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Oliver Hoffmann/shutterstock

Bunte Balkonbepflanzung für blütenbesuchende Insekten

Für Bienen, Hummeln und Co werden Städte immer mehr Zufluchtsort. Deshalb können wir bei richtiger Bepflanzung von Balkonen, Dachterrassen oder sogar Fensterbänken diesen ein neues zu Hause bieten und uns selbst damit einen zusätzlichen Erlebniswert bereiten.

Bunte Balkonbepflanzungen erfreuen im Sommer unser Auge. Auch Insekten werden von der Farbenpracht angelockt, doch leider meist umsonst. Denn gerade die am häufigsten verwendeten Balkonpflanzen wie Geranien oder Petunien sind für Bienen ungeeignet, da deren Blüten kaum Nektar oder Pollen bieten. Doch es gibt genügend für uns attraktive Pflanzen, welche zugleich den Insekten nutzen. Je mehr heimische wir dabei verwenden, desto besser ist es. Denn diese werden ganz besonders von unseren Wildinsekten beflogen. Und es gibt noch eine weitere allgemeine Regel: keine gefüllten Blüten verwenden, da deren Staubblätter zu Blütenblätter züchterisch umgewandelt wurden und somit keine Pollen mehr vorhanden sind. Und was für den Garten gilt, sollte man bei einer Balkonbepflanzung auch versuchen: Blühangebote vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst.

Pflanzgefäße, Substrate und Pflege

Bevor man jedoch mit der Bepflanzung beginnt, ist zunächst die Art der Gefäße zu klären. Da gibt es pragmatische Überlegungen wie Gewicht, doch für Pflanzen ist das Material wenig entscheidend. Wichtiger dagegen ist die Größe: je höher das Volumen, desto besser für Wurzelwachstum und Nährstoffversorgung. Beim Substrat und Pflege muss man arttypisch differenzieren und auf die jeweiligen Vorlieben der Pflanzen eingehen. Grob gesagt: Kräuter und Sonnenkinder wollen durchlässige Böden, dürfen nicht gedüngt werden und müssen kaum gegossen werden; Prachtstauden und Wechselflor wollen genau das Gegenteil: gute Balkonerde (ohne Torf), Flüssigdüngergaben und eine ausgewogene Wasserzufuhr. Bei allen muss man darauf achten, daß keine Staunässe entsteht. Am Ende der Vegetationszeit sollten alle Pflanzenteile stehengelassen werden, da die hohlen Stängel als Überwinterungsplatz für Insekten und deren Larven dienen; erst im Frühling entfernen.

Pflanzen für sonnige Balkone

Ein blühender Balkonkasten für Bienen und Menschen. Stark sonnige Balkone sind prädestiniert für wärmeliebende Kräuter wie Echter Salbei, Thymian, Bohnenkraut oder dem Wilden Majoran. Diese Lippenblütler sind wahre Insektenmagneten. Daß sie zudem auch zu unseren liebsten Küchenkräutern gehören, ist ein schöner Nebeneffekt. Wichtig für diese Pflanzen ist aber nicht nur ihr sonniger Standort, sondern, da sie Hungerkünstler sind, ein ganz besonders mageres Substrat im Pflanzgefäß. Dazu eignet sich normale Gartenerde mit viel Kies und Sand durchmischt.
Wer auf einen bunten Balkon mit traditioneller Bepflanzung nicht verzichten möchte, für den gibt es auch insektenfreundlichen Wechselflor. Im roten Farbspektrum finden sich nicht allzu viele Blumen, welche von Insekten gerne besucht werden. Herauszustellen wären hier vor allem ungefüllt blühende Dahlien (kompakte Sorten) oder Zinnien. Schön in Ergänzung dazu und überhängend ist die Australische Fächerblume oder das Männertreu. Nur die weißen oder blauen Varianten dieser beiden Einjährigen sind Bienenweiden. Gelbe oder orange blühende Balkonpflanzen sind das Mädchenauge oder der Goldzweizahn, ein Tummelplatz für Honig- und Wildbienen. All diese Sommerblumen benötigen gute Balkonerde und regelmäßige Düngerabgaben.
Möchte man langfristig der Insektenwelt etwas Gutes tun und zudem mit weniger Arbeit auskommen, lohnt es sich, seine Balkonbepflanzung komplett auf mehrjährige Stauden umzustellen. Dabei fällt die erste Wahl auf heimische Wildstauden wie die Pfingst-Nelke, Polster-Seifenkraut, Knäuel-Glockenblume, Färberkamille oder die edle Solitärstaude Diptam. Zudem gibt es noch eine Anzahl an nichtheimischen Präriestauden, welche gute Nektargeber sind und in Kübeln funktionieren, wie der Rote Sonnenhut, welcher passender Weise erst im späten Sommer blüht. Im Herbst entfalten die für Insekten so wichtigen Spätblüher wie Astern oder auch die genügsamen Fetthennen ihre Blüten. Der Boden sollte eher mager sein und durchlässig. Übrigens kommen diese Stauden mit wenig Wasser aus, was den Pflegaufwand zusätzlich reduziert.

Alternative zur Geranie: die FächerblumeFoto: M. Matejek

Pflanzen für absonnige Balkone

Auf Balkonen mit wenig Sonne eignen sich heimische Halbschattenpflanzen. Damit deren Blüten auch von Insekten entdeckt werden, haben einige besondere Strategien entwickelt: entweder sie duften, wie die nektarreiche Nachtviole. Oder sie blühen sehr hell, wie die Große Sternmiere, welche einen überhängenden Wuchs hat, was in Töpfen besonders hübsch ist. Ebenfalls hängend ist das zarte Zimbelkraut, ein genügsamer Allrounder. Alle drei Stauden benötigen einen humosen, organischen Boden und dürfen nicht austrocknen.

Frühjahrsboten in der Stadt

Im zeigen Frühjahr, wenn unsere Insektenwelt sich nach dem Winter stärken muss, sind die Frühlingsblüher für sie ein wichtiger Start ins Jahr. Im Herbst als Zwiebeln in mit Sand-Kompost-Gemisch verfüllte Töpfe gepflanzt, bringen sie die ersten Farbtupfer auf den Balkon. Gut topfverträgliche Zwiebeln sind vor allem Narzissen, Krokusse oder Traubenhyazinthen. Später blühen Zierlaucharten, aber auch der Schnittlauch, beides hervorragende Bienenweiden.

Kleinster Raum, maximal genutzt – vertical gardening

Je kleiner eine Fläche ist, desto mehr sollte man die Vertikale mit Kletterpflanzen einbeziehen. Beginnen kann man so ein Experiment mit einjährigen Kletterern. Schön anzusehen sind hier Duftwicke oder Kapuzinerkresse. Ein ganz besonderer Leckerbissen für Bienchen sind die Blüten der Stangenbohnen, welche wir als Gemüse nach erfolgreicher Bestäubung später ernten können. Alle drei benötigen nähstoffreiche Komposterde. Als langfristige Lösung sind Efeu und der Wilde Wein zu nennen, welche wichtige Spätblüher für Honig- und Wildbienen sind. Ein besonders farbenprächtiger, unkomplizierter Blüher ist die heimische Stauden-Wicke.

Die besten insektenfreundlichen Wildpflanzen für den Balkon

Name Botanische Bezeichnung Blütezeit Standort
Löwenmäulchen Antirrhium majus VI-X sonnig, durchlässig, humos
Wilde Ringelblume Calendula arvensis VI-X sonnig, durchlässig, humos
Wald-Vergissmeinnicht Myosotis sylvatica III-VI sonnig-halbschattig, humos
Nelkenleimkraut Silene armeria VI-IX sonnig, kiesig, durchlässig
Hornveilchen Viola cornuta VI-VIII sonnig-halbschattig, humos
Alpensteinquendel Acinos alpinus V-IX sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Kriechende Günsel Ajuga reptans V-IX sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Ochsenzunge Anchusa officinalis VI-IX sonnig, kiesig, durchlässig
Bergaster Aster amellus VIII-X sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia VI-X sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Karthäusernelke Dianthus carthusianorum V-IX sonnig, durchlässig, kiesig
Gelbes Sonnenröschen Helianthemum nummularium IV-IX sonnig, durchlässig
Schmalblättriger Alant Inula ensifloia VII-VIII sonnig-halbschattig, durchlässig
Echter Lavendel Lavendula angustifolia VII-VIII sonnig, kiesig, durchlässig
Katzenminze Nepeta fassenii V-IX sonnig-halbschattig, durchlässig
Wiesenschlüsselblume Primula veris III-V sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Große Brunelle Prunella grandiflora VI-VIII sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Echte Küchenschelle Pulsatilla vulgaris II-IV sonnig, kiesig, durchlässig
Steppensalbei Salvia nemerosa V-IX sonnig, durchlässig
Heilziest stachys officinalis VI-VIII sonnig-halbschattig, durchlässig, humos
Frühlingsthymian Thymus praecox V-VII sonnig, kiesig, durchlässig

Dipl.-Ing. Simone Kern

Der Originalartikel erschien in bienen & natur 04/2018 erschienen

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