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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Im Laufe der Erzählung der „NBL-Geschichte“ versammelten sich alle anwesenden Partner, Freunde und Aktive auf dem Podium (von links: Barbara Stark (NBL Haar), Peter Maske (DIB), Thomas van Elsen (Petrarca, Uni Kassel-Witzenhausen), Marion Ruppaner (BN Bayern), Marina Kliewer (De Immen, NBL Nord), Knut und Silvia Unger mit Jochen Hashagen (NBL Hesselberg), Thomas Radetzki, Holger Loritz, Utto Baumgartner, Nicole Krüger (alle NBL)).

Leitbild Blühende Landschaft als Lebensgrundlage und gesellschaftliche Aufgabe

Das Netzwerk Blühende Landschaft feiert mit einigen Rückblicken zehnjähriges Bestehen an der Fischermühle in Rosenfeld. Fast unbemerkt als Initiative bei Mellifera e. V. entstanden, hat es mittlerweile in ganz Deutschland Spuren hinterlassen.

Vor zehn Jahren entstand beim Imkerverband Mellifera e. V. an der Fischermühle zunächst fast unbemerkt eine Initiative, die mittlerweile Spuren in ganz Deutschland hinterlässt: Das Netzwerk Blühende Landschaft (NBL) hat es sich zum Ziel gesetzt, in Stadt und Land für mehr Blüten zu sorgen, damit Bienen und andere Bestäuberinsekten wieder ein besseres Nahrungsangebot vorfinden. Inzwischen sind Verkehrsinseln voll bunter Blumen keine Seltenheit mehr, so manche langweilige Grünfläche wurde zu einem Blütenmeer, und auch an Ackerrändern findet man hin und wieder Margeriten, Klatschmohn oder Kornblumen. Grund genug also für das Netzwerk Blühende Landschaft, am Freitag sein zehnjähriges Jubiläum mit einigen Rückblicken zu feiern.

Ein ungewöhnlicher Start

Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki, Utto Baumgartner und Holger Loritz, begrüßen die Jubiläumsgäste und erzählen aus dem „NBL-Geschichtsbuch“ (im Hintergrund eine Auswahl aus 10 Jahren Pressebeiträgen des NBL). Die Anfänge des Netzwerkes liegen jedoch weiter zurück als die offizielle Gründungsveranstaltung am 10. Oktober 2003 in Augsburg. Bereits in den Jahren davor war Utto Baumgartner, Gründer und langjähriger Leiter des Netzwerk Blühende Landschaft, bei Mellifera e.V. eingebunden worden. Er war u.a. bei der Entwicklung der Oxalsäure-Behandlung für Bienenvölker beteiligt. Nach dem verheerenden Bienensterben im Winter 2002/2003 war es Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki, Utto Baumgartner und anderen klar, dass etwas geschehen musste. Es brauchte aber noch die überfallartige Überredungskunst von Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki, der auf einer Tagung in Kassel mit bereits fertig gedruckten Flyern und Postern das neue Netzwerk Blühende Landschaft und seinen Leiter Utto Baumgartner vorstellte.
Schnell fanden sich erste weitere Unterstützer und Partner, die auch die wichtige finanzielle Grundlage des bis dahin rein ehrenamtlich arbeitenden NBL mit aufbauten. Zu diesen Unterstützern gehörten die inzwischen langjährigen Partner der Bio-Anbauverbände (z.B. Demeter, Bioland, Naturland) und der Naturschutzverbände, wie der Bund Naturschutz Bayern oder der Landesbund für Vogelschutz – LBV. Die ersten Monate und Jahre waren geprägt vom Aufbau und Bekanntmachen des NBL, was Utto Baumgartner mit unzähligen Vortragsreisen quer durch Deutschland verwirklichte.

Projekte, Partnerschaften und Team

Einen großen Sprung vorwärts bedeutete das Projekt „Blühender Chiemgau – Regionen aktiv“ im Zuge dessen die teils neu entwickelten Konzepte des NBL mit Landwirten umgesetzt wurden. Der Zugewinn an Wissen aus der Praxis ermöglichte im Jahr 2006 u.a. die Ausarbeitung der Infobroschüre des NBL mit ihren vielen Informationsblättern, die seither auch online auf der Internetseite verfügbar sind. Weitere Projekte folgten, z.B. EVA (Entwicklung von lebendiger Vielfalt in der Agrarlandschaft) und Plenum-Projekte in Baden-Württemberg, und neue Partner, insbesondere aus der Praxis, verstärkten das Netzwerk. So kamen das Kompetenz-Zentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), das Institut für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim (ifab) und die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) in dieser Zeit zum NBL hinzu. Ein besonderer Glücksgriff war, dass ab dem Frühjahr 2006 Nicole Krüger mit Sitz bei der SÖL in Bad Dürkheim als weitere Mitarbeiterin für das NBL gewonnen werden konnte. Mehrere Projekte sind mit ihrer Unterstützung angeschoben und verwirklicht worden.

Der frühere und der jetzige Leiter des Netzwerk Blühende Landschaft, Utto Baumgartner und Holger Loritz, schnitten die Geburtstagstorte des NBL an. Nach mehreren Jahren intensiver und überwiegend ehrenamtlich geleisteter Aufbauarbeit zog sich Utto Baumgartner ab 2008 aus der Leitung des Netzwerkes zurück und übergab – in einem der stillen Umweiselung im Bienenvolk nicht unähnlichen Prozess – diese Funktion an den jetzigen Leiter Holger Loritz. Kurz darauf ergänzte auch Barbara Heydenreich aus Deggendorf das dann dreiköpfige NBL-Team, wobei sie schon vorher im Netzwerk aktiv mitarbeitete.
Mit dieser personellen Verstärkung konnten in den Jahren 2010 bis 2011 weitere Projekte und Aktivitäten erfolgreich durchgeführt werden, die sowohl die Auftraggeber als auch das NBL fachlich voranbrachten. Zu nennen sind hier zum einen die Entwicklung einer Werkzeug-Kiste „Mein bienenfreundlicher Betrieb“ zur Beratung von Landwirten im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz und zum anderen die Gemeinschaftsaktion der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau “Jede Blüte hilft”, für welche das NBL Materialien und Veranstaltungsideen für die Öffentlichkeitsarbeit erstellt hat.

Werkzeuge für eine blühende Landschaft

Die Infomaterialien und anderen Produkte des NBL, welche als greifbare Ergebnisse des Wirkens in unsere Lebenswelt Eingang finden, sind von großer Bedeutung für die Verbreitung der Ideen des NBL. Zuvorderst zu nennen sind die bereits 2007 gemeinsam mit der Saatgutfirma Rieger & Hofmann entwickelte mehrjährige und buntblühende Brachemischung „Mischung Blühende Landschaft“, sowie unser Handbuch „Wege zu einer blühenden Landschaft“. Das Handbuch ist inzwischen mit mehreren tausend verkauften Exemplaren in der 3. Auflage erschienen und die „Mischung Blühende Landschaft“ ist immer noch die einzige am Saatgutmarkt erhältliche Brachemischung, die deutschlandweit zumindest für drei Großregionen gebietsheimisches Wildpflanzen-Saatgut bietet. Ein besonderer Erfolg ist die Unterstützung durch die Imkerschaft mit der 5-Cent-Aktion für eine blühende Landschaft, mit der Imker kleine Aufkleber auf die Honiggläser kleben und so das NBL finanziell unterstützen und Honigkunden die Notwendigkeit für Blütenreichtum näher bringen.

Lebenslinien in Bewegung

Leider wendete sich Nicole Krüger im Frühjahr 2011 anderen Aufgaben zu und hinterließ eine Lücke, die erst vor Kurzem wieder geschlossen werden konnte. Ebenso unterliegt die Zusammensetzung der NBL-Partnerorganisationen nach 10 Jahren einer Fluktuation – langjährige Partner ziehen sich zurück, neue Partner treten hinzu. So haben sich die Wildtier Stiftung und der Biokreis nach neun Jahren zurückgezogen, dafür haben wir insbesondere im Südwesten stark verwurzelte und regional aktive Partner, Bodensee-Stiftung, Bodensee Akademie (AT) und der Naturpark Südschwarzwald im Netzwerk begrüßen dürfen.

Der offen einladende Gestus zur Mitarbeit beim NBL hat seither viele ehrenamtliche Aktive motiviert, die sich teilweise in inzwischen ca. 30 Regionalgruppen zusammengefunden haben, in ihrem Umfeld für eine blühende Landschaft aktiv zu werden. Die Gruppen tun dies sehr individuell und auf ihre Möglichkeiten angepasst, wobei zu Beginn eigentlich immer die Neuanlage und Pflege öffentlicher Grünflächen im Fokus ihres Wirkens stehen. Die bisherigen Regionalgruppen sind vor allem in den südlichen Bundesländern aktiv, zukünftig wollen wir deshalb mit unserem durch Anne-Kathrin Spatz verstärktes NBL-Team insbesondere in den nördlichen und östlichen Bundesländern engagierte Netzwerker und Netzwerkerinnen gewinnen und Regionalgruppengründungen unterstützen.

Feierstunde an der Fischermühle

Auch die Blüten kamen auf der Feier nicht zu kurz – Holger Loritz nimmt den Blumengruß der Bodensee Akademie entgegen.

Bei der Feierstunde an der Fischermühle am 14. Juni 2013 waren viele langjährige Partner, Mitarbeiter, Freunde und Begleiter des NBL anwesend. Von einigen Partnern und Freunden wurden zum Geburtstag Grußworte überbracht, in denen aber auch deutlich wurde, dass noch viel zu tun ist, damit sich Schmetterlinge, Bienen und ihre wilden Verwandten wieder wohl bei uns fühlen.

Der Vorstand von Demeter Baden-Württemberg, Martin Schäfer, stellte dazu ein einfaches Rechenexempel auf: „Von den etwa 800.000 Hektar Ackerland in Baden-Württemberg werden 200.000 Hektar mit Mais bepflanzt, der für Bienen wertlos ist. Legt man eine durchschnittliche Feldgröße zugrunde und stellt sich vor, dass auf dem Randstreifen links und rechts der Äcker Wildblumensamen ausgesät würden, ergäbe das eine Länge von 40.000 Kilometern!“

Auch wenn sich diese Idee vielleicht nie umsetzen lässt, kann das Netzwerk Blühende Landschaft schon stolz sein auf das, was mit den überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern bundesweit erreicht werden konnte. Landwirtschaftsminister Alexander Bonde bezeichnete in seinem aus dem fernen Stuttgart überbrachten Grußwort blühende Landschaften als effektiven Schutz von Bienen und damit auch eine gesellschaftliche Aufgabe von großer Bedeutung, der sich das Netzwerk erfolgreich stelle.

Grußwort von Minister Bonde (pdf/41 KB)

Seine rheinland-pfälzische Amtskollegin Ulrike Höfken, die trotz langjähriger Verbundenheit mit der Arbeit von Mellifera e. V. ebenfalls nicht persönlich anwesend sein konnte, stellte fest, dass die Bestäubungsleistung der Bienen oft nicht genügend gewürdigt werde und dass man die Chance nutzen müsse, eine bessere und bienenfreundlichere Landwirtschaft zu fördern.

Grußwort von Ministerin Höfken (pdf/153 KB)

Bundestagsmitglied Harald Ebner, der seine zugesagte Teilnahme kurzfristig absagen musste, lobte das Netzwerk Blühende Landschaft als echte Helfer für Bienen und andere Bestäuber, deren Arbeit für unsere Ernährung unverzichtbar sei. Nur in Landschaften, in denen sowohl Honigbienen als auch Wildbienen lebten, könne eine optimale Bestäubung erreicht werden. Was passiere, wenn diese ausfalle, könne man u. a. in den USA sehen, wo die kalifornischen Mandelbauern heuer dreimal soviel für die Bestäubung zahlen müssten, weil so viele Bienenvölker verendet seien. Das spüren dann auch die Verbraucher in Deutschland an den gestiegenen Mandelpreisen.

Grußwort von Harald Ebner (pdf/67 KB)

Derzeit sind Städte und Gemeinden aber noch deutlich aktiver in Sachen Blüten als Landwirte, was auch Thema der Tagung „Neue Wege ins öffentliche Bunt“, die im Vorfeld der 10-Jahresfeier an der Fischermühle stattgefunden hatte, war. So berichtete der Rosenfelder Bürgermeister Thomas Miller von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Netzwerk, den Obst- und Gartenbauvereinen, dem Landratsamt, den Gemeinden und den Imkervereinen im Zollernalbkreis: „Wichtig ist es, die Bürger mitzunehmen und ihnen zu erklären, was wir da machen. Deshalb bieten wir immer wieder Führungen zu den Blühflächen an, und der Landkreis verteilt bei Neujahrssitzungen Samentütchen. Bei den meisten kommen die bunten Blüten gut an. Nur die mehrjährigen Mischungen sind vielen ordnungsliebenden Schwaben etwas suspekt, weil sie spätestens nach dem Winter nicht mehr so schön aussehen. Deshalb setzen wir innerhalb der Stadt meist auf die einjährigen Mischungen.“

Zur Freude der Anwesenden hatte der Präsident des Deutschen Imkerbunds, Peter Maske, ein besonderes Geburtstagsgeschenk im Gepäck: Er versprach, dass der Deutsche Imkerbund in Zukunft nur noch „Blumenstrom“ beziehen werde. Statt Mais landen dafür energiereiche Blühpflanzen in der Biogasanlage. Wenn das Beispiel Schule macht, könnte es schon bald auch in der Landwirtschaft wieder mehr blühen.

Marion Ruppaner vom BUND Bayern drückte als letzte Rednerin des Tages ihre Anerkennung dafür aus, dass das Netzwerk Blühende Landschaft mit verhältnismäßig wenig Menschen so viel erreicht habe. „Die Kompetenz ist so hoch, dass sich inzwischen sogar staatliche Beratungsstellen vom Netzwerk beraten lassen“, lobte sie. Soviel Engagement sei nicht selbstverständlich, meinte sie. Zuletzt gab sie dem NBL noch einen Wunsch mit auf die kommenden 10 Jahre, dass das NBL „sich mit allen ökologisch interessierten Landwirten auf den Weg zu einer blühenden Landschaft begeben möchte“.

Impression vom Festschmaus der 10 Jahresfeier – das blütengeschmückte Dessert Weitere Grußworte überbrachten Uli Hampl, Vorstand der Stiftung Ökologie & Landbau und Beirat von Mellifera, sowie in einem spontanen Beitrag die „Bienen der Fischermühle“ in Gestalt und Mund von Imkermeister Norbert Poeplau. Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki fand eine einfache Erklärung für so viel Engagement und Schaffenskraft:

Man kann sich nichts Schöneres vorstellen, als es überall blühen zu lassen!

Mit einem vorzüglichen Festschmaus, der liebevoll von der Mellifera Küchen-Crew Rita Walter und Gerlinde Aigner zubereitet wurde, einem bis weit in die Dunkelheit der Nacht leuchtenden Lagerfeuer und geselligem Zusammensein fand die Feier ihren Abschluss. Ein herzlicher Dank an das gesamte Mellifera-Team.

Autoren: Sabine Armbruster, Holger Loritz

Fotogalerie

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 25 • Winter 2013/2014

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