Die Lösung der Honigbiene für das Varroa-Problem
Der Imker Steve Riley beschreibt in seinem Buch „Die Lösung der Honigbiene für das Varroa-Problem“, wie sich seine Imkergemeinschaft in Südengland auf den Weg in Richtung Behandlungsfreiheit gemacht hat. Das Buch wurde bei der Apimondia 2025 im Rahmen der Beekeeping Awards ausgezeichnet und ist nun als deutsche Übersetzung im Haupt Verlag erschienen. „Ein Praktischer Leitfaden für Imkerinnen und Imker“ auch in Deutschland? Katrin Sonnleitner hat es gelesen und teilt ihre Ansicht mit euch.
Fr 26. Juni 2026 von Katrin Sonnleitner
Bei unserer Konferenz zur Koexistenz von Honigbienen und Varroa erzählte David Heaf von der praktischen Arbeit seines britischen Imkerkollegen Steve Riley. Als Vorstand und Bildungsbeauftragter der Organisation Westerham Beekeepers in Südengland, einem Verein von etwa 100 hauptsächlich Hobbyimkerinnen und -imkern, hatte er 2017 mit seiner Imkergemeinschaft ein Projekt gestartet, um Bienen auf Varroaresistenz-Merkmale zu selektieren und sie chemiefrei zu führen.
Die Erkenntnisse der Gemeinschaft hat Riley 2025 im Buch „The Honey Bee Solution to Varroa“ (Northern Bee Books) zusammengefasst hat. Während ich es in der englischen Originalfassung durchgearbeitet habe, was aufgrund zahlreicher anschaulicher Abbildungen fast ein Spaziergang war und nebenbei mein englisches Bienen-Vokabular angereichert hat, wurde schon eifrig an einer deutschen Übersetzung gearbeitet. Diese ist nun im Haupt-Verlag erschienen.
Der erste Eindruck von außen
Äußerlich unterscheiden sich die beiden Bücher ein wenig. Die englische Fassung macht mit ihrer etwas wunderlichen Coverzeichnung von Dan Peterson neugierig: Michelangelos Schöpfungs-Hand inspiriert Charles Darwins Kopf, der nach unten hin zu Bienenwaben und Bienenbart wird, und zu der es im Umschlag der Originalausgabe heißt:
„Dan Peterson’s Illustration frames the debate between natural selection and creationism in the nineteenth century.“
In der deutschen Fassung zieren den Titel Fotos von Steve Rileys Bienenstand. Ist es ein graphischer Kunstgriff, dass die Hand im blauen Latexhandschuh in sehr ähnlicher Position wie die von Michelangelo steht? Zusammen mit der verschleierten Besuchergruppe wirkt das im Verhältnis zu den Bienen eher distanziert. Doch ahhh, welche Wohltat – normales Papier statt klebrige Soft-Touch-Beschichtung!
Die inneren Werte: Erkenntnisse auf dem Weg zur Behandlungsfreiheit
Der Titel „Die Lösung der Honigbiene für das Varroa-Problem“ regt zur Interpretation an: Die Bienen haben eine Lösung, und wenn wir Menschen genau hinschauen, können wir mehr und mehr ein Teil der Lösung sein.
Ein Blick ins Buch. (Foto: Haupt Verlag)
Seine Lösungsfindung beschreibt Steve Riley anschaulich und unterlegt sie mit verständlichen, gut ausgearbeiteten Graphiken. Jedes Kapitel hält exakt, was es verspricht, und bringt sein Thema und seine Relevanz für den Weg auf den Punkt. In die inhaltlichen Hintergründe, wie zum Beispiel zur Entstehung von Varroaresistenz oder zu den Gründen, aus denen Bienenvölker an Varroa zusammenbrechen, führt Riley umfassend, aber nicht ausschweifend ein.
Als aus subjektiver Perspektive verfasster Leitfaden teilt Riley mit dem Leser seine eigene Erfahrung und erläutert biologische Hintergründe im Zusammenspiel von Varroa und Bienenentwicklung. Den Fokus legt er in der Praxis auf die minimalinvasive Bodenschieberdiagnose unter dem Gitterboden, was seine Methode besonders reizvoll auch für wesensgemäße Bienenhalter macht. Besonders ausführlich beschreibt der Autor das sogenannte Recapping-Verhalten (REC) bei Bienen, nämlich das Öffnen und Wiederverschließen bereits verdeckelter Brutzellen.
Gefühl und Fakten Hand in Hand
Ihrem unguten Gefühl im Bauch, ihrem Widerwillen beim jahrelangen Behandeln der Bienen, welches die Westerham Beekeepers auf ihren im Buch beschriebenen Weg gebracht hat, ließen sie eine fundierte wissenschaftliche Recherche folgen, die Riley anwendungsorientiert ausgewertet und niedergeschrieben hat. Gerade das kann ermutigen, einen eigenen Weg zu finden. In Deutschland imkern wir zwar in anderen, etwas weniger begünstigten Verhältnissen: Die hierzulande hohe Bienendichte, der genetische Austausch mit hauptsächlich stark behandelten und weitläufig konventionell beimkerten Bienenvölkern statt mit einer resistenten Wildpopulation bedeuten, dass die Hinweise nicht ganz 1:1 angewendet, sondern aufmerksam im eigenen Umfeld interpretiert werden müssen. Dieser Umstand tut dem „Praktischen Leitfaden“ jedoch keinen Abbruch. Er bietet in jedem Fall Inspiration, die helfen kann, Verhaltensweisen bei den Bienen zu erkennen, die besonders talentierte Völker im Umgang mit Varroa auszeichnen und eröffnet Perspektiven bei der persönlichen Entscheidung zum Weniger-, Seltener- oder Nicht-Behandeln und bei der Selektion.
Hartmuth Wenzel, Leiter unserer Regionalgruppe Wien und Umgebung, fühlte sich beim Lesen bestätigt im eigenen Umgang mit den Bienen und fasst zusammen:
„Dieses Buch beschreibt gut nachvollziehbar das Verhältnis von Apis mellifera zu Varroa destructor und Wege, wie man als Imker zu varroaresistenten Bienenvölkern kommen und letztendlich auf Behandlungen gegen Varroa verzichten kann. Kleiner Spoiler: wesensgemäße Bienenhaltung ist dabei sehr hilfreich.“
Fazit: Lesen, Beobachten, Machen
Das Buch ist für Einsteiger leicht verdaulich, liefert Fortgeschrittenen gehaltvolles Wissen und Würze mit vielen Details und – das ist mein persönlicher Eindruck – bietet die Chance, eigene Wahrnehmungen zu verknüpfen und sich selbst auf dem Bienenweg zu orientieren.
Viel Freude beim Lesen, Beobachten und Lernen mit den Bienen und Milben!