Die summende Sympathieträgerin im Museum
Honiggelb – das ist der Titel der großen Kunstausstellung, die aktuell im Museum Wiesbaden gezeigt wird. Dabei dreht sich alles um die Biene in der Kunst.
Do 28. November 2024 von Gastautor*in BieneMenschNatur.48, Interview, Kunst&Kultur
Der Direktor des Museums und Kurator der Ausstellung, Dr. Andreas Henning, ist seit mehreren Jahren Mitglied bei Mellifera e. V.. Im Interview erzählt er, warum es sich gerade besonders lohnt, in die hessische Landeshauptstadt zu fahren.
Lydia Wania-Dreher: Wie hat die Biene dich gefunden oder du sie?
Dr. Andreas Henning: Mit der Biene verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen: Begegnungen mit einem Imker und seinen Bienenstöcken auf einigen unserer sonntäglichen Spaziergängen in der Heidelandschaft des niederländischen Nationalparks De Maasduinen.
Du bist Mitglied bei uns und unterstützt so unsere Arbeit. Welche Verbindung hast du zu Mellifera e. V.?
Ich war auf der Suche nach einem Imkerkurs. Für mich kam nur Demeter in Frage, da hier die Lebenskräfte der Erde in einer wirklich zukunftsfähigen Weise gepflegt werden. Im Jahr 2018 habe ich dann in Altenburg (Thüringen) einen Kurs in einer Demeter-Imkerei besucht, der im Rahmen des Ausbildungsverbunds von Mellifera e. V. stattfand. Es war eine wunderbare, anregende Erfahrung durch das ganze Bienenjahr hindurch.
Wie kam es zu „Honiggelb – Die Biene in der Kunst“?
Während des eben genannten Imkerkurses meldete sich der Kunsthistoriker in mir zu Wort mit der Frage, wie die Biene in vergangenen Epochen betrachtet wurde: Wenn sie heute die Sympathieträgerin des 21. Jahrhunderts ist, fragte ich mich, welche Geschichten, Ideale und Sinnbilder mit ihr in der Kunst der Frühen Neuzeit verbunden waren? Woher kommt es, dass so viele Menschen seit dem Beginn des neuen Jahrtausends gerade an der Überlebensnot der Biene – der Honigbiene wie der ihrer wilden Schwestern – die eigene Verantwortung für die Natur entdecken?
Was macht die Ausstellung in Wiesbaden zur Biene in der Kunst so besonders?
Erstmalig wird die mehr als 500-jährige Geschichte der Honigbiene anhand hochkarätiger Kunstwerke erzählt, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Mit mehr als 140 Exponaten, darunter viele Leihgaben aus den großen europäischen Museen und Schätze aus Privatsammlungen, spannt sie einen weiten Bogen.
Stephanie Lüning - „Goldstücke - Golden Treasures“. (Foto: Museum Wiesbaden)
Und zugleich präsentieren wir eine zweite Ausstellung zur Biene! Als Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur zeigen wir die Biene nicht nur aus der Perspektive der Kunstgeschichte, sondern thematisieren die Biene auch in unseren Naturhistorischen Sammlungen. Die faszinierende Biologie dieses Insekts wird hier genauso anschaulich gemacht wie die Jahrtausende alte Beziehung zwischen Mensch und Biene. Beide Ausstellungen sind eigenständig konzipiert, aber inhaltlich miteinander verwoben.
Zwei Facetten der Bienen im Blick – spannend.
Ja, da in der Kunstausstellung viele konservatorisch fragile Werke sind, endet diese allerdings bereits am 22. Juni, während die Naturausstellung bis ins kommende Jahr läuft.
Wer den doppelten Genuss möchte, muss sich also beeilen. Was sind denn deine drei persönlichen Highlights unter den Exponaten der Kunstausstellung?
Ganz schwierige Frage, denn als Kurator solch einer Ausstellung ist man allen Objekten gleich eng verbunden. Eine große Freude war es, im Musée du Louvre in Paris eine der ganz selten überlieferten Imkerdarstellungen aus dem 16. Jahrhundert studieren zu können. Diese Federzeichnung auf blauem Papier, die dem venezianischen Künstler Domenico Campagnola zugeschrieben ist, zeigt Imkerinnen und Imker beim Einfangen eines Bienenschwarms – und ist für mich ein Höhepunkt im Parcours der Ausstellung.
Hinreißend ist auch das Gemälde von Lucas Cranach, in dem er die antike Geschichte von Amor als Honigdieb schildert, gemalt 1527 als moralische Warnung vor Gier und Wollust.
Hans Thoma - „Der Bienenfreund“. (Foto: Museum Wiesbaden)
Von Hans Thoma stammt das Schlüsselwerk zum Bienenkorb als Ort der Idylle: „Der Bienenfreund“ (1863) aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Es scheint mir ein Gegenentwurf zur beginnenden Industrialisierung zu sein – und in gewisser Weise knüpfen wir heute wieder daran an mit unserem Interesse und Eintreten für die Biene.
Vom Sehen zum Schmecken. Honiggelb oder doch weiß wie Rapshonig? Welche Honigsorte magst du besonders?
Uff, noch so eine schwierige Frage, denn es gibt so viele wunderbare Honigsorten in all ihren unterschiedlichen Gelbfärbungen, so vielfältig wie „Honiggelb“… Eichenhonig schätze ich sehr. Grundsätzlich kaufe ich immer von regionalen Bio-Imkereien und bin natürlich auch im Urlaub besonders neugierig auf die lokalen Honigsorten. Und für mich ist keine Weihnachtszeit ohne viele, viele Bienenwachskerzen denkbar.