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Der Bücherskorpion

Im Kampf gegen die Varroamilbe wird nach jedem Strohhalm gegriffen. Dazu gehört auch der Bücherskorpion (Chelifer cancroides). Dieser Jäger lauert Staub- und Bücherläusen, aber auch Hausstaubmilben auf. Und nicht zuletzt treffen ihn ImkerInnen an, deren Beuten Ritze und Spalten aufweisen. Eindrückliche Videoaufnahmen zeigen, wie der Pseudoskorpion auch Varroamilben auf der dem Schieber oder Beutenboden jagt und aussaugt.

Zu glauben, dass er als ein effektives Mittel zur Bekämpfung der Milben im Bienenstock verwendet werden kann, erscheint jedoch aus verschiedenen Gründen abwegig. Selbst unter für ihn guten Bedingungen gibt es in einem Bienenkasten immer nur wenige Exemplare. Um eine Milbe zu erlegen, benötigt er dreißig bis sechzig Minuten; seine Entwicklung aus dem Ei zum adulten Tier dauert mehrere Wochen; für Häutung, Eiablage und Überwinterung zieht er sich immer wieder zurück.

Dass Bücherskorpione als Untermieter im Bienenstock leben, ist lange bekannt. Eindrückliche Videoaufnahmen aus jüngerer Zeit zeigen nun erstmals, wie der Pseudoskorpion Varroamilben auf der dem Schieber oder Beutenboden jagt und aussaugt. Aber er wurde noch nie auf einer Biene beobachtet oder gar in Brutzellen der Bienen, wo sich während eines großen Teiles der Bienensaison 75% der Varroamilben zu Vermehrung aufhalten. Er findet zudem reichlich Nahrung im Bienenvolk, wie z.B. Wachsmottenlarven, Bienenläuse und Pollenmilben. Es ist kaum anzunehmen, dass er sich bevorzugt auf die Jagd nach schwer zu fangenden lebenden Varroamilben macht, so lange er auch einfacher an Nahrung kommt.

Der Bücherskorpion ist trotzdem wichtig. Er ist ein Indikator für ein gesundes Stockklima, das auch anderen Mitbewohnern ein Überleben garantiert. Er ist in der Beute, was der bunte Schmetterling in der Landschaft ist: Ein auffälliges Zeichen für eine intakte Lebensgemeinschaft, deren Vielfalt sich unserer Aufmerksamkeit entzieht.

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Über den Autor
Autor Johannes Wirz

Molekularbiologe

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