Bienenkisten-Blog

Bienen bauen an Naturwabe

Bienenkiste: noch extensiver imkern

Die Standartbetriebsanweisung der Bienenkiste ist so ausgelegt, dass Anfänger möglichst wenig Komplikationen erleben. So kommen Mittelwände an zwei Stellen zum Einsatz: Anfangsstreifen als Bauvorgaben im Brutraum und ganze Mittelwände im Honigraum. Es geht aber natürlich auch ganz ohne fremdes Wachs.

Die Standardbetriebsweise unter www.bienenkiste.de/doku/ ist ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Bienen und denen des Imkers. Wir wollten eine Betriebsweise vorstellen, die einerseits sehr wesensgemäß ist, und andererseits auch Anfängern ohne große praktische Erfahrungen im Umgang mit Bienen den Einstieg ermöglicht. Es ist aber ohne Frage so, dass die Mittelwände ein Fremdkörper im Körper des Biens sind. Es gibt zudem eine Rückstandsproblematik, da Mittelwände aus dem Bienenwachs alter Waben recycelt werden und Umweltgifte oder Spuren von Medikamenten enthalten können, die sich im Laufe der Zeit dort angereichert haben. Daher empfehlen wir nur zertifiziert rückstandsfreie Mittelwände oder noch besser Mittelwände aus ökologischer Bienenhaltung zu verwenden.

Auch in der Natur nehmen Bienen fremdes Wachs an und integrieren es in ihren Wabenkörper. Nur deshalb funktioniert auch die Bauvorgabe mit Anfangsstreifen. Wildvölker übernehmen gerne alte Waben in leer stehenden Bienenwohnungen. Das Vorhandensein alter bebrüteter Waben ist sogar ein Auswahlkriterium für die Wahl der Bienenwohnung. Die Verwendung von Wachsanfangsstreifen als Bauvorgabe halte ich daher unter wesensgemäßen Gesichtspunkten eher für unkritisch.

Mittelwände im Honigraum

Anders sieht es im Honigraum aus. Es gibt verschiedene Gründe, warum wir Anfängern empfehlen, im Honigraum Leisten mit ganzen Mittelwänden einzusetzen. Zum einen werden die vorgeprägten Zellen von den Bienen als Wabenzellen erkannt. In der Trachtzeit sind sie darum bemüht, alle leeren Zellen mit Honig zu füllen. Die vorhandenen leeren Zellen liefern Informationen darüber, wie viel Honig benötigt wird. Wenn wir als Imker nun zusätzliche leere Zellen ins Volk bringen, erhöht das den Sammeleifer der Bienen. Auf diesem Trick basiert die gesamte moderne Imkerei. Die Erweiterung mit leeren Waben oder Mittelwänden hat eine andere Wirkung, als würde man nur einen zusätzlichen leeren Raum ohne Waben öffnen. Wenn die Bienen erst noch die Waben bauen müssen, um weitere Vorräte einlagern zu können, kommen sie viel schneller in Schwarmstimmung und investieren ihre Kräfte lieber in die Gründung einer neuen Kolonie, als Vorräte zu sammeln, die sie wahrscheinlich gar nicht selbst brauchen. Die Mittelwände im Honigraum erhöhen also den Ertrag und verringern die Schwarmneigung.

Ein weiterer Grund ist, dass frisch gebaute, unstabilisierte Naturwaben bruchgefährdeter sind als Waben mit Mittelwand. Bei sogenannten »Stoßtrachten«, wenn innerhalb weniger Tage viele Kilogramm Nektar eingetragen werden, können Waben schneller aufgrund ihres Eigengewichts abreißen. Auch sehr warme Tage erhöhen das Risiko von Wabenbruch. Die Honigernte Ende Juli fällt genau in die wärmste Jahreszeit und es kann passieren, dass Waben bei der Ernte von der Holzleiste abbrechen. Es gibt für Anfänger kaum eine unerfreulichere Situation, als Wabenbruch während der Ernte – Honig läuft heraus, Bienen kleben im Honig fest, überall wimmeln Bienen. Deshalb raten wir dazu, zunächst einmal Mittelwände im Honigraum zu verwenden. Haben Sie bereits erste Erfahrungen gesammelt und sind sicherer im Umgang mit den Bienen, können Sie auch darüber nachdenken, auf Mittelwände zu verzichten und im Honigraum ebenfalls nur Leisten mit Anfangsstreifen einzusetzen.

Tipp: weniger Mittelwände verwenden
Auch wenn Sie Mittelwände im Honigraum verwenden, gibt es Situationen, in denen Sie sich vielleicht nicht ganz sicher sind, ob es sich überhaupt lohnt, den Honigraum freizugeben. Vielleicht hat sich das Bienenvolk im Frühjahr nicht so schnell entwickelt und ist noch recht schwach. Vielleicht ist es unklar, ob es noch Tracht geben wird. Oder das Volk ist geschwärmt und dadurch in der Entwicklung zurückgeworfen. Oder ein frisch einlogierter Schwarm hat schon innerhalb kürzester Zeit den Brutraum ausgebaut und es ist noch Tracht zu erwarten. Vielleicht haben Sie aber einfach nur zu wenige Mittelwände oder wollen nicht gleich ganz auf die Mittelwände verzichten und sich langsam an eine mittelwandfreie Betriebsweise herantasten.
In diesen Fällen würde ich die Mittelwände diagonal durchschneiden und so einsetzen, dass sie in Richtung Brutraum bis nach unten reichen und sich in Richtung Rückbrett immer weiter verjüngen. Sie benötigen dann nur die halbe Menge Mittelwände und die diagonale Form nimmt die natürliche Art, wie das Bienenvolk sein Wabenwerk nach hinten erweitern wird, auf.

Dreicksleisten

  • Dreiecksleisten aus dem Baumarkt: Dreikantprofil auf flache Holzleiste geleimt (Foto: Gunnar Weidt)
  • Dreicksleisten im Honigraum (Foto: Jan Michael, ruchebio.com)

Wer auch auf Anfangsstreifen verzichten will, kann als Oberträger einfach dreieckige Holzleisten nehmen. Die Bautraube orientiert sich normalerweise an der Spitze und fängt dort an, die Wabe zu bauen. So können Sie ganz ohne fremdes Wachs in der Bienenkiste imkern. Bei Dreiecksleisten ist die Gefahr aber größer, dass die Bienen sich die Freiheit nehmen, auch diagonal oder zwischen den Leisten zu bauen, statt an der Spitze.

Tipp: Wabenbau trimmen
Besonders im Honigraum ist es wichtig, dass die Naturwaben wirklich an den Oberträgern gebaut wird, um die Waben später zur Ernte einfach an den Holzleisten entnehmen zu können. Greifen Sie frühzeitig ein, wenn Waben die Tendenz haben, aus der Richtung zu laufen und biegen Sie die Waben wieder in die richtige Richtung. Wenn trotz aller Bemühungen Waben über mehrere Träger gebaut wurden, müssen Sie diese später bei der Honigernte en bloc herausnehmen und dann vorsichtig auseinanderschneiden.

Vereinfachte Schwarmkontrolle

Spitz zulaufende, rauhe Wabenkanten zeigen an, dass die Bienen noch bauen und nicht im Schwarmtrieb sind.

Wenn Sie Anfangsstreifen/Dreiecksleisten im Honigraum verwenden, brauchen Sie den Boden weit seltener zu öffnen, als in der Standardbetriebsweise. Das fängt mit dem Einsetzen der Leisten im Honigraum an. Das geht dann auch relativ problemlos von hinten. So lange der Honigraum noch nicht vollständig ausgebaut ist, können Sie zudem die Schwarmkontrolle ebenfalls von hinten durchführen, ohne den Boden abnehmen zu müssen: So lange gebaut wird und die Wabenkanten ein scharfes Aussehen haben, ist das Volk noch nicht in Schwarmstimmung. Wenn die Unterkante von neu gebauten Waben von der Seite aus gesehen nicht mehr gerade bzw. in einer einzigen Kurve verläuft, sondern girlandenförmig aussieht oder die Wabenkanten im Querschnitt abgerundet aussehen, dann kommt das Volk in Schwarmstimmung. Erst jetzt ist es nötig, den Boden abzunehmen, um nach belegten Weiselzellen zu suchen. (Wenn der Honigraum vollständig ausgebaut ist, ist diese vereinfachte Form der Schwarmkontrolle nicht mehr möglich.)

Fazit: Mit ein wenig Erfahrung kann die Bienenkiste noch extensiver betrieben werden. Der Einsatz von Mittelwänden ist nicht nötig. Auf regelmäßiges Öffnen durch Aufstellen der Kiste und Abnahme des Bodens kann verzichtet werden.

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Über den Autor
Autor Erhard Maria Klein

Projektleiter Bienenkiste

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