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Das Blog zur Zeitschrift »Biene Mensch Natur«

»Biene Mensch Natur« Blog

Mehrjährige Blühmischung im Rahmen einer Agrarumweltmaßnahme im 1. Jahr der Ansaat Foto: Utto Baumgartner

Agrarumweltprogramme für Landwirte zur Förderung einer blühenden Landschaft

Landwirte haben viele Möglichkeiten, die Honigbiene – und natürlich auch andere wildlebende Insekten – zu fördern. Sie können gezielt Trachtpflanzen in ihre Fruchtfolgen einbauen, also Pflanzen, die Nektar oder Pollen – oder am besten beides – spenden. Die wichtigste Devise auf Feldern und Wiesen heißt: Viele blühende Pflanzen so lange wie möglich! Blütenbestäuber brauchen während der gesamten Vegetationszeit Nektar und Pollen.

Seit nun endlich mit mehr als einjähriger Verspätung die Gremien der Europäischen Union und die Mitgliedsstaaten die Neuauflage der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die bis 2020 laufende Förderperiode festgelegt haben, haben die Bundesländer in den letzten Monaten die sogenannten EU-kofinanzierten Agrarumweltprogramme (AUM) neu festgelegt. Die AUM, welche Landwirten den Mehraufwand für ökologische Leistungen zum Schutz und zur Entwicklung von Boden, Wasser, Luft, Landschaftsbild und Biodiversität vergüten, werden als freiwillige Maßnahme neben den für Landwirte verpflichtenden Greening-Maßnahmen angeboten. Im Folgenden werden aus Sicht des NBL die für Blütenbesucher wichtigsten Förderprogramme kurz benannt. Für detaillierte Auskünfte sollten Landwirte sich jedoch an die Landwirtschaftsämter ihres Kreises wenden. Generell gilt, dass sich die Prämien seit der letzten Förderperiode deutlich erhöht haben. Für einige Länder (TH, BB, SH) lagen uns noch keine aktuellen Informationen vor; in Kürze wird allerdings eine vollständige tabellarische Übersicht der Agrarumweltprogramme aller Länder auf der Homepage des NBL erscheinen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Förderung im Ackerbau

Anbau von Zwischenfrüchten: Diese Maßnahme ist äußerst wirkungsvoll für die Nahrungsversorgung im Spätsommer. Nach der Ernte von Getreide oder Raps werden die Zwischenfrüchte möglichst früh nach Abernten der Hauptfrucht gesät. Statt Reinsaaten sind Fruchtgemische aus Senf, Ölrettich, Phacelia, Buchweizen, Kleearten und Wicken sinnvoll. Die Förderprogramme machen hier teilweise keine Vorschriften, der Experimentierfreude sind also keine Grenzen gesetzt. Länder, die diese Maßnahme fördern: BW, BY, HE, NI, NW, RP, SL, SN, ST; Fördersätze bis max. 160 €/ha (HE).

Anlage von ein- und mehrjährigen Blühflächen/-streifen: Diese Maßnahme dient speziell der Förderung von Blüten besuchenden Insekten sowie anderen Nützlingen bzw. Wildtieren über die gesamte Saison hinweg. Je nach Bundesland variiert der Anteil an gebietsheimischem Wildpflanzensaatgut in der Mischung, häufig sind bestimmte Artenzusammensetzungen vorgeschrieben. Eine Vorgabe zur Verwendung von gebietsheimischem Saatgut besteht in BY, HE, NI, ST, SN, TH und in RP (überwiegend). Generell gilt, dass mehrjährige Streifen größeren ökologischen Wert haben, da sie einen höheren Wildpflanzenanteil enthalten und damit besonders für Wildbienen und Schmetterlinge als Lebensraum interessant sind. Länder, die diese Maßnahme fördern: BW, BY, HE, MV, NI, NW, RP, SL, SN, ST. Bei der Förderung von einjährigen Mischungen ist RP Vorreiter mit bis 1000 €/ha, bei mehrjährigen Flächen in NI bis max. 875 €/ha. BW fördert nur einjährige und überjährige Blühstreifen.

Förderung im Grünland

Extensive Grünlandnutzung: Bunt blühende Wiesen und Weiden sind heute in vielen Regionen eine Seltenheit. Deshalb werden Landwirte für die extensive Nutzung von Grünland in allen Bundesländern unterstützt. Die Förderprogramme sind sehr detailliert und regional unterschiedlich. Differenziert wird z. B. nach Vorkommen von bestimmten Pflanzenarten, Schnittzeitpunkten, Heu- oder Silagegewinnung, Düngung, Viehbesatz, tierschonende Mahdtechnik (Messerbalken), nach Gebietskulissen und gesetzlichem Schutzstatus. Länder, die diese Maßnahme fördern: BW, BY, HE, MV, NI, NW, RP, SL, SN, ST. Der Basissatz liegt zwischen 100 €/ha (NW) und 190 €/ha (HE); für die Erfüllung weiterer Auflagen (s.o.) und bei Bewirtschaftung von Sonderstandorten erhöhen sich die Prämien z.T. deutlich.

Einführung und Beibehaltung ökologischer Landbau

Die ökologische Bewirtschaftungsform schreibt einen Verzicht auf Mineraldünger und Pestizide vor und erzielt ihre Erträge durch gezielte Nützlingsförderung, Förderung der Bodenfruchtbarkeit und eine ausgeklügelte vielfältige Fruchtfolge. Dies führt automatisch zu mehr Artenreichtum auf der landwirtschaftlichen Fläche und deswegen wird Ökolandbau inzwischen in allen Ländern gefördert. Die Fördersätze für Umstellung im Ackerland/Grünland liegen zwischen 210 €/ha (MV, BB) und 400 €/ha (NW). Es ist auffällig, dass Länder mit hohem Anteil agrarindustrieller Betriebe, wie BB und MV, den Umstieg verhältnismäßig wenig subventionieren.

Die detaillierten Vertragsbedingungen bzw. weitere Maßnahmen können auf den Internetseiten der Länder eingesehen werden. Viele Bundesländer bieten also zahlreiche und attraktive Möglichkeiten zur Gestaltung einer blühenden Land(wirt)schaft. Leider werden diese Programme noch zu wenig genutzt. Oft liegt es an einem hohen bürokratischen Aufwand und auch daran, dass die Landwirte die umfangreichen Förderprogramme mit ihren laufenden Veränderungen nicht mehr überschauen können. Wenn wir unseren Nachbarlandwirten die Augen öffnen für den Wert und die Bedeutung der Blütenbesucher und ihnen gleichzeitig kompetent Auskunft geben können über Förder- und Beratungsmöglichkeiten, so sind Erfolge zu erreichen.

Detaillierte technische Informationen über die Anlage von Zwischenfrüchten, Ansaaten von Blühmischungen, insektenfreundliche Grünlandnutzung und vieles andere mehr findet sich im NBL-Handbuch „Wege zu einer blühenden Landschaft“, die ebenso wie viele andere Informationen beim Netzwerk Blühende Landschaft bestellt werden können.

Merkblätter und weitere interessante Informationen stehen auch im Internet bereit: www.bluehende-landschaft.de.

NBL-Team

Dieser Artikel stammt aus:

Biene Mensch Natur
Nr. 28 • Frühjahr/Sommer 2015

Cover 0 Download (pdf, 2,2 MB)

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