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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

In der wesensgemäßen Bienenhaltung dürfen Bienen ihre Waben selbst bauen, eine wichtige hygienische Maßnahme für die Volksgesundheit. Foto: Michel Colette

Bienen verstehen, wesensgemäß Imkern

Wesensgemäß Imkern, wo kommt das her, was bedeutet es? Es kommt aus Rosenfeld. Und es steht für eine Haltung von Bienen und gegenüber Bienen, die 1985 in einem Freundeskreis um die Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle geprägt wurde. In Zeiten von ökologischer, artgerechter, nachhaltiger, naturgemäßer, biologischer, bienengerechter, wesensgemäßer Bienenhaltung schwirrt manchen Laien und auch Imker sicherlich der Kopf. Zeit für Aufklärung…

Im Vereinsregister ist unser Verein als „Mellifera e. V., Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung“ registriert. Der Zusatz „Mellifera“ kam erst im Jahr 2000 durch die Suche nach einem kurzen, prägnanten, internationalen Begriff und damals noch freier Internetdomain. Mellifera ist Bestandteil des weltweit verwendeten zoologischen Namens für unsere westliche Honigbiene „apis mellifera“. Apis ist lateinisch die Biene und mellifera bedeutet: die Honigtragende. Aber was ist wesensgemäße Bienenhaltung? Warum betreiben wir sie und wie unterscheidet sie sich von anderen Formen und Richtlinien in der Imkerei?

Ursprünge

Anders als die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die von Rudolf Steiner mit einem Kurs für Landwirte in Koberwitz (1924) begründet wurde, gibt es keinen vergleichbaren Zeitpunkt für die Entstehung der wesensgemäßen Bienenhaltung. Seine Bienenvorträge von 1923 wurden für die Arbeiter beim Bau des Goetheanums gehalten und sind nur an wenigen stellen fachlichen Details gewidmet. Sie sind reich an intimen Einblicken in das Wesen der Bienen und in die Kultur der Bienenhaltung, deren Stellenwert sich jedoch erst durch profunde Kenntnisse der Anthroposophie erschließen und für die imkerliche Praxis nutzbar wird. Auch auf den Demeter-Höfen blieben die imkerlichen Betriebsweisen nach den Bienenvorträgen weitgehend konventionell. Erst in den 1980er Jahren mit der Ausbreitung der Varroa-Milbe und dem ersten Bienensterben in Deutschland stellten einige Imker im Umfeld der neu gegründeten Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle ihre imkerliche Praxis grundlegend in Frage und begannen vor dem Hintergrund der Äußerungen Steiners und des Werkes Ferdinand Gerstungs (1860-1925) neue Betriebsweisen zu entwickeln. Ferdiand Gerstung war einer der sogenannten „Großmeister“ der deutschen Bienenzucht und veröffentlichte 1901 das bahnbrechende Werk „Der Bien und seine Zucht“. Zunächst weitgehend im Stillen und gänzlich gegen den Strom der Zeit wurden damit an der Imkerei Fischermühle die Grundlagen der wesensgemäßen Bienenhaltung gelegt. Die „Bundesfachgruppe Demeter Bienenhaltung“ entwickelte dann Richtlinien für die Art der Haltung, die seit 1995 der Zertifizierung für Produkte aus Demeter Bienenhaltung dienen.

Wesensgemäße Bienenhaltung entsteht durch eine respektvolle, offenherzige Beziehung zu den Bienen. Die Art der Haltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen und Instinkten des Bienenvolks. Die Bienen bauen ihre Waben selbst und vermehren sich über den Schwarmtrieb. Auf die gängige Praxis der künstlichen Königinnenzucht wird verzichtet. Die Integrität des sensiblen Brutnestes wird gewahrt.

Schwarmtrieb

Schwärmen ist ein Ausdruck von Fülle – es gibt viele Bienen, viel Brut und einen Überfluss an Vorräten im Volk. Beim Schwärmen verlässt die alte Königin mit einem Teil der Arbeiterinnen den Bienenstock. Sowohl im alten wie im neu entstehenden Bienenvolk kommt es infolge des Schwärmens zu einer Brutunterbrechung. Der Schwarm muss erst ein neues Zuhause suchen und für ein neues Brutnest Waben bauen. Im zurückgebliebenen Volk schlüpft zunächst eine neue Königin; erst nach dem Hochzeitsflug beginnt sie Eier zu legen. Durch die mit dem Schwarmakt verbundene Brutunterbrechung werden bakterielle Erkrankungen wie Faulbrut und Sauerbrut reduziert und auch die Belastung mit der Varroa-Milbe wird vermindert. Schwärmen ist ein Akt der Gesundung!

Naturwabenbau

Die Waben haben viele wichtige Funktionen im Bienenvolk. In den Zellen der Waben wird die Brut herangezogen, sie garantieren somit den Fortbestand des Volkes. Sie dienen zudem als Speicher für Honig- und Pollenvorräte und auf ihnen sind Tanzböden markiert auf denen die Kommunikation der Bienen durch Schwänzel-, Sichel- und Rundtänze stattfindet. Der Wabenbau wurde über viele Millionen Jahren perfektioniert. Die Dynamik des Bauens ist besonders im Frühjahr eines der schönsten Erlebnisse des Imkers. Für die Volksgesundheit sind Wachsschwitzen und Wabenbauen wichtige hygienische Maßnahmen. Dabei sind positive Effekte bei Faul- und Sauerbrut nachgewiesen. Für den Bau von Waben verbraucht ein Volk mehr Honig. Dieser ökonomische Nachteil tritt bei der wesensgemäßen Bienenhaltung wegen der Orientierung auf das, was dem Wesen entspricht und auf langfristige Gesundheit in den Hintergrund.

Königinnenzucht

Bei einer Vermehrung der Bienenvölker über den natürlichen Schwarmtrieb wird die künstliche Königinnenzucht überflüssig. Im imkerlichen Zusammenhang bedeutet das Wort Zucht nicht nur Selektion sondern auch die Art der künstlichen Produktion von Königinnen mittels einem vom Imker herbeigeführten Notzustand. Völker in Schwarmstimmung ziehen viel mehr Königinnen heran, als sie selbst brauchen. Viele Imker und auch Bienenwissenschaftler sind der Auffassung, dass ohne künstliche Zucht, die Qualität der Königinnen schlechter werden muss, weil bestimmte Eigenschaften wie Schwarmträgheit, Honigleistung, Sanftmut etc. verloren gehen. Fälschlicherweise wird unterstellt, dass mütterlicherseits keine Auswahl erfolgt, sondern lediglich zufällig die Völker vermehrt werden, die als erste schwärmen. Das braucht aber nicht der Fall zu sein. Die üblichen Gesichtspunkte für eine züchterische Selektion auf der väterlichen Seite werden durch neuere Forschungen in Frage gestellt. Umso größer die genetische Vielfalt der Drohnen, umso größer ist die Vitalität der Völker – eine Strategie, die sich in der Evolution bewährt hat. So zeigen aktuelle Studien, dass sich die Einflüsse der Mehrfachbegattung unter anderem positiv auf die Volksstärke beim Einwintern auswirken; die Brutnester sind größer, die Bienen fliegen weiter entfernte Nektarquellen an, im Bienenstock ist die Resistenz gegen Infektionskrankheiten höher und die Abwehr von eingeführten Faulbrutsporen ist besser.

Anforderungen der Verbände

Ökologische Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter oder das EU-Biosiegel stellen unterschiedlich strenge Anforderungen an die Art der Bienenhaltung. Für Verbraucher, die Wert auf Bio-Qualität legen, stiften die vielen unterschiedlichen Labels oft Verwirrung. Die Tabelle soll einen Überblick über die unterschiedlichen Anforderungen der Verbände geben.

*Hydroxymethylfurfural (HMF) ist ein Abbauprodukt von Zuckern. Es kommt in frischem Honig nicht oder nur in geringen Spuren vor. Ein niedriger HMF-Gehalt ist ein Indikator für frischen, naturbelassenen Honig.

Sarah Bude, Öffentlichkeitsarbeit & Jungimkerin

Hinweis: Die aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten, auf die sich der Beitrag bezieht, sind in der Publikation von Johannes Wirz (In: Elemente der Naturwissenschaften, Heft 101/2014, S. 92-113) im Einzelnen als Quellen genannt:

Bienen verstehen, wesensgemäss imkern (pdf/1,3 MB)

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Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 28 • Frühjahr/Sommer 2015

Cover 0 Download (pdf, 2,2 MB)

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