Freibeuter-Blog

Varroatoleranz bei frei nistenden Honigbienen

Der amerikanische Bienenforscher Prof. Thomas D. Seeley kommt im Juli für eine Tagung nach Süddeutschland

Welche Behausung favorisieren Bienen? Wie laufen Entscheidungsprozesse in der Schwarmtraube ab? Und welche Bedeutung hat der natürliche Schwarmtrieb für das Bienenvolk? Dies sind nur einige der Fragen, welche Thomas D. Seeley in seinen Forschungsprojekten untersucht hat. Der Professor für Verhaltensbiologie und Neurowissenschaften an der Cornell University (USA) erforscht seit den 1970er Jahren das Leben der Honigbienen. Spätestens mit seinem 2014 auf Deutsch erschienenen Buch „Bienendemokratie“ ist er auch vielen Imkern und Bienenfreunden hierzulande ein Begriff.

Vom 22. bis 24. Juli 2016 stellt Seeley auf einer von Mellifera e. V. organisierten Tagung zum Thema „Schwarmintelligenz, Waldbienen und Varroatoleranz“ seine aktuellen Forschungsergebnisse vor.

Schwarmtrieb und Bienengesundheit

Einer seiner Schwerpunkte ist das Schwarmverhalten. So untersuchte er, wie sich ein Schwarm auf eine von mehreren möglichen Behausungen einigt und welche er hierbei bevorzugt. Von Spurbienen werden mindestens zwölf verschiedene Möglichkeiten aufgesucht, geprüft und mit einem Schwänzeltanz auf der Schwarmtraube ihren Schwestern vorgestellt. Gute Behausungen werden mit einem intensiveren Tanz angezeigt als weniger gute und ziehen entsprechend mehr Bienen an, sie ebenfalls aufzusuchen. In einem Auswahlverfahren, das sich manchmal über Tage hinziehen kann, wird die am besten geeignete Wohnung ausgewählt. Tanzen ca. 70 Prozent aller Spurbienen für einen Ort, zieht der Schwarm koordiniert los.

Das Schwärmen ist nicht nur der natürliche Akt der Volksvermehrung, er trägt auch wesentlich zur Volksgesundheit bei. Die Anzahl von Varroamilben wird markant reduziert, da Vorschwarm und Muttervolk für eine gewisse Zeit brutfrei sind, ein Zustand der allen Brutkrankheiten entgegenwirkt. Und nicht zuletzt helfen Wachsschwitzen und Wabenneubau zusätzlich, Belastungen unter anderem von Sauer- und Faulbrut zu verringern.

Varroatoleranz bei wildlebenden Bienenvölkern

Seit Beginn seiner Forschungstätigkeit beobachtet Seeley wild lebende Honigbienenvölker im Arnot Forest im US-Bundesstaat New York. Diesen Völkern ist es gelungen, eine Toleranz für die Varromilbe zu entwickeln. Heute lebt noch dieselbe Zahl an Kolonien in den Bäumen wie vor der Einschleppung der Milbe in die USA. Die Untersuchung dieser Toleranz hat einige Überraschungen zutage gefördert. Heute weiß man, dass die geringe Volksgröße zu einem geringeren Brutumsatz und häufigem Schwärmen führt, beide Aspekte sind von entscheidender Bedeutung für die Belastung mit Milben. Mit einem Volk pro Quadratkilometer sind die Abstände zwischen den Kolonien so groß, dass Verflug und Reinavsion kaum eine Rolle spielen. In einer kürzlich publizierten Studie zeigt Seeley, dass bereits wenige Meter zwischen den Beuten, den Verflug drastisch reduzieren helfen; eine Maßnahme über die auch in Regionen mit einer hohen Völkerdichte nachgedacht werden sollte.

Außerdem konnte seine Forschungsgruppe zeigen, dass die Ankunft der Milbe in den wild lebenden Völkern im Arnot Forest zu einem starken Selektionsprozess geführt hat. Seeley vermutet, dass von den ursprünglich neun Völkern lediglich zwei mit Milben zu leben vermochten und die leer gewordenen Baumhöhlen mit ihren Schwärmen wieder bevölkerten. Entsprechend zeigen molekulargenetische Untersuchungen, dass die genetische Vielfalt massiv reduziert wurde. Jungköniginnen werden nur von Drohnen, welche von innerhalb des Untersuchungsgebiets stammen, begattet. „Standbegattung“ führt zu angepassten Bienen – ein Befund, der von der COLOSS Studie bestätigt wurde. Seeley vermutet, dass die Bienen in ihrer langen Evolution gegen die Gefahren der Inzucht eine erfolgreiche Strategie gefunden haben.

Die Bedeutung der Drohnenbrut

Können Bienenvölker ihr Wabenwerk frei errichten, werden auf knapp 20 Prozent der Fläche Drohnenzellen gebaut, ein Indiz für ihre Bedeutung. Seeley rät, den Völkern die Aufzucht von Drohnen zu lassen. So können positive Eigenschaften an Jungköniginnen und damit an andere Völker weitergeben werden.

Tagung im Juli

Auf der Tagung im Juli treffen wissenschaftliche Forschung und imkerliche Praxis aufeinander. Neben Vorträgen von Thomas D. Seeley, in denen er seine Forschungsergebnisse vorstellt, werden auch praktische Konzepte für die Imkerei präsentiert. In Workshops können die Teilnehmer verschiedene Beuten kennenlernen und/oder Jung- und Wirtschaftsvölker, sowie Waldbienenvölker beobachten.

Die Tagung wird simultan auf deutsch und englisch übersetzt, um auch Bienenfreunden aus dem nicht-deutschen Sprachraum eine Teilnahme zu ermöglichen.

Programm und Anmeldung

Mellifera e. V. entwickelt seit 30 Jahren ökologische Konzepte für die Imkerei, um langfristig die Gesundheit der Bienen zu stärken. Bei der von uns propagierten »wesensgemäßen Bienenhaltung« sind neben Naturwabenbau und der Wahrung der Integrität des Brutnestes die Vermehrung über den natürlichen Schwarmtrieb und der Verzicht auf künstliche Königinnenzucht die Schlüsselelemente. Auf diesen Grundlagen entwickelten wir spezielle Betriebsweisen und Beuten, die den Bedürfnissen der Völker entgegenkommen.

Dr. Johannes Wirz und Sarah Bude (zuerst erschienen in »Bienenpflege 06/2016«)

Über die Autorin
Autor Sarah Bude

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