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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Frisch eingetragener Honig in einer jungen Wabe. Foto: Norbert Poeplau

Bienenwachs – Träger und Vermittler von Licht und Wärme

Bienenwachs ist über den Zucker der Pflanzen gewissermaßen geronnenes Sonnenlicht und -wärme. Diese Wärme lässt sich über äußere Anwendungen dem Patienten zuführen.

Inhaltsstoffe und Eigenschaften des Bienenwachses

Bienenwachs (Cera flava) besteht zum Großteil aus Myricin (Gemisch von Estern langkettiger Alkohole und Säuren). Enthaltenes Propolis sowie Pollenöl (welches Carotin enthält) verleihen ihm seine gelbe Färbung. Frisch aus den Wachsdrüsen am Hinterleib der Biene ausgeschwitzt, ist Bienenwachs anfänglich noch farblos. Erst mit der Zeit erhalten die Waben ihre typische Farbe und Geruch. Die Bienen überziehen zur allgemeinen Stockhygiene ihr Wabenwerk regelmäßig mit einer ganz feinen Schicht Propolis. In die Wabenzellen eingelagerte Pollen sowie die nach dem Schlüpfen der Brut in den Zellen zurückbleibenden Nymphenhäutchen bewirken, dass die Waben in einem Bienenstock von Jahr zu Jahr immer dunkler werden.

Bienenwachs wird zwischen 25 und 40 Grad Celsius weich, weshalb es sich gut in der Hand kneten lässt. Zwischen 62 und 65 Grad wird Bienenwachs flüssig. Es besitzt die besondere Fähigkeit, zu trennen als auch zu verbinden: So ist es z. B. einerseits bei gelatinehaltigen Lebensmitteln – wie z. B. Gummibärchen – Trennmittel (als E 901 deklariert), andererseits findet es Verwendung als Emulgator in der Salbenherstellung.

Von den physikalischen Eigenschaften des Bienenwachses steht seine Fähigkeit, Wärme zu speichern, im Mittelpunkt.

Den Rohstoff für ihr Wabenwerk nehmen die Bienen aus dem in ihrer Nahrung enthaltenen Zucker. Die erforderliche Zuckermenge ist abhängig vom geographischen Standort, der Stärke des Volkes und variiert von Rasse zu Rasse. Ca. 6-7 kg (im Nektar nur anteilmäßig enthaltener) Zucker werden durchschnittlich benötigt, um 1 kg Wachs zu produzieren.

Bienenwachs ist über den Zucker der Pflanzen gewissermaßen geronnenes Sonnenlicht und -wärme. Diese Wärme lässt sich über äußere Anwendungen dem Patienten zuführen.

Von der Altwabe zum Heilmittel: Verarbeitungsprozesse des Bienenwachses

Die Bienen bilden beim Bauen ihrer Waben eine Baukette – sie hängen sich aneinander.Foto: Michel Collette Für die Wachsqualität, insbesondere bei der Verarbeitung zu Heilzwecken, sind verschiedene Aspekte von Bedeutung.

Zum einen enthält Bienenwachs Umweltgifte, welche sich in den Waben anreichern, u. a. fettlösliche konventionelle Medikamente zur Behandlung der Varroamilbe. Bienenwachs für die Kosmetik- und Heilmittelherstellung sollte deshalb möglichst aus der biologischen Imkerei stammen. Zum anderen sind die Bearbeitungs- und Reinigungsprozesse in der Wachsverarbeitung zu bedenken. Bei allen üblichen Verfahren wie Schmelzen und Filtrieren von Altwaben werden Aromen und wertvolle Bestandteile wie Flavonoide und natürliche Antibiotika aus dem Propolisanteil vermindert.

D.h. um eine optimale Bienenwachsqualität für Heilzwecke zu erzielen, sollte der Anteil der Umweltgifte möglichst gering sein und die Reinigungsprozesse des Wachses so schonend wie möglich vorgenommen werden. Beim Einschmelzen empfiehlt es sich, die für Bienenwachs nötige Schmelztemperatur von 62-65 Grad nicht zu überschreiten. Mit jedem Filtrationsvorgang werden leider auch gerade jene Inhaltsstoffe im Wachs reduziert, welche therapeutisch wertvoll sind: vor allem Propolis und Pollen.

Ein Beispiel für Bienenwachs als Wärmeträger ist die äußere Anwendung bei Husten als Brustauflage oder im Bereich von Gelenken und muskulären Verspannungen aufgelegt.

Möchte man Bienenwachsauflagen herstellen, so ist am besten ein Wachs zu verwenden, welches nur grob von Verunreinigungen gesäubert wurde und lediglich einmal eingeschmolzen wurde, so dass möglichst viele der wertvollen Inhaltsstoffe an den Patienten abgegeben werden.
 
Da es sich hierbei um ein ganz einfach zu handhabendes Hausmittel handelt, soll im Folgenden die Anwendung beschrieben werden.

Anwendung von Wachsauflagen

Die Auflage wird in einen kleinen Bezug (z. B. ein ausrangierter Kopfkissenbezug) gelegt und zwischen zwei Wärmflaschen vorsichtig erwärmt. In die Wärmflaschen sollte kein kochendes Wasser eingefüllt werden, sondern z. B. eine Mischung aus 1/3 kaltem Leitungswasser und 2/3 90°-heißem Wasser. Während des Erwärmens der Wachsauflage darauf achten, dass das Wachs nicht „wegschmilzt“ und in den Kissenbezug übergeht.

Wenn die Auflage gut weich ist, aus dem Kopfkissenbezug herausnehmen und dem ruhenden Patienten direkt auf die Haut (am Ort der Beschwerden) auflegen, mit einem Tuch abdecken und eine Wärmflasche darüberlegen. Anwendungsdauer: min. 10 min. Eine Auflage kann bis zu zehnmal verwendet werden.

Anwendungsgebiete:
Bronchitis, Gelenkschmerzen, muskuläre Verspannungen.

Zu beachten:
Auflagen sollten nicht zwischen Patienten ausgetauscht werden. Nach einer schweren Erkrankung (z. B. Lungenentzündung) Auflage entsorgen.

Wachsauflagen können auch bei Mellifera e. V. bestellt werden:
www.mellifera.de/shop
Tel.: 07428 / 945249-0

Entdeckelungswachs zur Herstellung einer Propolislotion

Kommen wir von der Verarbeitung eingeschmolzener und gereinigter Altwaben nun zum Entdeckelungswachs. Bei vielen Freizeitimkern fällt dieses eher als Abfallprodukt an und findet häufig keine Weiterverarbeitung. Es handelt sich um jene dünne Wachsschicht, mit welcher die Bienen die mit Honig gefüllten Waben verdeckeln; vor dem Schleudern des Honigs nimmt der Imker diese Wachsschicht mit einer Gabel ab. Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus Honig und großteils hellem, frisch ausgeschwitztem Wachs. Nur zum geringeren Teil werden Wabenzellen von den Bienen zum Verdeckeln umgearbeitet. Im Imkereibedarfshandel gibt es sogenannte Abdeckeltenschmelzer, mit denen man Wachs und Honiganteil des Entdeckelungswachses (der Abdeckelten) trennen kann. Doch auch hierbei wird das Wachs erhitzt und – wie oben beschrieben – werden die wertvollen hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe teilweise zerstört.

Im Folgenden möchte ich eine Rezeptur für eine ölige Propolislotion (s. Kasten unten) vorstellen, bei welcher die Bienenprodukte Propolis und Entdeckelungswachs direkt nach der Herausnahme aus dem Bienenstock ohne weitere Reinigungsschritte verarbeitet werden. Alle Zutaten werden von Hand ausschließlich mechanisch im Mörser miteinander verbunden, ohne Erhitzen und ohne Zusatz von Alkohol oder anderer Emulgatoren. Es entsteht eine Lotion ausschließlich durch die emulgierenden Eigenschaften des Bienenwachses und der menschlichen Hand.

Der Vorteil des Entdeckelungswachses ist, dass es durch den Honiganteil feuchtigkeitsbindend und -spendend ist. Entdeckelungswachs wirkt zudem stark regenerationsfördernd auf die Haut. Hinzu treten die antibiotischen, antimykotischen und antiviralen Eigenschaften des Propolis.

Herstellungsanleitung für eine ölige Propolis-Lotion

Bestandteile:
10 g* Propolis
20 g Verdeckelungswachs
70 g Olivenöl

Zunächst 10 g Propolisgranulat, so wie es im Bienenstock von den Rähmchen abgeschabt wurde, verlesen und von Verunreinigungen wie Holzsplittern u. ä. befreien und im Mörser zerstoßen, dann 70 g Olivenöl hinzugeben und so lange verreiben, bis sich das Propolis annähernd im Öl gelöst hat (Dauer ca. 15-20 min). Dann 20 g Entdeckelungswachs zugeben und solange mit Druck reiben, bis eine sämige glatte Salbe entstanden ist.

Anwendungsgebiete:
Oberflächliche infizierte Hautwunden, Hautpilze, Ekzeme, Neurodermitis, Schuppenflechte.

Zu beachten:
Anwendung nur dann, wenn keine Propolisallergie vorliegt.

Auf Grund ihrer Konsistenz eignet sich die Lotion auch zu Massagezwecken bei Verspannungen und Schmerzen im Bewegungsapparat. Die im Propolis enthaltenen schmerzstillenden und entzündungshemmenden Stoffe wirken deutlich beschwerdelindernd.

Haltbarkeit:
Durch die antibiotischen Eigenschaften des Propolisanteils im Kühlschrank über Monate haltbar.

* Wer keine Taschenwaage besitzt, kann sich die Bestandteile auch in einer Apotheke auswiegen lassen.

Literatur: Bogdanov, Stefan: Bienenwachs.
Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, Liebefeld 1999
www.agroscope.admin.ch

Almut Tobis, Ärztin

Die therapeutischen Empfehlungen aller Rezepturen sind in die Eigenverantwortung des Anwenders gestellt und ersetzen nicht die diagnostische Abklärung / den therapeutischen Rat durch einen Arzt oder Heilpraktiker. Die juristische Haftung der Autorin ist in jedem Fall ausgeschlossen.

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 31 • Winter 2016/2017

Cover 0 Download (pdf, 2,1 MB)

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