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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Honigprobe: Frisch aus der Wabe schmeckt der Honig am allerbesten.

Bienen machen Schule – schon im Kindergarten

Seit 2008 betreuen die Kinder der städtischen „Tageseinrichtung für Kinder Heinrich-Brandhoff-Straße“ in Gelsenkirchen-Horst zusammen mit dem Imker Ralf Berghane ein eigenes Bienenvolk auf dem Gelände des Kindergartens. Dadurch, dass sie bei allen Arbeitsschritten mitwirken dürfen, werden die Kinder zu richtigen Bienenexperten.

Seit 2008 betreuen die Kinder der städtischen „Tageseinrichtung für Kinder Heinrich-Brandhoff-Straße“ in Gelsenkirchen-Horst zusammen mit dem Imker Ralf Berghane ein eigenes Bienenvolk auf dem Gelände des Kindergartens. Ralf Berghane betreibt in seiner Freizeit eine Biolandimkerei und ist Mitglied bei „De Immen e.V.“.

Begeisterung von Anfang an

Das Bienenvolk zieht in sein Haus in der „KiTa Heinrich-Brandhoff-Straße“ ein.

Begonnen hat alles mit der Anfrage einer Erzieherin bzgl. einer Besichtigung mit den Kindern. Imker Berghane lud zunächst die MitarbeiterInnen der Tagesstätte ein, um diese mit den Bienen bekannt zu machen und gemeinsame Besuche mit Kindern zu planen. Zur Premiere kamen gleich mehrere Kindergartengruppen. Die Kinder hatten erstmals Gelegenheit Bienenvölker aus der Nähe zu beobachten und Honig naschend interessante Dinge über die Biene zu erfahren. Alle Beteiligten waren begeistert und Heike Kostarellis, die Leiterin der Tagesstätte, konnte Ralf Berghane für die Idee gewinnen, ein Bienenvolk im Kindergarten anzusiedeln, um gemeinsam mit den Kindern zu imkern.

Bevor das Bienenprojekt beginnen konnte, waren einige Vorbereitungen zu treffen: Bei einer Standortbesichtigung im Kindergarten wurden Aufgabenverteilung und Zeitplan besprochen. Dann mussten der Träger der Einrichtung befragt, Versicherungsfragen geklärt, die Zustimmung von Mitarbeitern und Elternbeirat eingeholt und ein Notfallplan erstellt werden. Schließlich wurde eine Verhaltensschulung für das Erzieherteam durchgeführt und Imkerkleidung gekauft. Eltern nähten einfache Imkerschleier für die Kinder. Nun mussten nur noch die ersten Brutwaben gebaut und Ansatzstreifen eingelötet werden. Dabei konnten die Kinder bereits mitarbeiten. Dann kam der große Tag: Unter den Augen von Erziehern, Kindern und Eltern zogen etwa 15.000 Bienen zusammen mit ihrer Königin friedlich in ihre neue Behausung in der Heinrich-Brandhoff-Straße ein.

Alle Arbeitsschritte gemeinsam

Die Kinder tragen die frisch geernteten Honigwaben zum Schleudern in die Kindergartenküche.

Der Bienenstock steht in einem abgezäunten Bereich des Außengeländes. Die Kinder beobachten gemeinsam mit dem Imker regelmäßig am Flugloch oder schauen ins Bienenhaus. Auch die jahreszeitlichen Arbeiten werden gemeinsam durchgeführt. Im April zieht die erste, bald darauf die zweite und dritte Honigzarge ins Bienenhaus ein. Zwischendrin dürfen die Kinder den Honig direkt aus der Wabe probieren, was ihnen größtes Vergnügen bereitet. Höhepunkt der jahreszeitlichen Arbeiten ist die Honigernte Ende Mai/ Anfang Juni. Dazu zieht der Imker nach und nach die bis zu 2,5 kg schweren Honigwaben. Diese werden dann von den Kindern in die Kindergartenküche getragen. Dort dürfen sie die Waben entdeckeln und den Honig schleudern. Geschwister, Eltern und Großeltern sind dabei als Gäste willkommen. Sie schauen den Kindern durch das große Küchenfenster staunend über die Schulter. Der Honig wird später in Gläser abgefüllt, mit den Etiketten von Imker Berghane und der „KiTa Heinrich-Brandhoff-Straße“ versehen, und als „Patenhonig“ verkauft oder verschenkt. Im Winter träumen die Kinder gemeinsam mit dem Imker von der nächsten Honigsaison, während sie Varroen zählen, die Winterbehandlung durchführen und neue Waben für den Honigraum bauen.

Dadurch, dass sie bei allen Arbeitsschritten mitwirken dürfen, werden die Kinder zu richtigen Bienenexperten: Sie können Eltern und Geschwistern vermitteln, dass man keine Angst vor Bienen haben muss und dass Biene und Wespe ganz verschiedene Tiere sind. Die Kindergartenkinder sind stolz auf ihr Bienenvolk „Sumsebrumm“ und lieben den Umgang mit den Tieren. Dank dem Vorbild von Ralf Berghane ist der Beruf des Imkers für viele Kinder zu einem Wunschberuf geworden.

Vom Kurzzeit- zum Langzeitprojekt

Aus dem zunächst auf ein Jahr ausgerichteten Projekt ist inzwischen eine Dauereinrichtung geworden. So können immer wieder neue Kinder und Eltern ein Jahr mit dem Bienenvolk erleben. Mit diesem Projekt ist es den Akteuren gelungen Kinder, Eltern und Großeltern zu begeistern, die bisher keinen Bezug zu Bienen und Imkerei hatten. Mit dem Beginn der neuen Bienensaison bauen Kinder und Erzieherinnen an einem weiteren Bienenprojekt: Bereits im letzten Herbst haben sie Material für Wildbienenbehausungen gesammelt…

Am 12. April erreichte uns die Nachricht, dass die Bienenkönigin mit einem Teil Ihres Volkes ausgeschwärmt ist. Nachbarn hatten den Schwarm in einer Fichte entdeckt, wo er auf Ralf Berghane und seine Nachwuchsimker wartete. Inzwischen hat das neue Bienenvolk eine eigene Behausung und trägt fleißig Pollen und Nektar ein.

Barbara Ströll

Kontakt und Info
Heike Kostarellis: E-Mail schreiben
Bioland Imkerei Berghane: www.berghane.de

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 20 • Frühjahr/Sommer 2011

Cover 0 Download (pdf, 3,0 MB)

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