NBL-Blog

Biogas aus Wildpflanzenmischungen

Blühmischungen aus mehrjährigen heimischen Wildstauden zur Biogasgewinnung sind schon seit einigen Jahren Gegenstand der Forschung. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hat zu diesem Thema einen Kurzfilm produziert: „Landwildnis – Zeit, dass uns was blüht – Energie und Vielfalt aus Wildkräutern“ – ein Plädoyer für eine blütenreiche Alternative zu den Maismonokulturen.

Silomaisanbau schluckt die letzten Refugien

Der Film beklagt den fortschreitenden Verlust an Rückzugsorten für Wild, an Bruthabitaten für Vögel und Nahrungsquellen für Insekten in unserer heutigen Kulturlandschaft. Mit dem Erneuerbare Energien-Gesetz und dem von der Bundesregierung formulierten Ziel, bis 2020 ein Fünftel unseres Energiebedarfes aus regenerativen Quellen zu decken, ist paradoxerweise der Druck auf die naturnahen Restflächen in der freien Landschaft um ein Vielfaches angewachsen. Anstelle die Verwertung von organischen Reststoffen, wie beispielsweise die in der Landwirtschaft anfallenden Gülleüberschüsse zum Schwerpunkt zu machen, werden für die Energieerzeugung eigens neue Kulturen angelegt. Auf ehemaligen Stilllegungsflächen und auf Flächen, die zuvor der Produktion von Nahrungsmitteln gedient haben, schießen die Maisäcker aus dem Boden, befeuert durch enorme staatliche Subventionen. Bis zu 1000 € können pro Hektar fließen; eine Summe, die die Fördersätze für Agrarumweltmaßnahmen oder für den Ökolandbau bei Weitem übertrifft.

Eine ökologische Alternative zur „Vermaisung“

Die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie seien die besondere Stärke der Wildpflanzenmischungen gegenüber dem Silomais bei der Erzeugung von Biogas, so lobt der Film. Dass dabei natürlich auf der Seite der Ökonomie gewisse Abstriche gemacht werden müssten, werde durch einen verringerten Arbeitsaufwand, die Einsparung an Pflanzenschutz sowie durch einen wesentlich geringeren Düngebedarf kompensiert. Während der 5-jährigen Standzeit ist zudem eine permanente Bodendeckung gewährleistet und eine Bodenbearbeitung überflüssig. Dies wirkt sich positiv auf den Boden- und Grundwasserschutz sowie auf die Humusbilanz aus.
Der überwiegende Anteil spät blühender Arten in den Mischungen füllt die Versorgungslücke der Blütenbestäuber nachdem die Massentracht Raps und die Obstblüte vorüber ist. Durch die Bodenruhe können erdnistende Wildbienen sich hier fortpflanzen. Frühestens im Juli werden die Stauden geerntet und zu diesem Zeitpunkt haben die Wiesenbrüter für gewöhnlich ihr Brutgeschäft abgeschlossen.

Nur mehrjährige Blühstreifen sind noch besser

Noch fehlt die Erfahrung, ob die Biogas-Wildpflanzen-Mischungen über viele Jahre hinweg sowohl ökonomisch als auch ökologisch, die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können. Ein Nachteil dieser Biogasmischungen gegenüber den mehrjährigen Blühstreifen, welche in einigen Bundesländern im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden: im Hochsommer werden sie abgeschnitten. Zwar bleibt eine Stoppel von ca. 40 cm stehen, aber das Blütenangebot in der Agrarlandschaft erleidet ebenfalls einen plötzlichen und drastischen Einbruch. Mehrjährige Blühstreifen werden nicht geschnitten; außerdem enthalten sie Arten wie die Königskerze, deren markhaltige Stengel von bestimmten Wildbienen als Nistplatz genutzt werden. Sie sind also in jedem Fall die „Königsklasse“, will man die Ackerlandschaft ökologisch aufwerten.

Mehrjährige Blühstreifen sind die „Königsklasse“ um eine Ackerlandschaft ökologisch aufzuwerten.

 

Aktivitäten des NBL für eine blühende Kulturlandschaft

Das Netzwerk Blühende Landschaft verfolgt mit seinen Aktivitäten ebenfalls das Ziel, die Agrarlandschaft wieder „zur Blüte“ zu bringen. Es ist u.a. beteiligt am Netzwerk Protein Regional, welches die heimische Eiweißfuttermittelproduktion als Gegenentwurf zu den Sojaimporten vorantreiben und zugleich auch die Versorgung der Blütenbestäuber mit geeigneten Nutzpflanzen sicherstellen will. Für die Anlage von Blühflächen in Kulturlandschaft und Siedlungsraum vertreibt das NBL selbst ein- und mehrjährige Mischungen aus heimischem Wild- und Kulturpflanzensaatgut und steht für eine Beratung zur Verfügung. Inzwischen gibt es auf der Homepage wieder eine aktualisierte Übersicht der bestäuberfreundlichsten Agrarumweltmaßnahmen in den einzelnen Bundesländern für die Förderperiode 2014 – 2020. Dank dem regen Engagement von Regionalgruppen und der Vernetzung mit Partnerorganisationen hat das NBL einen bundesweiten Aktivitätsradius.

Über die Autorin
Autor Anna Kohnle

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