NBL-Blog

Blühfläche mit Mohnblumen. Foto: R. Schreck

Blühfläche ist nicht gleich Blühfläche

Biene, Hummel, Schmetterlingen & Co. geht es schlecht in deutschen Landen. Dank des erfolgreichen Volksbegehren “Rettet die Bienen” in Bayerm hört und liest man davon in den letzten Wochen vielerorts. Viele Landwirte und Verbände wollen nun mit privaten Patenschaften Blühflächen anlegen. Auch das Netzwerk Blühende Landschaft legt im Rahmen seines Projekts BienenBlütenReich zusammen mit Landwirten, Gemeinden, Vereinen und Initiativen Blühflächen an – und das bereits im 4. Jahr. Jedoch unterscheiden sich Blühflächen voneinander und nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht.

Auswahl des Saatguts

Nicht jedes Saatgut keimt an jedem Standort. Wir legen großen Wert auf die passende Auswahl der Pflanzen. Wir verwenden nach Möglichkeit regionales Saatgut, denn die Bodenverhältnisse in Deutschland unterscheiden sich erheblich. Im norddeutschen Tiefland müssen die Pflanzen auf kargen, sandigen Böden klarkommen, während auf der Schwäbischen Alb eher lehmiger Untergrund vorzufinden ist. Regionale Pflanzen haben sich im Laufe der Zeit perfekt an die regionaltypischen Umweltbedingungen angepasst. Zudem fördert Regiosaatgut die genetische Vielfalt und den Erhalt des natürlichen Artenspektrums.
Wichtig ist auch, dass die Saatgutmischung mehrjährig ist und einen hohen Anteil Wildpflanzen enthält. Diese sind für Wildbienen von hoher Bedeutung. Viele der kleinen Insekten sind Feinschmecker, die nur wenige Pflanzenarten besuchen und auf deren Vorkommen angewiesen sind, um ihre Nachkommen zu versorgen. Einjährige Mischungen bestehen überwiegend aus Kulturpflanzen und bieten Gourmets wie Wildbienen kaum Nahrung, dort tummeln sich hauptsächlich Honigbienen und Hummeln. Ein weitere Vorteil von mehrjährigen Blühflächen ist, dass sie neben Nahrung auch einen Lebensraum im Winter bieten. Der ökologische Nutzen ist damit höher.

Beratung für Landwirte

Gemeinsam mit Landwirten vor Ort werden Blühflächen für #BieneMenschNatur angelegt.Foto: K. Euringer Viele Landwirte wollen etwas für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co bewegen und stehen damit vor grundlegenden Fragestellungen. Wie passt eine Blühfläche in meinen landwirtschaftlichen Betrieb? Gerade mehrjährige Blühflächen sind auf landwirtschaftlichen Flächen nicht immer leicht zu etablieren. Problemunkräuter und Schwierigkeiten bei der Ansaat können hier schnell für Frustration sorgen. Da braucht es vor allem Erfahrung mit den Flächen und den Mischungen. Wie muss ich meine Flächen bearbeiten, um die Ansaat gut vorzubereiten? Welche Mischung passt zu welchem Standort? Auch die Möglichkeit Blühmischungen in die Fruchtfolge zu integrieren oder bunte Streifen oder Rahmen um Ackerflächen anzulegen werden ausprobiert. Diesen Weg begleiten wir im BienenBlütenReich und versuchen mit unserer Beratung die größten Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Denn nur dann blüht es bunt und vielfältig in unserer Landschaft. Auch das Saatgut wird von uns gestellt. Selbst wenn die Landwirte den einfachen Einstieg wählen und sich für einjährige Blühmischungen entscheiden, die aus Insektensicht nicht die erste Wahl darstellen, verändert sich etwas in der Landschaft – und in den Köpfen. Das Verständnis wächst und damit meist auch der Wunsch es doch auch mit Wildblumenmischungen auf der eigenen Fläche zu versuchen.

Blühflächen zum Nachmachen

Die im “BienenBlütenReich” angelegten Flächen haben eine große Ausstrahlungswirkung und sensibilisieren für das Thema. An jeder Fläche gibt es jährlich Führungen, wo Interessierte alles Wissenswerte zu blühenden Wildpflanzen und über deren Blütenbesucher lernen und diese auch live erleben. 2018 haben sich mehr als 9.000 Menschen Inspiration und Wissen für eigene Blühprojekte bei unseren Führungen geholt.

Blühpaten machen’s möglich

Finanziert wird unser “BienenBlütenreich” durch Blühpatenschaften. Menschen, die selbst keine Zeit oder Flächen haben ist es so möglich, sich trotzdem zu engagieren. Jeder Cent, der über die Saatgutfinanzierung hinaus geht, geht in die Beratung der Landwirte, in die Verbreitung des Wissens und des öffentlichen Bewusstseins sowie in die weiteren gemeinnützigen Tätigkeiten wie in das Erstellen von Handlungsempfehlungen.
Natürlich streben wir nicht an, dass private Bürger dauerhaft die Finanzierung der Artenvielfalt übernehmen. Es geht darum, über die Blühpatenschaften das Thema voranzubringen und praktisch aufzuzeigen, wie eine flächendeckende Lösung aussehen kann. Langfristig muss die Förderstruktur so geändert werden, dass Insektenschutz und Biodiversitätsmaßnahmen zum Standard werden. Darauf arbeiten wir mit den beispielgebenden Flächen im BienenBlütenReich hin.

Dieses Jahr lassen wir deutschland über 200 Hektar erblühen.
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