Bienenkisten-Blog

Trommelschwarm

Letzes Jahr hat mein Freund Gunnar die Idee gehabt, das aus der Korbimkerei altbekannte Konzept des Trommelschwarms auf die Bienenkiste zu übertragen. Wir haben dann ein paar (erfolgreiche) Experimente gemacht.

Letzes Jahr hat mein Freund Gunnar die Idee gehabt, das aus der Korbimkerei altbekannte Konzept des Trommelschwarms auf die Bienenkiste zu übertragen. Wir haben dann ein paar (erfolgreiche) Experimente gemacht. Im Winterhalbjahr haben wir uns noch ein paar Gedanken dazu gemacht, wie eine Anleitung aussehen müsste, die möglichst einfach ist und zuverlässig funktioniert.

Das möchte ich Ihnen heute vorstellen und die Experimentierfreudigen unter Ihnen einladen, eigene Erfahrungen zu machen und uns daran teilhaben zu lassen:

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Zunächst mal: was ist ein Trommelschwarm und wozu braucht man das?

Das Prinzip des Trommelschwarms macht sich zunutze, dass andauernde Erschütterungen ihrer Waben eine Flucht-Reaktion im Bienenvolk (samt Königin) auslöst. Das Reflex führt die Bienen dazu, ihre Waben zu verlassen und nach oben zu laufen.

Korbimker haben auf diesem Weg ihre Völker geteilt, in dem sie den Korb mit der Öffnung nach oben aufgestellt und einen leeren Korb aufgesetzt haben. Dann wurde ca. 10 Minuten lang auf den unteren Korb getrommelt und anschließend befanden sich ca. 2 Kilo Bienen und die Königin im oberen Korb. Ein Teil der Bienen bleibt bei der Brut auf den Waben. Das ist also eine Art vorweggenommener Schwarm.

Trommelschwarm und Bienenkiste

Die Bienenkiste setzt bewusst auf die Vermehrung über Naturschwärme. Dies ist die einzige natürliche Art, wie Bienenvölker sich vermehren und ein wichtiger Grund dafür, dass die Bienenkistenvölker sehr vital sind und dass die Betriebsweise vergleichsweise einfach ist. Der Trommelschwarm soll daran nichts ändern. Er kann aber eine gute Ergänzung darstellen. Es gibt Situationen, in denen man in den Lauf der Natur eingreifen möchte oder muss. Das ist im Stabilbau schwieriger, als im Mobilbau, weil der natürliche Wabenkörper ja nicht zerlegt werden kann (und soll).

  • Gründe für manuelle Eingriffe könnten sein:
  • Vorwegnahme eines Schwarms (weil man z.B. die Erfahrung gemacht hat, dass man die Naturschwärme nie erwischt).
  • Erzwingung einer Volksteilung (z.B. zur Bauerneuerung oder Besiedlung einer weiteren Bienenkiste) ohne auf das unplanbare natürliche Schwarmgeschehen warten zu müssen.
  • Austausch der Königin (“stechwütiges Volk”)

Historische Anleitungen aus der Korbimkerei

Es gibt in alten Imkerbüchern zahlreiche Abhandlungen zum Thema “Trommelschwarm”. Exemplarisch verweise ich auf diese Trommelschwarm-Anleitung aus: „Der Umgang mit Bienen“, S. 69 ff., erschienen 1905 (pdf/144 KB).

Wichtig festzuhalten ist, dass es um Erschütterungen auf den Waben geht. Deshalb wird beim Korb an den Seiten getrommelt, wo die Waben auf die Korbwand stoßen. Die Bienen laufen nach oben. Außerdem laufen die Bienen nicht gerne über Honigwaben. Weiterhin kann man davon ausgehen, dass sie es lieber dunkel haben.

Trommelschwarm konkret

Thorsten Herget hat zusammen mit Debora Kahn dieses Video gedreht. Für sein erstes Mal hat er das sehr gut gemacht. Ich persönlich würde vielleicht etwas vorsichtiger über die Waben streichen. Außerdem wäre es besser gewesen, der Lücke an der linken Seitenwand etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ansonsten: Perfekt! Vielen Dank. Diskussion zu diesem Video…

Wichtig! Der Trommelschwarm funktioniert nur zuverlässig, wenn der Honigraum noch leer ist!
Nötigenfalls müssten Sie die Waben im Honigraum übergangsweise herausnehmen und später wieder einhängen. Diese Arbeiten verteilt man am besten über mehrere Tage.
Basteln Sie sich einen passenden Pappkarton oder eine Sperrholzkiste, der den Honigraum genau ausfüllt, allseitig geschlossen ist und nur eine Öffnung in Richtung Brutwaben hat. Es ist nicht schlecht, wenn die Seite des Kartons, die dort ist, wo vorher der Boden der Bienenkiste war, etwas länger ist und die Wabenunterkanten der Brutwaben knapp berührt. Dann können die Bienen noch einfacher in die Kiste laufen. Vor dem Einsetzen der Kiste muss natürlich das Trennschied herausgenommen werden. Man stellt die Kiste ganz normal mit dem Ständer aufrecht und nimmt den Boden ab.

Und nun: Trommeln!

Geben Sie unten etwas Rauch und fangen Sie an, mit den Fingern auf den Wabenkanten vorsichtig zu trommeln. Man kann auch wie auf einer Klaviertastatur mit dem Finger über die Wabenkanten hin und her gleiten. Und zwar ca. drei Minuten im unteren Drittel (Flugloch nah), drei Minuten in der Mitte und drei Minuten oben. Geben Sie von unten gelegentlich leichte Rauchstöße, dass die Bienen nicht wieder zurücklaufen. Junges Wabenwerk, das erst 1-2 Jahre alt ist, kann etwas empfindlich sein. Leichte Verformungen der Waben an den Unterkanten machen nichts, lassen Sie ggf. vorhandene Weiselzellen unbeschädigt.

Nach ca. 10 Minuten geben sich noch mal direkt an der Öffnung der Trommelschwarmkiste kräftig Rauch und heben die Kiste ganz vorsichtig ab. Sie können auch eine Pappe o.ä. vorsichtig dazwischen schieben, damit keine Bienen aus der Schwarmkiste wieder herausfallen.

Es ist wichtig, dass die gesamte Konstruktion einigermaßen bienendicht ist, so dass die Bienen nicht irgendwo seitlich herausquellen, sondern sich in dem Tromelschwarmbehälter sammeln. Wenn Sie eine Kiste in den Honigraum setzen, darf es keine Spalten zur Bienenkistenwand geben. Ggf. müssen Sie das noch mit einem Tuch/Schaumstoffstreifen o.ä. verschließen.

Da die Bienen aus den Waben flüchten, sind größere freie Räume zwischen den Waben und den Seitenwänden ebenfalls kontraproduktiv. Wenn also die Wandwaben nicht voll ausgebaut sind, könnte es zweckmäßig sein, zwischen Randwaben und Seitenwänden noch etwas hinein zu stopfen, um den leeren Raum zu schließen. Wenn das nicht möglich ist, dann sollten Sie diesen Bereichen zumindest etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und dort immer wieder kräftig smokern, damit sich gar nicht erst eine größere Menge Bienen ansammeln kann und/oder auch mit einem Knüppel die Seitenwand von außen etwas betrommeln. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein Teil der ausgetrommelten Bienen (zusammen mit der Königin) einfach irgendwo an der äußeren Seitenwand warten, bis es wieder ruhig wird.

Variante mit Tuch

Es ist unter den Bienenkisten-Imkern, die bereits Trommelerfahrung haben, etwas umstritten, ob es sinnvoll und nötig ist, das Wabenwerk beim Trommeln zusätzlich mit einem Tuch abzudecken oder nicht.

Wenn man sicher sein will, dass die Bienen nicht an den Rändern aus der Kiste herausquellen, statt nach oben zu gehen, könnte man den offenen Boden zunächst mit einem großen weißen Tuch abdecken, das oben in die Trommelkiste mündet und am Rand mit Heftzwecken befestigt ist. Dann rollen Sie während Sie trommeln das Tuch langsam hoch und decken nach und nach das Wabenwerk auf. Sie trommeln auf den aufgedeckten Waben. Weiter oben, wo die Bienen sich hin zurückziehen, bleibt das Wabenwerk aber abgedeckt.

Wir haben das nur ein einziges Mal gemacht, weil wir das Gefühl hatten, das Ergebnis ist mit und ohne Abdeckung gleich. Es gibt aber Bienenkisten-Imker, die auf die Abdeckung schwören.

Königin dabei?

Stellen Sie die Trommelschwarmkiste für eine Viertelstunde mit der Öffnung nach unten (keine Sorge, die Bienen ziehen sich oben in der Kiste zusammen und fallen nicht raus) auf ein schwarzes Tuch o.ä. Klemmen Sie einen Ast darunter, dass noch Luft in die Kiste kommt.

Da die Königin nicht sofort aufhören kann, Eier zu legen, müsste man nach einigen Minuten ein paar Eier (oder die ausgelutschten Eierschalen) auf der dunklen Unterlage sehen können. Das ist ein sicheres Zeichen, dass die Königin dabei ist. Falls Sie keine Eier sehen, ist das aber noch kein Grund, sofort von einem Fehlschlag auszugehen. Weitere Hinweise: Der Trommelschwarm beruhigt sich relativ schnell und zieht sich zu einer Schwarmtraube zusammen. Fortdauerndes aufgeregtes Brausen ist eher ein schlechtes Zeichen. Wenn nach einer Stunde keine Ruhe im Trommelschwarm eingekehrt ist, würde ich vermuten, dass die Königin nicht dabei war und die ausgetrommelten Bienen wieder zurück geben.

Bei unseren Versuchen im letzten Jahr war bis auf eine Ausnahme immer die Königin dabei.

Werden die Bienen dabei nicht wild?

Nach dem die Bienen sich entschlossen haben, das alte Nest aufzugeben, legen sie kein Verteidigungsverhalten mehr an den Tag und zeigen auch kein aggressives Verhalten. (Ganz anders, als wenn man einfach so auf einer Bienenkiste rumtrommelt. Dann wird es nicht lange dauern, bis sich wütende Wächterbienen auf einen stürzen.) Anders, als man vielleicht befürchten könnte, verlassen die Bienen die offene Kiste auch nicht. Ganz im Gegenteil: Das Licht treibt die Bienen noch zusätzlich ins Dunkle.

Modifikationen

Die Schwarmkiste könnte noch mit einem verschließbaren Lüftungsgitter ausgestattet werden, so dass man während des Trommelns den Erfolg der Aktion beobachten kann. Wenn die Öffnung verschlossen werden kann, könnte die Kiste auch gleich für Transport und Lagerung verwendet werden. Ansonsten müsste man die Bienen noch mal in eine “richtig” Schwarmkiste umschütten.

Wie geht es weiter?

Den Trommelschwarm würde man wie einen normalen Schwarm weiter versorgen (Kellerhaft, am nächsten Abend einlogieren). Wenn man nur die Königin heraussuchen will, könnte man den Schwarm durch ein Absperrgitter sieben und die Arbeiterinnen gleich wieder dem Bienenvolk zurückgeben.

Für einen vorweggenommenen Schwarm würde man warten, bis Weiselzellen belegt sind und man würde den Trommelschwarm kurz vor der Verdeckelung der ersten Weiselzelle vornehmen. Da Weiselzellen gerne an den Wabenunterkanten gebaut werden, werden manche Zellen beim Trommeln vermutlich beschädigt. Das macht aber nichts, weil es ziemlich sicher auch Weiselzellen gibt, die weiter innen gebaut wurden und durch das Trommeln nicht beeinträchtigt wurden.

Wenn das Volk zum Zeitpunkt des Trommelschwarms noch gar nicht im Schwarmtrieb war, dann würde das Restvolk sich nachträglich aus jungen Arbeiterinnen-Larven eine Königin nachschaffen. Das ist dann streng genommen ein Kunstschwarm, wobei er aus Bienen und einer Königin eines einzelnen Volkes gebildet wird und daher von seiner Qualität her sicher besser zu bewerten ist, als ein traditioneller Kunstschwarm, bei dem einfach Bienen aus verschiedenen Völkern mit einer fremden Königin zusammengekippt werden.

weiter zur aktuellen Diskussion über das Trommelschwarmverfahren:

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Über den Autor
Autor Erhard Maria Klein

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