Bienenkisten-Blog

Notfütterung in der Bienenkiste

Da das Thema »Notfütterung« verstärkt diskutiert wird, sammle ich in diesem Beitrag ein paar Tipps zur Notfütterung in Bienenkisten.

Ich kann über dieses Thema nicht schreiben, ohne zunächst einmal (wieder) darauf hinzuweisen, dass eine Notfütterung im Winter eine Ausnahme sein sollte, die bei einer guten Betreuung der Bienenvölker eigentlich kaum vorkommen kann. In 13 Jahren Bienenhaltung bin ich noch niemals in die Situation gekommen. (Daher stammen die folgenden Tipps ausnahmweise auch nicht aus eigener Praxis.)

Ich erkenne aber an, dass das letzte Jahr für Anfänger unter dem Gesichtspunkt der Futterversorgung etwas schwierig war. Das Problem fing schon damit an, dass junge Völker und Völker, die geschwärmt waren aufgrund eines ungünstigen Witterungsverlaufs oft Schwierigkeiten hatten, alleine ausreichend Vorräte zu sammeln (selbst wenn man nichts geerntet hat).

Grundsätzliches

Man sollte niemals im Winter füttern, wenn keine Notsituation vorhanden ist. Die Aufnahme des Futters belastet die Bienen in einer Zeit, in der sie Ruhe brauchen. Je nach Art der Futtergabe und Jahreszeit kann es außerdem dazu führen, dass Bienen vermehrt ausfliegen und erfrieren oder schneller mit dem Brüten beginnen.

Die Bienen verbrauchen in den Wintermonaten kaum Honig. Vor allem, solange sie kein großes Brutnest unterhalten. In dieser Zeit werden nur weniger Kilo Futter verbraucht. Der größte Teil des Verbrauchs liegt in den Monaten März und April. In dieser Zeit kommt aber – mit etwas Glück – auch schon wieder etwas hinein und man kann (notfalls) leichter füttern. Wenn die Bienen bereits im Dezember oder Januar keine Vorräte mehr haben, dann hat man vorher schon so grundsätzlich etwas falsch gemacht, dass ich befürchte, dass der Betreffende eine Notfütterung in dieser Zeit auch kaum erfolgreich hinbekommen wird.

Die Futterreserven werden in der Bienenkiste hinten und in den Randwaben abgelagert. Die Wintertraube sitzt zu Beginn fluglochnah und frisst sich langsam nach hinten. Wenn man also von hinten (Rückbrett/Honigraum) in die Kiste hinein schaut und jetzt schon viele Bienen am Trennschied sitzen sieht, ist das ein deutliches Warnsignal. Später, nach dem Reinigungsflug können die Bienen auch das Futter in den Randwaben erreichen. Wenn die Bienen also bereits im Januar/Februar hinten am Trennschied sitzen, kann es sein, dass sie verhungern, selbst wenn noch einige Kilo Futter in der Kiste sind. Später im Frühjahr ist vor allem das tatsächliche Gewicht der Vorräte von Bedeutung.

Daher sollten Sie also – sofern Zweifel an der Vorratslage bestehen – erst mal wiegen und das tatsächliche Gewicht bestimmen. Ein Bienenvolk sollte zu jeder Zeit mindestens 5 Kilo Vorräte haben. Jetzt, Mitte Februar sollten es mindestens noch 8 bis 10 Kilo sein.

Wie und wo notfüttern?

Im Magazin oder in der Einraumbeute der beste Ort für eine Notfütterung oben, weil der Zehrweg von unten nach oben ist und weil die Wärme der Bienen nach oben steigt und das Futter erwärmt. In der Bienenkiste dagegen ist der geeignete Ort hinten am Trennschied. Der Nachteil ist aber, dass wir hier viel weniger von der aufsteigenden Wärme profitieren können.

Generell ist die Aufnahme des Futters um so besser, je näher man das Futter an die Bienen heran bringt und je wärmer es ist. Man sollte das Futter also immer vorgewärmt geben und sich Gedanken machen, wie man dafür sorgen kann, dass es nicht so schnell auskühlt. Beim Notfüttern ist also eine gute Wärmeisolation der Beute auf jeden Fall sinnvoll.

Sie sollten das Futter also hinten, wo normalerweise das Trennschied sitzt, direkt in Kontakt mit den Waben (und Bienen) bringen. Dazu nehmen Sie das Trennschied heraus, und setzen hinter das Futter ein neues Schied, das den Raum möglichst ganz schließt, um Wärmeverluste gering zu halten. Das kann ein Holzbrett oder eine passend zugeschnittene Pappe sein und vielleicht dahinter noch eine Wärmeisolierung wie Filz, Styropor oder ein Kissen.

Flüssig füttern

Miniplus-FuttertascheFoto: www.bienen-ruck.de Flüssiges Futter (Zuckerlösung oder -sirup) können die Bienen auch aus der Traube heraus aufnehmen, wenn es bis dort hinein reicht. Die Beigabe etwas (eigenen) Honigs macht es den Bienen leichter, das Futter zu finden und aufzunehmen. Wenn Sie offen füttern, nehmen Sie ein schmales Gefäß (z.B. einen auf einer langen Seite aufgeschnittenen Milchkarton) mit Schwimmhilfen und schieben es bis ganz an die Waben. Vielleicht eignet sich auch eine in der Höhe passende Futtertasche aus der Magazinimkerei. Ein Holzgefäß ist schon aus dem Grund eine gute Idee, weil es nicht so schnell auskühlt.

FluglochfüttererFoto: www.holtermann.de Eine weitere Möglichkeit wäre ein Fluglochfütterer, dessen Zunge von hinten unter dem Trennschied hindurch in die Bienentraube geschoben wird. Um ein schnelles Auskühlen zu verhindern, kann der gesamte hintere Raum, wo sich der Fütterer befindet, mit Isolationsmaterial (Decke/Kissen o.ä.) gefüllt werden.

Flüssiges Futter führt dazu, dass Bienen den Stock suchend verlassen. Daher sollte das Futter nur nach Einbruch der Dämmerung gegeben werden.

Mit Futterteig füttern

Gunnar hat neulich die Notfütterung mit Futterteig in der Einraumbeute vorgestellt. Das funktioniert auch bei großer Kälte, weil der Futterteig in einem geschlossenen Beutel direkt über dem Bienensitz liegt und Wärme und Feuchtigkeit der Bienentraube durch das Loch im Beutel in den Futterteig eindringt und die Bienen ihn aus der Wintertraube heraus aufnehmen können. In der Bienenkiste ist es so leider nicht möglich. Sofern es schon wieder etwas wärmer ist und die Bienen die Wintertraube verlassen können (ab ca. 10° C) wäre Futterteig aber auf jeden Fall eine Option. Ob das Futter auch bei niedrigeren Temperaturen aufgenommen werden kann, muss sich zeigen.

Wir verwenden dazu einen 2,5 kg-Beutel mit Futterteig, der in dieser Form im Imkerfachhandel (auch per Internet) bezogen werden kann und bauen ihn in einen passenden Holzrahmen ein. In den Beutel wird eine ca. 5 × 10 cm Öffnung im oberen zentralen Bereich des Beutels geschnitten und der Beutel wird anstelle des Trennschieds mit der Öffnung nach oben direkt an die Waben gestellt. Der Holzrahmen sollte möglichst bis an das Dach reichen (ggf. etwas unterfüttern). Dahinter wird der Raum komplett mit einem Holzbrett oder Pappe verschlossen und zusätzlich isoliert (s.o.).

Ich habe folgenden Vorschlag, das Prinzip der aufsteigenden Wärme und Feuchtigkeit auch bei der Bienenkiste zu nutzen. (Das ist aber bisher nicht erprobt!). Sie könnten die Kiste hinten hochstellen. Eigentlich wäre ein Aufrechtstellen (Flugloch unten, Rückbrett oben) die optimale Position für eine Futteraufnahme bei niedrigen Temperaturen. In der Praxis ist das aber kaum realisierbar, da die Kiste in dieser Position standsicher bleiben muss – auch bei Sturm. Außerdem muss sie auch in der aufrechten Position einen Regenschutz haben. Was aber vielleicht praktikabel sein könnte, wäre die Kiste hinten erheblich höher zu stellen, z.B. in einem Winkel von 45°. So würde Wärme und Feuchtigkeit besser in den Futterteig eindringen, als bei der “Normalposition” der Bienenkiste.

Falls Sie damit experimentieren wollen (bzw. müssen), sollten Sie sicher stellen, dass das Flugloch noch zugänglich ist und sich in etwas in der Position befindet, wo es vorher war. Sie sollten außerdem das Mäuseschutzgitter herausnehmen, damit der Totenfall das Flugloch nicht verstopft und dies regelmäßig kontrollieren. Berichte darüber gerne hier im Kommentarbereich.

Meiner Meinung nach ist es auf keinen Fall sinnvoll, Futterteig flach auszurollen und auf einer Unterlage auf dem Boden unter die Waben zu schieben. Der Boden hat in etwa die Außentemperatur und der Futterteig wird sehr schnell auskühlen und hart werden und kann von den Bienen bei niedrigen Temperaturen auf keinem Fall mehr aufgenommen werden. Wenn sie schnell und provisorisch füttern müssen, sollten Sie hinten kandierten (eigenen) Honig auf die Wabenkanten, bzw. zwischen die Waben streichen und danach das Trennschied wieder einsetzen.

So bald die Temperaturen wieder einen regelmäßigen Flugbetrieb zulassen, ist es möglich, auf die bekannte Art flüssig zu füttern.

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Über den Autor
Autor Erhard Maria Klein

Projektleiter Bienenkiste

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst (nach Augustinus)

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+49 40 88168335
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ErhardMariaKleinemk

Wenn Sie Honig zum Füttern verwenden, dann muss sicher sein, dass er keine Faulbrutsporen enthält.
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