Bienenkisten-Blog

Königin im Blumentopf

Um Nachschwärme zu verhindern, empfehlen wir ja, alle Weiselzellen bis auf eine auszubrechen. Sie können aber die Gelegenheit nutzen und eine weitere Königin als Reserve in einem Blumentopf heranziehen.

Video: Inspektion eines Blumentopf-Volkes
So ein winziges Mini-Bienenvolk bietet gute Möglichkeiten, die einzelnen Details im Brutnest besser kennen zu lernen. Sie sehen problemlos Zellen mit Eiern und Larven und mit etwas Geduld auch die Königin. Im Video oben zeigt sie sich inmitten ihres Hofstaats.

Um Nachschwärme zu verhindern, empfehlen wir ja, alle Weiselzellen bis auf eine auszubrechen. Sie können aber die Gelegenheit nutzen und eine weitere Königin als Reserve in einem Blumentopf heranziehen. Der Schwarmvorgang ist immer mit einem gewissen Risiko für den Schwarm (Königin kann verloren gehen) und das Restvolk (Jungkönigin kann auf dem Hochzeit verloren gehen oder nicht richtig begattet werden) verbunden.

Wenn Sie die zusätzliche Königin nicht selbst benötigen, findet sich vielleicht ein anderer dankbarer Abnehmer. Begattete Königinnen können z.B. auch genutzt werden, um Kunstschwärme oder Ableger zu beweiseln. Das Blumentopf-Völkchen ist zu klein, um über den Winter zu kommen. Wenn Sie keinen Bedarf an der Königin haben, müssen Sie das Volk zum Herbst hin auflösen.

Balkonbienen ;-)

Material

Sie benötigen zwei einfache Ton-Blumentöpfe mit einem Durchmesser von 18 cm, ein quadratisches Sperrholzbrett (ca. 20×20 cm) und zwei etwa 10 mm dicke Holzleisten. Außerdem benötigen Sie Futter. Dazu eignet sich ein Glas kandierter Honig (nur eigener Honig wegen Faulbrutgefahr!), Futterteig oder Zuckerlösung 1:1. Bohren oder sägen Sie ein großes Loch in das Zentrum des Holzbretts. Sofern Sie flüssig füttern wollen, sollte es 3-4 cm groß sein. Wenn Sie mit Futterteig oder kandiertem Honig füttern, reicht ein etwas kleineres Loch (1-3 cm).

Bienen und Weiselzelle gewinnen

Sie benötigen etwa so viel Bienen, wie in ein Honigglas hinein passen. Sie können die Bienen z.B. gewinnen, in dem Sie sie vom Bodenbrett abstoßen (wie bei der Puderzuckermethode). Wenn einmal Abstoßen nicht reicht, schließen Sie die Bienenkiste wieder, warten etwas und nehmen das Bodenbrett erneut ab. Mit zwei Mal Bienen vom Boden abstoßen sollten Sie aber auf jeden Fall genug Bienen beisammen haben.

Ideal wäre es aber, auf den Naturschwarm zu warten und beim Einfangen des Schwarms die nötige Menge Bienen abzuzweigen. Am einfachsten ist es, nach dem Abstoßen der Schwarmtraube zu warten, bis sich die restlichen Bienen wieder an der Ansatzstelle sammeln. Diese stoßen Sie erneut in ein getrenntes Gefäß ab und schon haben Sie genügend Bienen, bei denen außerdem relativ sicher die alte Königin nicht dabei ist. Das hat außerdem den Vorteil, dass der Schwarm ja seinen alten Standort vergessen hat und der Blumentopf-Begattungsableger also auch am selben Bienenstand aufgestellt werden kann.

Nach dem Sie den Mini-Bienenschwarm haben, brechen oder schneiden Sie eine oder mehrere intakte Weiselzellen aus dem Bienenvolk, das in Schwarmtrieb ist, bzw. gerade geschwärmt ist. Am besten funktioniert es mit fast schlupfreifen Königinnen. Sie benötigen etwas Wabenwerk unter der Weiselzelle, damit Sie Material haben die Weiselzelle mit einer Heftzwecke an das Holzbrett zu pinnen, ohne dass die Zelle beschädigt wird. Heften Sie eine (am besten mehrere Weiselzellen in verschiedenen Stadien) unter das Holzbrett. Sie sollte(n) sich nicht zu nah am Rand befinden, aber auch nicht unmittelbar am Loch. Das Brett wird später auf den Blumentopf gelegt und in dieser Lage sollte die Weiselzelle nach unten zeigen.

  • Minischwarm in Kellerhaft. Umgedrehtes Honigglas als Futter.
  • Zwei Holzleisten bilden den Sockel.
  • Darauf kommt ein Tonblumentopf Ø 18 cm
  • Das Sperrholzbrett mit einer Weiselzelle und einigen Bienen wird auf den Topf gelegt.
  • Ein zweiter Blumentopf wird umgekehrt darauf gestülpt und schützt das Futterglas.
  • Blick aufs Flugloch
  • Voll ausgebauter Blumentopf
  • Verdeckelte Arbeiterinnenbrut zu sehen: die junge Königin ist begattet!
  • Wer sieht die Königin?
  • Die Königin umgeben von ihren Hofdamen

Transport und Kellerhaft

Ich habe eine passenden Pappkarton als Schwarmkiste für den Minischwarm vorbereitet, auf den das Holzbrett gut passt. Den Deckel des Kartons habe ich also abgeschnitten und lege das Holzbrett mit der Weiselzelle auf die Öffnung. Damit das Brett beim Transport nicht abfällt, klebe ich es mit Klebeband fest. Der Pappkarton hat Lüftungsöffnungen auf beiden Seiten, die ich mit Fliegengitter bienendicht verschlossen habe. In den Karton kommen also die Bienen und dann wird er mit dem Holzbrett (inkl. Weiselzelle) verschlossen. Zum Transport habe ich die Futteröffnung im Holzbrett zugeklebt.

Der Minischwarm kommt in Kellerhaft. Wenn die Bienen nicht von einem echten Schwarm stammen, sollte der Schwarm außerhalb des Flugradius aufgestellt werden. Wenn Sie ihn aber in der Nähe des Muttervolks aufstellen wollen, sollten Sie ihn 2 bis 3 Nächte im Keller lassen. Damit die Bienen nicht verhungern, öffnen Sie die Futteröffnung im Holzbrett und stellen ein Glas mit kandiertem Honig oder Futterteig umgekehrt darüber. Sprühen Sie gelegentlich etwas Wasser durch das Gitter, damit die Bienen auch mit Wasser versorgt sind.

Wenn Sie flüssig füttern wollen, dann schließen Sie das Glas mit dem Deckel und stoßen zahlreiche Löcher mit einem Nagel hinein. Stellen Sie das Glas ebenfalls umgekehrt über die Öffnung und sorgen Sie dafür, dass die Löcher über der Öffnung stehen. Es wird kaum Zuckerwasser auslaufen und die Bienen schlecken mit Ihrer Zunge das Zuckerwasser durch die kleinen Löcher.

Aufstellung

Nach der Kellerhaft stellen Sie das Bienenvölkchen abends auf. Ich stelle solche Blumentopf-Völkchen gerne auf meinen Balkon. Sie nehmen kaum Platz weg und stören auch auf einem kleinen Balkon überhaupt nicht.

Legen Sie die Holzleisten als offenes Dreieck auf den Boden und stellen Sie den Blumentopf richtig herum darauf. Das Loch im Boden des Blumentopfs dient als Flugloch und die Holzleisten sorgen dafür, dass die Bienen von unten in den Topf kommen und nur in eine Richtung herausfliegen können. Nehmen Sie das Holzbrett mit der daranhängenden Bienentraube vorsichtig ab und legen es auf die Öffnung des Blumentopfs. Das Glas mit dem Futter bleibt auf der Futteröffnung. Schütten Sie die restlichen Bienen aus dem Pappkarton vor das Flugloch.

Ich stülpe außerdem einen weiteren identischen Blumentopf umgekehrt über das Futtergefäß. Es soll verhindern, dass das Glas z.B. von Tieren herabgestoßen wird und ist zugleich ein Regenschutz. Auf meinem Balkon gibt es Eichhörnchen. Deshalb lege ich noch einen Ziegelstein auf das Türmchen, damit es nicht so leicht umgestoßen werden kann.

Noch ein Hinweis zum Füttern mit kandiertem Honig: Bei großer Hitze kann der Honig wieder flüssig werden und dann in das Volk hinein- und aus dem Loch am Boden heraustropfen. Achten Sie darauf, dass das nicht passiert, weil es Räuberei begünstigen könnte!

Weiterer Verlauf

Voll ausgebauter Blumentopf Das kleine Volk verhält sich wie ein „großes“ Bienenvolk. Am Folgetag fliegen sich die Bienen am neuen Standort ein. Bald danach werden Pollen gesammelt, die junge Königin schlüpft (falls es mehrere Weiselzellen waren, werden die Rivalinnen getötet) und macht ihren Hochzeitsflug. Die Bienen bauen Waben und irgendwann fängt die Königin an Eier zu legen. Durch die schrägen Wände des Blumentopfs werden die Waben nicht angebaut und Sie können das Bienenvolk inspizieren, in dem Sie das Holzbrett abnehmen. Wegen des kleinen Wabenwerks werden Sie auch die Königin zu Gesicht bekommen, wenn Sie etwas abwarten. Sie können außerdem problemlos erkennen, ob das Volk Brut hat – also weiselrichtig ist. Wenn Sie die Bienen am Haus – z.B. auf dem Balkon – haben, sehen Sie vielleicht sogar, wenn die Königin ihren Hochzeitsflug unternimmt.

Sie müssen das Volk laufend füttern es ist zu klein, um sich durch Sammelflüge sicher selbst versorgen zu können. Einen Blumentopf-Volk ist nicht nur nützlich, um eine weitere Königin zu ziehen, sondern kann auch dazu dienen, die natürlichen Abläufe eines Bienenvolkes im Mini-Maßstab beobachten zu können.

Wenn die erste Generation neuer Bienen geschlüpft ist, wird es schnell zu eng im Blumentopf und selbst dieses Mini-Völkchen könnte noch einmal in Schwarmtrieb kommen und einen „Mikroschwarm“ abgeben. Sofern Sie die Königin nicht benötigen und auch nicht anderweitig unterbringen können, müssten Sie das Volk etwas im Blick behalten. Sie können es auflösen, in dem Sie die Waben vorsichtig herausschneiden und die Bienen vor dem Bienenstand abfegen. Sofern Sie die Königin sehen, könnten Sie ihr einen schnellen Tod gewähren, in dem Sie sie zerdrücken oder einfrieren.

Weisellose Bienenkiste beweiseln

Sie können das Holzbrett mit den Waben und Bienen einfach umgekehrt in den hinteren Raum der Bienenkiste zu legen und nah an das Trennschied rücken, um eine weisellose Bienenkiste mit der Königin zu beglücken. Die neue Königin wird aber nur dann vom weisellosen Volk angenommen, wenn sie schon eigene Nachkommen hat. Das erkennen Sie an den behaarten etwas helleren Bienen. Die glatten, dunkleren Bienen sind noch die alten abgearbeiteten Bienen vom Schwarm. Andernfalls wird die Königin voraussichtlich abgestochen und das weisellose Volk nutzt die jungen Arbeiterinnen-Larven um daraus eine neue Königin nachzuschaffen. Wenn es vom Timing her nicht anders hinkommt können Sie es also einfach riskieren. Entweder, die neue Königin wird akzeptiert, oder aus der offenen Brut wird nachgeschaffen. In jedem Falle bekommt das weisellose Volk eine neue Königin.

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Über den Autor
Autor Erhard Maria Klein

Projektleiter Bienenkiste

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst (nach Augustinus)

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