Freibeuter-Blog

Ein Bienenschwarm zieht in eine Lockbeute ein. Foto: carolinahoneybees.com

Legale, günstige Schwarmlockkisten

Dr. Ritter hat auf der Mellifera-Tagung »Schwarmintelligenz, Waldbienen und Varroatoleranz« beschrieben, wie man Schwarmlockkisten legal betreiben kann. Das hat mich ermutigt, diese Anleitung zu schreiben. Auch Sebastian Ganzer hat 2015 bei Mellifera über seine positiven Erfahrungen mit Lockkisten gesprochen. In den USA sind Lockkisten verbreitet und legal. Eigene Erfahrungen ab 2011, Berichte Anderer und zwei Schwarmeinzüge in eigene Lockkisten im letzten Jahres lassen mich hoffen, dass sich Schwarmlockkisten als eine ergänzende Option zum Umgang mit Schwärmen auch in Deutschland etablieren.

Warum Schwarmlockkisten?

Jedes Jahr bleiben Bienenschwärme unbemerkt oder sitzen so hoch, dass sie nicht eingefangen werden können. Jedes Jahr nehmen wir Schwärme vorweg, haben aber trotzdem in manchen Völkern Vor- und Nachschwärme. Auch in der konventionellen Bienenhaltung gelingt die Schwarmverhinderung nicht 100% zuverlässig. Ich habe schon Imkern beim Schwarmfang geholfen, die immer behauptet hatten, sie haben nie Schwärme. ;-)

Diese Schwärme suchen sich in der Stadt selbstständig Wohnraum. Drei hohle Bäume, die ich seit vier Jahren beobachte, werden in den meisten Jahren neu bezogen. Auch menschengemachte Höhlungen werden besiedelt. Als Schwarmfänger habe ich schon Verkleidungen von Dachüberständen abgeschraubt, Nelkenöl in Mauerspalten gesprüht und verunsicherte Hausbesitzer beraten. Mehrfach habe ich Stunden zugebracht und hatte am Ende keinen Schwarm in der Kiste.

Leider überleben diese wild siedelnden Völker den ersten Winter nur selten, sei es, dass sie an Varroa sterben oder zu wenig Honig eingetragen habe. Daher finde ich es wichtig, dass entkommene Schwärme in imkerlicher Obhut kommen. Schwarmlockkisten halte ich für eine gute zusätzlich Möglichkeit, den einen oder anderen Schwarm wieder zu bekommen.

Fotogalerie »Schwamlockkisten«

Rechtliche Grundlagen

In Deutschland müssen nach der Bienenseuchenverordnung, unbesetzte gebrauchte Beuten verschlossen bleiben. Damit soll die Ausbreitung der Amerikanischen Faulbrut verhindert werden. Bereits benutzte Beuten dürfen daher nicht zum Schwarmlocken verwendet werden.

Legal sind dagegen neue Beuten oder extra für diesen Zweck hergestellte Schwarmlockkisten. Diese widersprechen weder dem Wortlaut, noch dem Sinn nach der Verordnung.

Bienenseuchenverordnung

III.
Schutzmaßregeln gegen die Amerikanische Faulbrut
1. Verschluss von Bienenwohnungen
§ 6 Von Bienen nicht mehr besetzte Bienenwohnungen sind vom Besitzer der Bienen stets bienendicht verschlossen zu halten.

Bienenseuchenverordnung

Seuchenvermeidung

Die Sorge vieler Imker gilt der Verbreitung von Krankheiten, insbesondere der Amerikanischen Faulbrut durch Lockbeuten. Diese Sorge ist berechtigt und soll ernst genommen werden. Daher sollen als Lockmittel nur bebrütete Waben aus Völkern verwendet werden, die mit einer Futtterkranzprobe aus frei von Sporen der Amerikanischen Faulbrut getestet wurden. Sie sollten außerdem nur bienendicht in die Kiste eingebracht werden (s. u.). Die Lockbeute sollte als solche gekennzeichnet werden und mit Namen und Kontaktdaten des Aufstellenden versehen sein, um Verwechslung mit offen gelassenen Beuten zu vermeiden.

Es gehört zur guten imkerlichen Praxis, die Völker jedes Jahr mit einer Futtterkranzprobe testen zu lassen.

Dr. Wolfgang Ritter, Leiter des Fachbereichs Bienen am CVUA Freiburg/Tierhygiene, hat uns auf Nachfrage ein paar Tipps gegeben, wie Schwarmlockkisten legal aufgestellt werden können.

Dr. Ritter über den legalen Betrieb von Schwarmlockbeuten.

Attraktive Schwarmlockkisten

Eine attraktive Schwarmlockkiste sollte den Kriterien entsprechen, die Thomas Seeley in seinem Buch “Bienendemokratie” definiert hat: ein Volumen von 35-40 Litern, und ein Flugloch von ca. 15 cm2.

Darüber hinaus sind Duftstoffe wichtig, dass die Bienen über die baulichen Gegebenheiten hinaus die Lockkisten attraktiv finden.

Schwarmlockkisten funktionieren … manchmal

Erfolgreiche Schwarmlockkiste.Video: Martin Gruber Mit neuen, niemals von Bienen bewohnten Schwarmlockkisten experimentiere ich seit 2011 und war bis zum letzten Jahr vollständig erfolglos. Ohne die Beobachtungen der hohlen Bäumen, die in Hamburg jedes Jahr spontan von Schwärmen gefunden und besiedelt werden, hätte ich die Hoffnung auf Erfolg von Schwarmlockkisten aufgegeben.

Eine leere, neue Kiste mit 30-40 Litern Volumen ohne Lockstoff bewegt Schwärme wohl nur in Ausnahmefällen zum Einzug. Was macht Hohlräume für Bienen also attraktiv?

Brutwaben, der Duft von Altbau

Der Duft alter, wachsmottenzerfressener Brutwaben zieht Bienenschwärme stark an. Dies könnte auch den “Erfolg” der Bienenbäume bei der jährlichen Besiedelung erklären. Das Einbringen von Brutwaben in Schwarmlockkisten ist unter Gesundheitsaspekten und bei sinngemäßer Auslegung der Bienenseuchenverordnung allerdings so nicht akzeptabel.

Brutwaben können in einem Gefäß mit Fliegen- oder Varroagitter bienendicht absperren werden und in der Lockkiste aufgestellt werden. Dies wurde uns von Markus Bärmann als Lockmittel empfohlen. So ein Gefäß kann in einer Lockkiste aufgestellt werden, und widerspricht weder dem Wortlaut noch dem Sinn der Bienenseuchenverordnung, da der Lockstoff bienendicht verschlossen eingebracht wird.

Eigene Erfahrungen

Ich habe im Jahr 2016 alte Waben in Lockkisten eingebracht, die für die Bienen nicht erreichbar waren, weil sie durch ein Gitter abgesperrt waren. Das Volk, dass die Waben gespendet hat, war laut Futterkranzprobe frei von den Sporen der Amerikanischer Faulbrut. Im letzten Jahr wurden nach dieser Methode immerhin 2 von 12 Lockbeuten spontan bezogen. Allerdings wurden vorher die beiden mir nahegelegenen Bienenbäume in unserer Gegend beide besiedelt waren. Die besten Wohnungen waren also wohl schon belegt.

Der Wabenkomposter

»Wabenkomposter«Foto: Gunnar Weidt Alte vollständig honigfreie Brut- und Pollenwaben sammele ich in einem bienendicht verschlossenen Zargenturm. Wachsmotten kommen von allein. Ich impfe die Kiste aber auch mit dem Gemülle auf dem Diagnoseboden, wenn ich dieses einige Wochen nicht gesäubert habe. Die Wachsmotten zersetzen die Waben und ich lege regelmässig Waben auf.

Die Wachsmotten überstehen auch den Winter draussen, aber um ein besseres Ergebnis zu haben, hole ich die Kiste ab Mitte Februar an einen wärmeren Ort. Ab April verwende ich die Waben und die zerbröselten Reste als Lockmittel.

Andere Lockstoffe

Im genannten Buch »Swarm Traps and Bait Hives« wird Zitronengrasöl als Lockmittel verwendet. Ich habe dieses über zwei Jahre in mehreren Kisten erfolglos versucht. Vielleicht ist eine Kombination mit Brutwaben eine gute Idee.

Auch der Duft der Orchidee Cymbidium floribundum ist als Lockmittel für die Östliche Honigbiene beschrieben. Vielleicht steige ich einmal in die Orchideenzucht ein: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23387843 | warre.biobees.com/japan.htm | www.youtube.com/watch?v=5Q8VgZhR9K8 | en.wikipedia.org/wiki/Cymbidium_floribundum

Erfolgsfaktoren

Der Erfolg von Schwarmlockkisten ist von der Anzahl und Entfernung der Schwärme sowie der Konkurrenz durch andere attraktive Wohnhöhlen abhängig. Dies sind Faktoren, die Imker kaum kontrollieren können.

Die Lockkiste wird regengeschützt in der Schwarmzeit von Ende April bis Mitte Juli aufgestellt. Mehrere Kisten an verschiedenen Orten erhöhen die Chance eines Schwarmeinzuges. Nach den Experimenten von Thomas Seeley sollte an jedem Standort nur eine Lockbeute aufgestellt werden, da sich der Entscheidungsprozess für eine Kiste sonst verlängern kann.

Ein halbschattiger oder schattiger Standort ist ideal, z.B. unter einem Dachvorsprung oder auf einem Balkon. Bei einem sonnigen Standort hilft möglicherweise ein Dach mit einem großzügigen Überstand. Die Kiste und insbesondere das Flugloch sollten für die Bienen gut sichtbar sein.

»Bienenkiste Mini« als Lockkiste

»Bienenkiste Mini« mit Lockstoff im bienendicht abgeschlossenen Service-RaumFoto: Gunnar Weidt Eine verkleinerte Bienenkiste ohne Trägerleisten und mit geschraubtem Boden erfüllt alle Voraussetzungen als Lockkiste: An Stelle des Honigraums befindet sich ein 10 cm tiefer Raum, der mit einem Varroa-Gitter bienendicht abgesperrt ist. Hier werden die Brutwaben z.B. in einem aufgeschnittenen Milchkarton untergebracht.

Mit einem Volumen von 35 Liter und einem Flugloch von 16 cm2 hat die Kiste Idealmaße für Bienenschwärme. Das Material gibt es in jedem Baumarkt und kostet unter 20 Euro. Die meisten Baumärkte schneiden das Holz auch passend zu. Damit sind eine oder auch mehrere Kisten zügig zusammen geschraubt.

Ich bestimme nach dem Zusammenbau stets das Leergewicht der Kiste und schreibe diese direkt an die Beutenwand. Damit läßt sich nach einem Einzug das Gewicht des Schwarms leicht ermitteln.

Details und Bauanleitung

Nach dem Einzug

Falls ein Bienenschwarm in die Kiste eingezogen ist, wird gegen Abend das Flugloch mit einem Varroa-Gitter verschlossen. Die Kiste kann nun mit einer Kofferwaage gewogen werden, um das Gewicht des Schwarms zu bestimmen.

Die Rückwand wird geöffnet, damit der Bienenschwarm ausreichend Luft bekommt und nicht verbraust. Mit einem Blumensprüher kühle ich den Schwarm zusätzlich ab, da das rückwärtige Gitter nicht übermäßig groß ist. Eine Lagerung über Tag ist daher bei einem großen Schwarm je nach Temperatur möglicherweise nicht empfehlenswert.

Die Kiste kann dann direkt an Ihren neuen Standort verbracht werden, wobei die Lockkiste als Transportbox eingesetzt wird. Die endgültige Bienenbeute kann dann sofort besiedelt werden.


Zum Weiterlesen

Fotogalerie »Schwamlockkisten«

Über den Autor
Autor Gunnar Weidt

St. Pauli Imker

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Titelbild mit freundlicher Genehmigung von https://carolinahoneybees.com



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