Bienen machen Schule Blog

Foto: Katrin Conzelmann-Stingl

Der kleine Imkerschein

EIn Konzept zur ganzjährigen Integration der Bienen in den Schulunterricht.

Bienen an die Schule – durch die kleinen Summser selbst können Kinder den Umgang mit der Natur am besten lernen. Dieses Verständnis haben immer mehr Schulen und Bildungseinrichtungen in den letzten Jahren gewonnen. Damit die Entwicklung des Bienenvolkes von Anfang an mitverfolgt werden kann, macht es Sinn, dass die Kinder sich ganzjährig mit dem Thema beschäftigen. Sei es in Verbindung mit einzelnen Unterrichtsbausteinen oder im Rahmen des Nachmittagsunterrichts. Dem Bienenjahr angepasst findet sich für das Schuljahr immer eine spannende und interessante Aufgabe.
Darüber hinaus gibt es auch viele Möglichkeiten, schon im Kindergarten mit der Bienen-Bildung zu beginnen. Die Kleinsten finden hier z. B. den Zugang über das Lied ‚Bienchen summ herum‘, die blühende Natur sowie gebastelte und gemalte Bienen in vielerlei Formen.

Zur Organisation der Schulimkerei

In meinem Bienencurriculum arbeite ich mit den Schulklassen einmal im Monat für eine oder zwei Doppelstunden. Die Stunden finden in Absprache mit den Klassenlehrer*innen im Rahmen des Wahlpflichtunterrichtes statt. Bevor wir starten, bespreche ich mit den Lehrer*innen das gesamte Curriculum und kläre mit der Schulleitung, ob ein Volk auf dem Gelände aufgestellt werden kann. Sollte das nicht der Fall sein, muss ein geeigneter Ort in der Nähe der Schule gefunden werden, den die Schüler innerhalb des geplanten Zeitfensters erreichen können. Ein Imkerverein kann hier helfen.
Weiterhin werden die Eltern informiert und es muss geklärt werden, ob sie mit der Arbeit am offenen Bienenvolk einverstanden sind. Eine schriftliche Einverständniserklärung ist hier wichtig.

Spätsommer, Herbst, Winter

Wachs wird ausgestanzt.Foto: Katrin Conzelmann-Stingl Nach den Sommerferien fängt für die Kinder ein neues Schuljahr an, die Bienen bereiten sich auf ihre Winterruhe vor. Die Arbeit in der Bienen-AG beginnen wir altersgerecht: Schnurrdiburr von Wilhelm Busch, ein reich bebildertes Werk, humorvoll dem Imker seiner Zeit über die Schulter geschaut, für Kinder im Grundschulalter. Lustig und kurzweilig vorgelesen, bietet es einen Einblick in die Arbeit mit den Bienen. Für ältere Schüler könnte ein medialer Einstieg über den Film ‚More than Honey‘ erfolgen. Wenn die Zeit reicht, ist als Ausflugsziel ein Besuch bei einem Imker sehr beliebt. Er kann seinen Bienenstand zeigen und die Kinder haben schon einen ersten Eindruck von einer praktischen Bienenhaltung.
Theoretisch wird der Aufbau eines Bienenvolkes von der Arbeiterin über die Drohne hin zur Königin erklärt und der Nutzen für Natur und Mensch durch die Biene dargestellt. Praktisch kann jetzt kurz vor Weihnachten mit Wachs gearbeitet werden. Den Kindern der Grundschulklassen gefällt es sehr, dieses formbare Material mit ihren Händen zu kneten, zu drücken und auszustanzen oder die Dochte in heißes Bienenwachs zu tauchen, um Kerzen zu ziehen. Eltern freuen sich über die Ergebnisse, wenn sie eingepackt unter dem Weihnachtsbaum liegen oder hängen. Auch Propolis lässt sich verarbeiten. Das gesammelte Kittharz kann gerieben und für verschiedene Anwendungen im Pflegeproduktbereich gelöst werden. Empfehlenswert ist diese Arbeit erst ab einer Altersstufe über 12 Jahren.

Frühjahr

Im Frühjahr geht es mit den Vorbereitungen für den eigenen Bienenstock auf dem Schulgelände richtig los: Die Beuten aus Holz können gemeinsam gebaut werden. Da es sehr unterschiedliche Beutetypen gibt, kann man diese den Kindern zeigen und Funktionsweisen erklären. Vielleicht können sie den Blick in eine Schaubeute werfen? Kinder und Lehrer haben in dieser Jahreszeit die Möglichkeit selbst zu beobachten, wie sich ein Bienenvolk entwickelt.
Viel Zeit für theoretischen Unterricht haben wir jetzt nicht, wenn wir auch vor Einzug der Bienen die Beute(n) anmalen wollen. Im Werkraum müssen die Rähmchen hergestellt und die Drähte eingezogen sowie bei Bedarf Mittelwände eingelötet werden. Die Kinder sind stolz, dass sie ihren persönlichen Beitrag zur Bereitstellung der Beute leisten. Am liebsten möchten sie die fertigen Rähmchen mit ihren Namen versehen oder gar mit nach Hause nehmen.
Auf dem Freigelände können die Schüler mit der Aussaht von Bienenweide beginnen. Dazu sollte der Hausmeister in Absprache mit der Schulleitung einen Platz zuweisen, der dann gemeinsam für die Aussaat vorbereitet wird. Damit die Arbeit leichter von der Hand geht, gibt es Honigkuchen zur Stärkung.
Entweder fängt die Schule mit einem Ableger an, dann hat man für den nächsten Theorieunterricht gleich das Thema „Der Aufbau eines Bienenvolkes“. Oder die Schule leistet sich ein oder zwei Bienenvölker, dann kann der eigene Honig sicher auch schon vor den Sommerferien geerntet werden.
Ab April geht es raus. Die Standortsuche für Kinder und Bienen ist nun maßgebend, damit die Beuten von allen gleichermaßen umschwärmt werden können. Mehr als fünf Kinder können nicht gleichzeitig um das offene Bienenvolk stehen, macht aber nix, denn in der Klasse wartet z. B. ein Bienentagebuch auf neue Einträge, es dokumentiert die gesamte Zeit der Schulbienenhaltung. Die Klassenlehrer helfen hier bei einer reibungslosen Abwicklung.

Sommer

Der Sommer ist die Hauptzeit, um Arbeiten am Volk zu verrichten. Die Bienenvölker werden erweitert und bei den Wirtschaftsvölkern werden Honigräume aufgesetzt. Bei dieser Arbeit, die körperlich mindestens zu zweit verrichtet werden sollte, sind die Kinder erst einmal nur Zuschauer. Sind sie schon älter und haben etwas Erfahrung, können sie hier durchaus mit anpacken.
Schwärme können entweder verhindert, vorweggenommen oder nach dem Abschwärmen eingefangen werden. Ein schwärmendes Bienenvolk ist ein erlebnisreiches und spannendes Spektakel. Allerdings ist es nicht ganz einfach zu organisieren, denn wer weiß schon genau, ob und wann der Bienenschwarm während der Schulzeit abfliegt? In jedem Fall ist der Schwarm ein wichtiger Bestandteil der Bienenhaltung, da er die natürliche Vermehrung des Biens ist.
Wenn es ans Honigernten geht, können die Schüler gut mithelfen und ihren ersten eigenen Honig ernten, schleudern und abfüllen. Für das Sommerfest oder den Winterbasar der Schule eignen sich eigene Bienenprodukte hervorragend um auf die Schulbienen und die Arbeit der Bienen-AG aufmerksam zu machen. Mit dem Verkauf können die Schüler Geld für laufende Kosten der Bienen-AG oder für ihre Klassenkasse sammeln.
Da nicht immer alle Kinder gleichermaßen die genannten Arbeiten parallel verrichten können, gibt es die Möglichkeit, Wildbienenhotels zu entwerfen und zu bauen, das Bienentagebuch zu führen, ältere Schüler können digitale Tagebücher erstellen und das Projekt für die schuleigene Homepage oder Facebook-Seite aufbereiten.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten und dem Ansiedeln der ersten Völkchen vor Ort können die teilnehmenden Schüler den kleinen Imkerschein erhalten und in ihre Bildungsmappe legen. Mit ihrem theoretisch und praktisch erworbenen Wissen sind sie fähig, schulunabhängig eigene Bienenvölker zu halten, sich weiter mit der Imkerei zu beschäftigen und später vielleicht auch einmal die Leitung einer eigenen Bienengruppe an ihrer Schule zu übernehmen.

Auch die Lehrkräfte können sehr gut eingebunden werden, denn die Bienen bieten vielerlei Stoff für die einzelnen Unterrichtsfächer:

Mathematik

  • Flächenberechnung von Sechsecken
  • Verwendung von Flächenformeln und Volumenformeln
  • Winkelberechnung am Beispiel des Schwänzeltanzes

Biologie

  • Honigbiene und Bien
  • Beobachtungen mithilfe von Rotlicht und Induktionskameras im Stock
  • Effekte auf den Bienenstock bei Veränderung der Variablen Temperatur, Licht, Geräusche, Erschütterungen

Englisch

  • Beekeeping in bilingual lessons

Gesellschaftskunde/Sachkunde

  • Aufbau des Bienenvolkes
  • Rollenverteilung
  • Diskussion über die Gesellschaftsform (Monarchie/Demokratie)

Chemie

  • Chemische Zusammensetzung von Honig und Pollen
  • Nahrung der Bienen
  • Invertase

Kunst

  • Natürliche Bauformen der Waben
  • Wachs als Modelliermasse
  • Die Rolle der Bienen in der Kunstgeschichte

Werken

  • Beuten bauen
  • Rähmchen bauen
  • Kerzen gießen, ziehen, rollen

Die Honigbiene ist eines der besterforschtesten Nutztiere und bietet eine große Themenbreite, um das Unterrichtsangebot über das Schuljahr interdisziplinär zu ergänzen. Eine Schule mit regelmäßigem Angebot kann sich beispielsweise mit einem entsprechenden Label und Zertifikat zur Bienenschule zertifizieren lassen.

Das Bienenjahr (praktisches Lernen für Kinder durch das Jahr nach Altergruppen)

Alter der Kinder/Aktivitäten Kindergarten Grundschule Mittelstufe Oberschufe
Frühling Vorbereitung theoretisch und praktisch X X X
Bienenweide einsäen X X X X
Naturtagebuch beginnen X X X
Wasserstelle anlegen X X X X
erste Durchsicht X X
Erweiterung des Bienenstocks X X X
Schwarmkontrolle X X
evenutell Schwarm einfangen X X
Erweiterung in den Honigraum X X X
Sommer Naturtagebuch führen und mit Stockkarte erweitern X X X
Schwarmkontrolle X X
Honig ernten X X X
Honig abfüllen X X X
Honig probieren X X X X
Etiketten gestalten X X X
Ableger bilden X X X
Bienen füttern X X X
Varroakontrolle X X
Herbst Vorraobehandlung X X
Ausflüge zu Bienenständen X X
Bienen füttern X X X X
Völker einengen X X X
Winter Futterkontrolle X X X
Winterbehandlung X X
Honigvermarktung X X
Wachs einschmelzen X X
Kerzen gießen X X X
Propolis ernten und verarbeiten X X
Vorbereitung nächstes Jahr X X X

Autor: Katrin Conzelmann-Stingl, Ecokids

»BmS«-Blog

Weitere Infos über die Initiative »Bienen machen Schule«:

www.bienen-schule.de
zur Blog-Übersicht


Über den Autor
Autor Gastautor

Newsletter

Ich bin damit einverstanden, dass meine E-Mail-Adresse zum Zwecke der Anmeldung und der Zusendung einer Opt-in-E-Mail für den Newsletter an den Versanddienstleister "MailChimp" übermittelt wird. Die Datenschutzerklärung dieser Website habe ich zur Kenntnis genommen.
Spenden
Mitglied werden