Mellifera-Blog

So werden wir mit den Augen der Biene gesehen - von oben über dem Blütenhorizont in der lachenden und lebendigen Gemeinschaft. Foto: Norbert Poeplau

Von den Bienen lernen, sich ums Ganze zu kümmern

Austausch und Beziehungspflege beim ersten gemeinsamen Treffen des Mellifera Ausbildungsverbundes und der Regionalgruppen auf Schloss Hamborn.

1997 hatten einige Demeter-Imkermeister unter Melliferas Dach begonnen, als Ausbildungsverbund gemeinsam die wesensgemäße Bienenhaltung in Imkerkursen zu verbreiten. Seither wuchs der Ausbildungsverbund stetig, so dass heute an etwa 40 Orten deutschlandweit jährlich der Imkerkurs „Mit den Bienen durchs Jahr“ ausgerichtet wird.

Indessen wuchs unter Teilnehmenden von Seminaren am Vereinssitz Melliferas, der Fischermühle, und an den Kursen des Ausbildungsverbundes der Wunsch, sich auch lokal auszutauschen. So waren 2004 die ersten Regionalgruppen entstanden, von denen heute etwa 30 im deutschsprachigen Raum wirken.

Den Austausch gesucht

An vielen Orten stehen Ausbildungsverbund und Regionalgruppe in enger Beziehung: Während Menschen in den Imkerkursen zum ersten Mal mit den Bienen in Berührung kommen, entwickeln sie in den Regionalgruppen im Austausch mit Gleichgesinnten ihren individuellen Weg der Bienenpflege.
Um diese Beziehungen zu vertiefen, trafen sich schließlich Ende Oktober 18 Vertreterinnen und Vertreter von Mellifera-Regionalgruppen, Ausbildungsverbund und der Geschäftsstelle des Vereins Mellifera auf dem Gelände des Schloss Hamborn.

Zum Auftakt empfing uns unsere Freundin Sabine Bergmann auf dem Schülerhof. Hier lernen Schülerinnen und Schüler der dortigen Waldorfschule im unmittelbaren praktischen Bezug zu Natur, Tieren und Umwelt. Mitten in dem wuseligen Treiben von Kindern und Tieren ist Sabine mit ihrer Imkerei beheimatet, in der sie sich besonders dem traditionellen Zeidlerhandwerk widmet, an dem sie forscht, es wiederbelebt und in Kursen an Interessierte weitergibt. Auf einer Führung über das weitläufige Gelände der Werkgemeinschaft Schloss Hamborn zeigte sie uns ihre Klotzbeuten und beantwortete viele Fragen zu deren Geschichte, Herstellung und Bewirtschaftung.

Zurück im Schülerhof regte uns Nicole Saturna mit ihrem Impuls „Kommunikation mit dem Herzen“ zum Zuhören und zum wertschätzenden Dialog in der Gruppe an. Eine praktische Übung ließ uns spüren, wie ihre Methode tieferes Verständnis zwischen Gesprächspartnern befördern kann.

Hautnah an der Geschichte der Apikultur bei einer Klotzbeute von Sabine Bergmann (rechts im Bild).Foto: Katrin Sonnleitner

Was tragen wir in die Welt?

Am zweiten Tag widmete sich die Gruppe dem Miteinander und dem Stellenwert der wesensgemäßen Bienenhaltung im über die Jahre stark gewachsenen Verein. Aus der Beschäftigung mit den Bienen heraus hatten sich außerordentlich erfolgreich neue Tätigkeitsschwerpunkte im Pädagogischen (Initiative Bienen machen Schule) und für die Biodiversitätsförderung (Netzwerk Blühende Landschaft) entwickelt und die Mellifera-Vereinslandschaft sehr vielfältig und bunt gemacht. Viele Fragen werden von den Teilnehmenden bewegt. Sie sprechen von großen Idealen und starker Motivation:

Wie gestalten wir Gesellschaft? Was können wir vom Wesen der Bienen lernen, um konkreten gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen? Was heißt es für uns, von den Bienen zu lernen, sich ums Ganze zu kümmern? Wie können wir die Verbundenheit im Geiste pflegen?

„Wir haben uns eingelassen auf den Stockduft der wimmelnden Mellifera-Bienen-Gemeinschaft, erlebten die Wärme und unsere Verbundenheit. Jetzt gilt es, den Stern wieder in unsere eigene persönliche Arbeit an unseren Standorten leuchten zu lassen, wo wir Menschen für die Arbeit an und mit den Bienen begeistern und gemeinsam eine Haltung zum Wohl der Bienen- und Menschengemeinschaft entwickeln helfen wollen.“
Barbara Leinweber und Steffi Herkenrath

Am Abend berichteten Gunnar Weidt und Carsten Stöppler aus der Regionalgruppe Hamburg über ihre Herausforderungen bei Kunstprojekten, in denen sie Bienenvölker betreuen. So hatte Terence Koh mit seiner Bee Chapel HafenCity einen kleinen, intimen Begegnungsraum für Mensch und Biene errichtet, in dem ein Bienenvolk seine Waben frei und unmittelbar über den Köpfen der Besucher gebaut hatte und dort lebte.
AnneMarie Maes hatte für das Projekt ElbeBees einen goldenen Pavillon als Wohnraum für Bienen geschaffen, der mit Überwachungstechnologie kontrolliert wurde. Die Imker haben dort abhängig von den Gezeiten von einem Ponton aus Zugang, was die Betreuung relativ aufwändig gestaltete.

Steine ins Rollen bringen

Abschließend machten sich alle Beteiligten stark für das gemeinsame Netzwerk und das Miteinander, suchten nach Wegen, das Gemeinschaftswesen zu fördern. Der innige Wunsch, sich wahrhaftig im Netzwerk zu integrieren und das Leitbild von Mellifera zu leben, wird deutlich ausgesprochen und soll nun Initiativen übergreifend verfolgt werden. Im Nachgang haben wir uns einiges vorgenommen: Die Qualität der Kurse soll gesichert werden, weitere Formate für Laien und Fortgeschrittene sollen gemeinschaftlich konzipiert werden. Der Austausch mit den anderen Initiativen soll in einem gemeinsamen Treffen gepflegt werden und auf diese Weise auch an einem lebendigen Leitbild gearbeitet werden. Diese Steine werden nun in Arbeitsgruppen ins Rollen gebracht.

„Es kann sich nicht jeder um das „große Ganze“ kümmern. (…) Doch wenn viele Menschen-Bienen sich um das Kleine und ihre Aufgaben kümmern, wird auch das „große Ganze“ gestaltet und ein gesundes Gemeinwohl entwickelt. In diesem Sinne war das Treffen der Nektar,
… den wir für den Winter, die Zukunft und unsere eigene Arbeit mit nach Hause nehmen durften.
… der uns nährt, verbindet, wärmt und Kräfte gibt.
… der hilft, den Boden bearbeiten zu können und Steine ins Rollen zu bringen.“
Barbara Leineweber & Steffi Herkenrath

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Über die Autorin:
Katrin Sonnleitner

Wesensgemäße Bienenhaltung

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+49 7428 945249-18

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