Metamorphosen der Wärme - Das Arbeitstreffen Bienen und Spiritualität 2025
Das Arbeitstreffen Bienen und Spiritualität hatte sich im vorigen Jahr dem Licht-Aspekt im Bienenvolk gewidmet. 2025 fand es vom 5.-7. Dezember an der Fischermühle statt und vertiefte ein Thema, was damals bereits anklang: Die Wärme – im Bien, in uns.
Di 9. Dezember 2025 von Katrin Sonnleitner Apitherapie, Kunst&Kultur, Veranstaltung, Wesensgemäße Bienenhaltung
Vom Sonnenlicht zur Wabe
Zu Beginn am Freitag haben wir gemeinsam den „Waben-Wachs-Weg“ besprochen, ausgehend von der blühenden Pflanze, zum Eintragen von Nektar und Pollen, der Fütterung der Brut, der Entwicklung des Fettkörpers nach der Metamorphose der Biene und dann zum Wabenbau – und zur brennenden Kerze, wo die „Lichtsubstanz“ wieder befreit wird und in den Kosmos strahlt.
Die Übung war früher auch schon mal dran. Diesmal haben alle die inneren Bilder ohne Anleitung durch mich meditiert. Ich machte nur Vorbereitung und Ausklang. Es war superschön.
(Johannes Wirz)
Zu den Bienen spüren
Am Samstagmorgen besuchte die Gruppe die Bienen am winterlichen Bienenstand. Die Lehrbienenstöcke an der Lagd lagen zwar nicht im Schnee, doch nach drei Wochen frostiger Temperatur hatten sich die Bienen zur Winterruhe zurückgezogen und ließen sich nicht am Flugloch blicken. Stille.
So standen die Menschen im Zentrum der unterschiedlichen, nahezu kreisförmig stehenden Bienenstöcke und öffneten ihre Sinne in Richtung der Bienen. Einige empfanden sich – umgeben von einer Art „gemeinsamer Glocke“ oder spürten eine Ruhehülle, die einen Raum auch um die Menschen beschrieb.
Die Sinne geöffnet, Tabula rasa im Denken. Das Hinspüren zu den Bienen schlägt Johannes Wirz als Übung der inneren Beziehungspflege vor. Wenn wir zu den Bienen gehen, trägt ihnen unser Geist etwas entgegen, und er empfängt auch etwas. Welche Eindrücke sind das? Was kommt dabei von mir, was von den Bienen? Die Einladung ergeht – auch an dich, wenn du diesen Bericht liest – diesen Eindrücken Raum zu geben und sie zu notieren, um sich beim nächsten Treffen dazu auszutauschen.
Heiße Eisen und heiterer Klang
Am Samstagmorgen ging es ins Material. Der Kunstschmied Hubert Hunstein hatte bereits eine mobile Esse aufgebaut und darin ein Schmiedefeuer entzündet. Rundstäbe aus Baustahl wurden dann im Feuer erhitzt, bis sie zum Leben erwachten und auf dem Amboss verformt werden konnten. Es war beeindruckend, zu beobachten, dass der Impuls durch den Hammerschlag die Wärme im Eisen neu antrieb. Dennoch brauchten die meisten „mehrere Wärmen“, mussten ihre Werkstücke also mehrmals zurück ins Feuer legen, um sie erneut plastisch zu machen und als erste Übung eine Spitze an den Rundstahl zu bringen.
(Foto: Katrin Sonnleitner)
Beim gemeinsamen Schmieden war die Atmosphäre heiter und von gegenseitiger Wahrnehmung und auch Rücksichtnahme auf den Arbeitsrhythmus unserer Mitwirkenden geprägt. Es ging bis in die Nacht, bis alle Kunstwerke fertig waren.
Heitere Atmosphäre beim gemeinsamen Schmieden (Foto: Katrin Sonnleitner)
Beuys und die Wärme
In einer Schmiedepause am Nachmittag erinnerte Markus Hilfenhaus an Joseph Beuys‘ bis zur Erschöpfung geführte Arbeit an einer „sozialen Plastik“. Seine künstlerischen Schritte tat er für eine Gesellschaft, die von allen und für alle gestaltet sein sollte, durch all unsere Handlungen oder Nicht-Handlungen. In diesem Kontext sah er jeden Menschen als einen Künstler, der mit seinen Händen die Welt verändern kann. Und mit Wärme.
Auch wir kennen den Honig als ein Gemeinschaftsprodukt, und erleben, wie aus weiterem gemeinschaftlichem Handeln bei den Bienen Wachs als neue Substanz und Waben als neue Gestalt entstehen.
Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des Willens.
(Joseph Beuys)
Jeder Mensch müsse sich auch als Mitmensch bzw. Mitwesen und damit als Teil einer aus vielen anderen Wesen bestehenden Mitwelt begreifen, zu der auch Pflanzen und Tiere gehören. So entstehen auch in unserer Gesellschaft in Empathie und mitmenschlicher Wärme neue „Substanzen“ und im Gemeinwohl neue soziale „Gestalten“.
Wir nehmen ein starkes Plädoyer mit: Für die Entwicklung eines selbstbewussten und souveränen „Ich“, welches in den Umkreis wirkt und sich den Dingen stellt, die da kommen. Aus Freiheit das Notwendige tun.
Kraft der Sonne, Wärme der Welt
Am Sonntagmorgen stimmten wir uns mit gemeinsamem Gesangt aufeinander ein. Nicola Noack dirigierte uns bis hin zum vierstimmigen Kanon. Die wunderbare Verbindung wurde im Raum hörbar und blieb bestehen, als wir uns mit Martin Schäfer und Johannes Wirz einer Wärme-Meditation widmeten. Sie beschrieben Meditation als Übung, einen Bewusstseinsinhalt für eine gewisse Zeit anwesend zu halten. Eine anstrengende Übung auf dem Weg, ein „über-sinnliches Organ“ zu bilden, um Denken, Fühlen und Wollen als einen ganzheitlichen ungetrennten Bedeutungsraum zu kultivieren.
In meinem Herzen
Strahlt die Kraft der Sonne
In meiner Seele
Wirkt die Wärme der Welt.
Ich will atmen
Die Kraft der Sonne
Ich will fühlen
Die Wärme der Welt.
Sonnenkraft erfüllt mich
Wärme der Welt durchdringt mich.
(Rudolf Steiner)
Es braucht viele Wärmen, bis das Kunstwerk fertig ist. (Foto: Katrin Sonnleitner)
Weitere Veranstaltungen
Du kannst dich bereits anmelden zu Bienen und Spiritualität in 2026: 4.-6.12.2026 an der Fischermühle.
Mit den Imkerkursen im Ausbildungsverbund kann die wesensgemäße Bienenhaltung deutschlandweit praktisch erfahren und erlernt werden: Im Kurs Mit den Bienen durchs Jahr machen interessierte Neueinsteiger erste Schritte mit den Bienen.
Vom 7.-10. Mai kannst du im Praxiskurs Wesensgemäße Bienenhaltung alles lernen rund ums Imkern in der Schwarmzeit, Naturwabenbau und die wesengemäße Bienenhaltung in Einraumbeuten und unseren anderen Lieblingsbehausungen.