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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

"Guck mal: Honig von Mellifera e. V. schmeckt großartig. Wenn man ihn - wie im Winter - nicht aus der Wabe schlecken kann, tut's auch mal der aus dem Glas."

Alles Bio-Honig oder was?

Bio-Lebensmittel boomen. Leider lässt sich bei Honig nicht immer genau sagen, was die Bienen sammeln, denn sie haben einen großen Flugradius. So las man in letzter Zeit öfters etwas von Glyphosat im Honig, gentechnisch veränderten Pollen, Bio-Honig gibt es gar nicht. Der Deutsche Imkerbund spricht gar von „Verbrauchertäuschung“. Was ist dran?

2016 kauften die Deutschen für 9,5 Milliarden Euro Bio-Lebensmittel. Das waren knapp 10 % mehr als im Vorjahr. Es freut uns, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, wo ihre Lebensmittel herkommen, wie die Tiere gehalten werden und was die Lebensmittel enthalten bzw. was nicht. Leider lässt sich letzteres beim Honig nicht immer genau sagen, denn Bienen haben einen großen Flugradius. So las man in letzter Zeit öfters etwas von Glyphosat im Honig, gentechnisch veränderten Pollen, Bio-Honig gibt es gar nicht. Der Deutsche Imkerbund spricht gar von „Verbrauchertäuschung“. Was ist dran? Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiterhin auf ein Bio-Siegel beim Honigeinkauf achten?

Mellifera e. V. setzt sich seit über 30 Jahren für eine wesensgemäße, ökologische Bienenhaltung ein. Vereinsgründer Thomas Radetzki wirkte Anfang der 1990er Jahre in der Bundesfachgruppe Ökologische Bienenhaltung mit, welche die Grundlagen für die spätere Zertifizierung in verschiedenen Öko-Anbauverbänden schafft. Auch bei der Entwicklung der Richtlinien für Demeter-Bienenhaltung, welche die höchsten Anforderungen an Bio-Imker stellt, war Mellifera e. V. beteiligt. Dies alles haben wir sicherlich nicht aus Spaß an der Freude getan oder um mit unserem Honig mehr Geld zu verdienen.

Die Vorteile der Bio-Imkerei sind evident: Bessere Bienenhaltung, mehr Tierschutz und weniger Chemie. Bio-Imker sind zumeist Idealisten, welche zu diesem Zweck erhebliche Bewirtschaftungserschwernisse in Kauf nehmen. So dürfen Bio-Imker nur wenige rückstandsfreie organische Säuren im Kampf gegen die Varroamilbe verwenden. Die Anwendung erfordert ein großes Fingerspitzengefühl und einen hohen Arbeitseinsatz.

Naturbau-Wabe mit offenem und verdeckeltem Honig. Bio-Imker haben eine ständige Erneuerung von Bienenwachs in ihre Betriebsweise integriert, welcher die Anreicherung von externen Schadstoffen vorbeugt.
Beim Auffüttern der Bienenvölker dürfen Bio-Imker ausschließlich Zucker aus ökologischer Landwirtschaft verwenden. Damit unterstützen sie über den eigenen Betrieb hinaus diese Art der Landwirtschaft.

Demeter-Imkereien gehen hierbei immer noch einen (oder zwei?) Schritt weiter. Das Imkern mit dem Schwarmtrieb, mit Naturwabenbau und mit einem intakten Brutnest ist um einiges anspruchsvoller und zeitintensiver. Auch besteht das Futter zusätzlich aus mindestens 10 % eigenem Demeter-Honig (welcher logischerweise nicht für den Verkauf zur Verfügung steht).
Dies alles tun wir für die Gesundheit der Bienen und um eine bestmögliche Honigqualität zu erhalten.

Trotz all dieser Bemühungen können leider auch Bio-Imker nicht garantieren, dass ihre Bienen nur ökologisch bewirtschaftete Flächen befliegen, auch wenn sie dies bei der Aufstellung ihrer Bienenvölker beachten. Der Anteil der Öko-Anbaufläche lag in Deutschland 2016 bei 1,5 Millionen Hektar (7,5%). Demgegenüber stehen rund 90.000 Bienenvölker, welche jeweils 2.800 Hektar befliegen. Es lässt sich leicht erkennen, dass diese Zahlen nicht zueinander passen. So kann es sein, dass Glyphosat und andere Pestizide, auch im Bio-Honig landen. Jedoch liegen die Schadstoffgehalte, wenn überhaupt vorhanden, in der Regel unterhalb den gesetzlichen Höchstmengen. Bei Untersuchungen der Zeitschrift Öko-Test schnitten Bio-Honige bei Pestizid-Nachweisen durchschnittlich besser ab, als Honige aus konventioneller Produktion.

Wabe mit offener und verdeckelter Brut (links), offenem und verdeckeltem Honig und buntemPollen (rechts). Bio-Imker auf der ganzen Welt prangern den Einsatz bienenschädlicher Pestizide und den Anbau gentechnisch veränderter Organismen an. So macht sich das von Mellifera e. V. initiierte Bündnis zum Schutz der Bienen vor Gericht für ein Verbot der besonders bienenschädlichen Neonicotinoide stark. Mit Erfolg: Drei der Wirkstoffe dürfen seit 2013 nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden. Außerdem hat das Bündnis mit seinen Klagen zum Schutz vor Verunreinigung von Honig durch gentechnisch veränderten Pollen wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland bis heute gentechnikfrei ist. Dem Bündnis haben sich viele Bio-Verbände und – Imker angeschlossen. Sie alle tragen aktiv dazu bei, dass es auf unserer Erde weniger Schadstoffe gibt.

Insofern bitten wir Sie: Kaufen Sie (weiterhin) Honig mit Bio-Siegel, am besten natürlich in Demeter- Qualität und am allerbesten von der Fischermühle.

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 33 • Winter 2017/2018

Cover 0 Download (pdf, 2,6 MB)

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