Bienenkisten-Blog

»Fieber messen« in der Bienenkiste Foto: Martin Gruber

Brutfreiheit in der Bienenkiste feststellen

Eine Restentmilbung mit Oxalsäurelösung in der brutfreien Zeit ist sehr einfach durchzuführen und liefert den Grundstein für gesunde Bienenvölker im kommenden Jahr. Das Problem verbirgt sich im Wort »brutfrei«.

Die Behandlung mit Oxalsäure ist sehr einfach durchzuführen und hat einen guten Wirkungsgrad. Sie träufeln in der brutfreien Zeit die 3,5-prozentige Oxalsäure-Zucker-Lösung möglichst gleichmäßig verteilt auf die Bienen in den Wabengassen. Ideal sind Außentemperaturen zwischen 0 und 5 Grad Celsius. Das Problem verbirgt sich im Wort »brutfrei«: Nur wenn das Volk brutfrei ist, hat die Behandlung einen Sinn. Ansonsten sitzt der größte Teil der Milben in verdeckelten Brutzellen und wird von der Behandlung gar nicht erreicht. Wegen der immer wärmeren Winter ist es gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt abzupassen.

Anleitung Oxalsäurebehandlung

Da bei Stabilbau-Konzepten – wie der Bienenkiste – keine Waben herausgenommen werden können, ist es nicht möglich, durch Sichtkontrolle die Brutfreiheit sicher festzustellen. Es ist aber ohnehin nicht ratsam, ein Bienenvolk mitten im Winter zu »zerlegen«. Ich beschreibe im Folgenden, wie Sie dennoch sehr zuverlässig die Brutfreiheit feststellen können:

Faustregeln

Sie können sich an folgenden Faustregeln orientieren:

  • Drei Wochen nach den ersten richtigen Nachtfrösten können Sie davon ausgehen, dass die Bienenvölker brutfrei sind.
  • Spätestens in der zweiten Januarwoche brüten die Völker normalerweise wieder – möglicherweise schon Anfang Januar.
  • Die größte Wahrscheinlichkeit für Brutfreiheit liegt in der Woche um Weihnachten.

Brutfreiheit durch »Fiebermessen« bestimmen

Sie können sich letzte Gewissheit mit einem digitalen Bratenthermometer verschaffen. Wenn Sie das Bienenvolk zur Oxalsäurebehandlung öffnen, messen Sie im Zentrum des Bienensitzes mit dem Bratenthermometer die Temperatur in der Wabengasse. Stecken Sie den Sensor möglichst weit hinein. Bei Temperaturen deutlich unter 30 Grad Celsius können Sie davon ausgehen, dass das Volk brutfrei ist, bei Temperaturen ab ca. 30 Grad Celsius brütet es noch. Aber: wenn das Thermometer weniger als 30 Grad Celsius anzeigt, sollten Sie an einer anderen Stelle eine zweite Messung durchführen, um ganz sicher zu sein.

Tipps: Wärmen Sie das Thermometer unter der Jacke oder in einem Topf mit warmen Wasser vor, damit es schneller die Zieltemperatur erreicht. Je kälter es ist und je dichter die Bienen in der Wintertraube sitzen, desto aussagekräftiger ist die Messung. Übrigens: ein Infrarotthermometer liefert keine zuverlässigen Werte!

Bodenfall untersuchen

(Fast) Ohne technische Geräte kommt die Kontrolle des Bienenkistenbodens aus. Öffnen Sie die Spannverschlüsse, lösen Sie den Boden mit dem Stockmeißel und heben Sie den Korpus der Kiste vorne etwas an, sodass Sie auf den Boden schauen können. Da es schwierig ist, die relativ schwere Kiste gleichzeitig anzuheben und auf den Boden zu schauen, machen Sie das am besten zu zweit oder Sie stecken zwei Holzklötze in den Spalt. Eine Taschenlampe hilft, besser zu sehen. Wenn Sie auf dem Boden Wachsschüppchen, verlorene Eier oder (auch) helle Varroamilben sehen, dann brütet das Volk noch. Auch aufgerollte Croissant-förmige oder braune flauschige Wachskrümel deuten darauf hin. Erstere entstehen, wenn die Wachsschicht nach der Verpuppung von den Brutzellen abgenagt wird, zweitere beim Aufnagen der Zelldeckel beim Schlupf der Bienen. Sie dürfen das aber nicht mit den Wachskrümeln verwechseln, die beim Öffnen der Futterwaben herunterfallen! Diese sind i.d.R. heller.

Sie können aber nur dann eine sichere Aussage treffen, wenn Sie den Boden einige Tage vorher mit dem Bienenbesen gereinigt haben. Bei der Gelegenheit könnten Sie dort, wo sich der Bienensitz befindet, einen Bogen dünnen, hellen Karton als Bodeneinlage hineinlegen und einige Tage später zur Begutachtung wieder entnehmen.

Keine Behandlung durchführen?

Wenn das Volk nicht brutfrei ist, warten Sie – falls möglich – ein paar Wochen und versuchen es dann erneut. Wenn Sie keinen Zeitpunkt finden, bei dem das Volk brutfrei ist, sollten Sie gar keine Behandlung durchführen. Das gilt übrigens auch, wenn das Volk sehr klein ist (drei Wabengassen besetzt oder weniger). Die Oxalsäurebehandlung stellt eine Belastung für das Bienenvolk dar und kann sehr kleine Völker umbringen. Bei brütenden Völkern ist sie wirkungslos.

Solche unbehandelten Völker sollten Sie dann im kommenden Jahr besonders gut im Blick behalten und nach Möglichkeit für eine Brutunterbrechung sorgen. Sie könnten z.B. Schwarmstimmung provozieren, indem Sie den Honigraum gar nicht eröffnen oder frühzeitig einen Trommelschwarm machen.

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Über den Autor
Autor Erhard Maria Klein

Projektleiter Bienenkiste

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst (nach Augustinus)

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Dieser Tipp stammt aus dem Buch:

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