NBL-Blog

Massives Insektensterben in den letzten 30 Jahren – wir müssen etwas tun!

Wann haben Sie das letzte Mal innerhalb von 5 Minuten 10 oder mehr verschiedene Schmetterlinge gesehen? Wann haben Sie das letzte Mal ihre Autofrontscheibe von toten Insekten gereinigt? Die beiden Fragen scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Die erste Frage richtet sich an mehr oder minder aktive Naturbeobachter, die zweite behandelt ein Ärgernis für den modernen maschinell gut ausgestatteten Menschen. Und doch stehen beide Fragen für das gleiche, überall in Mitteleuropa zu beobachtende Phänomen – den dramatischen Rückgang von Insekten und den von ihnen bestäubten Pflanzen!

Warum sollte uns das interessieren?

Kleiner Perlmutterfalter Issoria lathonia am Oregano, Grävenwiesbach In den letzten Jahren werden Warnungen und Hinweise wissenschaftlicher Studien und politischer Stellungnahmen von Naturschutz-Verbänden und Behörden fast im Monatstakt veröffentlicht. Es lässt sich eine gerade Linie der Warnungen erkennen von der

Hier schließt sich der Kreis zu den „10 Schmetterlingen“ und der Autoscheibe!

Schwebfliege auf LöwenzahnFoto: Holger Loritz Die Folgen des „Insektensterbens“ treffen direkt uns Menschen ebenso wie andere Tiergruppen, z.B. die Singvögel. Der kürzlich im Auftrag der UNO veröffentlichte Bericht des „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) spricht davon, dass bei fortschreitendem negativem Trend ein Großteil der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung in Existenznöte geraten könnte, da 75% der weltweiten Nutzfrüchte zumindest in Teilen auf die Fremdbestäubung durch Tiere angewiesen sind (siehe Uno-Bericht: Nahrungsmittelsicherheit global gefährdet!).

Die Auswirkungen des „Insektensterbens“ auf die allgemeine Biodiversität sind u.a. im jährlich erscheinenden Bericht Vögel in Deutschland nachzulesen. Im Februar 2016 erläuterte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, in einer Pressemitteilung zum aktuellen Bericht 2014:

„Die Arten der Agrarlandschaft bleiben weiterhin unsere Sorgenkinder. Rund die Hälfte der Vogelarten unserer Felder und Wiesen nehmen im Bestand ab. Besonders betroffen sind die am Boden brütenden Arten und solche, die sich von Kleininsekten ernähren…“.

…von Kleininsekten, wie z.B. den Blütenbestäubern Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlingen! Der von Rachel Carson 1962 beschriebene „stumme Frühling“ (Silent Spring) ist in manchen Landesteilen bereits Realität – Feldlerchen beispielsweise brüten dort nicht mehr! Als Ursachen werden immer wieder die Intensivierung der Landwirtschaft, die Monotonie der Nutzkulturen und –strukturen sowie übermäßige und neuartige Pestizid- und Nährstoffausbringung angeführt.

Zeichen der Zeit bereits vor 13 Jahren erkannt

Geradezu hellseherisch erscheint aus heutiger Sicht die Gründung des Netzwerk Blühende Landschaft im Jahr 2003. Denn wie wir inzwischen sehen, sind nicht nur die Spezialisten unter den Blüten bestäubenden Insekten von der Verarmung der Landschaft betroffen, sondern auch in zunehmenden Maße die (früher) häufigen Allerwelts-Arten. Auch die Schwierigkeiten der Imkerei bei der halbwilden Honigbiene zeigen dies überdeutlich. Damit gerät zunehmend die generelle Bestäubung der Vegetation – auch unserer Nahrungspflanzen – in Gefahr!

Geradezu hellseherisch erscheint aus heutiger Sicht die Gründung des “Netzwerk Blühende Landschaft”


Das Netzwerk Blühende Landschaft steht dafür, nicht auch noch die letzten 20% der bestäubenden Insekten und die Artenvielfalt in Feld und Flur zu verlieren. Wir treten dafür ein unsere Landschaft wieder lebenswert für Biene, Mensch, Natur neu zu gestalten. Dazu brauchen wir

Über den Autor
Autor Holger Loritz

Leiter Netzwerk Blühende Landschaft

"Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Winde geweht,..." (Hermann Hesse)

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