Bienenkisten-Blog

Klimakiller Kapitalismus

Die Bienenkiste als DIY-Konzept

Mittlerweile werden Bienenkisten sogar in Baumärkten und Discountern verkauft. Das ist ziemlich das Gegenteil von dem, was mir am Herzen liegt.

Da ich die Bienenkiste damals bewusst als »Open Source«-Projekt konzipiert habe, kann sich jede*r selbst eine Bienenkiste bauen und eben auch verkaufen. Für mich ist das aber ein Anlass, einmal ausführlicher zu erläutern, warum ich die Bienenkiste entwickelt habe und wohin sie eigentlich gehört.

Ich habe mich bereits um die Jahrtausendwende intensiv mit Fragen der Selbstversorgung und einer nachhaltigen ökologischen Lebensweise im Geiste von Suffizienz und Degrowth beschäftigt. Wir hatten damals einen Kleingarten, in dem wir Obst und Gemüse anbauten. Und Bienen zu halten war ein logischer nächster Schritt – für die Bestäubung und für die Selbstversorgung mit Honig und anderen Bienenprodukten. Die üblicherweise von Freizeitimker*innen praktizierte Art der Bienenhaltung in Kunststoffbeuten mit großem Materialeinsatz (u. a. Mittelwände, Honigschleuder, Zuckerfütterung) erschien mir wenig suffizient und auch nicht artgerecht (Schwarmverhinderung, Königinnenzucht, künstliche Steigerung des Honigertrags).

Ich war daher auf der Suche nach einem Konzept, das »einfach« im umfassenden Sinne ist: einfach in der Betreuung, einfach in der Konstruktion, einfach zu bauen, einfach aufzustellen, preiswert, …

Die Bienenkiste erfüllt alle diese Anforderungen. Sie ist eine einfache Holzkiste, und alle Materialien und Ausrüstungsgegenstände können aus Recycling und Umnutzung von Alltagsgegenständen gewonnen werden. Ich habe alle Informationen zum Bau und Betrieb der Bienenkiste bewusst kostenlos als Open-Source-Konzept veröffentlicht (siehe Kasten). Jede*r kann sich so eine Kiste bauen und mit der Bienenhaltung beginnen. »Die Bienenkiste« ist als DIY-Konzept gedacht, das auch Züge von Selbstermächtigung und Empowerment hat. Es soll auch Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen oder wollen, ermöglichen Bienen zu halten. Bienenkisten stehen in Community-, Permakultur- und Selbstversorger-Gärten. Schüler*innen machen sie zum Gegenstand von Projektwochen oder Jahresarbeiten. Ich kenne einen unter einfachen Bedingungen lebenden Nebenerwerbs-Landwirt in Mecklenburg-Vorpommern, der Bienenkisten aus alten Munitionskisten gebaut hat. Das gefällt mir sehr: »Schwerter zu Pflugscharen«!

Die Bienenkiste ist gewissermaßen der Bauwagen oder das Tinyhouse unter den Bienenwohnungen und ermöglicht eine Art der Bienenhaltung, die sehr ressourcenschonend und damit auch klimafreundlicher ist.

Open Source, Commons?

Creative Commons Lizenzvertrag Wir bauen mit der Bienenkiste auf dem traditionellen Krainer Bauernstock auf, der zum Kulturerbe der Menschheit gehört. Und so ist auch »Die Bienenkiste« (genauer genommen die Maße, Bauweise und die damit verbundene Betriebsweise) ein Geschenk an die Allgemeinheit.

Der Name »Bienenkiste« ist übrigens bewusst so gewählt. Er soll diesen Commons-Aspekt betonen.

Wir fördern die lokale Vernetzung von Bienenkisten-Imker*innen einer Region und versuchen die Versorgung von Anfänger*innen mit Schwärmen zu organisieren. Bienenkisten-Netzwerk und Schwarmbörse sind nach elf Jahren nun Teil des Mellifera-Netzwerks geworden. Auch dies ist bewusst immer ein kostenloses Angebot geblieben. Ich sehe die Bienenkiste als Teil der Degrowth-Bewegung, die sich für eine alternative, suffiziente Wirtschaft und Lebensweise einsetzt, und nicht als hippes Geschäftsmodell.

Und noch aus einem anderen Grund ist die Bienenkiste als DIY-Selbstbau-Konzept gedacht: Wer die Kiste selbst baut, sich mit den Details der Konstruktion auseinandersetzt und Zeit und Aufmerksamkeit investieren muss, wird in aller Regel auch der Verantwortung im Umgang mit den Bienen gerecht werden und sich das notwendige Wissen erarbeiten. Mir ist klar, dass nicht alle Menschen die Zeit, das Werkzeug oder Talent haben, sich eine Bienenkiste selbst zu bauen. Das Angebot von Sebastian Ganzer, Bienenkisten als Bausätze zu erwerben und diese am Besten während eines Einführungskurses gemeinsam zusammenzuschrauben, finde ich daher in diesem Fall eine hervorragende Alternative zum Selbstbau. Wir hatten außerdem den Gedanken, dass Menschen, für die ein Selbstbau nicht infrage kommt, sich ja an eine*n örtliche*n Tischler*in wenden können. Hierdurch würde lokales Gewerbe unterstützt, und auch das ist ganz im Geiste einer nachhaltigen Wirtschaft. Eine fertige Bienenkiste im Baumarkt oder Imkereibedarf zu kaufen, entspricht dagegen nicht dem ursprünglichen Konzept.

Mittlerweile ist die Zahl der Produzenten, die Bienenkisten herstellen, kaum noch überschaubar. Wir können das nicht verhindern. Niemand muss uns um Erlaubnis fragen, um Bienenkisten herstellen und anbieten zu können. Mellifera e. V. bietet neben Material für Selbstbau auch komplette Bienenkisten an. Der Gedanke dabei ist: wer sich unbedingt eine fertige Bienenkiste kaufen will, soll dann wenigstens auch die Möglichkeit haben, Mellifera zu unterstützen.

Was sind Eure Erfahrungen mit der Bienenkiste im Zusammenhang mit Selbstbau, Selbstversorgung usw.? Ich würde mich sehr über Eure Erfahrungsberichte und Geschichten freuen, gerne auch mit Fotos. Per E-Mail an E-Mail schreiben oder hier im Forum:

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Über den Autor:
Erhard Maria Klein

Leiter Initiative »Die Bienenkiste«

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst (nach Augustinus)

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+49 40 88168335
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