Freudvolle Begegnungen im Schein der Biene
Es ist still im Saal, alle schauen gespannt nach vorn auf die kleine schön gestaltete Bühne. In herbstlichen, bunten Farben schwebt ein Bienenwesen über die Landschaft und erzählt seine Geschichte. Davon, dass es sein Volk verloren habe und auf der Suche nach ihm ist. Dabei trifft es verschiedene Bienen, Tiere und Pflanzen. Wir lauschen gebannt wie es der kleinen Biene ergeht und atmen erleichtert auf, als sie am Ende doch nach Hause findet. So erlebt im Abendprogramm “Bühnenblüten”, welches Momente zur Besinnung im intensiven Tagungsprogramm bot.
Fr 25. September 2026 von Jonas Ewert Kinder&Jugendliche, Veranstaltung
Im Foyer des einladenden Naturzentrums Eifel in Nettersheim liegt an diesem Wochenende ein summendes Stimmengewirr in der Luft. Über 80 Teilnehmer*innen und Referentinnen aus ganz Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz strömen in ihren „Bienenstock“ für die kommenden 1,5 Tage. Angelockt hat sie die 16. Tagung Bienen machen Schule, die am 18. und 19. September in Nettersheim stattgefunden hat. Pädagog*innen, Imker*innen und Umweltbildungsinteressierte freuten sich über bekannte Gesichter und neue Begegnungen mit Menschen, die eines verbindet. Die Liebe zur Biene und die Freude daran Kinder für die Lebenswelten der Bienen zu begeistern.
80 Teilnehmer*innen hören zu, fragen und diskutieren über die Biene in der Pädagogik (Foto: Mellifera e. V.)
Grundlagen von Bienenprojekten an Schulen und Lernorten
Was können Bienen über Biodiversität, Zusammenleben und Verantwortung vermitteln? Wie lernen Kinder durch unmittelbare Naturerfahrungen? Wie stärkt diese Arbeit Bewertungs- und Handlungskompetenz, Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwirksamkeit? Welche vielfältigen Möglichkeiten gibt es und wie lassen sich Bienenprojekte an Schulen umsetzen? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der beiden Hauptvorträge.
Das Team vom Schulbiologiezentrum Hannover
Wie vielfältig Bienenpädagogik wirken kann, stellten dabei Heike Uphoff, Britta Lang und Irene Borchers vom Schulbiologiezentrum Hannover vor. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Vorstellung ihres Schulbienenkonzeptes, bei dem Schulen und Lehrkräfte in einem einfachen und klar geregelten Rahmen zunächst für 3 Monate mit ihren Schulbienen in Kontakt kommen. Daraus können in der Folge langfristige Bienen-AGs an Schulen entstehen. Lehrkräfte werden über 4 Termine zu den „Schulbienen“ weitergebildt und lernen Hintergrundwissen und Organisatorisches. Einblicke in die Bienenprojekte der Hannover Tellkampfschule und dem Johannes-Kepler-Gymnasium Garbsen brachten zudem praktische Einblicke.
Ulrike Rohlmann stellt die langjährige Arbeit ihrer Bienen-AG vor (Foto: Mellifera e. V. )
Völker kontrollieren, Honig ernten und verkaufen, Kerzen gießen oder Rähmchen bauen. Die Tätigkeiten im Jahreslauf einer Bienen-AG sind vielseitig. Was alles essenziell und möglich ist stellten Ulrike und Gregor Rohlmann aus Lüdenscheid vor, die zusammen seit über 20 Jahren die Bienen AG Bees for nature leiten. Als ehemalige Lehrerin und Garten und Landschaftsbauer haben sie eine reichhaltige Expertise. Ob Bedeutung von Bestäuberinsekten für Lebensmittel, Bionik, Gestalten von Bienenbeuten, Anlegen eines Schulgartens samt Wildbienenlehrpfad, der Fundus an bereits umgesetzten Projekten ist groß. Wichtig war den beiden dabei Wert darauf zu legen, dass jedes noch so kleine Projekt sorgfältig geplant und umgesetzt werden will und es klug ist einen Schritt nach dem nächsten zu gehen.
Bienen an Schulen im Sinne einer tiergestützten Pädagogik
Dr. Liane Yahya und Julia Weyers von der Alfred Adler Förderschule Duisburg (Foto: Mellifera e. V. )
Wie tiergestützte Pädagogik Lernfreude weckt und was alles daraus werden kann, stellten Dr. Liane Yahya und Julia Weyers von der Alfred-Adler Schule, einer Förderschule aus Duisburg vor. Vom Start im Jahr 2022 mit dem Einzug von Bienenvölkern an der Schule, Imkerkursen und manchen Förderanträgen stellten sie dar, wie wichtig eine gute Grundlage ist. Besonderes Augenmerk legen sie dabei darauf das Potential der Bienen im Sinne einer tiergestützten Pädagogik auszuschöpfen. Bienen dienen dabei als Lernpartner und schulen Verantwortung als auch Konzentration der Schülerinnen und Schüler. Sie lassen die Kinder eigene Grenzen entdecken, Dinge erlernen und miteinander Kommunizieren. Alles sehr wichtige Dinge im gegenseitigen Miteinander. Die vielen gewonnenen Preise und schönen Momente im Rahmen ihrer bereits umgesetzten Projekte sprachen für sich.
Impulsreferat von Uschi Haucap und Laura Odenbrett der Helen Keller Schule Wiehl (Foto: Mellifera e. V. )
Von der ersten Idee einer Schulimkerei im Jahr 2012 bis zur Umsetzung 2019 sollten 7 Jahre vergehen. Umso besser waren Uschi Haucap und Laura Odenbrett von der Helen-Keller-Schule, einer Förderschule in Wiehl Oberbantenberg vorbereitet, als sie starteten. Gemeinsam mit drei weiteren Kolleginnen haben sie seitdem ihr Bienenprojekt verwirklicht, und können auf eine erfolgreiche Integration an der Schule zurückblicken. Besonders wichtig dabei ist das feste Team, das sie bei der Betreuung der Völker und der AG-Angebote bilden. Bei der Vermittlung der Inhalte orientieren sie sich an den Bedürfnissen einer Förderschule für geistige Entwicklung. Inhalte werden reduziert und fast ausschließlich bildhaft und mit wenig Text transportiert. Leichte Sprache, feste Rituale und viele praktische Tätigkeiten helfen dabei den Schüler*innen Dinge zu verstehen und zu erinnern.
Vielfältige Workshops luden zum Entdecken und Weiterbilden ein
Barbara Leineweber im Workshop zu Wachs und Honig (Foto: Mellifera e. V.)
Im Duft von geschmolzenem Wachs sitzt die nächste Gruppe im „Labor“ und lauscht Barbara Leineweber. Hier werden bedächtig Kerzen gezogen, Salben gerührt und Rezepte rund um Wachs und Honig vorgestellt. Alles Dinge, die in der ruhigen Winterzeit wunderbar mit Kindern gemacht werden können.
Erlebnis Garten für Jung und Alt von Nadia Freihube (Foto: Mellifera e. V.)
Ganz anders beim Erlebnis Garten für Jung und Alt, Nadia Freihube lässt die Teilnehmer*innen in die Rollen von Kindern oder Senior*innen schlüpfen, um ihre Empathie zu schulen und den Blick auf Andere zu öffnen. Einfach Aufgaben, Spiele und feine Bastelarbeiten, zeigen wie Jung und Alt mit Freuden den Garten erleben können.
Anleitungen zum Aufbau einer Schulimkerei von Undine Westphal (Foto: Mellifera e. V.)
In der Kulisse des Bienensaals, des Naturerlebniszentrums führte Undine Westphal in ihrem Workshop mit vielen wichtigen Grundlagen und Details in den Aufbau einer Schulimkerei ein. So können viele Fragen im Kontext der Bienenhaltung an Schulen im Vorfeld geklärt und der Blick auf das Wesentliche gerichtet werden.
"Bienen" bei der Übergabe von Nektar (Foto: Mellifera e. V. )
Wie sich Bienen z. B. Nektar übergeben wurde spielerisch im Workshop von Isabell Wahler nachempfunden. Dieses und viele weitere Spiele und Aktivitäten rund um die Bienen-AG waren ihr Thema, bei dem es viel zu lachen und zu erraten gab sowie Geschicklichkeit gefragt war.
Mareike Kehl führt in die Erste Hilfe am Bienenstand ein (Foto: Mellifera e. V.)
Die Erste Hilfe am Bienenstand wurde von Mareike Kehl angeleitet, welche als Notfallärztin und Bienenpädagogin Expertin dafür ist. Die wichtigsten Fragen worauf im Notfall zu achten ist, was zu tun ist und worauf es ankommt, konnten hier gelernt werden.
Die Welt der Wildbienen war Thema von Jennifer Thelen (Foto: Mellifera e. V.)
Die Besonderheiten der vielen Wildbienenarten stellte Jennifer Thelen vor. Diese in Deutschland viele Arten umfassende Gruppe birgt ein große Zahl an spannenden Geheimnissen und lässt sich wunderbar mit Kindern beobachten. Viele Bewegungsspiele brachten dabei den nötigen Spaß, um die Inhalte kindgerecht zu vermitteln.
Bühnenblüten brachten den Abend zum Leuchten
Beim Figuren Theater von Anja Beyer-Meister wurde es bedächtig (Foto: Mellifera e. V.)
Ob ein Gedicht über die Varroamilbe, die heilenden Kräfte der Honigmassage, Lieder, lustige Anekdoten über Begegnungen mit Bienen oder auch das wunderbare Figurentheater waren Teil der Bühnenblüten, die abends den Saal zum Leuchten brachten. Jede*r der wollte konnte hier ungezwungen einen kleinen Beitrag beisteuern. Es wurde ein lustiger und kurzweiliger Abend, der sicherlich allen noch lange im Gedächtnis bleibt.
Der Wert des Austauschs im Bienenstock
Zufriedene Gesichter bei allen Teilnehmenden (Foto: Mellifera e. V. )
Die vielen Begegnungen und Gespräche, die auf der Tagung möglich waren haben bewahrheitet, wie wertvoll das Zusammenkommen von Menschen für den gemeinsamen Austausch ist. Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll die Zusammenkunft im Bienenstock ist. Impulse werden eingebracht, aufgenommen und weiterentwickelt, Ideen sowie neue Fragen entstehen und über allem steht das verbindende Element der Begeisterung für Bienen und Bildung. Wir sind noch erfüllt von der warmherzigen Atmosphäre, welche die Tagung in Nettersheim umgeben hat, und wollen im nächsten Jahr an diesen positiven Erinnerungen anknüpfen.
Wir bedanken uns bei allen Referentinnen und Teilnehmer*innen sowie dem Naturzentrum Nettersheim für diese besondere Zusammenkunft. Und ebenso bei allen Förderern, welche die Umsetzung möglich gemacht haben. Ganz besonders der Stiftung Helixor und der Dr. Axe-Stiftung für die finanzielle Unterstützung sowie STOCKMAR und Sedulus für die Sachspenden in Form von Wachsmalstiften, Bienenwachsknete und Notizheften.