Freibeuter-Blog

Ein Schwarm zieht in die Baumhöhle. Foto: Mellifera e. V.

Bienenbeobachtungen in luftiger Höhe

Bericht von unserem Waldbienen-Projekt

Im April 2016 wurden im Waldgebiet nordöstlich der Imkerei Fischermühle fünf lebende Bäume in einer Höhe von ca. 5m ausgehöhlt. Die Baumarten sind eine Eiche, zwei Kiefern und zwei Weißtannen. Die Höhlung wurde nach Prinzipien ausgearbeitet wie sie in 500 Jahre alter Tradition bis heute in russischer Waldbienenhaltung praktiziert werden. Das Volumen der Höhlungen entspricht bei einer Höhe von einem Meter ca. 75 Liter. Das entspricht ca. 83% des Volumens eines Bienenvolkes im 12er Dadant Magazin mit einem Honigraum. Zwischen den Zeidlerbäumen beträgt der Abstand mehrere hundert Meter.

Aus aktueller Grundlagenforschung von verschiedenen Bienenwissenschaftlern , u. a. Prof. Thomas D. Seeley und Dr. Wolfgang Ritter, wissen wir, dass diese Art der Bienenwohnungen sehr viel zur Gesunderhaltung der Bienenvölker beiträgt.

Auswinterung 2017

Imkermeister Norbert Poeplau schaut bei den Waldbienen nach dem Rechten.Foto: Norbert Poeplau Drei der Bäume haben im März 2017 gut ausgewintert. Interessant zu beobachten war, dass die Bienenvölker in den Bäumen erst zwei Wochen später regelmäßig zu fliegen begannen als die Völker in den Magazinen oder Einraumbeuten der Imkerei. Als Ursache dafür sehen wir die starke Holzwandung (10-30cm) der Bienenwohnung durch den lebenden Baum an. Unsere anderen dickwandigen Bienenwohnungen wie die Schwäbische Lagerbeute (5cm Strohstärke als Außenwand) haben auch über Jahre hinweg gegenüber den oben genannten Magazin- und Trogbeuten der Imkerei einen verspäteten Bienenflug. Welchen Einfluss der auf- und abströmende Saftstrom im lebenden Baum auf die Bienenvölker in seinem Inneren hat, ist unbekannt. Auch die Winterruhe der Baumbienenvölker beginnt ca. zwei Wochen früher als bei dünnwandigen Holzbeuten. Wenn die Temperaturen im Herbst zurückgehen, werden die Bienen durch kurzen Sonnenschein nicht so leicht motiviert hinauszufliegen und nach später Tracht zu suchen.

Die zwei anderen Bäume haben leider schlecht ausgewintert. Die Gründe waren unterschiedlich. Ein Volk ist im Winter abgestorben. Als Ursache ist der problematische Wabenbau anzusehen, der sich vom Boden nach oben erstreckte und auch in dieser Richtung ungewöhnlich von den Bienen gebaut worden war. Durch das damit über dem Wabenbau liegende Flugloch musste das Volk im Winter gegen die entweichende Warmluft anwärmen was ihm offensichtlich nicht gelang. Abgestorbene Bienen waren in den Wabenzellen zu finden. Es gab keine Futtervorräte mehr. Schon im Spätsommer und Herbst ist den Bienen immer ihre hauptsächlich für das Brutgeschehen erwärmte Stockluft aus dem Flugloch abhandengekommen und hat so viel Kraft gekostet, dass das Volk schon mit reduzierter Volksstärke in den Winter gegangen ist.
Blick durch die Arbeitsöffnung auf das WabenwerkFoto: Norbert Poeplau Das andere Bienenvolk ist im Laufe des Frühjahres und Frühsommers immer schwächer geflogen. Im Juli 2017 wurde, von unten beginnend, das Wabenwerk weggeschnitten. Es gab bis in den obersten Bereich des Wabenwerks keinerlei Brutnest. Auffällig war auch, dass nicht einmal Drohnenzellen zu finden waren. Gewöhnlich fangen in solchen Situationen Arbeiterinnen an unbefruchtete Eier in die Wabenzellen zu legen, und damit werden Bienenvölker ohne Brutnest über solch einen langen Zeitraum drohnenbrütig und sterben ab. Der Bienenbesatz in diesem Baum war bis auf eine kleine Restmenge von ca. 800 Arbeiterbienen geschrumpft.
Beide Baumhöhlen wurden gereinigt und mit einem Schwarm neu besetzt.

Honiguntersuchung

Um einen ersten Anhaltspunkt über die Volksbeschaffenheit zu bekommen, haben wir aus den drei ausgewinterten Bienenbäumen Anfang Juni Honigproben entnommen und zur Auswertung zum Bieneninstitut Hohenheim geschickt. Der Honig hat eine sehr gute Qualität. Für das Ausmaß an Naturbelassenheit wurde das Honigenzym Invertase (nach Siegenthaler) bestimmt. Es liegt mit durchschnittlich 112,7 U/kg weit oberhalb des nach Honigverordnung einzuhaltenden Grenzwertes von mind. 64 U/kg.

Neben den hohen Werten der Invertase-Aktivität war auch der geringe Wassergehalt des Honigs in den Baumvölkern auffällig. Er lag bei durchschnittlich 14,0% im besten Fall bei 13,6%, obwohl die Bäume und deren Fluglöcher deutlich stärker als viele andere Bienenkästen in der Lehr- und Versuchsimkerei beschattet sind. Noch nie haben wir aus den üblichen am Boden stehenden Bienenkästen bisher Honig mit diesen niedrigen Wassergehalten geerntet.

Die Pollenanalyse der Proben zeigte den frühen Beginn der Waldtracht ausgehend von der Vermehrung der Lecanien auf den Fichten. Somit wird uns auf Grundlage der Analysen für den Baumbienenhonig die Bezeichnung Waldhonig, Honigtauhonig oder Fichtenhonig vom Bieneninstitut empfohlen.

Um weitere Klarheit über Unterschiede im Sammeln und der Verarbeitung von Nektar zu gewinnen, haben wir im Juli Bienenkästen im12er Dadant Magazinsystem einzelnd im Wald aufgestellt. Wir wollten damit eine zweite Untersuchungsreihe erhalten, in der die Honigqualität von den Baumbienenvölkern mit der Qualität von Magazinvölkern verglichen werden konnte. Bedauerlicherweise hat zu diesem Zeitpunkt der Nektarstrom aus der umgebenden Natur so stark ausgesetzt, dass sowohl die Baumbienen wie auch die Magazinvölker keinerlei Honigvorräte mehr gebildet haben und wir keine Proben ziehen konnten.

Bienenproben

Ein Vergleichsvolk im Magazin in Einzelaufstellung im Wald.Foto: Norbert Poeplau Ein anderer Vergleich im August 2017 zwischen den Baumbienenvölkern und den Magazinsystemen in Einzelaufstellung ist durch eine veterinärmedizinische Untersuchung erfolgt, die die Varroa- und die Virenbelastung der Völker zeigt. Nur bei einem der Völker im Magazin wurde ein schwacher Varroabefall diagnostiziert. Fast alle Völker zeigten einen Befall mit Nosema Sporen, was nicht weiter verwunderlich ist, da die Nosemose eine typische Faktorenkrankheit ist. Die Sporen des Erregers können in jedem Volk nachgewiesen werden. Der Chronische-Bienen-Paralyse-Virus konnte ebenfalls in 6 von 8 Völkern gefunden werden.

Insgesamt kann nicht von gesunden Bienenvölkern gesprochen werden. Dabei müssen die Bienenvölker in den Magazinen in Einzelaufstellung und die Bienenvölkern in den Bäumen, die an ihrem Standort überwiegend schon ein Jahr länger leben, unterschieden werden. Erst in einem längeren Beobachtungszeitraum können unterschiedliche Standortfaktoren besser in Erscheinung treten.

Ausblick

Die besonders guten Untersuchungsergebnisse des Baum-Honigs sollen weiter mit Daten aus dem Kleinklima der Baumhöhlung unterlegt werden. Dafür werden wir die Baumhöhlen 2018 mit Sensoren ausstatten, die uns über verschiedene Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit u. a. Aufschluss geben. Es scheint so, als wenn die Proportionen der zylindrischen Bienenwohnung und die Lage des Flugloches den Bienen in besonderem Maße ermöglichen, diesen nahezu unbegrenzt lange lagerfähigen Honig zu erzeugen. Zudem scheint die sehr starke Holzummantelung durch den dicken, lebenden Baum ein weiterer unterstützender Faktor zu sein. Hinter dieser Ummantelung sollten die Bienenvölker im Vergleich zu dünnwandigen, konventionellen Holzbienenkästen, unabhängig von kurzzeitigen starken Wetterschwankungen, eine gleichbleibend sehr gute Honigqualität erzeugen können.

Mit den Proben 2017 wurde die Grundlage gelegt, um eine weitere Untersuchungen vorzunehmen. Ob sich die Bienenvölker dadurch wirklich nachhaltig über mehrere Jahreszyklen hinweg vitaler entwickeln, wird sich zeigen müssen. Dafür muss die Viren- und Varroabelastung dieser Völker weiterhin dokumentiert werden.

Über den Autor
Autor Norbert Poeplau

Imkermeister

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