Herbstanemone
Zweig

So sollte es aussehen: Blütenpracht rund ums Jahr

In deinem Garten sollte es nicht nur zu einer bestimmten Jahreszeit, sondern das ganze Jahr über blühen. So kannst du das erreichen.

Do 28. November 2024 von Gastautor*in BieneMenschNatur.48, Bienenkunde
Eine blühende Oase. (Foto: Nick Leukhardt)
Eine blühende Oase. (Foto: Nick Leukhardt)

Unabhängig ob private, öffentliche oder gewerbliche Grundstücke naturnah gestaltet werden, die Mittel sind immer die gleichen. Es handelt sich um bewährte Strukturen und Pflanzen-Elemente, auf die wir uns wieder zurückbesinnen sollten. Blumen, Sträucher, Bäume, berankte Zäune, Fassaden und Mauern, begrünte Dächer, Trockenmauern, Wasserstellen, Stein- und Sandhaufen können dazu dienen, verlorene Landschaftsstrukturen zurückzugewinnen und Biodiversität zu fördern. Ein Blütenteppich von Frühjahr bis in den späten Herbst hinein schafft Wohlbefinden für Mensch und Tier, denn mit schönster Farbenpracht geht gleichzeitig ein reiches Angebot an Nektar, Pollen, Samen und Früchten einher.

… es blüht zu Jahresbeginn

Mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen zu Jahresbeginn strecken die zeitigen Frühjahrsblüher ihre bunten Köpfe durch den Schnee, gefolgt von den frühblühenden und besonders wertvollen Gehölzen. Das ist die Zeit, wenn sich die frühen Hummelköniginnen die erste, lebenswichtige Nahrung suchen, um einen neuen Staat zu gründen. Denn bei Hummeln überleben nur die zukünftigen Königinnen den Winter.

Nun kommt es darauf an, dass sie in kurzer Entfernung schnell Nahrung finden, denn ihr Energiespeicher muss nach dem Winter erst wieder gefüllt werden. Wenn es noch wärmer wird, fliegen die ersten Wildbienen wie die Gehörnte Mauerbiene aus. An warmen Tagen mit Temperaturen um 10 Grad verlassen auch die Honigbienen ihren Stock und gehen auf Nahrungssuche, um die Pollennahrung für das bald einsetzende, gigantische Wachstum der Bienenvölker zu sammeln.

… es blüht im Frühjahr

Je wärmer es wird im Frühling, desto mehr Insektenarten erwachen oder schlüpfen und begeben sich auf die Suche nach Nahrung. Wir können nun Sandbienen, Pelzbienen, Furchenbienen und viele mehr beobachten. Im März und April bieten die heimischen Sträucher, Kräuter, Stauden und Zwiebelgewächse bereits einen reich gedeckten Tisch. Kornelkirschen, Schlehdorn und Weiden tragen reichlich Futter, dazu gesellen sich Kuhschellen, Lerchensporn, Märzveilchen, Wiesen-Schaumkraut, Beinwell, Löwenzahn, Gänseblümchen, Schlüsselblumen und viele mehr. Staatenbildende Insekten haben sich bereits beachtlich vermehrt und auch bei allen anderen Tieren füllen sich die Kinderstuben.

Nahrung wird dringend gebraucht. Angeführt von der Obstblüte wie Kirsche, Apfel und Ahorn verwandelt sich unsere Umgebung in ein reiches Blütenmeer. Es folgen Weißdorn, Holunder, Vogel-Kirsche und Raps. Kein Wunder, dass auch bei uns Menschen die Frühlingsgefühle auf Hochtouren laufen.

Doch das Leben in Hülle und Fülle – wenn die oben beschriebene „heile Welt“ vorher überhaupt vorhanden ist – nimmt ein abruptes Ende, wenn die Blütenpracht von Raps, Bäumen und Sträuchern versiegt. Dann sollten Wiesen- und Saumblumen sowie sämtliche Kräuter den Fortbestand der Nahrungskette für die Insekten sichern.

Allerdings ist das auch der Zeitpunkt, an dem die meisten Wiesen gemäht, „Unkräuter“ gezupft und Blumentröge mit wertlosen „Dekopflanzen“ befüllt werden. Vielerorts gibt es die natürlichen Pflanzengemeinschaften gar nicht mehr, da viele (Vor-) Gartenflächen versiegelt oder mit pflanzenlosem Schotter gestaltet wurden. An diesen Stellen fehlt es am lebensnotwendigen Blühangebot. Gerade dann, wenn die Insektenpopulationen nach dem großen Blühen im Frühjahr besonders hoch sind, fehlen die Nahrungsquellen, was einen massiven Rückgang der Arten zur Folge hat.

… es blüht im Sommer

Mit Bedacht können diese Trachtlücken jedoch geschlossen werden. Im bienenfreundlichen Garten bleibt das Angebot auch über den Sommer hin bestehen. Blühender Rasen, Staudenbeete, Blumentöpfe, Straßensäume, Dach- und Fassadenbegrünung sorgen für reichlich Nahrung, vorausgesetzt sie wurden züchterisch nicht stark verändert und auch nicht mit Giften behandelt. Denn die sogenannten „Pflanzenschutzmittel“ werden von den Insekten meist mit aufgenommen und führen schlimmstenfalls zu ihrem Tod.

Das Angebot an nektarreichen Pflanzen sollte so abgestimmt sein, dass bis in den Herbst hinein immer etwas blüht. Den großen Auftritt hat im Spätsommer der blühende Efeu, von dem sich die Efeu-Seidenbiene nährt, sowie viele Arten von Schwebfliegen, Wespen, Fliegen, Schmetterlingen und Bienen. Fetthenne, Aster, Weidenröschen, Salbei, Löwenmäulchen, Rainfarn blühen im Spätsommer. Langblühende Arten wie Flockenblumen und Schafgarbe ergänzen die wenigen heimischen Spätblüher und erfreuen den Gartengenießer ebenso wie die Wildbienen und Falter. Und wo sich Schmetterlingsraupen und Käfer tummeln, da sind auch die Gartenvögel nicht fern, die im Frühsommer ihre Jungen mit Insekten füttern.

… es blüht im Herbst

Das Lebensjahr der Insekten neigt sich langsam dem Ende zu, die Insekten bereiten sich auf unterschiedliche Weise auf den Winter oder die nächste Generation vor. Die Honigbienen sind die einzigen, die den Winter wach in ihrem Volk verbringen. Die Bienen fressen sich ein Protein-Fettpolster an und brauchen dafür keine künstliche, monotone Massentracht wie aus Phacelia-Feldern, sondern vielmehr eine abwechslungsreiche Kost aus verschiedensten Pflanzenpollen, um den Winter gesund und gut genährt zu überstehen.
Einige Wildbienen legen ihre Eier in die Stängel strukturstarker Stauden ab, aus denen im nächsten Frühjahr die Nachkommen schlüpfen, wenn die Stängel über den Winter stehen bleiben. Der naturnahe Garten bietet für den Winter jede Menge Winterquartiere.

aus: Handbuch Wege zu einer blühenden Landschaft


Biene sitzend auf Blüte
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