Mellifera-Blog

Der Schwarmeinlauf

Bericht vom Regionalgruppen-Treffen der “Küstenimker” | Mai 2019

Am 10.5.2019 fand das Mai-Treffen der Mellifera-Regionalgruppe „Küstenimker“ statt. Wir haben uns in unserem Garten in Lübeck Karlshof getroffen. Dort wohnen z. Zt. 4 Bienenvölker, eines in einer Mellifera-Einraumbeute, eines in einer Bienenkiste und zwei weitere in DNM 1,5. Außerdem haben wir seit dem Treffen ein Gastvolk in der Einraumbeute von Lars-Peter dort stehen. Dazu später mehr.

Fast 20 Imkerinnen und Imker vom „alten Hasen“ bis zum „Greenhorn“ haben sich in unserem Garten versammelt und lebhaft mit Fachgesprächen und Anekdoten ausgetauscht. Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich die beginnende Schwarmzeit. Ursprünglich hatten wir geplant, die Bienenkiste zu öffnen und – sofern die Bienen in Schwarmstimmung also Weiselzellen
vorhanden sind – einen vorweggenommenen Schwarm in Form eines Trommelschwarmes vorzunehmen. Aufgrund der Kälte und da sich der Obmann für Bienengesundheit unseres Lübecker Imkervereins für den darauffolgenden Tag zur Entnahme der Futterkranzprobe angekündigt hatte, haben wir die Bienenkiste in Ruhe gelassen.

Stattdessen haben wir eines der Carnica-Völker in der Magazinbeute gemeinsam durchgesehen. Auch dieses Volk ist groß und vital, der erste Honigraum trotz des kalten Wetters der letzten Tage fast voll. Aber außer wenigen Spielnäpfchen und vielen Drohnen zeigt es keine unmittelbaren Anzeichen für Schwarmstimmung.

Dann folgte der Höhepunkt des Treffens. 2 Tage zuvor hatten wir bei unserem Einraumbeuten-Volk 3 Weiselzellen entdeckt, davon eine verdeckelte. Da wir ein paar Tage auf Reisen sind und den Schwarm nicht verpassen wollten, haben wir ihn kurzentschlossen vorweggenommen und 2 Tage in Kellerruhe gestellt. Jetzt sollten die Bienen in ihre neue Wohnung – Lars-Peters nagelneue Einraumbeute – einziehen. Alles war zum Einlogieren vorbereitet. Es war zwar kalt, aber der Wettergott hatte soviel Mitgefühl mit den Bienchen, dass es wenigstens trocken war (bis nachmittags hatte es genieselt).

Also haben wir den Schwarm auf die Rampe zum Flugloch abgestoßen. Zunächst zögerlich, dann entschlossener sind die Bienen im Flugloch verschwunden. Wir haben die Stockmutter entdeckt, die in einem Pulk von Arbeiterinnen am Rand der Rampe noch recht weit vom Flugloch entfernt saß. Mit einem Löffel haben wir sie vorsichtig aufgenommen und vor das Flugloch gesetzt. Sie hat sich ein wenig umgesehen und ist dann ins Haus eingezogen. Eine halbe Stunde später waren alle Bienen in der Beute und wir konnten die Rampe abbauen. Allerdings hatte sich am Flugloch ein Bienenstopfen festgesetzt…

Ja, und dann haben wir genossen: Das Buffet war gefüllt mit Leckereien. Vielen Dank unseren Gästen für Saft und Kuchen und Herzhaftes. Dabei wurde weiter gefachsimpelt: Wann soll der gerade einlogierte Schwarm am besten gefüttert werden? Muss er gefüttert werden, wenn es wie angekündigt warm wird. Schließlich ist die Tracht z. Zt. üppig und der Stand günstig gelegen?

Interessiert beobachten die Teilnehmenden den Schwarmeinlauf.Foto: Jürgen Möller-Nehring Mehrere Teilnehmende haben Interesse an Schwärmen, andere könnten Schwärme abgeben. So entstand die Idee einer Schwarmbörse. Wie wir den Austausch organisieren wollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Möglichkeit wäre eine Excel-Liste in der Cloud, in der sich Schwarmsuchende eintragen und Schwarmgeber den jeweils nächsten auf der Liste anrufen. Eine andere Idee ist pragmatischer: Wer einen Schwarm zu vergeben hat, mailt oder ruft uns an und wir schicken eine Rundmail mit Ort, Preis und Kontakt. Wer Interesse hat, meldet sich direkt beim Schwarmgeber. Wer zuerst kommt… Wie ist Eure Meinung? Eine aufwendige Programmierung können wir jedenfalls nicht leisten. Also muss es einfach sein.

… Fortsetzung der Geschichte vom einlogierten Schwarm: Am nächsten Morgen war das Flugloch immer noch mit Bienen dichtgesetzt. Dann setzte Flugbetrieb ein und wir konnten durch die Lücke sehen. Die Traube hing an der schmalen unteren Leiste der Einraumbeutenrahmen und hatte an der Unterseite angefangen zu bauen. Dabei blieb es den ganzen Tag. Und nur wenige Bienen sind ausgeflogen.

Was tun? Aus Erfahrung wissen wir, dass insbesondere kleine Völker sich manchmal mit dem hohen leeren Raum der Beute schwer tun und irgendwo statt in die Rahmen bauen oder wieder ausziehen. Eine nagelneue Einraumbeute scheint keine Bienen-Traumwohnung zu sein. Also erstmal füttern, damit das Volk nicht hungert. Samstagabend haben wir verdünnten Honig und Nektar aus einer ausgeschnittenen Wabe, die ein Volk in eine Futtertasche gebaut hatte, in einer Plastikschale unten in die Beute gestellt. Zur Sicherheit haben wir das Flugloch mit einem neu zugesägten Stempel auf einen Schlitz verkleinert, damit die Bienchen es gut verteidigen können.

Doch die Bienen wollten nicht nach oben. Im Forum haben wir Berichte darüber gefunden, dass es anderen Imkern aktuell genauso ging. Bei der Kälte blieben die Bienen in Fluglochnähe und sind nicht nach oben gelaufen, um dort zu bauen. Die Empfehlungen waren: Futterteig oben auf die Rahmen legen und oben für Wärme sorgen. Also haben wir am Sonntag Futterteig dünn ausgerollt und auf die Rähmchen gelegt. Weder das, noch unsere Bemühungen, mehr Wärme in die Beute zu bringen (bitte nicht lachen: durch eine Wärmflasche zwischen Dämmplatte und Deckel), haben die Bienen motiviert, nach oben zu gehen. Sie hingen jetzt in und neben der Honigschüssel.

Montagmorgen: Kein Futter mehr in der Schüssel, aber Bienen. Wir drehen die Schüssel um, stoßen die Bienen ab in die Beute und hoffen, dass sie nach oben gehen, wenn unten kein Futter mehr ist. Zudem sollte es endlich wärmer werden. 15 Uhr: Kaum Flugbetrieb, dann lauter werdendes Summen und … der Schwarm zieht aus. Summendes Sausen in der Luft. Wow!

Die wollten einfach mal fliegen! Bereits nach kurzer Zeit zeichnete sich ab, wo sie sich niederlassen. Zum Glück haben sie einen gut erreichbaren Koniferenzweig in ca. 2,5m Höhe gewählt und sich dort friedlich wieder einfangen lassen. Und nun? Die Bienchen wollen die leere Wohnung mit Rähmchen nicht. Die sorgfältige Herstellung und liebevolle Bemalung interessiert sie nicht. Also sind wir von der „reinen Lehre“ abgewichen und haben als Motivation und erstes Möbel eine Futterwabe aus demUrsprungsvolk in die nagelneue Beute umgehängt und die Bienen dieses Mal in ihre neue Wohnung geschubst (abgestoßen). Bisher sind sie noch nicht wieder ausgezogen.

Nachtrag: Beim Öffnen der Bienenkiste mit dem Seuchenobmann haben wir erstaunlicherweise keine Weiselzellen gefunden. Dabei ist die Kiste inkl. Honigraum rappelvoll mit Bienen. Es war schwierig noch altes Winterfutter zu finden, da die Bienen bereits massenhaft neuen Nektar eingetragen haben. Auf einer Randwabe wurden wir dann doch fündig und konnten genug Honig für die Untersuchung ablöffeln.

Wir freuen uns auf das nächste Regionalgruppen-Treffen am 28.6.2019 in Hollenbek.

Doris Willmer & Jürgen Möller-Nehring, Karlshonig Imkerei (Lübeck)

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