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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Alemannische Rümpfe, traditionelle Bienenkörbe aus Stroh mit Kuhmist bestrichen an der Fischermühle. Foto: Thomas Radetzki

Was sind Einfachbeuten?

Für mich ist der Stabilbau eine der zentralen Forderungen an Einfachbeuten. Es geht uns darum, möglichst wenig zu stören, denn jeder Eingriff, vor allem ins Brutnest, ist ein Stressfaktor.

Aus der Serie: „Die Bienenwohnung“, Teil 6

In Anbetracht unseres Workshops Einfachbeuten vom 20. – 21. November 2010 möchte ich meinen Beitrag in der Reihe Bienenwohnung diesem Thema widmen. Es passt durchaus auch in die Folge hinein. Aus meinem Blickwinkel wäre zum Beispiel die in der letzten Ausgabe von „Biene Mensch Natur“ behandelte Ägyptische Tonröhre eine Einfachbeute. Andere Zeitgenossen würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Hilfe, Rückschritt in die Steinzeit! Eine kurze Internetrecherche zum Stichwort „Einfachbeute“ hat mich daran erinnert, dass dieser Begriff meist für einfach zu bauende Magazine genutzt wird, in denen es auch einfach sein soll zu imkern.

Bienenhaltung im Stabilbau

Erhard Klein schreibt in seinem Beitrag, dass es uns darum geht, möglichst wenig zu stören. Unsere durchaus vorhandene Faulheit ist nicht das Motiv, auch nicht das ständige Rationalisieren und Arbeitszeit einsparen (auch vorhanden). Jeder Eingriff, vor allem ins Brutnest, ist ein Stressfaktor. Das Volk muss sich wieder neu organisieren. Duftmarken von Tanzböden verschwinden, Mittelwände und leere Waben im Brutnest sind eine Verletzung des Organismus. Ein weiteres Thema ist der Gashaushalt.
Zur Kontrolle hochgekippter Korb auf speziellem Boden. Die Bienen hängen in Bärten über die bis in den Boden gebauten Waben.Foto: Thomas Radetzki Ich mag diesbezüglich von einer Schlüsselerfahrung berichten: Im Jahr 1986 begann ich systematisch mit Stabilbau zu arbeiten und habe unterschiedliche Systeme betreut. Ein Schwerpunkt lag auf Alemannischen Rümpfen (siehe Bild), in denen ich etwa dreißig Völker hielt. Bei den Körben, die nur von unten behandelt werden konnten, gab es besondere Probleme mit der Varroa-Milbe. Ich hatte spezielle Böden für Diagnose und Behandlung gebaut. Der Wirkungsgrad von Ameisensäure Behandlungen blieb jedoch trotz zahlloser Varianten unbefriedigend. In einer Versuchsreihe erhöhte ich bei Stoßbehandlungen über Tage hin kontinuierlich die Verdampfungsmenge und die Konzentration. Zugleich wurde der Abfall von Milben beobachtet. Der erwünschte Effekt blieb auch bei einer Dosierung aus, bei der es in unseren Mobilbausystemen schon längst Milben „gerieselt“ hätte. Die Bienen ventilierten immer heftiger. Sie verhinderten das Eindringen des Ameisensäuredampfes in die Wabengassen. Bei einem Schritt der Konzentrationssteigerung kollabierte dann plötzlich das System. Massenhaft tote Bienen, abgestorbene Brut, Apathie des übrigen Volkes, meist auch Weisellosigkeit – alles auf einen Schlag. Da befriedigt auch kein guter Wirkungsgrad. Ich habe bei diesem Drama die Fähigkeit der Bienen kennen gelernt, den Gashaushalt in jeder Wabengasse zu beherrschen. Derart intensiv können sie es aber nur im Stabilbau. Im Mobilbau, besonders bei Systemen mit aufgesetzten Zargen, haben wir eine große Zirkulation im Stock. Zur besseren Honigtrocknung wird zum Teil durch zusätzliche Fluglöcher unter dem Deckel sogar gezielt Zugluft erzeugt. Wenn zusätzlich noch offene Gitterböden verwendet werden, müssen die Bienen Enormes leisten, um einigermaßen die Kontrolle über das Klima zu behalten. Dies ist Stress durch den Verlust dessen, was der Imker Johannes Thür in Wien 1950 „Nestduftwärmebindung“ nannte. Er entwickelte deshalb die Schließrahmenbeute, mit der wir an der Fischermühle auch Erfahrungen gesammelt haben.

Die Rolle der Pheromone

Seit etwa zwanzig Jahren weiß die Bienenforschung Näheres über Pheromone (Duftstoffe), die eine entscheidende Rolle für die Beziehungen der Bienen untereinander und für deren differenzierte Tätigkeiten spielen. Rudolf Steiner sprach bereits 1923 in seinen „Arbeitervorträgen“ über die Bienen davon, dass feine Duftkomponenten eine wesentliche Bedeutung für die intelligenten Instinkte der staatenbildenden Insekten haben. Die schwer zu beschreibende, aber mit etwas Erfahrung zu erlebende Harmonie im Bienenstock ist ein Ausdruck der Beziehung zwischen Königin und Bienen. Der Zerfall dieser Harmonie geht auch mit der Verringerung der Konzentration spezifischer Pheromone einher. Sie tritt bei Umweiselung und im Zusammenhang mit dem Schwarmtrieb auf. Offene Böden sind zwar sehr praktisch, aber ich stehe ihnen misstrauisch gegenüber. Ich habe wieder zu geschlossenen Böden zurückgefunden und bin aus den genannten Gründen auch in modernen Zeiten ein Freund des Stabilbaus. Für mich ist er eine der zentralen Forderungen an Einfachbeuten.

Es geht uns bei Einfachbeuten nicht um eine fundamentalistische Grundhaltung. Ich rechne durchaus damit, dass ich weiter „Mobilbau-Sünder“, Störenfried und ein Stück weit auch Honigjäger bleiben werde…

Ich war versucht in diesem Beitrag meine Definition von Einfachbeute zu geben. Aber ich überlasse es unserem Workshop diese Frage zu beantworten.

In der nächsten Ausgabe von Biene Mensch Natur stelle ich die Mellifera-Einraumbeute vor.

Thomas Radetzki

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 18 • Frühjahr/Sommer 2010

Cover 0 Download (pdf, 2,0 MB)

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