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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Mit Nummern gezeichnete Bienen haben ihre künstliche Futterquelle kennengelernt. Ohne den Einfluss von Neonicotinoiden bringen sie den „Nektar“ zuverlässig nachhause in den Bienenstock. Foto: Theresa Müller

Dem Gedächtnis der Bienen auf der Spur

Prof. Dr. Randolf Menzel ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Bienenforschung. An der Fischermühle war Prof. Menzel bereits des Öfteren zu Gast und hielt Vorträge oder stellte praxisnah seine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Höchste Zeit, dass wir ihn genauer vorstellen.

Prof. Menzel am BienenstockFoto: Theresa Müller Prof. Dr. Randolf Menzel ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Bienenforschung. Seit fast 50 Jahren beschäftigt sich der Neurobiologe mit Bienen. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, war Präsident, Mitglied und Sprecher diverser akademischer Einrichtungen unter anderem der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der International Society für Neuroethology. Seit 1976 arbeitet und forscht er an der Freien Universität Berlin, wo er lange Jahre das Institut für Neurobiologie leitete. An der Fischermühle war Prof. Menzel bereits des Öfteren zu Gast und hielt Vorträge oder stellte praxisnah seine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Letztes Jahr referierte er hier auf dem wissenschaftlichen Symposium zu Neonicotinoiden. Höchste Zeit, dass wir Herrn Menzel in BMN genauer vorstellen…

Herr Menzel, wie sind Sie eigentlich auf die Bienen gekommen?

Nun, schon mein Großvater und Urgroßvater waren Zoologen und auch bei mir war relativ früh klar, dass ich etwas mit Tieren machen wollte. Also, entschied ich mich für ein Biologiestudium, wobei es den Diplomstudiengang damals noch gar nicht gab. Ich studierte auf Lehramt. Neben der Biologie auch noch Chemie, Physik und Pädagogik. Ich promovierte auch erst, bevor ich mein Staatsexamen ablegte. Während des Studiums interessierten mich besonders die Themen Lernen und Gedächtnis bei Insekten. Mein damaliger Professor verwies mich dann an Prof. Martin Lindauer (Schüler von Karl von Frisch) nach Frankfurt. Über ihn kam ich 1965 zu den Bienen. Zwei Jahre später promovierte ich zum Thema Farbenlernen von Bienen.

Sie haben früher sehr viel Grundlagenforschung im Bereich Neurobiologie betrieben. Heute forschen Sie auch über die sublethalen Effekte von Neonicotinoiden. Wie kam es dazu?

„Unsere“ Anne Spatz unterstützte Prof. Menzel bei seinen Freilandexperimenten an Bienen. Als Neurobiologe beschäftige ich mich mit Fragen, die mit der sensorischen Integration, dem Lernen und der Gedächtnisbildung bei den Bienen zusammenhängen. Wir führen Verhaltensexperimente zur Navigation und Kommunikation durch und analysieren ihre Fähigkeiten Farben und Düfte zu unterscheiden. Neonicotinoide wirken auf ein bestimmtes Molekül im Bienengehirn. Hier gibt es also Zusammenhänge.

Als die Neonicotinoide in den 1990er Jahren auf den Markt kamen, herrschte noch erheblicher Forschungsbedarf hinsichtlich ihrer Wirkweise. Damals erhielt ich eine Anfrage von einem Unternehmen. Sie stellten mir etwas Geld zur Verfügung und die Wirkstoffe, wobei ich bis heute nicht weiß, welche es genau waren. Meine Ergebnisse damals waren aus der unternehmerischen Perspektive nicht erfreulich. Ich durfte nichts veröffentlichen und die Blätter verschwanden in irgendeiner Schublade und waren nie wieder gesehen. Jahre später habe ich die Thematik gemeinsam mit meinem ehemaligen Mitarbeiter Bernd Grünewald, der Leiter des Instituts für Bienenkunde an der Universität Frankfurt ist, und unter Mithilfe von Anne-Kathrin Spatz, die zuvor Praktikantin bei Mellifera e. V. war, wieder aufgegriffen.

An was forschen Sie aktuell?

In einer Studie haben wir den Einfluss von verschiedenen Pestiziden auf den Orientierungssinn untersucht. Die Ergebnisse wurden dieses Jahr im März bei PLOS one veröffentlicht. Ausgangspunkt war, die bekannte Störung der Navigation von Bienen. Wir wollten wissen worauf diese beruht. Zudem gingen wir der Frage nach wie und ob Neonicotinoide selektiv auf manche Gehirnareale wirken. Dafür trainierten wir zunächst eine Gruppe Bienen darauf, eine unbehandelte Futterstelle 400 Meter entfernt vom Bienenstock direkt anzufliegen. Dann fingen wir die Bienen ein und ließen sie an einer anderen Stelle frei. Auch hier fanden die unbehandelten Tiere rasch zu ihrem Stock zurück. Bienen allerdings, die an der Futterstelle geringe Mengen der Pestizide Imidacloprid, Clothiandidin oder Thiacloprid verabreicht bekamen, waren in ihren Heimflügen beeinträchtigt. Das Ergebnis war, dass deutlich weniger Bienen den Weg zurück zum Stock fanden, oft nur auf Umwegen und unter größerem Zeitaufwand.

Die Industrie und andere Kritiker monieren, dass dies nur einzelne Bienen betrifft aber nie den ganzen Stock. Was sagen Sie dazu?

Hier ist in der Tat weitere Forschung notwendig. Wir arbeiten hier aktuell mit Imkern zusammen um die Ergebnisse in der Praxis und somit am Volk zu überprüfen. Allerdings konnten wir bereits feststellen, dass chronisch aufgenommene Pestizide Einfluss auf die Tanzkommunikation im Bienenstock haben. Diese ist gestört und findet teilweise nicht mehr statt. Die Schwierigkeit, die Auswirkungen in der Praxis zu überprüfen, liegt auch daran, dass die Imker ihre Bienen wirklich gut betreuen und gegebenfalls zufüttern und Varroabehandlungen durchführen. So ist die Schädigung des ganzen Volkes vor allem in Kombination mit weiteren Stressfaktoren wie Futtermangel und Virusinfektionen schlecht messbar. Ich mache mir da auch eher Sorgen um die Wildbienen und Hummeln. Der Einfluss der Neonicotinoide auf die gesamte Umwelt stellt ein viel größeres ökologisches Problem dar, denn um die kümmern sich ja keine so engagierten Menschen.

Wie kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Mellifera e. V.?

Ich erhielt damals eine Einladung von Thomas Radetzki zu einem Vortrag an der Fischermühle. Da ich ein neugieriger Mensch bin und noch Platz im Terminkalender hatte, reiste ich nach Rosenfeld. Ich weiß noch, ich hielt damals einen Vortrag über die Intelligenz der Bienen. Die Imkerei und die Menschen dort haben mich positiv beeindruckt. Ich verstand mich auf Anhieb gut mit Thomas Radetzki. Zudem kann ich mich gut mit der Art der Bienenhaltung identifizieren, wobei ich mit Esoterik nicht soviel anfangen kann. Letztes Jahr organisierten wir dann das wissenschaftliche Symposium zusammen.

Wie ordnen Sie die Arbeit von Mellifera ein?

Ich finde die Arbeit des Vereins sehr wichtig und unterstützenswert. Wobei ich versuche mit wissenschaftlicher Forschung Unterstützung zu leisten. Dafür habe ich mit politischer Arbeit nichts am Hut. Hier ist dann Mellifera e. V. gefragt, den Bienen eine Lobby zu geben.

Imkern Sie eigentlich selbst?

Nein, ich hatte zwar mal einen Bienenstock im Garten stehen. Aber der diente nur zur Beobachtung. Vom Imkern verstehe ich nicht wirklich etwas. Ich würde wohl nicht mal eine Virusinfektion und eine Gefährdung durch Varroa erkennen.

Das Gespräch führte Sarah Bude

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 26 • Frühjahr/Sommer 2014

Cover 0 Download (pdf, 1,6 MB)

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