Freibeuter-Blog

Bienen im Anflug auf ihr Flugloch in einem lebenden Baum Foto: Norbert Poeplau

Wie geht es Melliferas Baumbienen?

Bäume sind die wohl natürlichsten Behausungen von Bienen, die man sich vorstellen kann. Haben sie die Chance, nisten sich Bienenschwärme mit großer Freude in ausgehöhlten Baumstämmen ein und bauen diesen fleißig mit ihren kunstvollen Waben aus.

Auch rund um die Fischermühle leben seit Jahren mehrere Bienenvölker in hohlen Bäumen. Diese sind teilweise natürlich ausgehöhlt, teilweise aber auch von Imkermeister Norbert Poeplau präpariert worden.

Insgesamt acht Baumbienenvölker waren es, die Poeplau im Jahr 2021 regelmäßig beobachtete. Sechs davon, so der Stand Mitte Oktober, hatten das Jahr unbeschadet überlebt. Zwei Völker starben im September an den Folgen des Varroa-Befalls.

Hoher Aufwand

Blick in die Arbeitsöffnung des Imkers auf Naturwabenbau in einem lebenden Baum in fünf Metern HöheFoto: Norbert Poeplau Für die Beobachtungen dieser Völker nimmt der Mellifera-Imkermeister einen viel höheren Aufwand auf sich als bei normalen Magazinbeuten, die in Reihen nebeneinander am Boden stehen. So muss erst eine große Schiebeleiter auf das Autodach geschnallt werden, dann das besondere Werkzeug, wie z.B. eine Axt neben Smoker und dem üblichen Imkerwerkzeug, eingepackt werden. Der Imker fährt dann in die Nähe eines einzelnen im Wald stehenden Baums, holt die Leiter vom Dach und trägt sie zum Stamm. Erst danach kann das eigentliche Öffnen der Baumhöhle in rund fünf Metern Höhe beginnen. Nach der Durchsicht oder anderen Maßnahmen wird alles wieder im Auto verstaut und zum nächsten Baumbienenvolk gefahren. Ein enormer Aufwand.

Es macht also Sinn, die Baumbienenvölker so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig zu besuchen. Eine dieser nötigen Besuche ist die Varroakontrolle sowie gegebenenfalls eine entsprechende Behandlung. Auch eine Futterkontrolle ist vonnöten, wenngleich diese aufgrund der fest in die Bienenhöhle eingebauten Waben nur sehr eingeschränkt möglich ist.

Viel besser geht dies bei ebenfalls einzeln im Wald aufgestellten Bienenvölkern in Magazinen, bei denen jedes Rähmchen einzeln durchgesehen werden kann, um einen Eindruck von dem Nektar- und Pollenangebot in der Waldregion zu bekommen.

Eine der großen Faszinationen hinter der Baumbienenhaltung ist es, von den Bienen zu lernen, wie sie unter den besonderen Verhältnissen in hoch gelegenen Baumhöhlungen überleben – oder eben auch nicht.

Um die Zusammenhänge – die in diesem Jahr zum frühen Tod der beiden Bienenvölker im Herbst geführt haben – besser verstehen zu können, muss der Blick um rund anderthalb Jahre zurück geworfen werden. In das Frühjahr 2020. In diesem Jahr wurden während der Schwarmzeit drei leerstehende Baumhöhlen von Bienenschwärmen auf Wohnungssuche völlig selbständig besiedelt. „Das hat mich gewundert und genauso sehr erfreut“, sagt Imkermeister Norbert Poeplau glücklich. Denn es sei dabei zu bedenken, dass die Spurbienen auf Wohnungssuche hinter zwei etwa ein Zentimeter breiten und acht Zentimeter hohen Schlitzen in einem lebenden Baum, der irgendwo im Wald steht, die passende Höhlung für das neue Zuhause ihres ganzen Schwarms gefunden haben. Und sich anschließend in einem genialen Abstimmungsverfahren mit ihren Bienenschwestern auf genau diese neue Wohnung geeinigt haben. Im Sommer 2020 gab es dann für alle Bienenvölker in der Region reichlich Nektar und Pollen und die Völker sind gut gewachsen.

Eine außergewöhnliche Saison

Nicht nur der erhebliche Arbeitsaufwand, sondern auch die zunehmende Zahl von Imkern, die ihre Bienenvölker gar nicht gegen die Varroa-Milbe behandeln, brachten Norbert Poeplau dazu, die Intensität der Varroabehandlung der Baumbienen in den vergangenen Jahren erheblich zurückzunehmen. Im Ergebnis bedeutete das, dass 50 Prozent der Baumvölker den Winter 2020/21 nicht überlebten. Der Imkermeister schnitt das Wabenwerk der verstorbenen Völker in den Baumhöhlen Ende des Winters aus, um diese für neue Bienenvölker wieder bewohnbar zu machen. Optimistisch blickte er auf die Bienensaison 2021 und wurde nicht enttäuscht.

Zwar zogen – aufgrund der regional deutlich schwächeren Schwarmintensität – keine Bienenvölker von selbst in die vier freien Bäume. Doch Poeplau konnte sie mit vier Schwärmen aus der Imkerei neu besiedeln. Was die Bienensaison 2021 ebenfalls außergewöhnlich machte, war das extrem kalte Frühjahr – besonders im April und Mai. So blieb der sonst gewohnte Nektarstrom ins Bienenvolk aus, wodurch die Völker auch im Sommer keine nennenswerten Honigvorräte bilden konnten. Sie lebten sozusagen von der Hand in den Mund.

Es musste also viel nachgefüttert werden, was für das Imkerteam der Fischermühle einen enormen Aufwand bedeutete. Das Zuckerwasser – also Saccharose – muss durch intensive Bienenarbeit erst zu verträglichem Bienenfutter, das hauptsächlich aus Glukose und Fruktose besteht, „umgearbeitet“ werden. Die Bienen schaffen das, aber es kostet Kraft. Zudem mussten die Völker in den neu besiedelten Baumhöhlen ihr Wabenwerk komplett neu aufbauen.

Trotz dieser besonderen Anstrengungen wurde auch in diesem Herbst die Varroa-Behandlung wieder reduziert durchgeführt. Damit erklärt sich Imkermeister Norbert Poeplau auch den frühen Verlust zweier Baumbienenvölker. „Ich denke, ich werde auch nicht alle jetzt eingewinterten Baumvölker durch den Winter bringen“, so Poeplau. Und die Frage bleibt weiter offen, ob die Bienen unter guten Wohnungsbedingungen oben in ihren Baumhöhlen einzeln in einem großen Waldumkreis und mit einer reduzierten Varroabehandlung es schaffen, sich schrittweise wieder selbstständig gegenüber dem Milbendruck zur Wehr zu setzen und immer besser zu überleben.

Über die Autor*innen:
Norbert Poeplau

Imkermeister

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+49 7428 945249-0
Nick Leukhardt

Öffentlichkeitsarbeit

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+49 7428 945249-22

Biene Mensch Natur

Dieser Artikel ist neu bearbeitetet auch erschienen in unserer Zeitschrift »Biene Mensch Natur« Nr. 41 (Winter 2021/2022)

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