Mellifera-Blog

Michael Reiter auf dem Faschingsseminar 2016 Foto: Manfred“Mensch“Mayer

Annäherung an das Wesen des Biens

Bericht vom Faschingsseminar 2016 (6. bis 10. Februar 2016)

Bei unserer Ankunft zum Faschingsseminar in Rosenfeld schien die Sonne, und die Bienen in ihren verschiedenen Wohnungen an der Fischermühle begrüßten uns mit eifrigem Flug und trugen dicke Pollenhöschen von der Haselblüte nach Hause.

So ähnlich begann auch unser Seminar: Mit einem sonnenstrahlenden Lächeln wurden wir von Carmen Diessner begrüßt und erstmal mit Kaffe und Kuchen gestärkt. Diese willkommene Atmosphäre an der Fischermühle machte uns das Ankommen leicht und fügte aus anonymen Teilnehmern gleich so etwas wie eine Familie zusammen. Besonders ausgeprägt war das natürlich bei denjenigen, die gleich zum Sammelquartier aufbrachen, um dort ihre Nachtlager vorzubereiten – wie ein Teilnehmer später sagte: „Das war für mich ein Sozialexperiment, das gelungen ist.“

Nachdem Johannes Wirz uns die wesensgemäße Bienenhaltung als eine Begegnung auf Augenhöhe beschrieben hatte, die von Respekt geprägt ist, trug Marco Bindelli mit seinem „Chorsingen“ zur Bildung einer Gemeinschaft, einer Einheit, in unserer Gruppe bei. Vielleicht ist die Bezeichnung „Rhythmus, Klang, Gesang“ passender als nur „Chorsingen“, denn was wir in diesen 2x täglich stattfindenden 30 Minuten erlebten, war weit mehr als nur gemeinsames Singen – dieses Gemeinschaftserlebnis von Bodypercussion über Summen bis zum Kanon singen war sehr bewegend. Marco Bindelli führte uns in 4 Vorträgen in die Welt der Anthroposophie ein – ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen soll. Wir erfuhren, dass wir im Wesen der Biene deren tiefe Verbundenheit zur Sinneswelt, die Schaffensfreude und die Weisheit vorgelebt bekommen.

Gemeinsam mit Albert Muller näherten wir uns der wohl eindrücklichsten Äußerung des Biens – dem Schwarm. Bevor wir uns in Filmen über die traditionelle Heideimkerei (eine Schwarmbetriebsweise) Schwärme in Bild und Ton anschauten, erklärte uns Albert die biologischen Vorgänge im Bienenvolk, die zum Schwarmprozess gehören und führte uns in die Begrifflichkeiten „Vorschwarm“, „Nachschwarm“, „Muttervolk“, „Tochtervolk“ ein.

  • Chorsingen mit Marco Bindelli (Foto: Manfred“Mensch“Mayer)
  • Albert Muller (Foto: Manfred“Mensch“Mayer)
  • ein volles und abwechslungsreiches Programm! (Foto: Manfred“Mensch“Mayer)

Michael Reiter zeigte uns auf, wie wir als Imker den Schwarmtrieb in der Völkervermehrung nutzen können – ganz nah dran an der Wesensäußerung des Biens. In allen Vorträgen kam heraus, wie wichtig es ist, präsent zu sein, eine innere Verbindung zu den Bienen zu haben. Das fängt mit der Beobachtung der Umgebung und damit verbunden mit der Trachtsituation an, und geht weiter bis zu den konkreten Ausformungen des einzelnen Volkes und seiner Situation: Futterversorgung, Brutnest, Weiselzellen, Schwarmprozess…

Auf Einzelheiten und konkrete Fragen der Teilnehmer standen in den Arbeitsgruppen zum Schwarmtrieb alle Referenten zur Verfügung. Diese waren fast immer auch in den Vorträgen der anderen Redner anwesend, wodurch ein reger Austausch stattfand und immer wieder Bezüge geschaffen wurden. Diese Lebendigkeit der Vorträge und auch die Möglichkeit beim Essen und in den Pausen immer wieder Fragen stellen zu können, ermöglichten eine ganz intensive Auseinandersetzung mit dem Gehörten.

Diese Lebendigkeit der Vorträge und auch die Möglichkeit beim Essen und in den Pausen immer wieder Fragen stellen zu können, ermöglichten eine ganz intensive Auseinandersetzung mit dem Gehörten.

Norbert Poeplau brachte uns das Nest und den Wabenbau des Bien näher – viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn wir für die Bienen die passende Bienenwohnung entwickeln wollen: der Wabenbau, der Duft, die Wärmeregulierung und nicht zuletzt auch die Beziehung zur Außenwelt mit einem feinen Zusammenspiel aus Landschaft und Blüten.

Im Ringen um die optimale – oder auch die dem Wesen der Bienen am nächsten kommende – Bienenwohnung gab uns Ulrich Hampl Hilfestellung mit seinem Vergleich von verschiedenen Bienenwohnungen und deren Geschichte. Mit diesem Wissen ausgestattet, gingen wir dann in die Details: in Arbeitsgruppen beschäftigten wir uns näher mit der Bienenkiste, der Dadant-Beute und der Einraumbeute.

An 3 Nachmittagen gab es verschiedene weitere Arbeitsgruppen, die die bereits angeschnittenen Themenbereiche vertieften und ergänzten: Blühende Landschaft, praktische Arbeiten in der Imkerei und Meditation.

Schließlich folgte noch ein schwieriger Themenkomplex: Krankheiten und dabei besonders die Varroamilbe. Albert Muller führte uns die Biologie der Varroamilbe ein, Johannes Wirz erläuterte Toleranzzuchtprogramme und verschiedene Studien dazu, Norbert Poeplau und Thomas Radetzki gingen auf konkrete imkerlichen Maßnahmen ein.

Die Faschingsferien in der Fischermühle waren lehrreich, informativ und haben uns dem Wesen der Bienen und dem Wesen der Menschen ein ganzes Stück näher gebracht haben.

An diesen 6 sehr intensiven Tagen mit einem sehr vollen Tagungsprogramm haben wir uns dem Wesen des Biens von unterschiedlichsten Seiten angenähert: unsere Sichtweise auf die (Um-)Welt und die Bienen, die Biologie der Biene, die Biologie des Biens, Krankheiten der Biene. Darüber hinaus war auch noch Zeit für Gemeinschaftsaktivitäten wie das Tanzen beim geselligen Abend und immer wieder für interessante Gespräche zwischen den Teilnehmern sei es beim World Café oder beim Essen. Das gemeinsame Interesse für die Annäherung an das Wesen des Biens und auch die Bereitschaft einander aktiv zu begegnen, haben aus Einzelteilnehmern eine Einheit, eine Schwarmtraube, gebildet, die sich wehmütig auf den Weg nach Hause aufmachte.

Bei vielen Teilnehmern wurde mit Sicherheit der Wunsch geweckt, sich in Regionalgruppen zusammenzuschließen und in Netzwerken sich über wesensgemäße Bienenhaltung weiter hin zu arbeiten. Mellifera bietet dafür ja einige Möglichkeiten:

Mellifera-Netzwerk Regionalgruppen

Die Faschingsferien in der Fischermühle waren lehrreich, informativ und haben uns dem Wesen der Bienen und dem Wesen der Menschen ein ganzes Stück näher gebracht haben. Also meine Empfehlung für alle, die das Faschingsseminar noch nicht miterlebt haben und deren Herz für die Bienen schlägt – gleich auf die Interessentenliste für das nächste Jahr eintragen lassen!

Alexandra Lippert (Teilnehmerin)

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