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Industrielle Imkerei vs. traditionelle Bienenhaltung. Foto: Martin Kunz

Bienen in der Landwirtschaft & des Imkers neue Kleider

Wie hängen eine extensive Bienenhaltung und biologisch hergestellte Imkerbekleidung zusammen? Das erklärt Hobbyimker Martin Kunz in einem Gastbeitrag.

Imker haben einen guten Ruf. Jedes mal, wenn ich bei einer Veranstaltung oder einer Party erwähne, dass ich in meinem Garten ein Bienenvolk habe, provoziert das interessierte Fragen wie: „Die Bienen sind doch bedroht, oder?“ Was mich zu einem kurzem historischen Rundumschlag in Sachen ‚industrielle Landwirtschaft’ veranlasst: Ob Kunstdünger, Pestizide, oder industrielle Tierhaltung: wir haben uns in ein tiefes Loch gegraben. Und dann stelle ich die Frage: Sind Imker, deren Nutztier ‚Biene’ nach Rindern und Schweinen auf Rang drei der wirtschaftlichen Nutztier-Rangliste steht, von dieser Kritik ausgenommen?

Die Biene als Nutztier

Nutztier Biene? In der Regel ist dieses Konzept für mindestens die Hälfte der interessierten Fragenden komplett neu. Genauso wie mein Hinweis, dass seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in der Bienenhaltung die Industrialisierung und Intensivierung heftig vorangetrieben wurde: Erfindungen wie Kästen mit beweglichen Rähmchen oder vorgefertigte Trennwände dienen v.a. dazu, die Produktion von Honig zu maximieren – um den Preis, dass die Bienen gestresst sind. Solange leerer Raum über dem Brutnest vorhanden ist, werden die Bienen ihn füllen. Und die Entnahme dieser Honigkästen ist für Imker viel einfacher und ergiebiger als z.B. das ‚Immeschneiden’ aus alten Körben auf Bauernhöfen im Schwarzwald.

Besonders extrem sind die Bedingungen für Bienen in den USA. Stichworte: Transport der Bienen per LKW über tausende von Meilen zunächst zur Bestäubung der Mandelblüte in Kalifornien, dann weiter zur Obstblüte in Washington, … Imkereibetriebe mit tausenden von Völkern, in denen Zuckerwasser per Tankwagen gefüttert wird, das Einlagern der Völker in klimatisierten Hallen zur Überwinterung – das sind zum Glück Zustände, die auf dieser Seite des Atlantik nicht anzutreffen sind.

Aber selbst bei europäischen Hobbyimkern gibt es Probleme: Laut Thomas Seeley sollte beispielsweise der ‚ideale Mindestabstand’ zwischen Völkern 70 Meter betragen, um das Ausbreiten von Krankheiten auszubremsen, eine Distanz die selten eingehalten wird. Gerade in Städten ist die Dichte der Völker oft aus Hilfsbereitschaft für die ‚bedrohten Bienen‘ viel zu hoch.

Imker und die Klimakrise

Die Klimakrise ist gerade in diesem Sommer auch in Europa klarer den je spürbar. Bei Temperaturen über 35° ist das Leben nicht nur für Bienen, sondern auch für Imker heiß und unangenehm.

Bei Imkern werden deshalb so genannte ventilierte Imkeranzüge zunehmend beliebter. Auch ich hatte das Schwitzen satt. Nur: die Materialien der Sandwich-Anzüge sind aus z.T. höchst bedenklichen Kunstfasern – und damit allesamt aus fossilem Rohmaterial – gemacht, was die Erderwärmung beschleunigt. Zudem bringen Kunstfasern trotz Belüftung nur bedingten Tragekomfort. D.h. für einen Hauch von Kühlung wird global das Problem Erderwärmung verschärft.

Auch Anzüge aus konventionell produzierter Baumwolle sind in der Produktion ‚bienenfeindlich’. Baumwolle wird weltweit auf ca. 5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche angebaut – ist aber für rund ein Viertel der ausgebrachten Pestizide verantwortlich. Mit anderen Worten: Bienen und andere Insekten werden breitflächig vergiftet – auch für Imkerkleidung.

Weshalb Diversity Honeys zusammen mit einem indischen Hersteller von Schutzkleidung in mühsamer Kleinarbeit über zwei Jahren lang einen belüfteten Imkeranzug aus zertifizierter Biobaumwolle auf den Markt gebracht hat – mit dem Markennamen BeeCool.

Die Direktorin der irischen Imkervereinigung beschrieb das erste Mal, als sie einen BeeCoolTM Anzug trug, wie folgt:
„Das erste, was mir auffiel, war, dass ich sehen konnte: Der Schleier ist von hervorragender Qualität. Schluss mit der Übelkeit, die aus dem Versuch resultierte, durch den Schleier und die Brille Eier erkennen zu können. Das allein wäre für mich kaufentscheidend.
Nachdem ich dann begann, mit den Völkern zu arbeiten, war ich ganz auf diese konzentriert. …
Nach drei Stunden Arbeit fiel mir auf ich, dass ich nicht schwitzte, ein leichter Luftzug kam durch den Anzug und sorgte für Komfort.“

BeeCool Anzüge gibt es in verschiedenen Ausführungen im Mellifera-Shop. Mellifera bekommt von jedem verkauften Anzug einen Anteil vom Verkaufspreis.

Martin Kunz (Hobbyimker & Mitinhaber Diversity Honeys GmbH)

Offenlegung:
Ich habe selbst 2013 den Fehler begangen, mit dem Imkern anzufangen, ‚weil ich den Bienen helfen’ wollte – wiewohl es in meinem Wohnort 2x so viele Völker gibt wie die Flora unterstützt. Da ich das Imkern in der Fischermühle gelernt habe, versuche ich, die Demeter-Regeln einzuhalten und füttere normal z.B. keinen Zucker – Honig wird allenfalls im Frühjahr entnommen.

Eine ungelöste Frage für mich ist, was ich mit meinem belüfteten Plastik-Anzug machen soll – der letztlich Sondermüll ist … v.a. das EVA der Zwischenschicht ist beim Verbrennen ähnlich problematisch wie das Seveso-Gift Dioxin. Seit Jahren hängt der Anzug ungenutzt im Keller und erinnert im Halbdunkel gespenstisch an diese problematische Seite von Kunstfasern.

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