitter wird während der gesamten Trachtzeit zwischen Brut- und Honigzargen eingelegt. Es beschränkt die Bewegung der Königin auf die Brutwaben und verhindert ihre Eiablage auf Honigwaben. In der wesensgemäßen Freizeitbienenhaltung findet das Absperrgitter in der Regel keine Anwendung, in der biodynamischen Imkerei kann es auf Antrag eingesetzt werden.
Eine Bienenflucht hingegen wird lediglich am Vortag der Honigernte zwischen Brut- und Honigzargen eingelegt. Wie eine Reuse führt sie Arbeiterinnen – dem Duft ihrer Königin folgend – in den Brutbereich, aber nicht wieder zurück. Am folgenden Tag halten sich dann nur noch wenige oder keine Bienen mehr auf den Honigwaben auf, was eine ruhige und zügige Ernte unterstützt, die weniger Räuberei provoziert. Beim Einsetzen ist darauf zu achten, dass sich die Königin im Brutraum befindet, und der Honigraum brutfrei und frei von Drohnen ist. Ist bei der Ernte der Honigbereich noch voll von Bienen, hat man die Königin dort übersehen. Man legt die Bienenflucht erneut ein und sorgt dafür, dass sich die Königin im Brutbereich befindet. Sitzen noch Bienen konzentriert auf wenigen Waben, gibt es dort noch Brut. Diese lässt man bestenfalls noch schlüpfen, bevor der Honig geerntet wird.
Wie verarbeite ich den Honig nach der Ernte?
Für Schleuderhonig werden die Wabendeckel mit einer Entdeckelungsgabel oder einem Entdeckelungsmesser entfernt. Ein Wärmemesser kann ebenfalls verwendet werden, ohne die Enzyme im Honig zu schädigen.
Die Waben werden in die Honigschleuder gestellt (auf gleichmäßige Gewichtsverteilung achten!) und der Honig aus den Waben geschleudert. Aus dem Hahn der Schleuder fließt der Honig durch ein Doppelsieb, welches Wachsreste und sonstige Bestandteile entfernt, in einen sauberen Eimer. Dort kann er dann gerührt werden, um eine cremige Konsistenz zu erhalten.
kann als Presshonig gewonnen werden, indem die Waben zerstampft werden und der Honig daraus abtropft, oder die Waben werden ganz oder in Stücke portioniert als Wabenhonig angeboten. Letzteres ist wohl die natürlichste und ursprünglichste Art, Honig zu genießen.Tropf- bzw. Presshonig wird gewonnen, indem die ausgeschnittenen Waben zerkleinert und zerstampft, bzw. ausgepresst werden. Den Honig lässt man durch ein Sieb abtropfen. So gelangt besonders viel Pollen (Bienen- brot) und ein höherer Anteil kleiner Wachsteilchen in das Endprodukt.
Aus zwei 25 kg-Eimern kann eine einfache Vorrichtung selbst gebaut werden: In den Deckel des unteren Eimers wird ein großes Loch geschnitten. Auf ihm steht ein weiterer Eimer, der mehrere Löcher im Boden erhält. Dieser wird mit einem Gittergewebe ausgelegt, man füllt die Honig-Wachs-Mischung ein, und der Honig tropft in den unteren Eimer. Kleinere Unreinheiten können dann noch mit einem feinen Seihtuch oder Doppelsieb entfernt werden. Für eine kleine Ernte reicht auch ein Küchensieb.Bauanleitung einer einfachen Abtropfvorrichtung mit Bildern
Für Wabenhonig werden die Honigwaben aus Naturbau entweder komplett im Rähmchen aufbewahrt oder in das gewünschte Maß geschnitten und verpackt. Im Handel sind auch spezielle Honigrähmchen mit kleinen Kassetten zur Gewinnung portionierter Wabenstücke erhältlich.
Welche Schleuder ist für Einraumbeute-Rähmchen geeignet?
Normalerweise passen ERB (Einraumbeute) Waben in Schleudern, in die Dadant-Brutraumwaben passen. Darin können auch kleinere Wabenmaße aus Zadant (Brutraum), Zander und DNM-Flachzargen (Honigraum) Schwäbischer Lagerbeute, Kuntzsch hoch, Dadant Honigraum geschleudert werden. Es empfiehlt sich jedoch, beim Hersteller genau nachzufragen bzw. zu messen oder ggf. ein Rähmchen einzuschicken, um die tatsächliche Eignung zu überprüfen.
Eine Übersicht von Juni 2025 über Modelle und Bezugsquellen hat Norbert Poeplau im Diskussionsforum zusammengestellt: Update Schleudern für die Einraumbeute.
Wohlgenährt und vital durch den Winter – Fragen zu Einfütterung, Ein- und Überwinterung
Bienenvölker benötigen jederzeit ausreichend Vorräte. Dabei stellt Honig das beste Bienenfutter dar. Mangelt es an Honig (sei es durch schlechte Tracht- oder Witterungsverhältnisse oder durch die Entnahme von Honig), reichen wir den Bienen Winterfutter. Wichtig: Es kann möglich sein, dass ein Bienenvolk nicht ausreichend Wintervorräte sammeln konnte, auch wenn ihnen sämtlicher Honig gelassen worden ist.
Haben meine Bienen ausreichend Futter?
Insgesamt sollte ein kräftiges Volk ca. 15 bis 20 kg Futter für den Winter zur Verfügung haben, wobei in stark gedämmten Bienenbehausungen die Zehrung um einiges geringer sein kann. Imker*innen in der Umgebung können genauere Auskunft zum üblichen Futterbedarf in der Region geben. Lieber füttern wir im Vorjahr etwas zuviel, als im Winter oder Frühjahr kompliziert nachzufüttern.
Vorräte abschätzen
Der Futtervorrat kann bei einer Durchsicht der Bienen gut abgeschätzt werden: Eine beidseitig voll verdeckelte Wabe enthält etwa 300 g Honig je dm2 Wabenfläche. Indem man alle 10 cm x 10 cm Segmente addiert, errechnet man die vorhandenen Vorräte. Eine ähnliche Methode ist die Flächenschätzung, bei der man sich betrachtet, ob eine Wabe komplett, zur Hälfte oder zum Viertel verdeckelt ist und von dort zurückrechnen.Rähmchen Wabenfläche Futtervorrat Mellifera-Einraumbeute / Dadant Brutraum 11 dm2 3,3 kg Zander 1,5 12 dm2 3,6 kg Top Bar Hive 10 dm2 3 kg Eingelagerten Vorrat nach Fütterung überprüfen
Bienenvölker gehen sehr unterschiedlich mit dem Futter um. Während ein Volk vielleicht das komplette gereichte Futter einlagert, verbraucht ein anderes Volk vom gereichten Futter direkt sehr viel, so dass kaum etwas davon als Vorrat in den Waben landet. Auch durch Räuberei (der eigenen Bienen oder an den eigenen Bienen) oder eine gleichzeitige Tracht kann weniger oder mehr Futter als gedacht bei den Bienen verbleiben.
Deshalb sollte nach der Fütterung überprüft werden, wieviel Futter tatsächlich von den Bienen eingelagert worden ist und ggf. nachjustiert werden.Welches Futter erhalten Bienen in wesensgemäßer Haltung?
Zum Aufbau bzw. der Ergänzung ihres Wintervorrats erhalten die Bienen einen 3:2-Sirup (3 Teile Zucker und 2 Teile Wasser). Das Wasser ist bei uns Kamillentee, der mit etwas Salz versetzt wird. Wenn ein Anteil vom Zucker als Honig gegeben wird, erleichtert dies den Bienen die Invertierung des Futters. Für Demeter zertifizierte Imkereien ist ein Anteil von 10% Honig vorgeschrieben.
Damit das Futter von den Bienen umgearbeitet und eingelagert werden kann, sollte die Fütterung in Zeiten ausreichen hoher Temperatur abgeschlossen sein, die Faustregel sagt: Bis Ende September. In jedem Fall jedoch bevor die Bienen sich regelmäßig aufgrund niedriger Temperatur zur engen Kugel zusammenziehen.
Schwärme sollten ihren Futtervorrat über die Saison hinweg aufbauen könne und werden bis Johanni mit einer 1:1-Mischung gefüttert, ab Johanni mit der 3:2-Mischung.
Verfüttern wir Honig, muss dieser entweder von den eigenen Bienen oder von garantiert faulbrutfreien Imkerei stammen – niemals Fremd- oder Supermarkthonig. Am besten beim Einkauf ansprechen, dass der Honig an Bienen verfüttert werden soll.Was ist bei der Überwinterung auf eigenem Honig zu beachten?
Wenn Bienen ihren Vorrat anlegen, beginnen sie mit dem Blütenhonig im Frühjahr und enden mit dem spät eingetragenen Honig. Häufig ist dies Blatt- bzw. Waldhonig oder auch Efeuhonig. Das Bienenvolk zehrt sich dann im Winter umgekehrt durch den Jahreslauf: Zuerst verzehren sie Wald- und Efeuhonig, am Ende den Frühjahrsblütenhonig.
Auch wenn eine Überwinterung auf reinem Waldhonig aufgrund seines hohen Anteils an Ballaststoffen für die Bienen problematisch ist, wenn sie nicht regelmäßig ihre Kotblase entleeren können, dürfen die Wintervorräte davon durchaus einen Anteil von 30% enthalten. Da Efeuhonig und manche Waldhonige in der Zelle schnell auskristallisieren, benötigen die Bienen Zugang zu Wasser, um ihn als Futter wieder verfügbar zu machen. Dafür können sie das eigene Schwitzwasser nutzen, welches ggf. im Stock kondensiert oder sie sind auf Flugwetter und Zugang zu einer Wasserquelle angewiesen. Wenn den Bienen der kandierte Honig unbrauchbar erscheint, kann es sein, dass sie ihn aus den Zellen räumen und die Kristalle im Frühjahr auf der Unterlage sichtbar werden.Mein Bienenvolk ist sehr klein. Kann es überhaupt überwintern?
Wir sehen ein Bienenvolk als Individualität an und nicht als Produktionseinheit. Daher lösen wir sie nicht auf oder werfen sie zusammen, um ein größeres Volk zu bilden („vereinigen“). Vielmehr vertrauen wir auch bei gesunden und gut verproviantierten kleinen Bienenvölkern auf wenigen Waben darauf, dass sie überwintern können. Gerade streckenweise kleine Bienenvölker überraschen uns im Frühjahr häufig besonders mit ihrem Wachstum und zeichnen sich im weiteren Jahresverlauf durch geringeren Varroabefall aus.
Was tun gegen Eindringlinge im Spätjahr und im Winter?
Andere Bienen, Wespen und Hornissen
Sind die Bienenvölker kräftig und gesund, sollten sie sich auch gegen Eindringlinge zur Wehr setzen können. Solange noch Flugwetter herrscht, können wir die Bienen bei der Verteidigung unterstützen, indem wir die Fluglöcher eng halten – gerade so, dass kein oder höchstens ein kleiner Stau am Flugloch entsteht.Asiatische Hornise (Vespa velutina nigrithorax)
Die Asiatische Hornisse fängt Bienen bevorzugt aus der Luft. Eine deutliche Einflugschneise zum Flugloch kommt ihr dabei gelegen. Im Imkerhandel werden mittlerweile unzählige Apparaturen / Maulkörbe für die Fluglöcher angeboten. Mit vorgehängten Zweigen lässt sich die Flugbahn der Bienen ebenso gut und günstig (und oft ästhetisch ansprechender) verschleiern. Hängen die Zweige ca. 20 cm vor dem Flugloch, versucht es die Hornisse möglicherweise zwischen Zweigen und Flugloch, schafft es aber dort nur schwer, ihren schnellen Angriff so zu koordinieren, dass sie eine Biene abfangen kann. Bei der Jagd im freien Raum vor den Zweigen finden die Bienen so viele unterschiedliche Wege für ihren Anflug, dass dadurch ihre gezielte Jagd ebenfalls erschwert wird.
Wenn niedrige Temperaturen die Bienen tagsüber zeitweise veranlassen, sich im Stock zur Kugel zusammenzuziehen, können engmaschige Gitter (Mascheinweite 6,3 mm) angebracht werden, damit die Velutina nicht in den Stock eindringt. Wichtig ist, dass dabei keine Drohnen ein- oder ausgesperrt werden, die gelegentlich im Herbst noch fliegen.Mäuseschutz
Wenn im Herbst die Temperaturen auch tagsüber deutlich absinken, machen sich Mäuse auf die Suche nach einem Winterquartier. Im Bienenstock würden sie nicht nur Bienen und Honig fressen, sondern die Winterruhe der Bienen so empfindlich stören, dass das Volk eingehen kann. Deshalb wird als Mäuseschutz ein Drahtgitter mit Maschenweite von 6-7 mm an den Fluglöchern angebracht oder das Flugloch auf einen Schlitz < 7mm reduziert. Entfernt wird es wieder bei steigender Temperatur im Frühjahr.
Wenn man sicher ist, dass es keine Zwergspitzmäuse am Bienenstand gibt, reicht eine Maschenweite von 8 mm (durch die jedoch die Asiatische Hornisse schlüpfen kann).
Nach Anbringen der Gitter sollte man einige Minuten verweilen und beobachten, ob die Bienen ihren Pollen gut hindurch transportieren können und allgemein mit dem Gitter zurechtkommen. Besonders bei sehr engen Fluglöchern und engen Maschen sollten die Gitter im Frühjahr entfernt werden, bevor die erste große Pollentracht aufkommt. Schließlich sollen die Bienen ihre wertvolle Fracht vollständig in ihre Behausung bringen können und nicht im Gedränge am Flugloch an den Gittern verlieren.
Raum für deine Fragen
Dieser Bereich wächst mit dem aufsteigenden Bienenjahr. Wenn deine Frage hier noch nicht beantwortet wird oder du spezielle Erlebnisse teilen und erörtern möchtest, kannst du deine Frage an die Community der Wesensgemäßen Bienenhaltung im Mellifera-Diskussionsforum richten. Dort findest du über die Suchfunktion bereits viele Themen perspektivenreich besprochen.