Wie Umweltbildung begeistert und das Bewusstsein von Kindern stärkt
Eine Studie von Bienen machen Schule & der Uni Wien gibt Aufschluss, welche Wirkung Bienen-Erlebnistage auf Kinder & Jugendliche haben. Die Ergebnisse stimmen positiv.
Do 20. November 2025 von Jonas Ewert, Rebecca Schmitz BieneMenschNatur.49, Forschung, Kinder&Jugendliche
Im Rahmen der Initiative Bienen machen Schule von Mellifera e. V. wurde im Jahr 2024 erstmals eine begleitende Evaluationsstudie zur Wirkung der Bienen-Erlebnistage (BETs) durchgeführt. Ziel der Studie war es, den Einfluss der Erlebnistage auf das Wissen (kognitive Aspekte) sowie auf Einstellungen und Emotionen (affektive Aspekte) von Kindern in Bezug auf Bienen und Naturschutz zu untersuchen.
Die Studie wurde vom Österreichischen Kompetenzzentrum für Didaktik der Biologie an der Universität Wien, unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Andrea Möller (Lehrstuhl für Biologiedidaktik) und Phd. Benno Dünser wissenschaftlich begleitet. Von April bis September 2024 führten fünf qualifizierte Bienenpädagog*innen insgesamt dreizehn Bienen-Erlebnistage – mit rund 300 teilnehmenden Kindern durch.
Bienen als Türöffner zur Natur
Die Bienen-Erlebnistage setzen auf ein interaktives, handlungs- und erlebnisorientiertes Lernkonzept. Kinder erleben die faszinierende Welt der Honig- und Wildbienen unmittelbar: Sie beobachten Bienen im Schaukasten, lernen die Bedeutung von Bestäubung kennen und bauen eigene Nisthilfen. Durch diese multisensorischen Erfahrungen entstehen emotionale Verbindungen – und genau diese stehen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Evaluation.
So konnten die Kinder in den Modulen der BETs selbst auf Bestimmungstour heimischer Wildbienenarten gehen und so ihren Beobachtungssinn schärfen. Beim gemeinsamen Frühstück mit und ohne Bestäuber wurde besonders deutlich, weshalb wir auf die Bestäubung von Obst und Gemüse durch Insekten angewiesen sind. Am Bienenstand konnten die Kinder dann auf Tuchfühlung mit der Honigbiene gehen und hautnah erleben, wie sie sich im Stock organisieren. Diese unmittelbaren Naturerfahrungen schaffen eine klare Verbindung und vermitteln den Wert für das Ökosystem als Ganzes und zugleich für uns Menschen.
Messbare Effekte: Wissen wächst – und mit ihm das Umweltbewusstsein
Die Ergebnisse der Studie zeigen signifikante Verbesserungen im kognitiven Bereich. Die Kinder konnten ihr Wissen über Bienenarten, deren Anatomie und Lebensweise sowie über die ökologische Bedeutung der Bestäubung deutlich erweitern. So konnten nach der Intervention circa 30 Prozent der Kinder vier bis sechs Merkmale des Bienenkörpers in ihrer Zeichnung korrekt wiedergeben. Vorher waren es nur 9 Prozent.
Besonders erfreulich: Auch bei den affektiven Einstellungen gab es klare positive Veränderungen. Nach den Erlebnistagen äußerten deutlich mehr Kinder ein persönliches Interesse am Naturschutz und eine positive Einstellung gegenüber Bienen und anderen Insekten. Belegt wurde dies durch eine Verbesserung des semantischen Differentials, um jeweils rund einen Punkt. Dabei werden Einstellung der Kinder in Bezug auf gegensätzliche Adjektivpaare wie wertlos oder schützenswert gegenübergestellt. Auch gaben viele Kinder an, sich künftig für den Erhalt von Lebensräumen einsetzen oder zu Hause bienenfreundliche Maßnahmen umsetzen zu wollen.
Aus den quantitativen Daten der Illustrated Inclusion of nature lässt sich schlussfolgern, dass sich bei den teilnehmenden Kindern direkt im Anschluss an die BETs ein erhöhtes Empfinden der Verbundenheit mit der Natur eingestellt hat. Dies ließ sich auch im Bezug auf die qualitativen Daten bestätigen. Ein Beispiel dafür war z. B. die Aussage einer Probandin nach einem BET „die Natur mehr zu mögen“.
Emotionen als Katalysator für Umwelthandeln
Die Studie bestätigt: Positive emotionale Erfahrungen sind ein Schlüssel für nachhaltiges Lernen. Kinder, die sich in einer geschützten Lernumgebung mit Bienen beschäftigen, entwickeln häufig ein langfristiges Interesse an ökologischen Zusammenhängen. Gerade in einer Zeit, in der Artensterben und Umweltprobleme oft abstrakt und fern erscheinen, sind solche direkten Naturerfahrungen wichtiger denn je. Bienen dienen hier als Stellvertreterinnen für größere ökologische Themen: Ihre Lebensweise, ihre Rolle im Ökosystem und ihre Bedrohung durch menschliches Handeln machen sie zu idealen Botschafterinnen für Biodiversität und Nachhaltigkeit.
Starke Argumente für Förderer und Politik
Die Ergebnisse der Pilotstudie liefern nicht nur wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung der Bienen-Erlebnistage, sondern auch fundierte Argumente gegenüber Stiftungen, Förderern und politischen Entscheidungsträgern. Die Wirkung der Umweltbildung durch BETs ist wissenschaftlich belegbar und zeigt konkreten Nutzen – sowohl für das Lernen der Kinder als auch für die Entwicklung eines umweltbewussten Handelns. Zudem schafft die Begleitforschung Rückhalt für die Arbeit von Mellifera e. V. und unterstreicht die Relevanz von Bildungsprojekten, die Naturerfahrung, ökologische Inhalte und emotionale Zugänge miteinander verbinden.
Fazit: Kleine Tiere, große Wirkung
Die Bienen-Erlebnistage wirken – und das im doppelten Sinne: Sie vermitteln Wissen über Bienen und ihre ökologische Bedeutung und schaffen gleichzeitig emotionale Zugänge, die langfristig nachhallen. Die Evaluation durch die Universität Wien macht deutlich, wie wichtig gut durchdachte Umweltbildungsformate sind – nicht nur für den Schutz der Bienen, sondern für eine Generation von Kindern, die Natur, als etwas erleben darf, das es zu schützen lohnt.