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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Milder Wintertag an der Fischermühle. Foto: Mellifera e. V.

Auswirkungen des Klimawandels auf die imkerliche Betriebsweise

Diesen Sommer haben wir mal wieder den Klimawandel zu spüren bekommen. Der eine freute sich über die monatelangen sommerlichen Temperaturen, der andere stand mit Tränen im Auge vor seinen vertrockneten Aussaaten. Auch die Bienen litten, denn das Futterangebot war noch magerer als sonst, da auch die pflanzliche Nektarproduktion auf Feuchtigkeit angewiesen ist.

Imker und ihre Bienen sind sehr eng mit den lokalen Witterungsverläufen verbunden. Vielen Imkern stellt sich deshalb die Frage, inwiefern sich der Klimawandel mit immer häufigeren Wetterextremen auf seine Honigbienen und die imkerliche Betriebsweise auswirkt?

Besonders im Winter wird durch schwankende Temperaturen die Winterruhe der Bienen gestört. Sobald das Thermometer auf über 10°C steigt, fliegen die ersten Bienen los, finden jedoch meist keine Blüten. Wenn sie aufgrund längerer Wärmeperioden in den Wintermonaten sogar weiter Brut pflegen, schwächt das die Völker zusätzlich, denn sie können nur durch Verzehr ihrer Futtervorräte die nötige Brutnesttemperatur von ca. 35 °C erzeugen. Sobald es wieder kalt wird, verlangen die Temperaturschwankungen ihnen eine enorme Heizleistung ab. Das kostet die Völker unnötig Energie.

In milden Wintern brüten die Bienen zudem das ganze Jahr über. Dies begünstigt die Entwicklung und Vermehrung der Varroamilbe, weil sich diese zusammen mit der Bienenbrut in den Brutzellen dann auch im Winter vermehrt. Mehrere, immer größer werdende Varroamilbengenerationen können so zusätzlich entstehen. Diese Situation nehmen die meisten Imker im Frühling nicht zu Kenntnis, weil sich in dieser Zeit auch ihre Bienenvölker rasant vermehren. Das böse Erwachen folgt nach der Sommersonnenwende. Ab diesem Zeitpunkt reduzieren die Bienen ihre Volksgröße, um als kleineres Volk gut in den Winter zu kommen. Die bis zur Sommersonnenwende stattfindende Varroavermehrung bringt dann im Sommer Bienenvölker um.
Auch gibt es seit Jahren Hinweise darauf, dass ein veränderter Temperaturverlauf im Frühjahr die feine Abstimmung zwischen den Bestäuberinsekten und den zu bestäubenden Pflanzen durcheinanderbringt. Sie verpassen sich. Die Pflanze wird nicht bestäubt, die Biene findet keine Nahrung und kann sich nicht vermehren. Dies bedroht insbesondere solitär lebende Bienen, die verglichen mit Honigbienen kaum unter Beobachtung stehen und somit oft leise aus unseren Landschaften verschwinden. Ein Forscherteam der Universität Würzburg fand heraus, dass bereits eine zeitliche Fehlabstimmung von drei bis sechs Tagen ausreicht, um diesen Bienen zu schaden.

Auch im Herbst müssen Imker künftig noch genauer hinschauen. Bei entsprechendem Flugwetter tragen Bienen alles ein, was die Natur ihnen zur Verfügung stellt. Füttert der Imker nun noch weiter zu, haben die Bienen unter Umständen keinen Platz mehr für die Brut der Winterbienen. Imkerlich sprechen wir hier vom verhonigten Brutnest.

Beobachtungen von stark isolierten Bienenbeuten in der Imkerei Fischermühle zeigen, dass die Bienen hier nicht gleich an warmen Wintertagen ihre dichte Winterkugel auf den Waben im Inneren verlassen und hinausfliegen. Dieses Phänomen konnte in Stroh- und auch dickwandigen Holzbeuten beobachtet werden. Gegebenenfalls kann der Imker also über besser isolierte Beuten für etwas mehr Winterruhe sorgen und damit zur Bienengesundheit beitragen.

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 35 • Winter 2018/2019

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