Mellifera-Blog

Der Bau einer Naturwabe beginnt mit einem eiförmigen Zäpfchen, aus dem sich bald mit der sogenannten Herzwabe eine mehr runde Form entwickelt. Foto: Michel Colette

Bienen anders gesehen - Naturwabenbau für die Bienengesundheit

Michel Collette aus Luxemburg hat viele Jahre lang ganz normal geimkert. Aber allmählich veränderte sich sein Blick auf die Bienen, und er begann, seine Betriebsweise zu hinterfragen. Heute hält er rund 40 Völker nach den Demeter-Richtlinien. Anhand seiner wunderschönen Fotos erklärt er, warum er seine Bienen die Waben selbst bauen lässt.

Während meiner Imkerjahre wurde mir mehr und mehr bewusst, dass man das Bienenvolk immer als Ganzes und in seiner stetigen Entwicklung betrachten muss. Ich habe die Arbeitsschritte bei den Bienen nicht mehr einzeln und isoliert gesehen, sondern den Bien als eine Einheit, als einen eigenen Organismus wahrgenommen. Das war der erste Schritt zur
Veränderung, und er begann in meinem Kopf. Denn das Bienenvolk weist uns den richtigen Weg, wir müssen nur lernen, ihn wahrzunehmen.

Bienen dürfen schwärmen

Die Vermehrung der Bienen ist der Schwarm, das wissen wir alle. Ich lasse ihn zu, weil er naturgemäß ist, und ich versuche nicht, ihn mit technischen Maßnahmen zu verhindern. Wir dürfen den Bienen nicht unseren Willen aufzwingen. Ich sehe Bienenhaltung mit Naturwaben als einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit der Bienenvölker und der Bienenprodukte. Eins steht fest, Bienen wollen und müssen Waben bauen. Der Wachskreislauf wurde vom Menschen erfunden. In der Natur gibt es keinen Wachskreislauf. Der Naturwabenbau trägt maßgeblich zum Wohlbefinden des Biens bei, denn das Wachs ist absolut sauber. Bei Mittelwänden sind oft Rückstände vorhanden, und die Konsistenz ist auch oft zweifelhaft.

Von altem Wissen lernen

Das größte Organ des Bienenstaates ist der Wachskörper, sagte schon Ferdinand Gerstung (1860 – 1925). Er prägte den Begriff „der Bien“ für das ganze Volk. Denn die einzelne Biene kann nicht allein leben. Der Bien ist ein Organismus, bei welchem kein Glied ohne alle anderen existenzfähig ist, und der nur durch das Zusammenwirken aller seiner Glieder besteht und sich vermehren kann. Für mich gilt das Motto: Altes wertvolles Wissen neu entdecken für eine artgerechtere Bienenhaltung!

Altes wertvolles Wissen neu entdecken für eine artgerechtere Bienenhaltung!

Der Wabenbau

Die Bienenwaben sind das Skelett des Volkes, das sie aus sich heraus erzeugen. Auf den Waben leben die Bienen dauerhaft, sie lagern ihren Honig darin ein und ziehen dort ihre Brut auf. Jede Wabe hat ihren Platz in dem Organismus, und jede Wabengasse hat ihr eigenes Mikroklima. Der Bienenschwarm baut so viele Waben und Zellen, wie er Bienen hat, und baut nur dann neue Waben hinzu, wenn sie wirklich benötigt werden. Damit der Bien funktioniert, hat die Natur ein sinnvolles System der Arbeitsteilung programmiert und ein fein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Verständigungsmöglichkeiten entwickelt.

Rund ist die Form der Bienen

Viele Imker kennen nur das rechteckige Rähmchen im rechteckigen Kasten. Die Urform des Biens jedoch ist die Kugel. Wir finden sie in der Schwarm- und in der Wintertraube, beim Wabenbauen, im Brutkörper, bei den Weiselzellen. Pollenzellen und Honigzellen umschließen den Brutkörper. Der Bien wird vom Kreis beherrscht, Kugel und Kreis sind das Formengrundgesetz des Biens. Es zeigt sich auch beim bauenden Schwarm. Die Brut wird immer im Kreise angelegt. Das Runde ist optimal für den Wärmehaushalt. Der Organismus der Arbeiterinnen erzeugt Wärme, die nicht nur dem einzelnen Tier, sondern dem gesamten Volk zugute kommt. Das Bienenvolk reguliert beständig seine Wärme. Sein Überleben hängt maßgeblich davon ab, ob es die notwendige Temperatur von 35°C bewahren kann. Die runde Form minimiert den Wärmeverlust. Eckige Waben, eckige Brutnester behindern dieses kluge Verhalten der Bienen.

Bedingt durch die Rähmchenform, wächst die Wabe schließlich nach unten. Dabei bleibt die den Bienen wesensgemäße Anordnung der zentrierten Brut, die von Pollen und Futter überlagert wird, erhalten.Foto: Michel Colette

Wenn Imkervereine mehr über den Naturwabenbau und wie man auf ihn umstellt wissen wollen, können sie mich gerne besuchen. Ich biete Vorträge und Führungen an – auf dem schön ausgestatteten Lehrbienenstand in L-7435 Hollenfels, Luxemburg. Schon viele Vereine aus dem benachbarten Deutschland waren da.

Michel Collette, E-Mail schreiben
erschienen in: ADIZ • die biene • Imkerfreund 06.2015

Mellifera-Blog

Das Blog rund um Themen über #BieneMenschNatur

zur Blog-Übersicht


Über den Autor
Autor Gastautor

Hinweise zum Autoren unter dem Blogartikel

Newsletter

Spenden
Mitglied werden