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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt eröffnet die Bienenkonferenz. Foto: BMEL

Internationale Bienenkonferenz: Außer Spesen nix gewesen?

Vergangene Woche fand in Berlin die erste internationale Bienenkonferenz statt. Rund 500 Wissenschaftler, Imker, Vertreter verschiedenster Organisationen und Bienenfreunde trafen sich am 28. und 29. März im Mercure-Hotel in Berlin-Tiergarten, um sich über die Gesundheit und Gefährdungen eines der wichtigsten Bestäuberinsekten unseres Planeten zu informieren und auszutauschen.

Die Veranstalter – das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Deutsche Imkerbund – tischten groß auf. Vom Veranstaltungsort über das Essen und die Vortragenden, alles war vortrefflich organisiert. Und die Konferenz war wirklich international. Auch ließ es sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nicht nehmen selbst vorbeizuschauen und ein Grußwort zu halten, um zu zeigen wie (angeblich) wichtig ihm das Thema Bienenschutz ist. Weitere Grußbotschaften kamen unter anderem von Apimondia-Präsident Philip McCabe und vom geschäftsführenden Direktor der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Dr. Bernhard Url. Diese ist zuständig für die Zulassung von Pestiziden. Url erläuterte, dass es nicht mehr ausreiche einzelne Wirkstoffe zu testen, denn häufig würden sich diese addieren und erst recht zu einem bienenschädigenden Cocktail werden. Recht hat er! Es stellt sich jedoch die Frage, warum seine Behörde dieses bei den Zulassungsverfahren nicht weiter berücksichtigt.

Prof. Dr. Crailsheim referiert über die Ernährung der Honigbiene und deren Auswirkung auf Gesundheit und Leistung.Foto: Mellifera e. V. Im Anschluss an die (teilweise sehr langen, eintönigen) Grußworte folgten Vorträge in drei verschiedenen Sessions, unterteilt in die Themenbereiche „ Pathogene und Klima“, Biodiversität und Ernährung“ und „Pflanzenschutzmittel und Umweltschutz“. Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Südafrika, USA, Italien, Schweden, Österreich, den Niederlanden uvm. stellten ihre Arbeiten und Forschungsergebnisse vor. Bereits im Vorfeld hatte es hier einiges an Kritik gegeben, es wäre nur eingeladen, wer dem Ministerium aus dem Mund redet. Und fast alle Wissenschaftler würden der Industrie nahe stehen. Hm… Mir persönlich fiel es erst einmal schwer, mich überhaupt für einen Vortrag zu entscheiden. Das Angebot war wirklich beachtlich. Leider konnte ich mich nicht dreiteilen. Schlussendlich wechselte ich viel zwischen den einzelnen Sessions hin und her.

Erfuhr ich wirklich Neues? Nein. Der Artenschwund unter den Bestäubern steigt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Auch die Ursachen sind größtenteils bereits bekannt, wurden jedoch noch einmal klar benannt: Nahrungsmangel, Intensivierung der Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz, Krankheiten. Interessant war, dass Wildbienen unter diesen Faktoren weit mehr leiden als Honigbienen, bei den Honigbienen sind die Völkerzahlen sogar ansteigend, dank der fürsorglichen Pflege durch den Imker, was das Bild jedoch verfälscht. Als Bestäuber sind Wildbienen mindestens genauso wichtig wie Honigbienen.

Gruppenbild mit Referenten.Foto: Mellifera e. V. Viele Referenten zeigten auch Lösungen auf: mehr Blühflächen, mehr Öko-Anbau, weniger Pestizide. Ob das bei den politischen Entscheidungsträgern auch ankam? Minister Schmidt hatte sich jedenfalls kurz nach seiner Begrüßung wieder verabschiedet. Auch sonst waren Vertreter aus Politik und Verwaltung eher spärlich vertreten. Gleiches gilt für die Landwirtschaftsverbände. Doch genau in ihren Händen liegt, es die genannten Maßnahmen auf den Weg zu bringen und diese auch umzusetzen. Mit Bienen füttern alleine ist es nämlich nicht getan. Und wenn dem Herrn Minister, die Bienen so sehr am Herzen liegen, warum werden sie dann mit keinem Wort in seinem Grünbuch genannt. All dies lässt erhebliche Zweifel aufkommen, ob diese sicherlich sehr kostspielige Konferenz den Bienen wirklich etwas bringt. Am heißt es dann doch „Außer Spesen, nix gewesen“.

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Über die Autorin
Autor Sarah Bude

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