Gärten als Begegnungsräume für Jung & Alt
Das Projekt „Gärten der Generationen“ bringt Jung und Alt im Garten zusammen: An zwölf Senioreneinrichtungen in Baden-Württemberg entstehen Sinnes- und Naschgärten, die gemeinsam mit Kindern aus benachbarten Kindergärten oder Schulen gepflegt werden. Ein Projekt, das Brücken baut – zwischen Mensch und Natur sowie zwischen den Generationen.
Do 28. November 2024 von Gastautor*in BieneMenschNatur.48, Hypes&Hoffnungen, Kinder&Jugendliche
Einsamkeit im Alter verringern, Kindern lebendige Naturerfahrungen ermöglichen, mehr Grün- und Blühflächen für Honig-, Wildbienen und andere Bestäuber schaffen – diese Ziele verfolgt das Projekt „Gärten der Generationen“, das unter der Regie der Initiative Bienen machen Schule dieses Jahr Gestalt annimmt. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Grundlagen gelegt wurden, geht es aktuell um die praktische Umsetzung. Zwölf Einrichtungen nehmen teil, deren Standorte sich über ganz Baden-Württemberg verteilen – in Rosenfeld, Schömberg, Stuttgart, Balingen, Heidenheim an der Brenz, Albstadt, Böblingen und Horb am Neckar entstehen blühende Begegnungsorte.
Begegnungsorte zwischen Mensch und Natur
Die Generationengärten sind dabei weit mehr als ein klassisches Gartenprojekt. Sie sollen naturnahe Orte werden, die zum Entdecken, Staunen und Naschen einladen – und gleichzeitig neue Räume der Begegnung zwischen Jung und Alt schaffen.
Beim gemeinsamen Gärtnern kommen Gespräche ganz natürlich zustande: über das, was wächst und blüht, über Kindheitserinnerungen, Lieblingsblumen oder die Bedeutung der Honigbienen und ihrer wilden Schwestern. Kinder haben nicht mehr die Möglichkeit, mit eigenen Augen zu erleben, wie artenreich unsere Umwelt früher war – auch in dieser Hinsicht bietet der generationenübergreifende Austausch eine besondere Chance.
Vom Konzept eines Gartens, der sich mit allen Sinnen erfahren lässt, profitieren auch Teilnehmende mit Demenz. Die Sinnesreize im Garten – Düfte, Farben, Geräusche, Geschmackserlebnisse, Texturen – können Erinnerungen wecken und zur Aktivierung beitragen, während der Kontakt mit Kindern oft besondere Freude bereitet.
Bienen als Teil des Miteinanders
Durch praxisnahe Naturerfahrung werden Wertschätzung und Verständnis für Bienen und ihre Bedeutung gefördert. In allen Gärten legen wir daher besonderen Wert auf bestäuberfreundliche Pflanzen. Blühflächen mit Wildblumen, Stauden und Kräutern sind nicht nur schön anzusehen, sondern bieten wichtige Nahrungsquellen für Bienen und Schmetterlinge über die gesamte Saison hinweg.
In jeder Einrichtung wird außerdem eine Wildbienennisthilfe aufgestellt und es besteht die Möglichkeit, mit Unterstützung aus dem Mellifera-Netzwerk eine eigene Einraumbeute zu betreuen. Um die faszinierende Welt der Honigbienen noch anschaulicher zu gestalten, erhält jede Einrichtung zusätzlich ein „Erlebnis-Bienenwunder-Set“ von Bienen machen Schule. Mit der darin enthaltenen Modell-Einraumbeute und dem dazugehörigen pädagogischen Material kann durch spannende Aktivitäten gemeinsam erkundet werden, wie ein Bienenvolk eigentlich zusammenlebt, was eine Arbeiterbiene alles zu tun hat und wie aus einem kleinen Ei eine ausgewachsene Biene wird.
Planung und Umsetzung – gemeinsam gestalten
Der Prozess bis hin zum eigenen Garten ist individuell für jede Einrichtung, folgt aber einem verbindenden Grundkonzept. Zu Beginn werden mit den Senioreneinrichtungen und ihren Kooperationspartnern die wichtigsten Rahmenbedingungen geklärt. Dabei haben wir auch die Barrierefreiheit im Blick: Wo passend und gewünscht, werden mit dem Rollstuhl unterfahrbare Hochbeete eingeplant, damit auch mobilitätseingeschränkte Senior*innen bequem mitgärtnern können.
Auf dieser Basis entsteht ein gemeinsamer Gartenplan, der die Gegebenheiten jedes Standortes berücksichtigt. Die Beete können dann als gemeinschaftliche Aktion mit allen angelegt werden, die mit anpacken wollen: Eltern, Kinder, Senior*innen oder Mitarbeitende der Einrichtungen. Ein erster wichtiger Baustein für das spätere Miteinander im Garten.
Aktuell befinden wir uns in der finalen Vorbereitungsphase: Die Gartenpläne stehen, Materialien wie Hochbeete, Nisthilfen und Pflanzen werden nach und nach ausgeliefert. Die praktische Umsetzung läuft auf Hochtouren – in den nächsten Wochen sollen die meisten Flächen angelegt sein.
Aktionstage und Umweltbildung im Jahresverlauf
Sind die Gärten einmal da, beginnt das Projekt erst richtig. Über das Jahr verteilt sind mindestens drei gemeinsame Aktionstage pro Einrichtung geplant. An diesen Vor- oder Nachmittagen kommen die Kooperationseinrichtungen zusammen und widmen sich verschiedenen umweltpädagogischen Themen: Wie verändert sich der Garten im Jahresverlauf? Welche Insekten sind zu beobachten? Wie funktioniert die Bestäubung der Pflanzen? Wo befinden wir uns aktuell im Bienenjahr? Was lässt sich aus selbst geernteten Kräutern und Früchten herstellen?
Diese Aktionstage dienen dazu, die Gärten weiter zu gestalten, gemeinschaftlich zu erleben und miteinander ins Gespräch zu kommen. Begleitet werden sie von mir oder Bienenpädagog*innen aus dem Netzwerk von Bienen machen Schule. So entsteht ein kontinuierliches Bildungsangebot, das ein Erfahren, Erleben und Verstehen der Themen generationenübergreifend möglich macht. Vom Trocknen von Duftpflanzen über das Basteln einer eigenen Bienentränke bis hin zum Führen eines „Pflanzentagebuchs“ – im Garten lässt sich allerlei Neues ausprobieren.
Voneinander lernen – Erfahrungen teilen
Langfristig sollen durch das Projekt nicht nur naturnahe Oasen entstehen, sondern auch tragfähige Brücken zwischen den Generationen. Die Erfahrungen aus dem ersten Projektjahr werden wir sammeln und in einem Leitfaden zum generationenübergreifenden Lernen im Garten festhalten: Was hat sich bewährt? Wo gab es Herausforderungen? Welche Wünsche und Ideen gibt es für die Zukunft?
Denn eines steht fest: Wenn Kinder und Senior*innen gemeinsam in der Erde wühlen, Pflanzen gießen oder Blüten und Insekten beobachten, entsteht nicht nur neues Grün für Bienen und andere Bestäuber – sondern auch ein lebendiges Miteinander, das alle bereichert.
Ein Projekt, von dem alle etwas haben
Für die Senior*innen bieten die Gärten vielfältige Möglichkeiten zur Aktivierung: Die Arbeit mit Pflanzen regt die Sinne an, fördert die Feinmotorik und ermöglicht sanfte körperliche Bewegung an der frischen Luft. Der Kontakt mit den Kindern bringt Abwechslung in den Alltag und schafft neue Gesprächsanlässe. Viele ältere Menschen verfügen zudem über wertvolles Gartenwissen, das sie gerne weitergeben.
Die Kinder wiederum erleben Natur hautnah: Sie beobachten das Wachstum von Pflanzen, entdecken kleine Tiere und lernen spielerisch ökologische Zusammenhänge kennen. Der Umgang mit den Senior*innen fördert auch soziale Kompetenzen. Im Sinne von Bienen machen Schule entwickeln sie zudem ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Bestäubern in unserem Ökosystem.
Für die teilnehmenden Einrichtungen entstehen durch die Kooperation neue Netzwerke und Synergien. Die Gärten bereichern das pädagogische Angebot und bieten vielfältige Möglichkeiten für jahreszeitliche Projekte. Mit etwas Glück entwickelt sich aus der anfänglichen Projektpartnerschaft eine langfristige Zusammenarbeit, die über die Gartensaison hinaus Bestand hat.
Nadia Freihube, Bienen machen Schule