Zeidlerei: Alte Handwerkskunst hoch in den Bäumen
Nach jahrelanger Pause richtet Mellifera e. V. im Herbst wieder einen Zeidlerkurs aus. Doch was ist eigentlich das besondere an der Bienenhaltung in Bäumen?
Mo 25. Mai 2026 von Gastautor*in BieneMenschNatur.50, Wesensgemäße Bienenhaltung, Zeidlerei, wildlebende Bienen
Die Jahrmillionen lange Entwicklung der Honigbiene hat sich in unseren Breiten hauptsächlich in Hohlräumen der Natur vollzogen. Oft waren hohle Bäume im Wald die Hülle, die den Bien vor eisiger Kälte und Winterstürmen geschützt und das Überleben gesichert haben. Ein Teil dieser Entwicklung und Überlebensstrategie ist auch, dass die Bienenvölker in der kalten Jahreszeit aus der Brut gehen, also keine Jungbienen aufziehen, für die eine Brutnesttemperatur von ca. 35°C notwendig wäre. Der Wald mit Naturhöhlungen in Bäumen ist ursprünglicher Herkunftsort von Bienenvölkern, die heute oft in Kunststoff Styroporkästen oder geschreinerten Holzkästen von Imkern gehalten werden.
In früheren Zeiten, als Imker noch wussten wo im Wald sich natürlicherweise Bienenvölker befanden und diese besuchten, um Honig und Bienenwachs zu ernten, wurden diese Imker als Zeidler bezeichnet. Bald wurden von den Zeidlern selbständig Höhlungen in Waldbäume geschlagen, um den Honigbienen dort einen vorbereiteten Wohnraum an ausgewählten Plätzen zu geben. Ihr Wissen über das Nektar- und Pollenangebot im Wald war die Voraussetzung, um die Dichte der Zeidlerbäume im Wald richtig zu bestimmen, so dass die Nahrungsgrundlage der einzelnen Völker gesichert war.
Weiterhin wurden die Bienenbäume gegen Honigräuber, wie z. B. Bären, gesichert. Der amerikanische Bienenwissenschaftler Tom Seeley hat in seinen Grundlagenforschungen zu Honigbienen herausgefunden, dass Bienen Baumhöhlungen höher als 5m über dem Boden bevorzugen, eben dort wo Bären aber auch Menschen nicht so ganz einfach hinaufkönnen. Dort sind vielfach Schwärme auf Wohnungssuche hoch oben in leerstehende Bienenbäume eingezogen.
Das Zeidlerhandwerk wurde bis heute in Baschkirien (Russland) in zum Teil 500-jähriger Familientradition von Generation zu Generation weitergegeben. Über polnische Zeidlerfreunde, die das Handwerk in Baschkirien gelernt haben, wurde das Wissen in Westeuropa zuerst in der Schweiz und im Jahr 2016 auch in einem Kurs an der Fischermühle weitergegeben. Ein weiterer Kurs an der folgte 2018. Seitdem gibt es 9 Bienenbäume in den Wäldern um Rosenfeld.
Weit mehr aber entstanden in den Kursen sogenannte Klotzbeuten. Das sind große Baumstammstücke mit ausgearbeiteten Bienenhöhlungen nach Zeidlerart, die die Kursteilnehmenden mit nach Hause nehmen konnten, um sie im Garten oder auch hoch oben auf einem Ast stehend an einem Baum zu befestigen.
Durch industrielle Landwirtschaft, Krankheiten, Parasiten und eingeschleppte Feinde wie der Asiatischen Hornisse ist das Überleben von Honigbienen heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch Hobbyimker müssen gut geschult sein, um weiterhin Freude an ihren Bienenvölkern zu haben.
Zehn Jahre nach unserem ersten Zeidlerkurs an der Fischermühle biete ich Anfang Oktober zusammen mit den polnischen Freunden und engagierten deutschen Zeidlern der ersten Stunde noch einmal einen Zeidlerkurs an der Fischermühle an, wo unser Wissen zur Ausarbeitung lebender Bäume und Klotzbeuten als Bienenstöcke an interessierte Bienenfreundinnen und Bienenfreunde weitergegeben wird. In diesen Bienenstöcken dürfen dann weitere Honigbienenvölker, vielleicht etwas mehr als ihre Artgenossen in Honigproduktionskästen, ihr „wildes“ Honigbienenleben, das durch geschulte Bienenfreunde betreut wird, ausleben.
Norbert Poeplau, Imkermeister
Vom 3. bis 6. Oktober 2026 laden wir dich zum Praxiskurs Zeidlerei und Klotzbeutenbau an die Fischermühle in Rosenfeld ein.
Die Plätze sind begrenzt, melde dich also schnell an.