Bienenfreundinnen und Bienenfreunde in Hannover
Die Leiter*innen von Regionalgruppen und Kursen im Mellifera-Ausbildungsverbund sind im November 2025 in Hannover zusammengekommen. Bei ihrem Jahrestreffen schärfen sie die Wahrnehmung und feiern ihre Freundschaft.
Mo 1. Dezember 2025 von Katrin Sonnleitner Regionalgruppe, Veranstaltung, Wesensgemäße Bienenhaltung
Zu Besuch bei den Be(e) Friends
Zum Treffen des Mellifera-Ausbildungsverbunds und der Regionalgruppenleitungen im November 2025 lud uns die Regionalgruppe Be(e) Friends Hannover in die Freie Waldorfschule Bothfeld in Hannover ein. Gegründet hatte sich die Gruppe, nachdem Jürgen Weiler, biodynamischer Imker und Gartenbaulehrer am Bienenstand einige Jahre lang den Kurs „Mit den Bienen durchs Jahr“ geleitet hatte. Zum weiteren Austausch und für die gegenseitige Unterstützung bei Bienenfragen bleiben sich ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer seit 2024 als Regionalgruppe verbunden. Außerdem haben sie sich zum Ziel gesetzt, die die wesensgemäße Bienenhaltung und alles, was dazugehört, im Raum Hannover zu vertreten – immer stärker auch bei öffentlichen Auftritten und Veranstaltungen.
Ein Wochenende in der Schule
Die Waldorfschule ist als verwinkeltes, dorfähnliches Gelände angelegt, in dem die unterschiedlichen Klassenstufen kleine, frei stehende Gebäudeeinheiten „bewohnen“. Bereits 1982 wurden sie in Bezug auf Nachhaltigkeit fortschrittlich gebaut. So kann zum Beispiel das Regenwasser komplett über die bewachsenen Dächer der Häuschen aufgefangen werden, ohne dass diese einen Anschluss an die Kanalisation bräuchten.
Liebe auf den ersten Blick ... (Foto: Erhard Maria Klein)
Ab und an läuten dort alte Schulglocken – echte Kleinode, für die der alteingesessene Hausmeister spezielle Verfahren zur Erhaltung und Reparatur ersonnen hat.
Für ein ganzes Wochenende durften wir uns im Gartenbau-Pavillon einrichten. Fast die komplette Gruppe nahm dieses Angebot an und nächtigte auf Luftmatratzen zwischen den Schulbänken.
Nach Jürgens Führung, in der wir auch den Schulgarten besichtigten, an den Eseln vorbeikamen und natürlich auch die Bienen besuchten, kamen wir im Eurythmie-Saal zusammen.
Vorstellungsrunde im Freundeskreis
Auch wenn sich die meisten Freunde bereits länger kennen, gibt es doch immer auch neue Gesichter. Alle haben wir gemeinsame, dass die Bienen uns immer wieder in Staunen versetzen und vor neue Fragen stellen. So outeten sich diesmal „Jungimker“ nach zwei bis fünfundvierzig Jahren … Sie sind begeistert vom sozialen Miteinander der Bienen, der Heilkraft der Bienenerzeugnisse und kamen, um sowohl ihr Gespür als auch ihr praktisches Tun zu vertiefen, „das Unsichtbare jenseits von KI und IT-Wahnsinn zu wahrzunehmen“.
Einige Zeilen aus Goethes Faust begleiteten unsere Runde. Denn das von den Be(e) Friends für die Gruppe erstellte Programm sollte auch den Raum bieten, um die Verbindung zu den spirituellen Wurzeln zu pflegen und die Gemeinschaft zu festigen.
Geheimnisvoll am lichten Tag
lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben
Und was sie deinem Geist
nicht offenbaren mag,
das zwingst du ihr nicht ab
mit Hebeln und mit Schrauben.
(Goethe, Faust)
Gemeinsamer Tagesausklang bei Gemüsesuppe aus dem großen Kessel an der Feuerstelle (Foto: Katrin Sonnleitner)
Sonnen-Verbunden wie die Bienen
Lesung aus den Bienenvorträgen (Foto: Katrin Sonnleitner)
Gruppenmitglied Werner Raue führte mit einer Lesung aus Rudolf Steiners Bienenvorträgen über die Entwicklungszeiten der Bienenwesen und ihre Erd- bzw. Sonnenverbundenheit in den Tag ein.
Danach leitet Laura Mönkemeyer eine Runde Eurythmie, die von Karen Mey am Piano begleitet wird.
Die Gruppe wacht auf und findet peu à peu in einen gemeinsamen Rhythmus.
Zum anschließenden Vortrag kamen weitere Mitglieder der Regionalgruppe hinzu. Ihre feinen Kuchenspenden bereicherten die Kaffeetafel sehr – danke!
Dr. Reinhardt Kindt im Vortrag (Foto: Katrin Sonnleitner)
Dr. Reinhardt Kindt, anthroposophischer Hausarzt im Ruhestand, sprach über Zusammenhänge zwischen dem planetaren System und dem Organsystem des Menschen.
Im einen stünde die „Sonne als Zusammenhangsgestirn“ im anderen stellte er das Herz als zentrales „Wahrnehmungsorgan“ vor. Nach einer Meditation entwickelte die Gruppe im Gespräch Zusammenhänge zu Organfunktionen im Organisumus Bien, bei dem ein solch zentrales Organ wie das menschliche Herz nicht direkt körperlich greif- bzw. sichtbar wird, sondern auf der Gefühlsebene erfahren werden kann.
Exkursion zur Schaumburger Waldimkerei
Anna-Lisa Giehl zeigt uns ihre Waldimkerei (Foto: Katrin Sonnleitner)
Nachmittags steht noch ein Ausflug an: Imkermeisterin Anna-Lisa Giehl empfing uns in ihrer Waldimkerei. Während sie uns über das mit zahllosen liebevollen Details gestaltete Gelände mit Wachshaus, Schleuderraum, Gemüsegarten und kleiner Schafherde führte, hat sie uns erklärt, wie es – mit großem Rückhalt und Unterstützung ihrer Familie – entstanden und gewachsen war. Sie ging dabei auch auf die enge Beziehung zwischen ihrer Imkerei und dem von ihren Eltern gegründeten Verein Schaumburger Bienenhaus ein. Das Bienenhaus ermöglicht als außerschulischer Lernort Schulklassen Bienenbegegnungen und Kontakt zu Naturzusammenhängen und Einblicke in die Entstehung von Lebensmitteln.
Es regnete, und uns fröstelte. Umso mehr freuten wir uns auf die Wärme des wunderschönen Bienenhauses, an dem wir schließlich anlagten. Anna hat hier in einer berührenden Lesung ihre Gedanken zur Beziehung und dem Wohl von Bienen für den Menschen vorgetragen.
Die Treue der Bienen besteht darin, dass sie den Menschen auf seinem ureigenen Entwicklungsweg begleiten. (…) Die Bienen sprechen zu uns in Bildern, die jeder in sich selbst entstehen lassen muss. (Anna-Lisa Giehl)
In kleinen Meditationen sammelten wir Eindrücke vom ersten Mal, bei dem wir auf uns allein gestellt unser erstes Bienenvolk allein geöffnet hatten und labten uns danach noch einmal über leckere Suppe und loderndes Feuer. Der Ausflug zum Schaumburger Bienenhaus ist sicher ein Muss für alle Bienenbegeisterten!
Sonntagsübungen: Bewegung und Wahrnehmung
Am Sonntag las Werner erneut aus den Bienenvorträgen und streifte dabei viele Apekte aus dem Leben der Bienen: Begattung, Schwärmen, Giftwirkung im Bienenstock. In der folgenden Eurythmie-Einheit gelangen die am Vortag probierten Übungen schon flüssiger, mit Freude, Gespür und Vertrauen in die Gruppe und mit erstaunlich wenig Rempelei …
Dann nahm uns Norbert Poeplau mit auf die Reise in die Substanzwahrnehmung: Alle erhielten nun eine kleine, dunkelbraune Wachskugel in die Hand. So richteten wir die Aufmerksamkeit zunächst auf den eigenen inneren Zustand und schickten unsere Wahrnehmung danach in drei Etappen zunächst von der Körpermitte in den Boden, dann über Oberkörper und Kopf in die Höhe und in einen „kugeligen“ Umkreis. Danach erzählten wir jeweils von den Eindrücken. Danach tauschten wir unsere Kugel durch eine andere, ähnliche aus. Wir vollzogen die Schritte erneut. Bei vielen unterschieden sich die Eindrücke deutlich. Geschildert wurden Empfindungen von Kälte, Wärme, Farben, sie enthielten materielle oder räumliche Beschreibungen, sprachen von Licht oder Dunkelheit.
Was hat es nun mit diesen Wachskugeln auf sich gehabt? Dass die Kugeln aus dem Wachs bebrüteter Waben bestanden hatten, war den meisten bereits klar. Der Unterschied lag jedeoch darin, dass es sich um Arbeiterinnen- bzw. Drohnenwaben gehandelt hatte. Und was war was? Die Meinungen gingen auseinander, Norbert klärte auf: Erste Runde Drohnen, zweite Runde Arbeiterinnen.
Nach einem gemeinsamen Imbiss stob die Gruppe wieder in Richtung ihrer Heimat-Regionen auseinander, seelisch-geistig gestärkt und mit Freude auf eine erneute Zusammenkunft im nächsten Jahr.
Bis zum nächsten Mal!
Du möchtest gern mit Gleichgesinnten Teil dieser großartigen Gemeinschaft werden? Hier findest du Information zur Gründung einer Regionalgruppe.