Freibeuter-Blog

»Rockstars« der Bienenwissenschaft zu Gast

Teilnehmerbericht von der Tagung »Schwarmintelligenz, Waldbienen und Varroatoleranz« mit Thomas D. Seeley im Juli 2016

Eine dreitägige Tagung zum Thema wesensgemäße Bienenhaltung? Nachdem ich das erste Mal von der Tagung mit Seeley gelesen hatte, wusste ich sofort: da will ich dabei sein. Auch um die Imkerei Fischermühle kennen lernen zu können bot sich dieser Event an. Mit diesem Elan sicherte ich mir dann auch die Anmeldenummer #1 und wurde nicht enttäuscht.

Vergangenes Wochenende summten dann über 250 Imker auf dieser Tagung, mit dabei Gäste und Referenten aus Amerika, Russland, Niederlande und Frankreich.

Professionell organisiert und top verpflegt

Die Veranstaltung war rundum hervorragend organisiert. An dieser Stelle noch einmal ein Lob an das gesamte Team. Es war ein prima Mix aus spannenden Vorträgen und genug Pause für Gespräche mit Bekannten und zum Kennenlernen.

Besonders gefielen mir die sympathischen und klaren organisatorischen Anweisungen von Terra, wenn der Imker-Schwarm während der Veranstaltung mal kurz gesteuert werden musste. Und wie bekommt man eine Schar Imker dazu, sich aus spannenden Pausen-Gesprächen wieder zu auf den Stühlen einzufinden? Natürlich mit einer lauten Handglocke. Laut, penetrant, aufdringlich… für diesen Zweck perfekt geeignet.

Die Verpflegung war super lecker, regional und hochwertig. Trotz der über 250 Gäste fühlte es sich sehr familiär an, denn es war klar, dass die wenigsten die Veranstaltung mal einfach nur so zum Reinschnuppern gebucht hatten. Positiv auch der gute Querschnitt durch alle Altersklassen, sowie Geschlechter.

  • "Stargast" Tom Seeley hat sich sichtlich wohlgefühlt
  • Auch in den Pausen ging die Diskussion weiter
  • Der weltweit größte Büchertisch zum Thema »Wesensgemäße Bienenhaltung« ;-)
  • Und Zeit für persönliche Widmungen war auch noch.
  • Podiumsdiskussion mit Dr. Frank Krumm, Prof. Thomas D. Seeley, Norbert Poeplau und Dr. Mikhail Kosarev (und Dolmetscher)
  • Thomas Radetzki im Gespräch mit Dr. Wolfgang Ritter
  • Dr. Peter Rosenkranz warnt vor zu großer Euphorie im Blick auf Varroatoleranz und holt uns auf den Boden der wissenschaftlichen Tatsachen zurück.
  • Simulatanübersetzung in englisch, deutsch und französisch war für alle Teilnehmer verfügbar.
  • Verpflegung mit lecker Biokost
  • Das Auge isst auch mit...
  • Improvisierter Zeltplatz an der Imkerei
  • Workshops am Samstag an lebenden Zeidlerbäumen
  • und zu praktischen Imkerthemen
  • Vorführung der verschiedenen Beuten am Lehrbienenstand
  • smile :-)

Wegweisende Vorträge

Die Veranstaltung war aus meiner Sicht wegweisend für die Bienenhaltung. Es gibt weltweit einige Beispiele für wildlebende Bienenvölker, die trotz der Varroa weiter existieren. Thomas Seeley ist DER Experte auf dem Gebiet und es scheint mittlerweile klar, was diese Völker widerstandsfähig zusammen mit der Varroa leben lässt. Das ist zum einen ein großer Abstand zwischen einzelnen Bienenvölkern, grob mindestens 850 Meter, welcher den Verflug und damit die Übertragung von so Allerlei verhindert. Dazu kommen regional angepasste Völker, sowie die Brutpause durch das Schwärmen und auch das Überwintern auf Honig.

Die Veranstaltung war aus meiner Sicht wegweisend für die Bienenhaltung.

Der Bien ist ein komplexes Wesen und wesensgemäße Bienenhaltung ist auch immer ein Kompromiss. Es lohnt sich so gut wie möglich Rücksicht auf die Ansprüche des Superorganismus Bienenvolk zu nehmen. Für viele Imker ist es schwer vorstellbar, den Schwarmtrieb und Naturwabenbau wieder als ein wichtiges Element in der Betriebsweise zu sehen. Ich kann auch deren Position verstehen, bekam man es doch schon als Jungimker immer wieder gepredigt, dass Mittelwände, Drohnen vermeiden und Schwarmverhinderung das A und O der Imkerei sind. Zudem kämpft die Imkerschaft schon Viele Jahrzehnte mit einer Vielzahl an Konzepten und Mitteln gegen die Milbe, immer wieder mit Herben Rückschlägen, Resistenzen, Königinnen- und Völkerverlusten. Auch Imker sind ein Stück weit resistent geworden, gegen neue Varroa-Konzepte. Es ist nun daran zu zeigen, dass auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen eine Bienenhaltung ohne Behandlung möglich ist. Sobald dies in Deutschland auch als Erfolg nachzuweisen ist, wird sich das Bewusstsein der Imker für diese Art der Bienenhaltung öffnen.

Hier können wir uns etwas von der Varroa abschauen. Die Milbe ist genau an einem Punkt von Deutschland gelandet und hat sich von dort aus verbreitet. So reicht es auch aus, wenn wir eine Region finden, in der dieser Versuch durchgeführt wird. Stellt sich ein nachweisbarer Erfolg ein, sprich die Völker überleben ohne Varroabehandlung über mehrere Jahre, so wird ein großes Echo durch die Imkerschaft gehen und sich weitere Imker in anderen Regionen begeistern lassen.

Fazit

Es gibt sie also, die Ansätze für eine Gesundung unserer Bienenvölker. Wissenschaftliche erforschte Ansätze für eine Bienenhaltung ohne Varroabehandlung. Die Natur zeigt uns, wie es gehen kann. Was es erfordert, ist eine starke Umstellung der Betriebsweise, wieder mehr zurück in Richtung Schwarmimkerei. Zugegeben, nicht alles lässt sich gleich und einfach umsetzen, von einer Zeit ohne Behandlung scheinen wir noch ein gutes Stück entfernt zu sein. Dennoch macht es Mut zu sehen, dass es möglich ist. Nun liegt es an den Imkern, Bewusstheit zu schaffen und Betriebsweisen anzupassen.

Ich bin mir sicher, dass diese Inhalte der Tagung die Zukunft der Imkerei maßgebend beeinflussen werden. Jeder Imker sollte über dieses Wissen verfügen, es ändert die Sicht auf die auf konventionelle Bienenhaltung maßgeblich.

Lange genug schon drehte sich die Bienenhaltung hauptsächlich um die Milbe. In diesem Sinne:

Weniger gegen die Varroa, sondern mehr für den Bien tun!

Stefan Lorber


Stefan Lorber Stefan Lorber

Der Autor ist seit 16 Jahren Hobby-Imker im Spessart und hat Interesse daran, den Bien immer mehr zu verstehen.

Kontakt: E-Mail schreiben

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(Anmeldeschluss 3.8.2016!)



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