NBL-Blog

Farbenfrohe Blühflächen an exponierter Stelle wecken Interesse und wirken überzeugend. Foto: Markus Haseitl

Blühende Ideen erfolgreich umsetzen

Wer „blühende“ Ideen erfolgreich in der Fläche umsetzen möchte, ist immer wieder auf die Zusammenarbeit mit Flächenbesitzern oder -verwaltern wie Landwirten, Bürgermeistern, Naturschützern angewiesen. Nicht immer teilen die anderen unsere Sicht der Dinge und wir treffen mit unseren Anliegen bisweilen erst mal auf „verschlossene Türen“. Wie kann es gelingen, unser Gegenüber zu erreichen und für das blühende Vorhaben zu gewinnen?

Um die "Sicht von Landwirten" kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, ist es sehr aufschlussreich, auch einmal eine fachspezifische Veranstaltung - wie hier die Ökofeldtage - zu besuchen.Foto: Barbara Heydenreich Grundlage einer konstruktiven Zusammenarbeit ist eine gelingende Kommunikation mit einer wertschätzenden, vorurteilsfreien und interessierten Haltung meinem Gesprächspartner gegenüber. Dazu ist es u.a. wichtig, Verständnis für die „Sicht des Anderen“ aufzubringen. Was ist meinem Gegenüber besonders wichtig? Was macht ihn stolz auf seine Arbeit? Was macht ihm Sorgen? Mit welchen Sachzwängen sieht er sich konfrontiert? Offen für die Sichtweise des Anderen zu sein, heißt nicht unbedingt, seine Ansicht zu teilen. Es hilft aber, sich in den anderen hineinzuversetzen und es kann die eigene Haltung dem Gesprächspartner gegenüber positiv verändern.

Wie kommt man ins Gespräch?

Um Maßnahmen für mehr Blütenvielfalt auf die Fläche zu bringen, ist es einfacher, diejenigen Flächenbesitzer (Landwirte, Kirchen, Kommunen, Privatpersonen) anzusprechen, die schon von vorneherein eine gewisse Offenheit signalisieren oder zu denen man schon eine persönliche Beziehung hat (Bekanntenkreis o.ä.). Es ist hilfreich, Vertrauen durch eine gemeinsame Gesprächsebene aufzubauen. Im Gespräch eines Imkers und eines Landwirtes ist z.B. die gemeinsame Sorge um die Nahrungsversorgung des jeweiligen Nutztieres (Vieh und Honigbienen) eine gemeinsame Gesprächsebene. Wohlwollendes Zuhören, die eigene Sichtweise mit Bedacht äußern, nicht pauschalisieren und die Schwierigkeiten und Probleme des anderen anerkennen, sind weitere Bausteine für ein gelingendes Miteinander bei der gemeinsamen Gestaltung von blühender Landschaft.

Gemeinsames Projekt

Dem Prozess des „Warmwerdens“ sollte man ausreichend Zeit geben. Menschen ändern ihre Ansichten oft erst über längere Zeiträume hinweg. Eine gemeinsame Aktion durchzuführen, kann hier sehr hilfreich sein. Zum Start ist es empfehlenswert nur eine überschaubare Sache vorzuschlagen, z.B. das Anlegen einer kleinen Blühfläche auf einem ungenutzten Reststück Land. Motivierend ist es für den Flächenbesitzer wenn der “Blühaktivist“ auch seine Eigenleistung anbietet (Kauf des Saatgutes, Hilfe bei der Pflege, Öffentlichkeitsarbeit).
Fachliche Begleitung an Ort und Stelle fördert das Verständnis. Hier wird dem Bauhofleiter direkt am blühenden Straßenrand der Nutzen des Blütenangebots aufgezeigt und mit ihm eine streifenweise Mahd des Straßenrands vereinbart.Foto: Hans Wilms Gut kommt es an, die Ideen und das Fachwissen des anderen einzubeziehen. Die Umsetzung der Maßnahme mit konkreten Arbeitsschritten verbindlich zu vereinbaren, ist ebenso vertrauensbildend, wie den Flächenbesitzer bei der Umsetzung zu begleiten (z.B. bei den praktischen Feldarbeiten). Die gemeinsame Aktion sollte unbedingt in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Wichtig ist auch den Kontakt zu den Beteiligten zu pflegen. Imker haben es dabei leicht, sie können den schmackhaften Honig ihrer Bienen verschenken. Auch eine positive Rückmeldung zu umgesetzten Maßnahmen (z.B. ein Bedankungsschreiben an einen Landwirt, der Blühflächen angelegt hat) kommt in der Regel gut an.
Diese erste gemeinsame Aktion sollte nicht vorrangig ergebnisorientiert sein, sondern dient dazu, die Kooperation mit dem Flächenbesitzer überhaupt erst einmal zu initialisieren. Darauf kann man dann mit weiteren Projekten aufbauen.

Wie erreicht man kommunale Entscheidungsträger?

Im Umgang mit kommunalen Flächenbesitzern gibt es noch einige zusätzliche Aspekte, die hilfreich sein können:
Der Wunsch nach mehr Blütenvielfalt im Ort sollte am besten aus der Bevölkerung kommen. Je mehr Ortsgruppierungen sich dabei zusammentun, desto mehr Gewicht hat das Anliegen und der öffentliche Druck steigt. Ein guter Strategieplan kann Entscheidungsträgern eine Zustimmung erleichtern: Wo setzt man an? Welche Unterstützer können einbezogen werden z.B. Kirche, Vereine, Firmen…, Welche örtlichen Fachleute sollten einbezogen werden? Wo gibt es noch fachliche Hilfestellung? Gibt es Schulungen (z.B. für Bauhofleiter und Mitarbeiter)? Welche Kosten entstehen? Gibt es finanzielle Förderprogramme? Wer kann als Sponsor gewonnen werden?
Führung mit dem Stadtgärtner: Exkursionen zu gelungenen Beispielen dienen zum Erfahrungsaustauschen und helfen, Vorbehalte abzubauen.Foto: Barbara Heydenreich Wichtig ist, den Nutzen einer Maßnahme für die Kommune herauszustellen; das kann z.B. ein freundlicheres Erscheinungsbild der Kommune sein, das einen Mehrwert für den Tourismus bringt oder den Erholungswert der Bürger und das Potential zu Naturerfahrung vor der Haustüre verbessert. Auch Kosteneinsparungen durch Pflegeextensivierung und Pflegeoptimierung im öffentlichen Grün kann in Zeiten knapper Haushaltskassen ein wirksames Argument sein. Überzeugend wirkt oft eine Besichtigung eines gelungenen Umsetzungsbeispiels in einer anderen Kommune ähnlicher Größe, am besten zur schönsten Blütezeit. Im persönlichen Gespräch mit Verantwortlichen der Vorzeigekommunen können Fragen beantwortet, Ängste und Vorbehalte beseitigt und Erfahrungswerte ausgetauscht werden. Manchmal spornt ein gutes Beispiel in der Nachbargemeinde besonders zur Nachahmung an! Auch ein einführender Vortrag mit Hintergründen und positiven Umsetzungsbeispielen kann Entscheidungsträger begeistern und motivieren. Vielleicht braucht es auch erst eine privat angelegte kleine Musterfläche im Ort an exponierter Stelle, die mit gutem fachlichem Knowhow angelegt und besonderer Sorgfalt gepflegt wird, um Flächenbesitzer und Entscheidungsträger für die Umsetzung von mehr Blütenvielfalt zu gewinnen und „Türen“ zu öffnen.

Der Originalartikel erschien in bienen & natur 12/2017.

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Autor Barbara Heydenreich
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