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Start der bundesweiten Klimagärtner-Workshops von „KohleBunt“

Unter dem Namen “KohleBunt” setzen sich mehrere Initiativen für eine breite Palette an Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzenkohle ein. Mit dabei: das Netzwerk Blühende Landschaft.

Do 28. November 2024 von Marie Holler, Gastautor*in BieneMenschNatur.48, Hypes&Hoffnungen, Veranstaltung
Aus allerhand Pflanzenresten entsteht im so genannten  Kon-Tiki Pflanzenkohle. (Foto: Sabrina von der Heide)
Aus allerhand Pflanzenresten entsteht im so genannten Kon-Tiki Pflanzenkohle. (Foto: Sabrina von der Heide)

Ende März dieses Jahr starteten die ersten Klimagärtnerworkshops im Projekt „KohleBunt“. Der erste Workshop fand in der Kleingartenanlage Märchenland e. V. in Berlin-Weißensee statt. Tomas Kilousek von der Deutschen Schreberjugend e. V. erklärte den rund zehn Teilnehmenden das Prinzip der Pyrolyse und woher der Begriff „Terra Preta“ (schwarze Erde) ursprünglich stammt.

Terra Preta ist eine besonders fruchtbare Erde und in Teilen des Amazonasgebietes entdeckt worden. Sie enthält besonders viel Kohlenstoff und Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Mit ihrer hohen Nährstoffspeicherkapazität unterscheidet sie sich deutlich von den Böden, die sonst in den feuchten Tropen vorkommen. Die Terra Preta ist bereits vor mehr als 500 Jahren durch menschliche Bewirtschaftung entstanden. Pflanzenkohle ist ein Teil dieser fruchtbaren Erde und wesentlich für die hohe Stabilität und langanhaltende Fruchtbarkeit verantwortlich.

Im Praxisteil stellten die Teilnehmenden Pflanzenkohle für ihren eigenen Garten her, indem sie in einem speziell geformten Ofen – dem so genannten Pyrolyseofen (Kon-Tiki) – Ast- und Strauchschnitt „verkohlten“ (pyrolysierten). Bei der Herstellung müssen einige Grundprinzipien beachtet werden, die für einen sauberen Pyrolyseprozess und eine einwandfreie Pflanzenkohle entscheidend sind.

Pflanzenkohle und ihre Rolle beim Klimagärtnern

Pflanzenkohle entsteht durch die Erhitzung von Biomasse unter nahezu vollständigem Ausschluss von Sauerstoff. Bei Temperaturen bis 100 Grad Celsius verdampft zuerst das Wasser aus dem Holz. Bei 100 bis 300 Grad entweichen dann die im Holz gebundenen Gase. Diese sind besonders gut brennbar und sorgen für die Flamme über dem Pyrolyseofen.

Eine Tonne Pflanzenkohle bindet zwischen zwei und drei Tonnen CO2 langfristig und verwandelt Böden so von einer Kohlenstoffquelle in eine Kohlenstoffsenke.

Auch die Theorie kommt bei den Workshops nicht zu kurz.  (Foto: Dr. Linda Trein) Auch die Theorie kommt bei den Workshops nicht zu kurz. (Foto: Dr. Linda Trein)

Im Gegensatz zur Holzkohleherstellung kommen bei der Pyrolyse nicht nur Hölzer zum Einsatz, sondern alle möglichen Biomassen. Diese fallen meist als Abfall an und sollten nicht extra dafür produziert werden. Das können unbehandeltes Holz oder Stroh sein, aber auch Schnittreste und auch die Schalen von Nüssen. Ein weiterer Unterschied zur Holzkohle ist, dass Pflanzenkohle durch ihre hohe innere Oberfläche (hohes Porenvolumen) als Nährstoffträgermaterial und damit Bodenaufwerter eingesetzt werden kann und gleichzeitig sehr stabil ist. Pflanzenkohle bleibt über 1.000 Jahre im Boden aktiv und eignet sich hervorragend zum Gärtnern.

Wir als Netzwerk Blühende Landschaft sind davon überzeugt, dass ein gesunder Boden auch eine gesunde Blütenpflanzenvielfalt mit sich bringt. Und diese wiederum kommt Biene, Mensch und Natur zugute. Durch den mit Pflanzenkohle erhöhten Wasser- und Nährstoffspeicher im Boden können die Pflanzen auch in niederschlagsarmen Zeiten noch Nektar produzieren, bekommen alle lebensnotwendigen Stoffe pflanzenverfügbar dargeboten und sind damit z. B. weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Pflanzenkohle als Bodenaufwerter und Kompostzusatz

Da reine Pflanzenkohle keine Nährstoffe enthält, sondern hauptsächlich fest gebundenen Kohlenstoff, muss sie vor Verwendung bzw. Einarbeitung in den Boden erst mit Nährstoffen „aufgeladen“ werden, indem sie dem Kompost beigemischt wird. Das hat zusätzliche Vorteile bei der Kompostierung, weil die beigemischte Pflanzenkohle die Dichte im Kompost verringert und so den Kompost belüftet.

Treibhausgase, die ganz natürlich durch die Kompostierung entstehen, werden durch die Pflanzenkohle gebunden. Gleichzeitig wird die Auswaschung von Nährstoffen aus dem Kompost in den Boden verringert, da diese ebenfalls von der Pflanzenkohle gebunden werden. Als Endprodukt entsteht ein hervorragender Pflanzenkohlekompost, der für ein verbessertes Pflanzenwachstum sorgt.

Verbindung von Klimawandel, Biodiversität und nachhaltigem Gärtnern

Neben der Bedeutung von Pflanzenkohle, die Herstellung von Terra Preta und ihre Anwendung im Garten ist auch der Zusammenhang von Klimawandel und Biodiversität ein wichtiges Thema der Klimagärtnerworkshops. Die Workshops sind als Tages- und Wochenendveranstaltungen organisiert und richten sich an (Klein-)Gärtner*innen, Naturbegeisterte, Klimaaktivist*innen und andere Interessierte, die eventuell sogar selbst als Referierende in dem Bereich aktiv werden wollen und so als Multiplikatoren wirken.

Weitere Informationen zu den Workshopterminen sowie Pflanzenkohleprojekten im Netzwerk gibt es hier.

KohleBunt

Der KohleBunt macht sich stark für eine bunte Palette an Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzenkohle – für Klima- und Biodiversitätsschutz vom eigenen Blüten-Gemüsebeet bis hin zur zirpenden Blumenwiese (www.kohlebunt.de).

Dank der Förderung „TransformD“ – Themenschwerpunkt Klimawandel der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt – ist es uns möglich, die Klimagärtnerworkshops 2025 bundesweit als Projekt durchzuführen.

Angeboten werden die Workshops an unterschiedlichen Standorten in Deutschland über einen partnerschaftlichen Zusammenschluss – genannt „KohleBunt“. Zentraler Projektpartner ist neben unserem Netzwerk Blühende Landschaft der Deutsche Schreberjugend Bundesverband e. V., welcher als Verband für zukunftsorientierte, junge Menschen fungiert und in 10 Landesverbänden und zahlreichen Ortsgruppen in ganz Deutschland organisiert ist.

Es finden neben Berlin, am Hauptsitz des Vereins, sowie u.a. im Ruhrgebiet dieses Jahr mehrere Klimagärtnerworkshops statt, durchgeführt durch Organisationen wie die NABU Ortsverbände Oberhausen und Bottrop, die Hochschule Bochum, das Startup „keep it grün“ sowie dem Gemeinschaftsgarten „Hof Bergmann“.

Sabrina von der Heide & Marie Holler, Netzwerk Blühende Landschaft


Biene sitzend auf Blüte
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