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Ein Glas Honig zum Abschied für den Landwirtschaftsminister. Das Foto zeigt (v. l. n. r.) Holger Loritz, Thomas Radetzki und Minister Bonde vor dem Imkereigebäude.

Landwirtschaftsminister Bonde gratuliert persönlich

Anfang Juni kam der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Alexander Bonde aus eigener Initiative in die Lehr- und Versuchsimkerei an die Fischermühle, um zum „Förderpreis ökologischer Landbau“ zu gratulieren.

Mit dem Preis war Mellifera e.V. als Pionier für wesensgemäße Bienenhaltung im Januar von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Internationalen Grünen Woche ausgezeichnet worden. Der Minister wollte sich nun auch persönlich darüber informieren, was denn an der wesensgemäßen Imkerei so besonders und preiswürdig ist.

„Über viele Millionen Jahre haben Bienen ihre Waben selbst gebaut, Honig und Pollen darin gelagert und ihre Brut in den Wabenzellen großgezogen“, erläuterte Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki dem interessierten Gast. „Vor gut hundert Jahren begann der Mensch gezielt den Honigertrag zu steigern. Seither werden die Naturwaben durch standardisierte Kunstwaben aus recyceltem Wachs ersetzt, die Königin wird alle zwei Jahre ausgetauscht, und der Schwarmtrieb, mit dem sich Bienenvölker natürlicherweise vermehren, wird konsequent unterdrückt.“

Der Wunsch, eine andere Form der Bienenhaltung zu finden, die von Respekt vor den natürlichen Bedürfnissen des Bienenvolkes geprägt ist, führte vor mittlerweile 28 Jahren zur Gründung der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle. Dabei wurde echte Pionierarbeit geleistet, denn es gab keinerlei Vorbilder und Erfahrungen. So mussten immer wieder auch Rückschläge hingenommen werden. Heute ist das Arbeiten mit Naturwabenbau in mobilen Rahmen für wesensgemäß arbeitende Imker selbstverständlich. Auch wurden Wege gefunden, wie man den Schwarmtrieb zur Völkervermehrung und züchterischen Selektion nutzen kann, ohne dass die Bienenschwärme auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Nach soviel, wenn auch spannender, Theorie folgte natürlich auch noch ein Praxisteil für den Minister, der vor allem über die frisch gebauten Naturwaben staunte. Die zeigten sich nämlich nicht wie erwartet gelb, sondern cremeweiß und so zart, dass das Licht hindurchscheint.

Der Leiter des Netzwerks Blühende Landschaft, Holger Loritz, nutzte die Gelegenheit, den Minister auch auf die Belastungen durch Blütenmangel, Monokulturen und Pestizide in der modernen Landwirtschaft anzusprechen.
Dabei stieß er auf offene Ohren. „Hier muss dringend gehandelt werden, um dem täglichen Verlust von Biodiversität Einhalt zu gebieten“, so der Politiker. Die Umsetzung der EU-Agrarreform müsse sich hieran orientieren.

Der Minister noch zum Schluss: „Wie weit verbreitet ist denn die wesensgemäße Imkerei inzwischen in Deutschland?“ Ganz genau konnte das auch Thomas Radetzki nicht beantworten. Es sei jedoch erfreulicherweise so, dass immer mehr Menschen im In- und Ausland das Bedürfnis hätten, etwas für die Bienen zu tun. Gerade für jüngere, ökologisch interessierte Menschen sei der Honigertrag dabei eher zweitrangig. Doch auch professionelle Imker würden zunehmend umdenken.

Es könnte sein, dass dem Minister nach dem Besuch der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle der Kopf ähnlich gebrummt hat wie ein Bienenschwarm. Aber er zeigte sich erfreut, einen so tiefen und informativen Einblick in die Welt der Bienen bekommen zu haben.

„Bienen sind für die Landwirtschaft unverzichtbar, und deshalb hat eine besonders nachhaltige Form der Bienenhaltung einen so hohen Stellenwert“, meinte er. „Wir sollten viel mehr über sie erfahren!“

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 25 • Winter 2013/2014

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