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Leindotter bietet reichlich Nektar und Pollen für Bienen, Hummeln & Co. Foto: Patric Bies

Leindotter - gut für BieneMenschNatur

Die Leindotter-Initiative stellt sich erstmalig auf den Öko-Feldtagen vor.

Rund 8000 Besucher kamen trotz sommerlich heißer Temperaturen zu den ersten bundesweiten Öko-Feldtagen am 21./22. Juni 2017 auf die Domäne Frankenhausen bei Kassel. Dort konnten sie die Innovationskraft und Vielfalt der ökologischen Landwirtschaft hautnah erleben. Über 280 Aussteller (Unternehmen, Verbände und Organisationen) zeigten, was sie für den Ökoanbau zu bieten haben. Hauptanliegen der Veranstalter war es, den Ökolandbau zu stärken und landwirtschaftlichen Erzeugern eine Plattform zur Begegnung und zum Austausch zu bieten. Abgerundet wurden die Öko-Feldtage durch ein vielfältiges fachliches und kulturelles Rahmenprogramm mit Vorführungen, Demonstrationsparzellen, Impulsvorträgen, Sonderschauen und musikalischen Beiträgen.
„Öko-Feldtage 2017 – Rundum gelungener Start“ – dieser Slogan trifft nicht nur auf Öko-Feldtage zu, sondern auch auf den ersten öffentlichen Auftritt der Leindotter-Initiative.

Besucher informierten sich auf den Öko-Feldtagen über die noch relativ unbekannte Leindotter-PflanzeFoto: Barbara Heydenreich 16 Unternehmen, Organisationen und Vereine haben sich seit Oktober 2014 zusammengeschlossen und im Februar 2017 das Projekt „Leindotter-Initiative“ ins Leben gerufen. Ziel der Netzwerk-Initiative ist es, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, um Varietäten, Sortenzüchtung, Anbau und Vermarktung der alten Kulturpflanze Leindotter voranzubringen. So soll Nahrungsraum für Blütenbesucher geschaffen und unsere intensive Agrarlandschaft aufgewertet werden.
Der Stand der Leindotter-Initiative war gut besucht. Ein „Hingucker“ war die Demonstrationsölmühle, aus der beständig frisch gepresstes, schmackhaftes Leindotter-Öl zur Verkostung tropfte und eiweißreicher Leindotter-Presskuchen herausgedrückt wurde. Das Spektrum der Besucher war sehr vielfältig! Jung und Alt, Verbraucher, Landwirte, Studierende, Ölmüller u.a. aus Deutschland, Österreich und sogar Litauen und China informierten sich über die Öl- und Eiweißpflanze Leindotter. 5 Vertreter der Leindotter-Initiative nämlich Thomas Kaiser (Ludwig-Bölkow-Stiftung), Patric Bies (Bliesgauer Ölmühlen), Anne Fröhlich (Bundesverband Dezentraler Ölmühlen), Holger Loritz und Barbara Heydenreich (Netzwerk Blühende Landschaft) beantworteten die verschiedensten Fragen der Besucher am Infostand. Nachgefragt wurden Hinweise zur Pflanze, Saatgutquellen, dem Anbau in Rein- oder Mischanbau, zur Ernte der Mischkultur, zur Trennung des Erntegutes bei Mischkultur, zur Lagerung und zu regionalen Abnehmern und Ölmühlen.

Der gelbblühende, einjährige Leindotter eignet sich sowohl für den konventionellen als auch den ökologischen Anbau. Der Kreuzblütler ist relativ anspruchslos und hat Standortvorteile auf trockenen Böden, zudem zeigt er die positive Eigenart sich im Mischanbau an die Hauptfrucht anzupassen und als „Kavalierspflanze“ zu dienen. Aufgrund der kurzen Vegetationsperiode von ca. 120 Tagen eignet sich der Leindotter auch gut als Zwischenfrucht. Dazu kommen ökologische Vorteile der Pflanze durch die rasche Bodendeckung, die das Aufkommen anderer Beikräuter unterdrückt und das Nahrungsangebot für Blüten besuchende Insekten in der Zeit der sommerlichen Trachtlücke. Die Schoten sind relativ platzfest und reifen gleichmäßig ab, auch daher ist die Pflanze ein geeigneter Gemengepartner für den Mischfruchtanbau (z.B. Hafer, Gerste, Erbse, Linse. Besonders das Fettsäuremuster des Öls mit seinem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und die Aminosäuren-Zusammensetzung des Presskuchens machen Samen und Öl für Mensch und Tier zu einem wertvollen Nahrungsmittel.

Die Pflanze bietet viele ökologische Vorteile wie die rasche Bodendeckung, die das Aufkommen anderer Beikräuter unterdrückt und das Nahrungsangebot für Blüten besuchende Insekten in der Zeit der sommerlichen Trachtlücke.

Leindotter eignet sich sehr gut als Unterssat in Getreide.Foto: Barbara Heydenreich Etlichen Besuchern war Leindotter (im Gegensatz zu blau blühenden Öllein), noch nicht bekannt. Einige Landwirte hatten schon erste positive Erfahrungen mit dem Anbau von Leindotter gemacht. Auffallend war, dass einige der Öko-Landwirte nach neuen Kulturen zur Auflockerung ihrer Fruchtfolge suchten. Auch Personen aus der Forschung und Züchtung, sowie des Kuratiorum für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft hatten Fragen zum Leindotter.
Die Leindotter-Initiative hatte auch Gelegenheit sich im Rahmen des geführten Rundgangs „Landwirtschaft pro Natur“, der insgesamt 6 Mal stattfand vorzustellen. Anhand konkreter Beispiele auf den Anbauflächen der Domäne Frankenhausen wurde aufgezeigt, wie die Artenvielfalt in der Landwirtschaft gefördert werden kann. Der Leindotter ist dabei eine Kultur, die das Blütenangebot für Honig- und Wildbienen in der Trachtfolge nach dem Raps auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen erweitern kann.

Wer die Pflanze noch nie gesehen hatte, konnte sich auf den Demonstrationsflächen der Arbeitsgemeinschaft biologisch-dynamische Getreidezüchtung zwei Parzellen mit Leindotter- Weißhafer bzw. Leindotter- Gelbhafer-Mischfruchtanbau ansehen. Dr. Ben Schmehe, ebenfalls Partner der Leindotter-Initiative und Züchter der AG hatte die Parzellen als Sommerung angelegt und stand als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Leindotter-Initiative stieß auf reges Interesse und wird sich im Herbst 2017 treffen um die nächsten Schritte festzulegen und umzusetzen.
Weitere Informationen gibt es bei der Ludwig-Bölkow-Stiftung

Über den Autor
Autor Holger Loritz

Leiter Netzwerk Blühende Landschaft

"Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Winde geweht,..." (Hermann Hesse)

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