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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Bienen im Kamin

Umsiedeln von “unerwünschten” Bienenvölkern.

Als Jungimker bekam ich oft zu hören, dass es nicht möglich sei, ein Bienenvolk aus einem Mauerwerk heraus zu bekommen. Teilweise wurden die Bienenvölker sogar getötet, weil Menschen Ängste hatten und niemand einen Rat wusste.

Von einem Imkerkollegen erfuhr ich, dass es auch anders geht: mit Hilfe eines engmaschigen Drahtröhrchens. Später las ich Artikel über Schwarmfangmethoden mit Bruträhmchen. Ich fing an beide Methoden zu kombinieren und hatte Erfolg. Im ersten Jahr fing ich zwei Völker aus einem Kamin, eins aus einem Mauerwerk und eins aus einer Linde.
Meistens wurden mir die Schwärme kurz nach dem Einzug gemeldet. Aber auch bei Völkern, die schon Brut haben, ist eine Umsiedlung möglich.

Vorgehensweise

Zuerst wird das Flugloch bzw. die Fluglöcher gesucht und mit „Einbahnstraßen“ versehen. Mit Hilfe von ca. 20cm langen und 3cm dicken Drahtröhrchen, die an den Enden soweit zusammengedrückt werden, das die Bienen nur noch raus, aber nicht mehr hinein gelangen. Dies hat zur Folge, das sich ziemlich rasch eine große Anzahl von Bienen an dem Röhrchen niederlässt und dieses abreißen könnte. Deshalb ist es stabil zu gestalten. Das Drahtröhrchen befestige ich mit Hilfe eines Tackers an einem Holzbrettchen mit Loch im gleichen Durchmesser. Die im Handel erhältlichen Bienenfluchten eignen sich übrigens nicht für diese Aktion.

Die zweite Maßnahme, die praktisch gleichzeitig erfolgt, ist das Aufstellen einer „Ersatzwohnung“, die mit einer Futterwabe und einer Brutwabe mit nicht verdeckelter Brut und aus einigen Ammenbienen besteht.

Nun werden die Bienen, die nicht mehr in ihre alte Wohnung gelangen können, sich rasch für die neue Wohnung entscheiden. Im alten Volk wird bald ein Mangel entstehen, der immer mehr Bienen dazu nötigt auszufliegen, um den Mangel zu beheben. Je nach Menge der Vorräte im alten Bienenvolk und je nach den herrschenden Witterungsbedingungen kann diese Operation mehrere Tage bis Wochen dauern. Sollte es den Bienen in dieser Zeit gelingen, die Einbahnstraße zu überwinden, fängt die ganze Prozedur wieder von vorne an.

Zu diesem Zweck, habe ich mir Schwarmfangkisten mit Flugloch, passend für mein Rähmchenmaß, gebaut. Außerdem könnten einige Hilfsmittel wie Spanngurte und Klebeband von Nöten sein, um die neue Wohnung möglichst nah am Flugloch zu platzieren, und um die alten Fluglöcher zu verschließen. Aluklebeband hat sich hierbei bewährt; jedoch nur auf trockenen und propolisfreien Untergründen.


Nützliche Utensilien:

  • Leiter
  • Aluklebeband
  • modifizierte Schwarmfangkiste
  • Akkuschrauber/Bohrmaschine
  • Drahtröhrchenen (mit 10×10cm großen Holzbrettchen als Grundplatte)
  • Spanngurte
  • Schutzkleidung

Hilfreich kann auch eine Bohrmaschine und ein Akkuschrauber sein.
Diese Art der Umsiedlung sollte man regelmäßig kontrollieren.

Wenn nach einiger Zeit feststeht, dass die Bienen umgezogen sind, kann das Volk an einem Abend verschlossen und umgesiedelt werden.

Marco Janßen (Imker und Schwarmfänger)

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 34 • Frühjahr/Sommer 2018

Cover 0 Download (pdf, 3,9 MB)

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